In der »Knochenmühle«

Vor 100 Jahren begann die Schlacht um Verdun. Sie ist bis heute Sinnbild für den verbrecherischen Charakter des imperialistischen Krieges  

Martin Seckendorf 

In: junge Welt online vom 20.02.2016 

  

 Im Herbst 1915 fanden innerhalb der deutschen Führung intensive Diskussionen über die weitere Kriegführung statt. Die nach dem Scheitern der Blitzkriegsdoktrin an der Marne (siehe jW-Thema vom 5.9.2014) gebildete zweite Oberste Heeresleitung unter Erich von Falkenhayn konnte auf den ersten Blick eine befriedigende Bilanz vorlegen. Die Umstellung der Kriegswirtschaft und der Ersatzgestellung für das Militär auf einen ursprünglich so nicht vorgesehenen längeren Krieg unter den Bedingungen der britischen Seeblockade war gelungen. Die Industrie lieferte größere Mengen an Pulver und modernen Waffen.  

  Auch die Lage an den Fronten schien günstig. Zwar mussten seit Herbst 1914 alle Versuche, taktische Durchbrüche durch die gut ausgebauten Stellungen zu erzielen, unter großen Verlusten bald wieder eingestellt werden. Da das aber auch für die gegnerische Triple-Entente von Frankreich, Russland und Großbritannien galt, konnte das zahlenmäßig schwächere kaiserliche Heer die Front im Westen halten. Dadurch war es dem deutschen Imperialismus möglich, wirtschaftlich wertvolle Gebiete in Frankreich und fast ganz Belgien weiterhin auszubeuten. Außerdem schuf der seit Februar 1915 geführte härtere U-Boot-Krieg den Briten beträchtliche Probleme (siehe jW-Geschichte vom 21.2.2015).  

  An der Ostfront zwang eine dichte Abfolge deutscher Offensiven das russische Heer, mehr als 200 Kilometer nach Osten auszuweichen. Die Front verlief Ende 1915 etwa auf einer Linie von Riga bis zur rumänischen Grenze. Im September war es dem deutschen Imperialismus gelungen, Bulgarien auf seine Seite zu ziehen und für einen Krieg gegen Serbien zu gewinnen, in dessen Verlauf die serbische Armee vernichtet wurde. Der Landweg an den Bosporus war geöffnet, und der Bündnispartner Türkei konnte unterstützt werden. Die Schwarzmeerzugänge blieben für die Entente gesperrt (siehe jW-Geschichte vom 5.9.2015).  

  Illusionärer Militärplan für 1916   Negativ für das Deutsche Reich schlug zu Buche, dass Italien im April in das Lager der Entente eintrat. 

Für die Beurteilung entscheidend war jedoch, dass der deutsche Imperialismus auch 1915 keine Entscheidung erzwingen konnte. Das Ende des Krieges war nicht abzusehen.  

  In den Beratungen im Dezember 1915 ging es darum, einen Feldzugsplan für 1916 festzulegen. Innerhalb der deutschen Führung entbrannten heftige Auseinandersetzungen darüber, wo der Schwerpunkt der Kampfhandlungen liegen sollte, um 1916 die Entente zu zerschlagen und einen »Siegfrieden« zu erzwingen. Die Gruppe um den Oberbefehlshaber der deutschen Truppen im Osten, Paul von Hindenburg, und seinen Stabschef Erich Ludendorff wollte den Schwerpunkt an die Ostfront verlegen. Man werde mit dem durch Zuführungen von der Westfront verstärkten deutschen Ostheer die russische Armee in einer gewaltigen Vernichtungsschlacht entscheidend schlagen, so ihr tollkühner Plan. Russland sei dann gezwungen, um Frieden zu bitten und aus der Entente auszuscheren.  

  Die Offiziersgruppe und ihre mächtigen Hintermänner aus der Industrie und Großlandwirtschaft waren der Auffassung, es wäre anschließend auch möglich, die wahnwitzigen Pläne zur Errichtung eines deutschen Ostimperiums bis nahe an Moskau heran zu verwirklichen. Selbst der, was die Annexionsforderungen betraf, als gemäßigt geltende Reichskanzler unterstützte solche Vorstellungen. Schon im August 1915 forderte Theobald von Bethmann Hollweg in einem Brief an den Kaiser die »Zurückdrängung des Moskowiterreiches nach Osten unter Absplitterung seiner westlichen Landesteile«.  

  Umfassendere Vorstellungen entwickelte von Falkenhayn. Ausgangspunkt seiner Überlegungen war, dass die Zeit gegen die Mittelmächte arbeite. 

Deshalb müsse bald eine Kriegsentscheidung fallen, denn, so schrieb er, »den Gegnern strömen aus ihrer Überlegenheit an Menschen und Material erheblich mehr Kräfte zu als uns«. Außerdem verwies der Generalstabschef angesichts der zunehmenden Kriegsmüdigkeit des Volkes und der erhöhten Kampfbereitschaft der Arbeiterbewegung auf mögliche innenpolitische »soziale und politische Krisen« für den Fall einer längeren Kriegsdauer. »Das Vermögen zum Durchhalten ist bei unseren Verbündeten begrenzt, das unserige immerhin nicht unbeschränkt«, meinte er.  

  Seine zentrale Aussage war: England ist Hauptgegner, der »Erzfeind«. 

Von Falkenhayns Plan für 1916 enthielt drei Schwerpunkte: Um Großbritannien zu schwächen, müsse ein uneingeschränkter U-Boot-Krieg geführt werden. Er vertraute den aberwitzigen Prognosen der Marineleitung, die Blockade durch Unterseeboote werde London innerhalb eines halben Jahres, spätestens jedoch Ende 1916, zum Einlenken zwingen. Den Einwand besonnener Kreise, dies werde die USA in den Krieg hineinziehen, wischte von Falkenhayn mit dem abenteuerlichen Argument beiseite, der Erfolg gegen Großbritannien und damit der Sieg trete ein, bevor die USA in Europa militärisch wirksam würden.  

  Außerdem verlangte er die Bildung eines deutsch geführten Bündnissystems als Gegengewicht zu England, das politisch und territorial weit über die bis dahin diskutierten wirtschaftlich akzentuierten Mitteleuropaplanungen hinausging. Schon Ende August 1915 hatte er Bethmann Hollweg ultimativ die Schaffung »langfristiger (…) Schutz- und Trutzbündnisse« – also eines von Deutschland beherrschten Militärpakts – mit Verbündeten und neutralen Ländern wie Schweden, der Schweiz und Griechenland gefordert, »um dadurch die Hoffnung Englands, uns (…) zu erschöpfen, zunichte zu machen«.  

  Drittens müssten Russland und Frankreich militärisch ausgeschaltet werden. Dann, so schrieb von Falkenhayn, stehe »uns England allein gegenüber« und könne den Waffengang gegen Deutschland nicht weiterführen. Für einen Vernichtungsschlag gegen Russland würden die Reserven nicht ausreichen. Erfolgversprechender sei, das durch lange Kriegsdauer und den Verlust wertvoller Gebiete schwer geschädigte Frankreich entscheidend zu treffen. Mit der Vernichtung oder deutlichen Schwächung der französischen Armee, so der Generalstabschef, wäre »England sein bestes Schwert aus der Hand geschlagen«, Britannien müsste nachgeben. Die Entente wäre aufgelöst.  

  Diese hochspekulativen Auffassungen wurden von starken Kräften des Großkapitals geteilt. Walther Rathenau, mächtiger Industrie- und Bankmonopolist, der 1914 (im Bunde mit von Falkenhayn) die Umstellung der deutschen Wirtschaft auf einen längeren Krieg zu verantworten hatte (siehe jW-Thema vom 15.10.2014), forderte am 30. August 1915 in einem Brief an den Reichskanzler einen »Durchbruch im Westen«. Der sei »der Schlüssel der gesamten Situation« und führe zu einem Separatfrieden mit Frankreich, »den England dulden« werde. Dann sei ein Arrangement mit Russland möglich und »die Entente zerrissen«.  

  Von Falkenhayn setzte sich mit seinen Vorstellungen durch. Für die Entscheidungsschlacht wählte er das Gebiet um Verdun. Dort reichte die Front in einem Bogen nach Nordosten in das von deutschen Truppen besetzte Gebiet hinein. Die Großfestungsanlage bildete seit 1871 einen Eckpfeiler in dem französischen Fortifikationssystem zwischen der belgischen und Schweizer Grenze.  

  Mörderische Neuerungen   Die gesamte Westfront war seit Ende 1914 auf einer Länge von 2.000 Kilometern im Stellungskrieg erstarrt (siehe jW-Thema vom 16.10.2014). Beide Seiten suchten nach Methoden für einen taktischen Durchbruch durch die ausgeklügelten Befestigungen, der in die operative Tiefe weiterentwickelt werden konnte. Ein erfolgversprechender Weg schien der Einsatz von Giftgas. Das von den Deutschen im April 1915 bei Ypern zum ersten Male in großem Maßstab angewandte Blasverfahren erwies sich als unsicher. Deshalb wurde in den folgenden Schlachten Gas, darunter auch der Lungenkampfstoff Diphosgen, mit Granaten verschossen. Bei Verdun gingen 1916 mehr als 100.000 deutsche Gasgeschosse auf die französischen Stellungen nieder. Der deutsche Generalstab versuchte ab 1915 mit mäßigem Erfolg, auch in die biologische Kriegführung mit der Verbreitung der Pferdekrankheit Rotz und dem bis heute gefürchteten Milzbranderreger Bacillus anthracis einzusteigen.  

  Neu waren auch die seit 1915 aufgestellten deutschen Sturmeinheiten. 

Kleinere Kampfgruppen sollten, ausgerüstet mit Pioniergerät und den immer häufiger verwendeten Flammenwerfern, die gefürchteten Maschinengewehrnester ausschalten sowie die erste Linie des Gegners erstürmen und bis zum Eintreffen der Hauptkräfte halten. Das waren ausgesprochene »Himmelfahrtskommandos«. Schon in den ersten Minuten des Sturmangriffs wurde die Mehrzahl der beteiligten Soldaten getötet. Die dezimierten Einheiten wurden durch neue Kämpfer aufgefüllt, die ebenso schnell umkamen.  

  Eine fürchterliche, das spätere Bild vom Ersten Weltkrieg prägende »menschenfressende« Neuerung, war die Anwendung des Trommelfeuers ab Ende 1915. Dabei feuerte die gesamte Artillerie in schneller Schussfolge ununterbrochen auf einen relativ kleinen Abschnitt der gegnerischen Stellungen. Die Kanonade dauerte meist mehrere Stunden, wie bei Beginn des deutschen Angriffs auf Verdun im Februar 1916, oder noch länger, wie bei der britischen Offensive in der Picardie an der Somme im Juni 1916. Dort schossen die Engländer eine Woche lang ununterbrochen Trommelfeuer. Sie verbrauchten dabei etwa 1,5 Millionen Granaten. Der Begriff »Materialschlachten« bürgerte sich ein. Die deutschen Stellungen wurden regelrecht umgepflügt. Der Beschuss war nicht gegen Einzelziele gerichtet, sondern auf Flächenwirkung bedacht und sollte vor allem die Moral der Soldaten zerrütten. Die Folge waren nicht nur Hunderttausende toter bzw. 

körperlich verletzter Soldaten. Zehntausende erlitten schwerwiegende Neurosen. In Deutschland nannte man sie verächtlich Kriegszitterer. Sie erhielten, da sie nicht in das offizielle Heldenbild passten, nach 1918 nur minimale Renten und waren in »Anstalten« gewissenlosen Psychiatern, die sich zur Elite der deutschen Medizin rechneten, und deren qualvollen Therapien ausgeliefert. In der Nazizeit wurden sie zu Tausenden im Rahmen des »Euthanasieprogramms« ermordet.  

  Die »Neuerungen« brachten beiden Seiten gewaltige Menschenverluste und im günstigsten Falle einige Quadratkilometer Landgewinn, der in aller Regel beim nächsten Sturmangriff des Gegners wieder verlorenging. Ein Durchbruch wurde im Westen jedoch nicht erreicht.  

  Ausblutungsstrategie   Für die Schlacht bei Verdun hatte sich von Falkenhayn ein besonderes Verfahren ausgedacht: Auf einem schmalen Streifen von etwas mehr als zehn Kilometern Breite sollten östlich der Maas sechs Divisionen angreifen und einen Keil in südlicher Richtung auf Verdun vortreiben. Von Falkenhayn glaubte, dass die Franzosen unter keinen Umständen einen Fall der Festung hinnehmen und »auch den letzten Mann«, wie er schrieb, für die Verteidigung einsetzen. Ihre Verluste würden ins unermessliche steigen. Natürlich werde auch eine große Anzahl deutscher Soldaten sterben. Doch die Verluste würden auf französischer Seite, da unmittelbar der Wirkung der angeblich überlegenen deutschen Waffen ausgesetzt, deutlich höher als jene der Deutschen sein. Nach seiner Meinung erreiche man mit dieser Methode nach einer gewissen Zeit einen Punkt, an dem die französische Armee »weißgeblutet« sei. Dann wäre die weitere Zuführung von Soldaten von der Militärführung auch politisch nicht mehr durchsetzbar. Frankreich müsste den Kampf einstellen. London hätte sein schärfstes Schwert auf dem Festland verloren und werde seine Truppen aus Frankreich abziehen. Russland und Italien, auf sich allein gestellt, müssten ebenfalls den Kampf beenden. Die Entente wäre zerfallen, so die Spekulation von Falkenhayns. Es ging der deutschen Führung also um die Kapitulation Frankreichs, für die Tausende und Abertausende geopfert werden sollten. Als Alternative erhoffte sich von Falkenhayn, dass die französische Armeeführung, um die Front bei Verdun zu halten, einen anderen Abschnitt von Truppen derart entblößen würde, dass ein deutscher Durchbruch an dieser Stelle möglich wäre.  

  Von Gewicht für den Ausgang der Schlacht von Verdun war, dass die Entente Anfang Dezember 1915 beschlossen hatte, im Sommer 1916 die Kriegsentscheidung an der Somme zu suchen. Außerdem sollten bei Offensiven der Mittelmächte Entlastungsangriffe an anderen Fronten durchgeführt werden. Für Falkenhayn, der die Festlegungen nicht kannte, bedeutete dies, dass er mehrfach große Verbände aus der Front bei Verdun abziehen musste, um die Lage an anderen Abschnitten zu stabilisieren. Wegen der zahlenmäßigen Stärke der Entente-Truppen ergab sich dadurch an keiner anderen Stelle die Möglichkeit für den als Alternative gedachten Durchbruch.  

  Am 21. Februar 1916 eröffnete die 5. deutsche Armee mit starkem Artilleriebeschuss, der in stundenlanges Trommelfeuer überging, die Schlacht um Verdun. Nach anfänglichen Erfolgen versteifte sich der französische Widerstand. Erst nach fünftägigen verlustreichen Kämpfen wurden das stark zerstörte Fort und der Ort Douaumont erreicht. Der weitere Vormarsch auf Verdun kam ins Stocken. Starke Artilleriegruppen am Westufer der Maas nahmen die deutsche Stoßgruppierung unter halbflankierendes Feuer. Jetzt machte sich die fehlerhafte operativ-taktische Konzeption der deutschen Führung für die Schlacht bemerkbar. In Überschätzung der eigenen Kräfte wurde nur auf dem rechten Ufer des Flusses angegriffen. Auf Attacken gegen die Artilleriestellungen auf dem linken, westlichen Maasufer glaubte man verzichten zu können. Erst ab März wurden auch diese inzwischen stark befestigten Anlagen angegriffen. Insbesondere die mörderischen Gefechte im April/Mai um die Hügel »Toter Mann« und »Höhe 304«, die auf beiden Seiten Zehntausende Tote forderten, führten dazu, dass schon Zeitgenossen die Schlacht als »Blutpumpe«, »Knochenmühle« oder als »Hölle von Verdun« bezeichneten. In einem letzten Aufbäumen gelang den Deutschen bis Ende Juni/Anfang Juli auf dem Ostufer der Maas ein weiterer geringfügiger Geländegewinn. Vier Kilometer vor Verdun blieb der Angriff stecken. 

Insgesamt konnte die kaiserliche Armee die Front nur um etwa zehn Kilometer eindrücken. Die Offensive musste eingestellt werden, auch weil die deutsche Seite keine Reserven für neue Angriffe hatte, die »Blutpumpe« keinen Nachschub erhielt.  

  Am 4. Juni begann für die Mittelmächte unerwartet eine Großoffensive der russischen Truppen am südlichen Abschnitt der Ostfront. Sie brachte die österreichisch-ungarische Armee ins Wanken und gefährdete den Bestand der Donaumonarchie. Starke Verbände mussten aus der Verdun-Front herausgelöst werden, um die Lage in Galizien zu stabilisieren. Am 24. Juni eröffnete die Entente die geplante Großoffensive an der Somme, die sich zu der für beide Seiten blutigsten Schlacht im Krieg ausweitete. Auch für diese Front mussten in großem Umfange Truppen von Verdun abgezogen werden. 

  Führungskrise im Deutschen Reich   An der Maas gingen die deutschen Einheiten zur Defensive über. Die Franzosen wurden zwar offensiver, sie konnten jedoch in nur geringem Ausmaß den Geländegewinn des Gegners rückgängig machen. Im Dezember 1916 erstarrte vor Verdun die Front wieder im Stellungskrieg. Die Strategie Berlins war gescheitert. Nicht nur die französischen Streitkräfte bluteten aus, sondern in gleichem Maße auch die deutsche Armee. Von Falkenhayn hatte mit einer Verlustquote von 2:5 zugunsten des Kaiserreichs gerechnet. Die zynische Kalkulation besagte: Auf zwei getötete deutsche Soldaten sollten fünf französische kommen. 

Schätzungen gehen heute davon aus, dass Verluste im Verhältnis 1,1 zu 1 für Deutschland eintraten. Vor Verdun starben bis zum August 1916 auf beiden Seiten etwa 320.000 Soldaten. Die deutsche »Ausblutungsstrategie« verursachte menschliche Opfer in einem bis dahin beispiellosen Ausmaß, ohne einen militärischen Erfolg zu erreichen.  

  Infolge des Massensterbens an der Front und einer sich abzeichnenden Versorgungskrise, die als »Steckrübenwinter« in die Geschichte einging, erhielten Pazifisten und linke Kräfte um Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht starken Zulauf. Burgfriedenspolitiker in Sozialdemokratie und Gewerkschaften verloren zunehmend an Einfluss. Die innenpolitische Lage verschärfte sich.  

  Hinzu kam ein gravierender außenpolitischer Rückschlag: Die Herrschenden in Rumänien nahmen die Erfolge der russischen Truppen zum Anlass, im August 1916 an die Seite der Entente zu treten. Da sich die Lage in Deutschland ohne die rumänischen Lieferungen von Lebensmitteln und Mineralöl weiter zu verschlechtern drohte, entschloss sich die Oberste Heeresleitung, Rumänien militärisch zu unterwerfen.  

  Das deutsche Herrschaftssystem geriet in eine tiefe Führungskrise. 

Falkenhayn musste seinen Posten räumen. Bethmann Hollweg urteilte über ihn, er habe Deutschland an den Rand des Abgrundes geführt. Im August 1916 wurde das Duo Hindenburg/Ludendorff als dritte Oberste Heeresleitung eingesetzt. Die beiden Militärs, wegen einer glücklich gewonnenen Schlacht im August 1914 in Ostpreußen von der Propaganda zu Nationalhelden stilisiert, galten den Herrschenden als Hoffnungsträger für einen trotz aller Misslichkeiten doch noch zu erreichenden »Siegfrieden«. Das bürgerlich-liberale Berliner Tageblatt nannte Hindenburg am 30. August 1916 »unseren Nationalheros«, dessen Ernennung zum Generalstabschef mit »frohester Zuversicht« von allen Deutschen begrüßt werde. Man erwartete, dass »ein Ruck« durch das kriegsmüde Volk gehe. Mit einer bis dahin unbekannten Machtfülle ausgestattet, gingen Hindenburg und Ludendorff daran, im Innern wie an der Front den »totalen Krieg« zu organisieren.  

  Aber auch 1916 konnte keine der beiden Seiten eine Entscheidung herbeiführen. Doch die Mittelmächte hatten menschliche Verluste erlitten, die sie kaum wieder ausgleichen konnten. Sie gingen deutlich geschwächte in das schicksalhafte Kriegsjahr 1917. Nach Verdun hatte sich das Kräfteverhältnis deutlich zugunsten der Entente verändert.  

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