Sportgenossen aller Länder  

Gegen den Kapitalismus und gegen die bürgerlichen Turner: Am 24. Juli 1925 begann die Erste Internationale Arbeiterolympiade  

Herbert Bauch 

In: junge Weltonline vom 30.07.2015 

 

Vor neunzig Jahren wurde in Frankfurt am Main das später weithin bekannte Waldstadion eröffnet, das heute den Namen eines deutschen Geldinstitutes trägt. Dort fand im Juli 1925 als erstes Großereignis die Erste Internationale Arbeiterolympiade statt. Arbeitersportlerinnen und -sportler aus mehreren europäischen Ländern traten in zahlreichen Disziplinen an. 

Nicht der individuelle Sieg stand im Vordergrund, sondern das Miteinander, das sich vom bürgerlichen Siegenwollen um jeden Preis bewusst abgrenzte. 

Sportliche Höchstleistungen schloss das nicht aus. Nun blickt der Sportkreis Frankfurt auf die Gegenolympiade zurück. »Vorwärts und nicht vergessen« nennen die Frankfurter die Ausstellung, angelehnt an Bert Brechts »Solidaritätslied«. 

Mit diesen Spielen ging der Arbeitersport auf Konfrontationskurs gegenüber dem Internationalen Olympischen Komitee. Die Olympischen Spiele 1924 in Paris hätten dem Nationalismus gefrönt, konstatierte Fritz Wildung, Geschäftsführer der »Zentralkommission für Arbeitersport und Körperpflege«, der Dachorganisation der Arbeitersportverbände. Gar ein »Krieg mit sportlichen Mitteln« seien sie gewesen. Deutschland durfte an den Spielen nach dem Ersten Weltkrieg (1920 in Antwerpen und 1924 in Paris) nicht teilnehmen. Aber auch in der deutschen Turnerschaft machte Wildung chauvinistische Tendenzen aus. Demgegenüber sollte die in Deutschland stattfindende Arbeiterolympiade von humanistischen Idealen durchdrungen sein. In der Festschrift der Spiele erklärte Wildung, dass das sportliche Messen den »Gedanken der Völkerverständigung und -versöhnung« huldigen sollte. »Bei uns ringen nicht Nationen gegeneinander, sondern Sportgenossen aller Länder miteinander. Wir haben alle denselben Feind: den Kapitalismus, der den Nationalismus erzeugt hat.« 

Am 24. Juli 1925, einem Freitag, wurde die Arbeiterolympiade feierlich eröffnet. Im Stadion ertönte die »Internationale«, als am Nachmittag mehrere hundert Sportlerinnen und Sportler einzogen. Die Abordnungen der zwölf Teilnehmerländer gingen nicht hinter ihrer Nationalflagge her, sie folgten jeweils einer roten Fahne, die mit dem Namen ihres Herkunftslandes versehen war. 

Anschließend begrüßten der Präsident der »Luzerner Sportinternationalen«, Gaston Bridoux, und deren Sekretär Jules Devlieger die Massen in französischer Sprache. Die Reden wurden übersetzt. 

Devlieger betonte in seiner Ansprache: »Unser hohes Ziel ist, durch den Sport neue Menschen zu bilden, die imstande sein sollen, die neue Welt, die neue Gesellschaft zu bauen, die wir erträumen. Unsere gewaltige Demonstration hier in Frankfurt wird gelingen. Die erste Arbeiterolympiade ist eröffnet.« Dann gingen die sportlichen Aktivitäten los: Leicht- und Schwerathletik, Fußball und Schwimmen. 

Am zweiten Tag folgten unter anderem Radrennen, Ruderwettbewerbe und eine Freiübung tschechischer Turner. Die Aktivitäten fanden nicht nur im neuerbauten Stadion statt, sondern waren über das gesamte Stadtgebiet verteilt. Abends gab es eine weitere offizielle Eröffnung in der bis auf den letzten Platz besetzten Festhalle. Neben Turn- und Freiübungen trug ein Arbeiterchor mit 1.200 Sängern zum Gelingen der Veranstaltung bei. 

Den Höhepunkt der Olympiade bildete der große Festzug, der am Sonntag durch Frankfurts Straßen führte. Unzählige Schaulustige warteten auf den Straßen, als sich die Sportler morgens in Bewegung setzten. An der Zugspitze Tausende Radfahrer, dann das »Fußvolk«, das die »Internationale« in verschiedenen Sprachen schmetterte und Spruchbänder mit sich führte. »Nieder mit dem imperialistischen Krieg« hieß es da, oder: »Kämpft für den Achtstundentag«. 

Rund 100.000 Menschen waren an den sportlichen Wettbewerben und Spielen beteiligt, darunter auch Massensport-Übungen, cirka 450.000 wohnten den Ereignissen bei. Daneben gab es zahlreiche kulturelle Angebote, etwa die Aufführung des Theaterstücks »Kampf um die Erde« von Alfred Auerbach im Stadion. Am Ende der Spiele zeigten sich auch deren Organisatoren zufrieden. 

Bis zum 12. August kann die Ausstellung zur Arbeiterolympiade noch im Eintracht Frankfurt Museum der Commerzbank-Arena betrachtet werden. Danach stellt der Sportkreis die Exponate Interessierten zur Verfügung. Dabei soll die Ausstellung jeweils um lokale Aspekte erweitert werden. 

Kontakt beim Sportkreis: Helga Roos, helga.roos@sportkreis-frankfurt.de 

 

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