Waffenstillstand im Waggon  

Nach dem Blitzkrieg gegen Frankreich inszenierte Hitler am 22. Juni 1940 die Kapitulation des Nachbarlandes  

Kurt Pätzold 

In: junge Welt online vom 22.06.2015 

 

  Das deutsche Heer stand am 17. Juni 1940 an der Küste des Ärmelkanals. 

Wir zählen die sechste Woche des deutschen Feldzugs in Westeuropa. 

Wehrmachtseinheiten hatten Paris drei Tage zuvor kampflos besetzt. Das französische Heer war zur Verteidigung einer geschlossenen Front unfähig. 

Im Hauptquartier Hitlers nahe Brûly-de-Pesche in der belgischen Region Wallonien ging die Nachricht ein, dass der Gegner zu Kapitulationsverhandlungen bereit sei. Sie kam aus Bordeaux, wohin die Regierung des Landes geflohen war. Eben war Marschall Philippe Pétain, ein Militär, dessen Ruf und Ruhm auf die ihm zugeschriebene Rolle während des Ersten Weltkrieges gegründet ist, an ihre Spitze getreten. 

  Als der Sieg sich abzeichnete, hatte der »Führer« bereits Anweisungen getroffen. Die Verhandlungen sollten an einem historischem Ort stattfinden, im Wald nahe der Stadt Compiègne in der Picardi. Dort hatte nahezu 22 Jahre zuvor Staatssekretär Matthias Erzberger, ein deutscher Zentrumspolitiker, vor dem französischen Marschall Ferdinand Foch, dem Oberbefehlshaber der verbündeten Streitkräfte, die Kapitulationsurkunde unterzeichnet, die dem besiegten Deutschland ausgestellt worden war. 

Begleitet hatte Erzberger keiner der hochgestellten kaiserlichen Militärs, sondern Beamte und Militärs der dritten Reihe: Generalmajor Detlof von Winterfeldt, vor dem Krieg Militärattaché in Brüssel und Paris, dazu der zuvor im Admiralstab beschäftigt gewesene Kapitän Ernst Vanselow und Alfred von Oberndorff vom Auswärtigen Amt, der zum Personal mehrerer deutscher Botschaften in Europa gehört hatte. Die Szene hatte sich im Salonwagen des Marschalls zugetragen, der dadurch Berühmtheit erlangte. 

Der Waggon war zuerst für einige Jahre nach Paris in den Ehrenhof des Armeemuseums gebracht, dann jedoch in einem eigens errichteten Museum in Compiègne ausgestellt worden. 

  Hitler ließ ihn an jenen Platz zurückbringen, an dem er sich 1918 befunden hatte und wo die Franzosen zudem eine Gedenkanlage errichtet hatten. So wurde eine ihm geeignet erscheinende Kulisse für den »zweiten Waffenstillstand« geschaffen, der diesmal mit vertauschten Rollen stattfinden würde. Er selbst sah sich als Hauptdarsteller der Aufführung, die den propagandistischen Titel »Restlose Beseitigung der Schmach von Versailles« erhielt. Historischen Orten auf diese Art eine neue und konträre Bedeutung beizulegen, das war freilich keine Erfindung Hitlers. 

Zuvor war das 1914 mit dem masurischen Dorf Grunwald in Ostpreußen geschehen. Man hatte den Schlachtort großzügig dahin verlegt, wo der deutsche Ritterorden 1410 eine vernichtende Niederlage erlitt. Da schon war mit dem Sieg über die Zarenarmeen eine »Schmach« getilgt worden. 

  »Schmach« von 1918  Am 21. Juli traf Hitler mit Gefolge auf jener Lichtung von Rethondes ein, die übrigens erst nach dem Ersten Weltkrieg in dem vorher dichten und vor Fliegersicht schützenden Wald entstanden war. 

Ihn begleiteten neben dem Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, Wilhelm Keitel, die Oberbefehlshaber der drei Wehrmachtsteile des Heeres, der Luftwaffe und der Marine: Werner von Brauchitsch, Hermann Göring und Erich Raeder. Auch Außenminister Joachim von Ribbentrop war dabei sowie Hitlers »Stellvertreter« für Angelegenheiten der NSDAP, Rudolf Hess, und sein Dolmetscher Paul Otto Schmidt. Zudem war für die Anwesenheit einer genügenden Zahl in- und ausländischer Journalisten gesorgt, die das Ereignis in Wort und Bild festhalten und weltweit von ihm Zeugnis ablegen sollten. 

  Auf dem Weg zum Eisenbahnwagen passierte Hitler eine angetretene Ehrenkompanie der Wehrmacht, die Statue des Marschall Foch, der 1929 verstorben war, sowie einen Gedenkstein, der an das Geschehen von 1918 erinnerte und einen von einem Schwert getroffenen deutschen Adler zeigte. 

Der darauf lesbare Text feierte das Ereignis in jener Diktion, die auch die deutschen Faschisten beherrschten: »Am 11. November 1918 unterlag hier der verbrecherische Stolz des deutschen Kaiserreiches den freien Völkern, die er zu versklaven suchte.« Das musste natürlich geschliffen werden. Auch der Waggon sollte in der Lichtung nicht belassen werden. Er wurde nach Berlin gebracht und in dessen Zentrum als Trophäe vor dem evangelischen Dom ausgestellt, dann aber offenbar zu keinem weiteren Propagandazweck verwertet. Der weitere Kriegsverlauf ließ den Sieg des Jahres 1940 ohnehin mehr und mehr verblassen. Gegen Kriegsende gelangte der Waggon nach Thüringen. Die Umstände seiner dort im Jonastal erfolgten Zerstörung sind nicht genau bekannt. 

  Als die Deutschen an jenem Nachmittag ihre Plätze eingenommen hatten, wurde die französische Delegation hereingeführt. Zu ihrem Leiter war Charles Huntziger, einer der geschlagenen Generale, bestimmt worden. Er erhielt bald darauf in der französischen Regierung das Amt des Kriegsministers, dann das des Oberbefehlshabers der in den nordwestafrikanischen Kolonien Tunis, Algerien und Marokko stationierten französischen Truppen; 1941 kam er bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. 

  Das Treffen begann mit der Verlesung der Präambel des zu verhandelnden Textes durch Generaloberst Keitel. Das Dokument war ganz auf seine propagandistische Funktion hin formuliert worden und atmete die Diktion Hitlers. Es sollte die weltgeschichtliche Bedeutung des Sieges bekunden. 

Einleitend bot es alle Dogmen, mit denen die Geschichte des Ersten Weltkrieges durch deutsche Politiker und Historiker verfälscht worden war: Die Regierung habe den Krieg 1914 nicht gewollt, das Heer sei in dessen Verlauf nicht »entscheidend« geschlagen worden, das Reich sei betrogen, das von US-Präsident Woodrow Wilson gegebene Versprechen gebrochen und für die Deutschen eine Leidenszeit eröffnet worden. Daran schloss sich die These, Großbritannien und Frankreich hätten Deutschland im September 1939 grundlos den Krieg erklärt. Schließlich wurde dem noch eine Begründung für die Wahl dieses Ortes angefügt: Sie sei erfolgt, um »durch einen Akt einer wiedergutmachenden Gerechtigkeit – einmal für immer – eine Erinnerung zu löschen, die für Frankreich kein Ruhmesblatt seiner Geschichte war, von dem deutschen Volke aber als tiefste Schande aller Zeiten empfunden wurde«. Am Schluss folgte eine Verbeugung vor dem heldenhaften Kampf, den die französische Armee soeben geleistet habe. Das Dokument blies das tatsächliche Geschehen auf, um die Leistung der Wehrmacht zu vergrößern. 

  Mit diesem Vortrag war der erste Akt der Aufführung beendet. Hitler verließ mit seiner Entourage den Waggon. Er hatte während der Zeremonie kein Wort gesagt. Den zweiten Akt, in dem die Bestimmungen des Waffenstillstands zu vereinbaren waren, bestritten Wilhelm Keitel sowie neben anderen Alfred Jodl, der Chef des Wehrmachtsführungsstabs. Das zog sich bis zum folgenden Tag hin, da Huntziger darauf bestand, das Dokument nicht ohne mehrfache Verständigung mit seiner Regierung in Bordeaux zu unterzeichnen. Das tat er am 22. Juni 1940. 

  Taktisches Friedensabkommen  Oft wurden die Texte der Kapitulationsurkunden von 1918 und 1940 miteinander verglichen. Es wurde behauptet, das deutsche Diktat sei milder ausgefallen als das französische. Unterschiede ergaben sich aber vor allem aus den ungleichen Situationen: Im ersten Fall wurde das Abkommen nach einem definitiv beendeten Krieg geschlossen. Deutschland war militärisch geschlagen, und seine Verbündeten hatten vordem schon die Waffen gestreckt. 

Österreich-Ungarn hatte am 3. November nahe dem italienischen Padua einen Waffenstillstand geschlossen. So auch das Osmanische Reich, das diesen Schritt bereits am 20. Oktober 1918 im Hafen von Moudros auf der griechischen Insel Limnos ging. Früher noch war von Bulgarien am 29. 

September eine Waffenruhe vereinbart worden. 

  Anders 1940. In Compiègne kapitulierte nur ein Gegner Deutschlands, während Großbritannien und seine Verbündeten in Übersee ihre Entschlossenheit bekundeten, den Krieg fortzusetzen. Das hatten die Diktierenden in Rechnung zu stellen, und das tat namentlich auch Hitler, der sich über die Weiterführung des Krieges noch nicht sicher war und einen baldigen Friedensschluss mit dem Inselreich vorgezogen haben würde. 

Dies umso mehr, als der Kampf um das deutsche Kolonialreich in Osteuropa erst noch bevorstand. Wollte er diese Konstellation erreichen, dann durften er und sein Verbündeter Italien nicht als hemmungslose Räuber erscheinen. 

Zudem waren einige lockende Früchte des Sieges über den »Erbfeind« in diesem Moment schlicht unerreichbar. Dessen Kriegs- und auch die Handelsflotte befanden sich in britischen Häfen, in denen des französischen Kolonialreichs und anderswo in der Welt. Überhaupt war für die Deutschen kein Herankommen an die Kolonien Frankreichs und deren Reichtümer. 

  So lauteten die hauptsächlichen Bestimmungen des Abkommens, dass Nordfrankreich und seine gesamte Küste vom Nordwesten bis zur spanischen Grenze deutsches Besatzungsgebiet wurde, also insgesamt 60 Prozent des Landes. Der Rest wurde ein Staat von deutschen Gnaden. Alsace und Lorraine jedoch kam de facto und im Vorgriff auf einen Friedensvertrag (als Elsass und Lothringen) zum »großdeutschen Reich«. Der besetzte Landesteil, an dessen Spitze ein Befehlshaber der Wehrmacht gestellt wurde, hatte die enormen Okkupationskosten zu tragen. Ausdrücklich wurde Frankreich weiter auferlegt, die Deutschen auszuliefern, die in seinen Grenzen Schutz gesucht hatten. Das betraf Antifaschisten und Hitlergegner ebenso wie die vor den Judenverfolgungen Geflohenen. 

  Drei Stunden in Paris  Mit Frankreichs Kapitulation war Hitlers Aufgabe als »Feldherr« erfüllt, aber er verließ nicht sofort das eroberte Land, das er später nie wieder betreten sollte. Vor seiner Rückkehr nach Berlin absolvierte er ein touristisches Kurzprogramm. Man schrieb den 28. Juni als der »Führer« – in Begleitung von Generalfeldmarschall Keitel, vom Adjutanten Hitlers in Parteiangelegenheiten Albert Bormann, von den Architekten Hermann Giesler und Albert Speer sowie vom Bildhauer Arno Breker – am frühen Morgen in Le Bourget sein Flugzeug verließ. Er begab sich an der Spitze einer Autokolonne durch menschenleere Straßen in das Zentrum der Stadt. 

  In den Vorkriegsjahren war Hitler nicht weiter über die deutschen Grenzen hinaus gelangt als bis in das verbündete Italien, wohin ihn der »Duce« eingeladen hatte. 1939 erschien er nicht als Gast, sondern als Sieger und Eroberer in Warschau, wo er eine Militärparade abnahm. Nun war er in Paris. Auch hierhin hatte er seinen Leibfotografen Heinrich Hoffmann mitgenommen, so dass eine Anzahl von Aufnahmen ihn am Ort zeigen. Zeugnisse des Triumphs, die von der faschistischen Presse und alsbald auch in einem Bildband veröffentlicht wurden. Hitler mit kleinem Gefolge, den Blick auf den Eiffelturm gerichtet, zeigt das auch später häufig gedruckte Foto. 

Das war nach dem Besuch des Opernhauses der zweite Halt seiner Fahrt. Der dritte wurde am Invalidendom mit der Krypta und dem Sarkophag Napoleons I. 

eingelegt. Hier hatte der Kaiser der Franzosen seine letzte Ruhestätte gefunden, nachdem er zunächst auf der Atlantikinsel St. Helena 1821 beerdigt worden war. 

  Zweimal schon hatten preußisch-deutsche Heere Frankreich besiegt und waren bis vor Paris gelangt. Doch weder Preußens König Friedrich Wilhelm III. hatte es 1815 in die Hauptstadt des Kriegsgegners gezogen noch 1871 Wilhelm I., der sich jedoch im benachbarten Versailles zum Kaiser ausrufen ließ. Nun also kam Hitler in die besetzte Metropole, die einen deutschen Kommandanten erhalten hatte. Doch geschah das alles nahezu lautlos. Sein Aufenthalt war kurz. Es gab weder ein politisches noch ein militärisches Zeremoniell. Hitler absolvierte den Besuch wie ein musisch interessierter Tourist, ein Eindruck, den seine Begleitung verstärkte. Hitler gab an jenem Morgen – und das nicht zum ersten Mal – den verhinderten Künstler, der sich dem Ruf in die Politik nicht habe entziehen können. 

  Nach der Zeremonie in Compiègne wurde eine weitere Demütigung des geschlagenen Gegners vermieden. Dazu mochte beigetragen haben, dass der Besucher in jenen Tagen bereits mehr und mehr von der Frage beherrscht war, wie der eben errungene Sieg auszubeuten und der Krieg gegen Großbritannien und seine Verbündeten weiterzuführen sei. Hitler hielt sich nicht länger als drei Stunden in Paris auf und verließ die erwachte Stadt nach einem Blick vom Montmartre. 

  Jubel über schnellen Sieg  Was Hitler in der eindrucksvollen Begräbnisstätte des großen Franzosenkaisers in der riesigen Kuppelhalle des Invalidendoms durch den Kopf ging, ist nicht überliefert. Wohl nicht die Einsicht, dass Napoleon, der geniale militärische Führer, dessen Armeen in Europa Eroberungen in Serie gemacht hatten, keinen Weg und keine Mittel gefunden hatte, England zu besiegen. Vielmehr war es ein Engländer, der Herzog von Wellington, gewesen, gegen den und dessen Verbündete der Kaiser bei Waterloo 1815 in seine letzte Schlacht gezogen war, in der er vernichtend geschlagen wurde (siehe jW-Thema vom 18.6.2015). Und dann wäre da als Denkstoff noch der drei Jahre zuvor, 1812, unternommene Kriegszug des Korsen nach Moskau gewesen, mit dem Untergang der Großen Armee und der auf russischem Boden eingeleiteten Wende der europäischen Geschichte. 

Sicher ist nur, dass Hitler in jenen Tagen ganz Triumph war. Zunächst reiste er zurück in sein Hauptquartier. Die Spur, die er in Paris hinterließ, entstand durch seine Anweisung, den Sohn Napoleons mit Marie-Louise von Österreich, einen gewissen Napoleon Franz Buonaparte, Herzog von Reichsstatt (1811–1832), im Invalidendom an der Seite seines Vaters beizusetzen. Das geschah. Feierlich wurde der Leichnam des Mannes, der nicht Napoleon II. geworden war und zu dem die Franzosen keine Beziehung besaßen, aus der Wiener Kapuzinergruft in die Krypta des Invalidendoms überführt. Das geschah in Anwesenheit des Marschalls Pétain, des nunmehrigen, in Vichy residierenden Präsidenten des französischen Reststaates. 

  Bevor Hitler Frankreich verließ, machte er sich noch auf eine weitere Reise. Er besuchte die Gegend, in der er im Ersten Weltkrieg als Soldat gewesen war. Dann kehrte er am 6. Juli nach Berlin zurück, wo ihn Massen empfingen. Deren Jubel war umso lauter, als niemand – und vor allem die Angehörigen der älteren Generation, die sich an den Ersten Weltkrieg zu erinnern vermochten – vor nicht langer Zeit geglaubt hatte, dass dieser Gegner binnen weniger Wochen besiegt werden könnte. Was ein Vierteljahrhundert zuvor binnen vier Jahren nicht gelungen war, hatte sich nun in geradezu atemberaubendem Tempo ereignet. Diesen Jubel verstärkten noch die Vorstellungen vom Gewicht des Gegners, die ebenfalls aus der Vergangenheit bezogen wurden, nicht aber aus Kenntnissen über dessen tatsächliche Kriegsvorbereitungen stammten. Von der Wehrmacht wurde das Bild einer Wunder- und Blitzkriegswaffe gezeichnet, Hitler zum genialen Feldherren, seine Generale – die zu Dutzenden befördert, eine ganze Reihe zu Feldmarschällen ernannt – zu begnadeten Heerführern gemacht. 

Wer wollte dieser und diesen noch widerstehen? Die Briten? Von deren Flucht vom Kontinent und der Hinterlassenschaft ihrer Waffen und Ausrüstungen waren in den Kinos eindrucksvolle Aufnahmen zu sehen. 

  »Meldungen aus dem Reich« vom 27. Juni 1940  Zu den Aufgaben des Sicherheitsdienstes des Reichsführers SS gehörte es auch, die Bevölkerung auszuhorchen. Der Apparat verfasste dazu »Meldungen aus dem Reich«. 

  An den Waffenstillstandsbedingungen wird grundsätzlich keine Kritik geübt, da man sie zur sehr als Werk des Führers empfindet und achtet, dem man in grenzenlosem Vertrauen das fernere Geschick Deutschlands in die Hände legt. Wenn Stellung zu den Bedingungen genommen wird, so nur, um den vielleicht etwas zu großen Edelmut hervorzuheben. »Die Franzosen«, so wird geäußert, »hätten schon eine größere Strafe verdient«. 

Teilweise wird auch der Verwunderung darüber Ausdruck verliehen, dass sie nichts über Gebietsabtretungen und über die Kolonialfrage enthielten. 

Dazu wird gemeldet, dass diese Einstellung wesentlich darauf zurückzuführen sei, dass in weiten Kreisen der Bevölkerung noch nicht genügend Klarheit darüber herrsche, dass diese Waffenstillstandsbedingungen noch kein Friedensvertrag seien. Soweit die Aufnahme mit vollem Verständnis erfolgte, werden die Bedingungen als »hart, aber gerecht und ehrenvoll«, »keineswegs rachsüchtig«, »so wie sie nur ein anständiger Gegner stellen kann«, »geeignet zur dauernden Verständigung mit Frankreich beizutragen«, gut aufgenommen und begrüßt. 

Ein Beweis für die mangelnde Klarheit der Bevölkerung über den wahren Charakter der Waffenstillstandsbestimmungen ist auch die Tatsache, dass über den Punkt, der die französische Flotte betrifft, eifrig debattiert wird. Man wundert sich, dass die Flotte nicht ausgeliefert zu werden braucht und tröstet sich lediglich damit, dass »wir wohl die Flotte nicht benötigen«. 

  Der Berliner Historiker Kurt Pätzold erinnerte auf diesen Seiten am 18.6.2015 an die Schlacht von Waterloo vor 200 Jahren. Zahlreiche seiner Bücher sind im jW-Shop erhältlich. 

 

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