Hitlers Luftnummer  

Vor 75 Jahren drohten die Nazis Großbritannien im »Unternehmen Seelöwe« mit Invasion. Die Führung in London sollte zu einem Agreement mit Hitler erpresst werden, um den Rücken für den Überfall auf die Sowjetunion frei zu haben  

Martin Seckendorf 

In: junge Welt online vom 30.06.2015 

 

  Nach dem Sieg in der Schlacht um Dünkirchen am 4./5. Juni 1940 (siehe jW-Thema vom 26.5.2015) eröffnete die Wehrmacht unter der Deckbezeichnung »Fall Rot« die zweite Phase der »Schlacht um Frankreich«. Die Forces armées hatten die in den Kämpfen in Flandern und im Artois erlittenen schweren Verluste – mehr als 250.000 Soldaten – noch nicht wieder ausgeglichen. Nur mit großen Mühen gelang es den französischen Militärs, an Somme und Aisne eine zusammenhängende Front zu errichten. 

Als die Wehrmacht diese Stellung angriff, stieß sie unerwartet auf heftigen Widerstand. Fedor von Bock, Oberbefehlshaber der Heeresgruppe B, die am Unterlauf der Somme und entlang der Atlantikküste vorgehen sollte, notierte am 6. Juni im Kriegstagebuch: »Schwerer krisenreicher Tag!« Gerd von Rundstedt, Oberbefehlshaber der östlich davon stehenden Heeresgruppe A, urteilte einige Tage später, »dass der Gegner sehr zäh gekämpft hat und von hoher Kampfmoral gewesen sein muss«. Die Deutschen brauchten Tage, um taktische Durchbrüche als Voraussetzung für den Stoß in die operative Tiefe zu erzwingen. 

  Schließlich riss die Front auseinander. Begünstigt durch führende Vertreter der französischen herrschenden Klasse, die aus Furcht vor Verlust ihrer Macht lieber eine Übereinkunft mit den Deutschen schließen als nach dem Beispiel von 1870/1871 die Massen mobilisieren wollten, konnte die Wehrmacht in den Bewegungskrieg eintreten. Am 22. Juni musste Frankreich in Compiègne mit Deutschland den Waffenstillstand vereinbaren. 

Die Unterzeichnung erfolgte in jenem Eisenbahnwaggon, in dem 1918 deutsche Politiker die Niederlage des kaiserlichen Heeres im Ersten Weltkrieg bestätigten. 

  Faschistische Neuordnung  Mit der Niederringung Nord- und Westeuropas hatte sich das Kräfteverhältnis deutlich zugunsten des deutschen Faschismus verändert. Das Nazireich konnte auf die Industrie-, Bergbau- und Lebensmittelproduktion und die Arbeitskräfte der unterworfenen Länder zugreifen. Die deutschen Kapitalisten erhielten über den Raub von Aktien auch Zugang zu den Produktionsstätten in anderen Ländern, etwa zur damals größten Kupfermine der Welt, betrieben von der »Compagnie Française des Mines de Bor« im damals neutralen Jugoslawien. 

  Die Nazipropaganda überschlug sich. Der Kampf bei Dünkirchen wurde als »die größte Schlacht aller Zeiten«, als eine »geschichtlich glorreiche Tat« gepriesen. Hitler nannte in einer Proklamation die Unterwerfung Frankreichs den »glorreichste(n) Sieg aller Zeiten«. Die »Schande«, die den Deutschen durch den Versailler Vertrag von 1919 zugefügt worden war, sei gelöscht. Der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW), Wilhelm Keitel, nannte Hitler den »größten Feldherrn aller Zeiten« – im Volksmund als »Gröfaz« karikiert. Vermutlich hatte das Naziregime nach den Siegen im Westfeldzug die größte Zustimmung im deutschen Volk erreicht. Viele Menschen ließen sich von der chauvinistischen Propaganda blenden. Auch die Hoffnung, dass damit der Krieg zu Ende sei, spielte eine große Rolle. 

  Die deutsche Führung war nach dem Sieg über Frankreich der Meinung, dass angesichts der damit demonstrierten militärischen Überlegenheit Großbritannien zu einem Agreement mit den Nazis bereit sei. Dessen Grundlage sollte Londons Anerkennung der durch die Aggressionen gewonnenen deutschen Hegemonie auf dem Kontinent sein. Außerdem habe die Regierung in Westminster der Schaffung eines großen deutschen Kolonialreichs zu Lasten Frankreichs, der Niederlande und Belgiens zuzustimmen. Das britische Imperium wolle man, so die heuchlerische Versicherung, nicht antasten. 

Bereits am 25. Mai 1940 hatte der Vertreter des Auswärtigen Amtes beim Oberkommando des Heeres, Hasso von Etzdorf, dem Generalstabschef des Heeres, Franz Halder, berichtet, die deutsche Führung suche Verbindung zu London, um zu einem Übereinkommen »auf der Basis der Teilung der Welt« zu kommen. Zahlreiche Kontakte zwischen deutschen und britischen Beauftragten unter Assistenz des Vatikans, Spaniens und Schwedens wurden geknüpft und intensive Gespräche geführt. 

  Die deutsche Großwirtschaft ging ebenfalls von einem baldigen »Einlenken« zu den deutschen Bedingungen aus und bezog Britannien und das Empire in seine ökonomischen Nachkriegspläne ein. Am 3. August legte der IG-Farben-Konzern dem für die faschistische Umgestaltung Europas im Reichswirtschaftsministerium (RWiM) zuständigen Beamten eine Denkschrift über die Vorstellungen des Unternehmens zur Nutzung der Wirtschaft in den unterworfenen Gebieten vor. Zu den für die »Neuordnung« vorgesehenen Ländern werden in dem Dokument auch »England und Empire« genannt. In einem Schreiben des RWiM wenige Tage später wird hervorgehoben, »für den Aufbau einer europäischen Großraumwirtschaft unter deutscher Führung« sei »die Übernahme der wichtigsten Wirtschaftspositionen, die heute im Besitz der Engländer (…) sind, unerlässlich«. Auch die Versicherungen Hitlers in seinen »Friedensangeboten«, das Empire nicht anzutasten, erwiesen sich als Heuchelei. Das Auswärtige Amt forderte am 6. November in einer Denkschrift die Schaffung eines riesigen deutschen Kolonialimperiums in Afrika und Asien, in das auch in großem Umfang britische »Besitzungen« einzugliedern seien. 

  Die maßgebende Gruppe der herrschenden Klasse in Großbritannien um Premier Winston Churchill bekräftigte aber, dass sie kein Juniorpartner des Naziregimes sein wolle. In der Hoffnung, dass sich die USA unter Präsident Franklin D. Roosevelt, dessen Wiederwahl im November 1940 als sicher galt, eindeutig gegen die deutschen Machthaber stellen und den Briten jede Unterstützung zukommen lassen werden, bekundete Churchill mehrfach, den Krieg bis zum Sieg fortzusetzen. 

  Sowjetunion im Visier  Für die deutsche Führung drängte die Zeit. Im Juni 1940 kam es zu einer gravierenden Umorientierung der faschistischen Politik. Die führenden Gruppen aus Wirtschaft, Politik und Militär gingen dazu über, das Hauptziel des deutschen Faschismus, die Vernichtung der Sowjetunion militärisch operativ vorzubereiten. Mit der Eroberung der UdSSR wollte man ein zum Kapitalismus alternatives Gesellschaftsmodell und die staatliche Basis des Weltsozialismus liquidieren sowie ein deutsches Ostimperium bis zum Ural schaffen. In ihrem Interesse an einem Überfall auf die SU gab es seit den 1920er Jahren eine bemerkenswerte Übereinstimmung innerhalb der herrschenden Klasse. Der Krieg gegen die UdSSR galt nicht nur als wünschenswert. Auch der Zeitpunkt, ihn zu beginnen, sei günstig. Die »Blitzsiege« in Polen und im Westen hätten die materielle Basis für einen »Ostfeldzug« beträchtlich verbessert und die »überragende« Schlagkraft der Wehrmacht demonstriert. 

  Hinzu kam, dass die Erfolge im Westen zu einer unglaublichen, heute irrational wirkenden Überbewertung der eigenen militärischen Kräfte und Fähigkeiten führten. Am 25. Juni äußerte Hitler gegenüber OKW-Chef Keitel: »Jetzt haben wir gezeigt, wozu wir fähig sind. Glauben Sie mir, Keitel, ein Feldzug gegen Russland wäre dagegen nur ein Sandkastenspiel.« 

  Das Oberkommando des Heeres begann noch im Juni mit der Planung des »Ostfeldzugs«. Es wurde befohlen, die Zahl der Panzerdivisionen, die als Speerspitze beim Überfall vorgesehen waren, von zehn auf 20 zu verdoppeln. 

Das »Kriegsheer« sollte auf 180 bis 200 Divisionen aufgestockt werden. 

Alle Vorbereitungen für einen »schnellen Feldzug«, so die endgültige Weisung, waren bis zum 15. Mai 1941 abzuschließen. 

  Für die deutsche Führung war es wichtig, wie sich die Briten verhalten würden. Einen Zweifrontenkrieg wollte man vermeiden. Anfang Juni ging Berlin davon aus, dass es bald zu einem Friedensschluss mit London kommen werde, um, wie Hitler am 2. Juni im Hauptquartier der Heeresgruppe A sagte, »endlich die Hände frei« zu bekommen für die »große und eigentliche Aufgabe: die Auseinandersetzung mit dem Bolschewismus«. Den Briten müsse doch ihre militärisch aussichtslose Lage bewusst sein, meinte er. 

  Militärische Erpressung  Diese Erwartung erfüllte sich nicht. Daraufhin änderten die Nazis ihre Taktik: Sie machten allgemeine »Friedensangebote« und drohten mit einer Fortführung des Krieges gegen Großbritannien. Indem man die »Schrecknisse« künftiger Kämpfe betonte und der Churchill-Gruppe die Schuld an der »Kriegsverlängerung« und den »Leiden der Bevölkerung« gab, wurde versucht, die Appeaser zu stärken und die Churchill-Fraktion von der Bevölkerung zu isolieren. Um der Propaganda Nachdruck zu verleihen, sollte sie mit militärischen Aktionen bis hin zur Androhung einer Invasion der Britischen Inseln begleitet werden. 

  Generalstabschef Halder schrieb am 30. Juni in sein Tagebuch: »England wird voraussichtlich noch einer Demonstration unserer militärischen Gewalt bedürfen, ehe es nachgibt und uns den Rücken frei lässt für den Osten.« Am gleichen Tag legte der Chef des Wehrmachtführungsamtes im OKW, Alfred Jodl, unter dem Titel »Die Weiterführung des Krieges gegen England« ein Programm für eskalierende Kampfhandlungen gegen die Britischen Inseln, aber auch an der »Peripherie« des Empire vor. »Wenn politische Mittel nicht zum Ziele führen«, heißt es dort, »muss der Widerstandswille Englands mit Gewalt gebrochen werden«. Eine Invasion sollte aber erst erfolgen, wenn Britannien durch Seeblockade und Masseneinsatz der faschistischen Luftwaffe schon am Boden liege und die Landungstruppen dem Vereinigten Königreich gewissermaßen nur noch den »Fangschuss« zu geben bräuchten. Jodl schlug auch einen »Terror-Angriff gegen die englischen Bevölkerungszentren« vor nach dem Beispiel der Zerstörung Rotterdams durch die faschistische Luftwaffe im Mai 1940, mit der die Kapitulation der Niederlande erzwungen werden sollte. 

  Da die Briten trotz aller Drohungen und Lockungen weiterkämpften, folgte der »Führer« den Ratschlägen Halders und Jodls. Am 16. Juli erließ Hitler die »Weisung Nr. 16 über die Vorbereitung einer Landungsoperation gegen England«. Darin heißt es: »Da England, trotz seiner militärisch aussichtslosen Lage, noch keine Anzeichen einer Verständigungsbereitschaft zu erkennen gibt, habe ich mich entschlossen, eine Landungsoperation gegen England vorzubereiten und, wenn nötig, durchzuführen.« Die Invasion sollte »sich in Form eines überraschenden Überganges in breiter Front etwa von Ramsgate bis in die Gegend westlich der Insel Wight vollziehen«, bestimmte die Weisung. Zwei Armeen waren für die Landung vorgesehen. Bis Mitte August wollte man die Vorbereitungen, die unter dem Codewort »Unternehmen Seelöwe« liefen, abschließen. Eine Invasion sollte nur als Ultima ratio, als allerletztes Mittel, in Erwägung gezogen werden. 

Wesentliche Bedingung einer Invasion war die Erringung der deutschen Luftüberlegenheit über dem Kanal und Südengland. In der Weisung heißt es, dass »die englische Luftwaffe moralisch und tatsächlich so weit niedergekämpft sein (muss), dass sie keine nennenswerte Angriffskraft dem deutschen Übergang gegenüber mehr zeigt«. Hohe Anforderungen wurden auch an die durch die verlustreiche Aggression gegen Norwegen geschwächte Kriegsmarine gestellt. Sie müsse minenfreie Wege schaffen und beide Flanken des Übergangs sowie am Westausgang des Kanals das Übersetzen gegen die überlegene britische Flotte sichern. 

  Bombenterror gegen Zivilisten  Den Briten waren die Maßnahmen der Deutschen nicht entgangen. Sie nahmen die Bedrohung ernst, reagierten aber anders, als die Deutschen erwartet hatten. Drei Tage nach Hitlers Reichstagsrede mit dem »letzten Friedensangebot« am 19. Juli ließ die britische Regierung für die Deutschen unerwartet die Naziofferte ausgerechnet durch den Begründer der Appeasement-Policy, Außenminister Edward Lord Halifax, zurückweisen. Sie bekräftigte, dass sie bis zum Sieg, notfalls aus den Dominions, also den Überseegebieten, kämpfen werde, organisierte die Verteidigung der Insel und ließ die Absprunghäfen sowie Ziele in Deutschland mit Luftangriffen attackieren. 

  Als Antwort erging am 1. August Hitlers Weisung Nr. 17 für den verschärften Luft- und Seekrieg gegen Großbritannien, um die Briten doch noch zur »Vernunft« zu bomben. Darin heißt es: »Um die Voraussetzungen für die endgültige Niederringung Englands zu schaffen, beabsichtige ich, den Luft- und Seekrieg gegen das englische Mutterland in schärferer Form als bisher weiterzuführen«. Die Luftwaffe der Nazis sollte »mit allen zur Verfügung stehenden Kräften« die Royal Air Force (RAF) »möglichst bald« niederkämpfen und die Luftherrschaft über dem englischen Kanal und Südengland erringen. Vor allem seien »die fliegenden Einheiten (der RAF, M. S.), ihre Bodenorganisation und Nachschubeinrichtungen (…) die Luftrüstungsindustrie einschließlich der Industrie zur Herstellung von Flakgerät« zu attackieren. Ab 5. August wurde der deutsche Luftkrieg erheblich verstärkt und zur »Luftschlacht um England« hochstilisiert. 

Ziele wurden nun auch die großen Städte in Süd- und Mittelengland. 

Ausgangspunkt für eine weitere Eskalation war der »versehentliche« deutsche Angriff auf London am 24. August mit etwa 100 Maschinen, auf den das RAF Bomber Command mit einem von der Naziführung nicht für möglich gehaltenen Angriff auf Berlin antwortete. Ab 7. September flog die deutsche Luftwaffe fortlaufend schwere Tag- und Nachtangriffe gegen London. Tausende Zivilisten wurden getötet. Die deutsche Führung geriet in euphorische Stimmung. Hermann Göring, Oberbefehlshaber der Luftwaffe, meinte am 14. 

September, England sei in zwei Wochen kapitulationsreif gebombt. Das Fighter Command, das Oberkommando der Jagdkräfte der RAF, bekam ernsthafte Probleme. Doch den Nazis gelang es nicht, die Luftherrschaft über dem Kanal und Südengland zu erringen. Damit war die entscheidende Voraussetzung für eine Invasion nicht erfüllt. Die faschistische Luftwaffe erlitt erhebliche Verluste an Flugzeugen und vor allem an Piloten. 

  Ein Täuschungsmanöver  War die Invasion von Anfang an nur als letzte Möglichkeit zum Sieg über das Königreich konzipiert, so rückte wegen der sichtbaren Schwierigkeiten die Operation »Seelöwe« ab Ende August in den Überlegungen der deutschen Führung zunehmend in den Hintergrund. Am 13. August warnte OKW-Chef Keitel vor den Unwägbarkeiten einer schlecht vorbereiteten Invasion und meinte, man könne Großbritannien auch auf anderen Wegen »auf die Knie (…) zwingen«. Die ab 5. August laufende Bomberoffensive schien so ein Weg, um London auch ohne risikoreiche Invasion zum »Einlenken« zu veranlassen. Man wollte das Land materiell schwächen, die Bevölkerung gegen die Regierung aufbringen und die Appeaser, eine vermeintliche »Friedensströmung« innerhalb der herrschenden Klasse, stärken. »Unternehmen Seelöwe« wurde offiziell nicht aufgehoben, der Aufmarsch aber zunehmend »aufgelockert«. Die Briten sollten glauben, die Invasionsgefahr bestehe weiter und die Bombenoffensive sei Teil der Landungsvorbereitung. 

  Im Oktober trat die entscheidende Wendung ein. Die Wehrmacht intensivierte die seit Juli unter der Deckbezeichnung »Aufbau Ost« laufenden Vorbereitungen für den Überfall auf die UdSSR. Die deutsche Führung war zu dem Schluss gekommen, den Angriff gegen die Sowjetunion im Frühjahr 1941 zu wagen, obwohl Großbritannien (noch) nicht zu einem Agreement mit den Nazis bereit war. Ein Zweifrontenrisiko bestehe nicht, da, so die Meinung der faschistischen Herrscher, der bevorstehende Kampf nur wenige Wochen dauern werde und die Briten, stark geschwächt und vom Kontinent vertrieben, nicht in der Lage seien, in Europa militärisch einzugreifen. Die USA könnten frühesten 1942 in einen Krieg eintreten. 

Vor allem aber sei Deutschland nach einem Sieg über die UdSSR nicht nur der Herr Europas. Die Faschisten hätten, wie Hitler schon vor dem Krieg 1939 gegenüber dem Danziger Senatspräsidenten Hermann Rauschning erklärte, »die Pforte zur dauernden Herrschaft über die Welt auf(ge)stoßen«. Angesichts des dann entstandenen Kräfteverhältnisses sei die totale Unterwerfung Britanniens unausweichlich. 

  Die Operation »Seelöwe« wurde am 15. Oktober intern für das Jahr 1940 abgesagt. Das Unternehmen hielt man indes offiziell als Täuschungsmanöver gegenüber England und jetzt auch gegenüber der UdSSR zur Verschleierung des gewaltigen Aufmarsches im Osten aufrecht. Aber wegen des Abzugs deutscher Flugzeuge verminderte sich auch der Druck auf die englische Bevölkerung. Waren im Oktober 1940 etwa 9.900 Maschinen über England im Einsatz, flogen im Februar 1941 nur noch 1.400 Angriffe. Damit waren auch weniger Opfer zu beklagen. Starben im September 6.954 Briten im deutschen Bombenhagel, waren es im Dezember 3.793. In diese Phase einer geringer werdenden Zahl von Attacken fielen allerdings einige besonders gravierende Angriffe. So auf Coventry, die 150 Kilometer von London gelegene Industriestadt, die am 14. November bombardiert wurde: 568 Zivilisten starben, die Stadt war schwer zerstört. Sie wurde wie Gernika, Warschau und Rotterdam zu einem Symbol deutschen Bombenterrors. Das zu einem Täuschungsmanöver mutierte »Unternehmen Seelöwe« forderte zusammen mit der »Luftschlacht über England« unter der britischen Bevölkerung große Opfer. Zwischen Juli und Ende Dezember 1940 starben mehr als 23.000 Menschen im deutschen Bombenhagel. 

  Martin Seckendorf schrieb auf diesen Seiten zuletzt am 26.5.2015 über die Schlacht in Flandern vor 100 Jahren. 

 

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