Kurs auf 80. Jahrestag  

Deutscher Spanienkämpferverein nimmt Gründungsjubiläum der Interbrigaden 2016 in den Blick  

Peter Rau 

In: junge Welt online vom 21.10.2015 

 

  Im Zentrum des Jahrestreffens 2015 des deutschen Spanienkämpfervereins KFSR stand am vergangenen Wochenende in Berlin der Blick auf den Herbst des kommenden Jahres. Der 80. Jahrestag der Formierung der Internationalen Brigaden zur Verteidigung des republikanischen Spanien im Oktober 1936 und ihr erster Kampfeinsatz zum Schutz von Madrid vor den Truppen der Franco-Putschisten im folgenden Monat bietet dafür viele Ansatzpunkte. 

  Zuvor hatten die Mitglieder des Vereins »Kämpfer und Freunde der Spanischen Republik 1936–1939« (KFSR) eine erste kritische Bewertung des im Juli erschienenen biographischen Lexikons »Sie werden nicht durchkommen! Deutsche an der Seite der Spanischen Republik und der sozialen Revolution« vorgenommen. In einer durchaus kontroversen Diskussion war dabei neben der berechtigten Kritik an einigen Wertungen  der unbestreitbare Nutzen des Buches auch für die Kämpfe der Gegenwart hervorgehoben worden. 

  Das spiegelte vor allem die anschließende Gesprächsrunde wider, in der es um den Einsatz von Interbrigadisten an allen Fronten des Kampfes gegen Faschismus ging. Einen entsprechenden Überblick dazu lieferte der Historiker Werner Fischer, der nicht nur KFSR-Mitglied, sondern in der Gesellschaft für Faschismus- und Weltkriegsforschung aktiv ist. Ein weiterer Beitrag befasste sich stichpunktartig mit dem Führungspersonal der Internationalen Brigaden. Von den bisher erfassten rund 130 Männern bis hin zu Kommandeuren, Politkommissaren, Stabschefs und Chefärzten der Brigaden starben den Unterlagen zufolge in Spanien selbst 16 Personen. Noch einmal so viele mussten in den folgenden Kämpfen ihren Einsatz als Opfer des mit den Nazis kollaborierenden Vichy-Regimes in Frankreich wie von Wehrmacht, Gestapo und SS mit dem Leben bezahlen, oder sie starben in Konzentrationslagern und Gefängnissen. Neben den Nachfahren deutscher Interbrigadisten informierten die Vertreter der französischen und der italienischen Bruderorganisationen über weitere Wege überlebender Spanienkämpfer. 

  Zurück zum Hauptanliegen des Jahrestreffens, der Vorbereitung des Jubiläums und den dazu – auch von den ausländischen Bruderverbänden – geplanten Vorhaben: Besonders gefordert ist dabei naturgemäß die spanische AABI, deren neue Vorsitzende Almudena Cros, selbst Enkelkind eines republikanischen Offiziers, in Madrid Touren auf den Spuren der Interbrigadisten organisiert. »Um Geschichte authentisch erlebbar zu machen«, wie sie in Berlin erklärte. Dabei gehe es nicht nur um die Vergangenheit, sondern auch um die Sensibilisierung der jungen Generation und die Überwindung der bisherigen Straflosigkeit für die Anhänger des Franco-Regimes. Für das kommende Jahr sind für die Zeit zwischen dem 20. 

Oktober und dem 7. November zwei Reiserouten im Gespräch: Neben einer, die von Madrid (mit dem einst heftig umkämpften Universitätsviertel und dem Gedenkfriedhof Fuencarral) über Guadalajara und Benicassim sowie Albacete nach Barcelona führt, sollen in einer zweiten weitere Kampforte der Brigaden wie Teruel, Caspe, Belchite und Gandesa aufgesucht werden. 

  Über die Vorhaben in den Niederlanden informierte Rien Dijkstra von der Gedenkstiftung »Stichting Spanje 1936–1939«. Neben einem biographischen Internetprojekt über Holländer in Spanien und einer Gedenkveranstaltung in Amsterdam stieß in Berlin vor allem das Vorhaben auf großes Interesse, eine Übersicht über die weltweit existierenden Gedenkstätten zum Krieg in Spanien zu erarbeiten. An der Spitze der 17 in Deutschland registrierten steht zweifellos das 1968 eingeweihte Spanienkämpferdenkmal im Volkspark Berlin-Friedrichshain. 

  Bei der abschließenden Zeremonie am Sonntag verlas Kerstin Hommel, die eben erst wiedergewählte KFSR-Vorsitzende, einen Aufruf anlässlich des bevorstehenden 80. Jahrestages: »Lasst uns die Verbundenheit der Brigadistas über die Ländergrenzen hinweg mitnehmen in die Kämpfe der Gegenwart! Nur gemeinsam werden wir in der Lage sein, die gesellschaftlichen Verhältnisse für alle menschenwürdiger zu gestalten. 

Der Kampf geht weiter!« 

 

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Blumen für die »Legion Condor«  

Der Traum vom Ritterkreuz mit Brillis: Bundeswehrsoldaten planen ehrendes Gedenken an deutsches »Fliegerass« Werner Mölders  

Claudia Wangerin 

In: junge Welt online vom 21.10.2015 

 

  Insgesamt mehr als 100 Abschüsse konnte der deutsche Luftwaffenoffizier Werner Mölders im Spanischen Bürgerkrieg und im Zweiten Weltkrieg für sich verbuchen. Das Nazireich verlieh ihm dafür das Ritterkreuz mit Eichenlaub und Brillanten – obwohl der Mann, der sich als Jagdflieger der »Legion Condor« so erfolgreich an der gewaltsamen Durchsetzung des Franco-Faschismus und später an Hitlers Angriffskrieg beteiligt hatte, angeblich gar kein Nazi war. Das werden seine Fans in den Reihen der Bundeswehr und ihrer Pensionäre nicht müde zu betonen. Mölders soll all das ohne innere Überzeugung getan haben – das geht aus einem ganzseitigen Artikel hervor, den Generalmajor a. D. Gunter Lange am 18. 

September im Donaukurier veröffentlichen durfte. Die Frage, ob es dadurch besser wird, kam ihm vor lauter Schwärmerei über soviel soldatische Tugend gar nicht in den Sinn. Unter der Überschrift »Werner Mölders ist rehabilitiert« schrieb Lange im Donaukurier: »Er wurde im katholischen Glauben und zur Vaterlandsliebe erzogen. Er tat seine Pflicht als Soldat, war ein herausragender Fliegeroffizier, vorbildlicher und erfolgreicher Vorgesetzter, als Verbandsführer wegen seiner unermüdlichen Fürsorge hoch geachtet.« Was war der Anlass? – Lange, der 1983 bis 1986 Kommodore des Jagdgeschwaders 74 in Neuburg an der Donau war, ist anhaltend verschnupft, weil dieses seit 2005 nicht mehr den Namen Mölders trägt. In dem schon 1998 gefällten, aber erst sieben Jahre später umgesetzten Beschluss des Bundestags sieht Lange ein nicht akzeptables Zugeständnis an die Partei, die heute den Namen Die Linke trägt. »Die ehemalige Staatspartei der DDR, die jetzt als PDS firmierte, hatte sich schon immer in der Tradition der Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg gesehen«, beklagt er die Identifikation mit der Verteidigung der Republik. 

Für die PDS sei es daher wohl ein Affront gewesen, dass Mitgliedern der deutschen »Legion Condor« ein ehrendes Gedenken in Form von Geschwader- oder Kasernenbenennungen zuteil wurde. 

  Tatsächlich darf das heutige »Taktische Luftwaffengeschwader 74« in Neuburg an der Donau aber weiter seine Mölders-Tradition pflegen: Die Wilhelm-Frankl-Kaserne dient nach wie vor als Redaktionsadresse der Zeitschrift Der Mölderianer. Als Zuständige für »Redaktion und Layout« werden »Hauptfeldwebel Marcel Wenk« und »Xaver Habermeier« angegeben. 

Für die Anzeigenakquise sind laut Impressum ein Hauptfeldwebel und ein Oberleutnant zuständig. Auch die E-Mail-Adresse macht einen offiziellen Eindruck: taktlwg74redaktion@bundeswehr.org. Nach eigenen Angaben erscheint das Blatt viermal im Jahr in einer Auflage von 2.200 Stück, Sonderausgaben werden demnach in 3.500 Exemplaren gedruckt. Herausgeber ist die Mölders-Vereinigung e.V., die in der aktuellen Ausgabe zur Kranzniederlegung anlässlich des 74. Todestages am 22. November auf der Basis Zell einlädt. Als Treffpunkt nennt der Vorsitzende des Gedenkvereins, Oberst a. D. Helmut Ruppert, das Offiziersheim der Wilhelm-Frankl-Kaserne. Von dort aus soll es um 10.30 Uhr mit dem Bus nach Zell gehen, um Blumengebinde am »Mölders-Stein« abzulegen. Zeitgleich ist in Berlin eine Kranzniederlegung am Grab des Kämpfers gegen die Spanische Republik und die rote Gefahr auf der Krim geplant, der 1941 auf dem Invalidenfriedhof in der Scharnhorststraße beerdigt wurde. 

  Und warum soll er nun kein Nazi gewesen sein? Nun, er fand wohl die Judenvernichtung in diesem Ausmaß etwas zu undifferenziert – gesetzt den Fall, es war keine kühle Rückversicherung für andere Zeiten, dass er sich im Rahmen seiner Beziehungen für die jüdische Familie eines Schulfreundes einsetzte. Andererseits »konfrontierte er die oberste Führung bis hin zu Hitler mit der Realität des Winterkriegs« und »den unzureichenden Kräften für die Reichsverteidigung«, lobt Generalmajor a. 

D. Gunter Lange im Donaukurier den kritischen Geist des »Fliegerasses«, wie er Mölders 2005 in einem Leserbrief genannt hatte. 

 

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