In Erinnerung an die Gründung der Jungen Pioniere in der DDR 

 

Eine Pionierin erinnert sich: 

„Seid Bereit! Immer Bereit!" 

Seid Bereit! Immer Bereit! Das war der Gruß der Mitglieder der am 13. Dezember 1948 in der sowjetischen Besatzungszone gegründeten Pionierorganisation. In ihr waren die Schüler der 1. bis 7. Klasse organisiert. 1952 erhielt die Organisation den Ehrennamen „Ernst Thälmann". In Erinnerung an den von den Faschisten ermordeten großen Arbeiterführer und aufrechten Kommunisten. Jeder Pionier war stolz, den Namen Ernst Thälmanns zu tragen. Ich weiß wovon ich spreche, war ich es doch auch. Viele, viele schöne Erinnerungen knüpfen sich an diese Zeit. 

Auch später, als ich bereits Lehrerin und verantwortlich für die Pioniernachmittage war, waren es für meine Schüler und mich interessante und erlebnisreiche Stunden. Ich schloß auch die Kinder, die aus religiösen Gründen nicht Pionier werden durften, nicht von den Pioniernachmittagen aus. Hier möchte ich darauf hinweisen, daß es eine Entscheidung der Eltern war, wenn die Kinder nicht in die Pionierorganisation eintreten durften, keinesfalls eine Entscheidung der Schule oder des Pionierleiters. Uns war jedes Kind willkommen! 

Die Aufgabe der Pionierorganisation war es, die Kinder zur Völkerfreundschaft, für Frieden und Sozialismus zu erziehen. In der 1. Klasse wurden die Schüler Jungpioniere, legten ein Pionierversprechen ab und erhielten das blaue Halstuch. 

Ab der 4. Klasse sprachen die Pioniere ein Gelöbnis, wurden Thälmannpioniere und erhielten ein rotes Halstuch. Erich Honecker hatte dieses am 10.12. 1973 der Pionierorganisation im Rahmen einer Festveranstaltung verliehen. Die Pioniere trugen zu feierlichen Anlässen eine weiße Bluse – ich habe die meiner Kinder immer noch – mit dem Pionierabzeichen am linken Ärmel und natürlich das blaue oder rote Pionierhalstuch. Außerdem hatte jeder Thälmannpionier ein Mitgliedsbuch und erhielt bei seiner Aufnahme ein Statut, in welchem die Regeln der Thälmannpioniere standen. 

In jedem Schuljahr wurde in einer Schulklasse der Gruppenrat gewählt. Die gewählten Pioniere waren Vorbild für die Schüler der jeweiligen Klasse. Die Pionierorganisation hatte auch ihre eigenen Zeitungen. Für die Jungpioniere (Klasse 1 – 4) war es die „ABC-Zeitung" und für die Thälmannpioniere die „Trommel". Neben der bereits genannten Zeitungen gab es noch die „FRÖSI (Fröhlich sein und singen), welche sehr begehrt war. 

Es gab Auszeichnungen für Schüler und Pioniere. Das war einmal das „Abzeichen für gutes Wissen". Es wurde für besonders gute schulische Leistungen verliehen, ebenso das Abzeichen „Für gute Arbeit in der Schule". Für die Pioniere gab es ein vielseitiges Freizeitangebot. Man kümmerte sich einfach um die Kinder und ihre Interessen. Unabhängig von der Aktivität in der Pioniergruppe der jeweiligen Schüler ermöglichte man jeweils 1000 Kindern in der 1952 gegründeten Pionierrepublik „Wilhelm Pieck" am Werbellinsee ihre Ferien zu verbringen. Dort trafen sich Kinder aus den verschiedensten Ländern. Sie arbeiteten an gemeinsamen Projekten und erhielten auch – fiel ihr Aufenthalt nicht in die Ferien – entsprechenden Unterricht. 

1979 wurde der Pionierpalast „Ernst Thälmann" in der Berliner Wuhlheide eröffnet. Es gab den Pionierpark „Ernst Thälmann", das Zentralhaus der Jungen Pioniere „German Titow" und das „Theater der Freundschaft" in Berlin. Aber diese Einrichtungen gab es nicht nur in Berlin, sondern in jeder größeren Stadt unserer Republik. 

In Halle, meiner Heimatstadt, gab es „Theater der Jungen Garde" und das Pionierhaus auf der Peißnitz, eine Station für „Junge Naturforscher" und eine „Sternwarte" mit zahlreichen Freizeitangeboten für die Kinder. Unserem Staat, der DDR, war es wichtig, für eine gute Bildung und Ausbildung der Kinder und Jugendlichen zu sorgen – dabei war die Position und der Geldbeutel der Eltern völlig unwichtig. Wichtig war das Kind, eine umfassende Bildung, die Erziehung zur Völkerfreundschaft,m gegen Krieg und Ausbeutung und dem bewußten Umgang mit der Natur. 

Ich denke sehr gern an meine Pionierzeit und an die Zeit, die ich mit „meinen Pionieren" als Lehrerin verbringen durfte. 

Iris 

DDR-Kabinett-Bochum 

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Es geht voran  

2015 war das 25. Jahr nach dem DDR-Anschluss: Es gab Fortschritte auf dem Weg des Antisozialismus  

Kurt Pätzold 

In: junge Welt online vom 31.12.2015 

 

Die Proteste werden schwächer und seltener, die sich gegen Darstellungen der Geschichte des ostdeutschen Staates richten, die aus mit unstillbarem Hass gefüllten Federn stammen. Auch da wirkt der Faktor Gewöhnung wie nahezu überall. Aussicht auf Wandel ist ohnehin nicht. Es wird nach der Devise »Je dunkler die Nacht, umso klarer die Sterne« an jenem Weltgeschichtsbild gearbeitet, das besagt: Wir sind in der zwar ständig verbesserungsbedürftigen, aber doch besten aller freiheitlich-demokratischen Menschenordnungen angekommen. »Rechts« und »links« davon lauern der Totalitarismus, also die Verbrecher Hitler oder Stalin. 

Man möchte es nicht glauben, dass es in dieser Bundesrepublik einst auch anders zuging. Dafür steht ein westdeutsches Schulbuch, das am Beginn der siebziger Jahre in Gebrauch war. also von Schülern benutzt wurde, die heute Großväter und Großmütter geworden sein können. Den Autoren des Textes soll nicht die subversive Absicht unterstellt werden, die damals junge Mannschaft anders als zur Parteinahme für die Bundesrepublik erziehen zu wollen. Sie stellten der aber die Aufgabe, die beiden deutschen Staaten und ihre gesellschaftlichen Zustände zu vergleichen. Gestützt auf eine Gegenüberstellung Sebastian Haffners, die der Stern am 19. September 1970 veröffentlichte, werden zunächst die Freiheiten aufgezählt, die Bürger der Bundesrepublik genießen. Genannt werden: die des Gewerbes, der öffentlichen Kritik, der Wahlmöglichkeit zwischen mehreren Parteien, des Reisens und Auswanderns, das Freiheit von Versorgungsschwierigkeiten und aufdringlicher Propaganda. Dann folgt die Reihung der DDR-Freiheiten, als die angesehen werden: die Freiheit von Furcht um den Arbeitsplatz, vor Mietwucher, vor Dauerinflation, vor beruflicher Benachteiligung von Frauen, die Freiheit von »Arbeitersöhnen« (unerfindlich, warum hier die Töchter fehlen), studieren zu können und schließlich die Freiheit von aufdringlicher Reklame. Danach werden die Schüler gefragt: »Welche Freiheit ist mehr wert: die Freiheit der öffentlichen Kritik oder die Freiheit von Mietwucher?« 

Anschließend zitieren die Autoren Ernst Bloch aus einem Interview, das er der Wochenzeitung Die Zeit am 10. Oktober 1969 gegeben hatte. Den Nachdruck versahen sie mit der Dachzeile: »Die beiden Staaten könnten manches voneinander lernen«. Auch der marxistische Philosoph, als der Bloch vorgestellt wird, zählt für die Bundesrepublik auf: offene Atmosphäre, keine Angst vor Apparatschiks, keine Mauer, keine Schüsse dort, Diskutierbarkeit von Problemen, das Vorhandensein einer unruhigen Jugend mit ihrem Kampf gegen Unmündigkeit, dem Streben nach aufrechtem Gang, die Möglichkeit des Wechsels in der Regierung. Zu den Positiva der DDR zählte Bloch: gleicher Lohn für gleiche Arbeit, kostenlose ärztliche Betreuung, kostenloser Erhalt von Medikamenten, sehr geringe Kriminalität. 

Abschließend werden die Schüler aufgefordert: »Sammelt Ausschnitte, die über das Leben in der DDR berichten. Erst eine Vielzahl von Informationen kann ein sachgerechtes Urteil über das Leben in der DDR ermöglichen.« 

Bei diesen Texten mag man ins Grübeln und Fragen kommen und doch zu dem Resultat gelangen, es sei schwer oder undenkbar, dass sich 2016 in einem Schullehrbuch eine ähnlich formulierte Aufgabe findet. Woran liegt das? Wir sind in den vergangenen 25 Jahren auf den Wegen des Antisozialismus eben doch weiter noch vorangeschritten. 

 

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