Ehrenbuch für Internationalisten  

Neuerscheinung: Umfassende Übersicht über Deutsche an der Seite der Spanischen Republik 

Peter Rau 

In: junge Welt online vom 02.09.2015 

 

Nach Bruderverbänden und sonstigen Interessenvertretungen u. a. aus Italien und Luxemburg, Österreich, Russland oder der Schweiz hat nun auch der deutsche Spanienkämpferverein »sein« Ehrenbuch vorgelegt – eine Übersicht über »Deutsche an der Seite der Spanischen Republik«, wie es im Untertitel heißt. Jahrelange aufwendige Recherchen und ehrenamtliche Kleinarbeit des Vereins »Kämpfer und Freunde der Spanischen Republik 1936–1939« (KFSR) haben endlich zu diesem vorzeigbaren Ergebnis geführt. »Sie werden nicht durchkommen« ist im Verlag Edition AV erschienen. 

Bereits 1988/89 hatte das Komitee der Antifaschistischen Widerstandskämpfer in der DDR eine 513 Personen umfassende, vermutlich noch unvollständige Namensliste mit Geburtsdaten der im Osten Deutschlands registrierten Spanienkämpfer vorgelegt, von denen seinerzeit noch 107 lebten. Detailliertere Angaben, die in vielen Fällen vorlagen, sollten in einem biographischen Lexikon folgen, das zu DDR-Zeiten aber nicht mehr erschien. An dieses Material sowie an Forschungsarbeiten auch in der Alt-BRD konnte der um die Jahrtausendwende gegründete gesamtdeutsche Spanienkämpferverein anknüpfen. 

Herausgekommen ist ein trotz eingestandener Lücken hochinformatives Werk. 

Auf knapp 570 Seiten präsentiert es unter anderem eine Liste mit 3.531 Namen. Diese Zahl liegt mehr oder weniger genau zwischen den einst in der DDR angenommenen 5.000 deutschen Antifaschisten und den von André Marty, dem Cheforganisator der Internationalen Brigaden, im Oktober 1938 angegebenen 2.212 aus Deutschland stammenden Brigadisten, die damit nach den Franzosen (8.950), Polen (3.110), Italienern (2.944) und US-Amerikanern (2.336) das fünftstärkste Kontingent stellten. Die Differenz zwischen 2.212 und den nun erfassten 3.531 Personen dürfte mit den nicht bei den Interbrigaden registrierten deutschen Kämpfern zu erklären sein, die anderen Einheiten der Volksarmee, den Milizen oder autonomen bzw. 

anarchistischen Verbänden angehörten. Hinzu kamen Personen, die sich wie etwa die Geschwister Erika und Klaus Mann sowie der spätere Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) vorübergehend mit journalistischem Auftrag oder als Beobachter in der Spanischen Republik aufgehalten haben. 

In der Regel enthalten die Einträge Geburtsdatum und -ort, soziale Herkunft und Beruf, Angaben zum politischen Werdegang, den Zeitpunkt des Eintreffens in Spanien, Dienstgrad, Teilnahme an Kämpfen und gegebenenfalls Verwundungen oder Tod. Im Falle franquistischer Gefangenschaft enden sie oft mit dem Hinweis »verschollen« oder »vermisst«. 

Eine Anmerkung zu den Gefallenen: Wenn ich richtig gezählt habe, handelt es sich um etwa 680 hier registrierte Todesfälle. Wobei das Schicksal mancher von den Sicherheitsdiensten der Republik in Gewahrsam genommenen Personen – sei es wegen Disziplinlosigkeit, Fahnenflucht, Plünderungen oder auch Spionageverdacht – ungeklärt geblieben ist. Doch die hier ausgewiesenen Zahlen dieser Todesopfer bewegen sich unter einem Prozent. 

Nur wenige biographische Einträge umfassen – wie im Fall des ersten KPD-Beauftragten Hans Beimler oder des Sängers Ernst Busch, des Kommandeurs der XIII. Brigade, Wilhelm Zaisser, der später erster Staatssicherheitsminister der DDR wurde, oder von Carl Einstein, einem engen Vertrauten des anerkannten spanischen Anarchistenführers Buenaventura Durruti – mehr als eine Buchseite. 

Vielfach werden auch die Lebenswege nach dem Krieg in Spanien bzw. nach der Befreiung vom Faschismus skizziert. Andererseits enden die Angaben oft mit dem Aufenthalt in Spanien oder dem Verweis auf die nachfolgende Internierung der Kämpfer in Frankreich. Herausgearbeitet zu haben, wie die hier vorgestellten Internationalisten Geschichte schrieben, gehört zu den bleibenden Verdiensten der Herausgeber und ihrer Mitstreiter. 

Werner Abel Enrico Hilbert (Herausgeber): Sie werden nicht durchkommen (Band I). Deutsche an der Seite der Spanischen Republik und der sozialen Revolution. Verlag Edition AV, Lich 2015, 569 Seiten, 45 EuroBuchvorstellung: Mittwoch, 16. September 2015, 19 Uhr, ND-Gebäude am Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin  

 

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