MEGA digital  

Historisch-kritische Marx-Engels-Ausgabe in neuer Form 

In: junge Welt online vom 09.11.2015 

 

 Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) hat am 30. Oktober das Akademienprogramm für das Jahr 2016 verabschiedet. Es wird von der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften durchgeführt und sieht u.a. 

die Fertigstellung der Marx-Engels-Gesamtausgabe (MEGA) »in neukonzipierter, den Rezeptionsgewohnheiten des 21. Jahrhunderts entsprechender Form« vor: Ein Großteil der noch ausstehenden Editionen von Werken, Artikeln und Entwürfen von Karl Marx und Friedrich Engels wird künftig digital erscheinen. 

 Die noch nicht als Printausgabe im Rahmen der MEGA publizierten »Werke« (Abteilung I) sollen allerdings noch im bisherigen Rahmen gedruckt in zehn Bänden herauskommen, darunter das 2013 von der UNESCO zum Weltdokumentenerbe erklärte »Kommunistische Manifest« sowie Engels’ erstmals 1845 veröffentlichte Studie »Die Lage der arbeitenden Klasse in England«. Von den noch unveröffentlichten Manuskripten und Exzerptheften werden, wie es in einer Pressemitteilung der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW), an der die MEGA maßgeblich ediert wird, vom 30. Oktober heißt, nur noch die wichtigsten Arbeiten – die ökonomischen »Krisenhefte«, die Exzerpte zur Agrochemie und die Londoner Hefte – in Buchform erscheinen. Die übrigen publizistischen Werke, weitere Teile des Nachlasses sowie die Korrespondenz von Marx und Engels mit mehr als 2.000 Briefpartnern aus verschiedenen Weltgegenden werden ausschließlich digital angeboten: »Die Aufarbeitung der Korrespondenz z.B. wird erstmalig einen Einblick in die Netzwerke der europäischen Emigranten und Oppositionsbewegungen ermöglichen. Der zum überwiegenden Teil aus Exzerptheften und Notizbüchern von Marx bestehende Nachlass an unveröffentlichten Manuskripten wird Einblicke in bisher unbekannte Arbeitsgebiete eröffnen, insbesondere in seine naturwissenschaftlichen Studien.« Das von dem an der Berliner Humboldt-Universtität lehrenden Politikwissenschaftler und Geostrategen Herfried Münkler beantragte Projekt hat eine Laufzeit von 16 Jahren. 

 Die ursprünglich auf etwa 100 Bände angelegte historisch-kritische Ausgabe wurde am Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der KPdSU begonnen und seit 1974 gemeinsam mit dem Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED fortgeführt. Die Neuausrichtung nach 1990 lief im Kern auf eine Akademisierung und Entpolitisierung der Edition hinaus. Es gehe um »ein neues, entideologisiertes und historisiertes Marx-Engels-Verständnis«, wie es in der jüngsten BBAW-Pressemitteilung heißt. Außerdem wurden 1993 neue Editionsrichtlinien beschlossen, die u.a. zu einer Verringerung der Anzahl der geplanten Bände führten. Die jetzigen Editoren halten dennoch an dem Anspruch fest, das Gesamtwerk der Begründer des wissenschaftlichen Kommunismus vollständig, originalgetreu und in seiner Entwicklung darzubieten. (jW) 

 mega.bbaw.de/projektbeschreibung 

  

 

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