Erst kam das Fressen  

Beinahe eine Rezension des »Handbuchs PEN« von einem, der diesem Verein seit zwei Jahrzehnten angehört  

Otto Köhler 

In: junge Welt online vom 07.05.2015 

 

Es war das Motiv zur Gründung des ersten deutschen Zentrums der internationalen Schriftstellervereinigung PEN, und das wurde nie verheimlicht: »unserm Lande große Dienste zu erweisen«. Kurz, der Treueschwur, wie er auch heute noch fortbesteht: Wir. Dienen. Deutschland. 

Karl Federn hatte die Selbstverpflichtung ausgesprochen, der Sekretär und schließlich zweite Vorsitzende des am 15. Dezember 1924 gegründeten deutschen PEN. Federn war 1917 durch eine Kampfschrift hervorgetreten, die alle »Anklagen gegen Deutschland« - so der Titel - widerlegte, und hatte zwei Jahre lang (1919 bis 1921) im Auswärtigen Amt gearbeitet. 

PEN, das ist die Abkürzung für Poets, Essayists and Novelists. Diese Vereinigung, die im Sommer 1921 in London entstand, war eine Idee der als »Sappho« bekannten britischen Schriftstellerin Catherine Amy Dawson Scott. 

Sie träumte von einem internationalem Dinner Club, mit Sitz in jeder Hauptstadt der Welt. Jedes Mitglied eines nationalen PEN-Zentrums sollte zugleich Mitglied in allen anderen sein. Und wenn erst mal der Shepherd, der Hirte, da sei, dann würden alle Schafe folgen. Dieser Jesus hieß John Galsworthy, er wurde der erste Londoner PEN-Vorsitzende und verordnete: »no politics«. Das heitere literarische Klubleben begann bald in vielen Metropolen der Welt. 

1924 in Berlin traf sich das besonders glücklich. Dort wurde der neue deutsche PEN angeführt von Ludwig Fulda. Der langjährige erste Vorsitzende war ein bedeutender Theaterdichter und Übersetzer im Kaiserreich und in der Nachfolgerepublik. Und er hatte sich schon früh, 1914, auf den Weg zu einer exquisiten internationalen Verständigung gemacht, die sofort eingetreten wäre, wenn der Feind und vor allem die ausländischen Kollegen endlich eingesehen hätten, dass der deutsche Soldat ein Kämpfer für die Kultur ist. 

Ludwig Fulda jedenfalls war der Verfasser des Manifests »An die Kulturwelt«, mit dem im September 1914 zunächst 93 und bald noch viel mehr deutsche Dichter und Gelehrte vor aller Welt feststellten: »Es ist nicht wahr, dass der Kampf gegen unseren sogenannten Militarismus kein Kampf gegen unsere Kultur ist, wie unsere Feinde heuchlerisch vorgeben. Ohne den deutschen Militarismus wäre die deutsche Kultur längst vom Erdboden getilgt.« 

Damals hatte auch dieser erste Vorsitzende des deutschen PEN den Manifestsatz formuliert: »Sich als Verteidiger europäischer Zivilisation zu gebärden, haben die am wenigsten das Recht, die sich mit Russen und Serben verbünden und der Welt das schmachvolle Schauspiel bieten, Mongolen und Neger auf die weiße Rasse zu hetzen.« 

1933 war Fulda nur noch ein Abkömmling der »jüdischen Rasse«. Da nützte es nichts, dass er an seinen »Aufruf der 93« erinnerte und an seine »rege Propagandatätigkeit für das Vaterland«. Zwar habe er als 53jähriger den Krieg »nicht mit der Waffe in der Hand« mitgemacht. Aber: »Durch ungezählte Kriegsvorträge, Rezitationen, Broschüren und Kriegsgedichte (die vielfach in Anthologien übergegangen sind) trug ich nach besten Kräften dazu bei, die Stimmung in der Heimat zu heben. Lustspiele von mir wurden von fast allen Fronttheatern häufig gespielt.« Vor allem aber: »Auch in der Nachkriegszeit habe ich meine Stimme immer nur im nationalen Sinn erhoben, bin niemals politisch hervorgetreten« (Unterstreichung im Original). 

Das war keine Selbstverleugnung, aber es half nicht bei den Nazis. Am 30. 

März 1939, die Deportationen rückten näher, alle Versuche aus diesem Vaterland zu emigrieren, waren gescheitert, nahm sich Ludwig Fulda das Leben, auch um seine Frau zu retten (»Du bist Arierin, und es wird Dir, wenn ich nicht mehr bin, nichts mehr geschehen können«). 

Schon ein Jahr nach seiner Gründung wurde der deutsche PEN zum Internationalen PEN-Kongress nach Paris eingeladen. Als Delegierte traten an der erwähne zweite Vorsitzende und Landesdienstleister Federn und der völkische Autor Hans Friedrich Blunck. Ihnen gelang es, für das nächste Jahr die Schriftsteller der Welt nach Berlin einzuladen. 

Im Frieden PazifistenDer Literaturkritiker Willy Haas widmete 1926 nahezu ein komplettes Heft seiner Literarischen Welt diesem im selben Jahr abgehaltenen, ersten Internationalen PEN-Kongress auf deutschem Boden. Und machte eine Umfrage. Bertolt Brecht gab der Erwartung Ausdruck, dass die Tagung »unter dem Zeichen der Festessen stehen wird«. Sie sei »hoffnungslos überflüssig und schädlich«, weil die deutsche PEN-Gruppe »bewusst alles Junge ausgeschlossen« habe. Auch Alfred Döblin meinte, die »kriegsgegnerische und junge Dichtergeneration ist nicht vertreten« und nannte den Deutschen PEN »die Clique des Herrn Fulda«. Walter Mehring urteilte, die führenden Leute, »wie Fulda« waren »gestern noch Kriegshetzer. Ihnen fehlt jede Legitimation, sich heute als Völkerversöhner oder als Vertreter der deutschen Schriftsteller aufzuspielen.« 

Später fanden auch jüngere, ja sogar pazifistische Autoren - sagen wir - Aufnahme. Doch noch Jahre später differenzierte Kurt Tucholsky in einem satirischen Beitrag über Berliner Tanzereignisse sorgfältig: »Die anwesenden Dichter gelobten, im Frieden Pazifisten zu sein und zu bleiben.« (»Alpenball des Pen-Klubs«, Weltbühne, 28. Januar 1930) Immerhin. Damals. 

Obwohl ich bis zu meinem zwölften Lebensjahr (1947) ein fanatischer Anhänger des deutschen Soldaten war, blieb mir der PEN lange fremd. Doch eines Tages um 1994/95 herum traf ich auf der Straße Manfred Bissinger, den damaligen Generalsekretär, und der sagte mir, ich solle mich nicht wundern, wenn ich in den nächsten Tagen einen Brief vom PEN bekäme. Ich versprach es, wunderte mich dann aber auch nicht, als kein Brief kam. Aber dann 1995/96 begann unter der Präsidentschaft Ingrid Bachérs der ganz große Krach im immer noch westdeutschen PEN. Sie und ihr Anhang wollten sich nicht mit dem (ost-)deutschen PEN-Zentrum vereinen, von dem sich unter dem Einfluss der CIA und deren Kongress für kulturelle Freiheit der nunmehr westdeutsche PEN-Klub 1951 abgespalten hatte. 

»Sich zu vereinigen«, dazu hatte der Internationale PEN gleich nach dem Anschluss der DDR die beiden deutschen Zentren aufgefordert. Und Generalsekretär Hanns Werner Schwarze erklärte noch vor der Währungsunion im Juni 1990, der West-PEN dürfe weder »Spruchkammer noch Sittenrichter« werden. Marxisten und Kommunisten habe es immer gegeben im deutschen PEN und der bundesdeutsche Klub habe stets gegen einen Radikalenerlass gekämpft. Doch die neue Präsidentin Bachér machte sechs Jahre später - da war Schwarze schon fünf Jahre tot - den Westklub gegen die aus dem Osten dicht. 

Aus Protest gegen Bachérs Mauern beantragten über sechzig Mitglieder ihres West-PEN zusätzlich beim Ost-PEN die Aufnahme, die ihnen gern gewährt wurde. Da ist was los, dachte ich, fragte nach, was aus dem angekündigten Brieflein geworden sei. Ich sei doch schon lange Mitglied, erfuhr ich, und war dessen froh. Nun konnte auch ich Doppelmitglied werden. 

Ich war nicht wiedervereinigungssüchtig, aber im Ost-Pen fühlte ich mich wohl und hatte darum nichts dagegen, dass die Vereinigung 1998 doch noch gelang. Seither fahre ich alljährlich, man gönnt sich ja sonst nichts, zu den Mitgliederversammlungen, bei denen ich schließlich auf einen unermüdlich wiedergewählten Dauerpräsidenten stieß. 

Johano ohne ichZum Rezensionsstück. Problematisch mag erscheinen, dass die Herausgeber des »Handbuchs PEN« die Bearbeitung des wichtigen Kapitels »Vom mühsamen Vereinigungsprozess bis zur Gegenwart« dem in dieser Zeit rastlos tätigen Generalsekretär (1996 bis 2002) und Präsidenten des Deutschen PEN (2002 bis 2013) selbst überließen. Das führte dazu, dass Johano Strasser innerhalb des gesamten Kapitels nie ich sagen darf, sondern von sich nur in der dritten Person zu sprechen vermag. 

Als Jungsozialist war er früh in das Milieu der fleißigen und stets erfolgreichen Grundwertekommission der SPD geraten. Seit vierzig Jahren gehört er ihr an, und das entschuldigt manches. Etwa wenn Johano schreibt: »Die Hoffnung, die nach 1989 viele beseelte, dass der Siegeszug der Freiheit nun nicht mehr aufzuhalten sein würde«, habe sich »im ganzen leider nicht bewahrheitet«. »Seitdem« sei die Welt, so formuliert er, »nicht wirklich« ein friedlicher Ort geworden. Sowohl im Irak als auch in Afghanistan könne von einer »nachhaltigen Befriedung« keine Rede sein. 

Befriedung ist etwas anderes als Frieden. »Befriedung«, das müßte jeder Grundwertekommissar wissen, ist eine Vokabel aus dem Sprachschatz der SS-Einsatzkommandos. 

Befriedung, ja Befriedung, die hatte Bundeskanzler Gerhard Schröder den Jugoslawen gewährt, als er als erster deutscher Regierungschef seit Hitler wieder Krieg führte und - wie der Führer - zuallererst ohne Kriegserklärung Belgrad bombardierte. 2000 hatten der scheidende PEN-Präsident Christoph Hein und ich einen Antrag gestellt, der die Desinformationspolitik der Bundesregierung (erinnert sei an den »Hufeisenplan« und das »Massaker« von Racak) verurteilte. Johano Strasser, damals noch Generalsekretär, versicherte, sein Freund, der Verteidigungsminister Rudolf Scharping, habe ihm gesagt, alles sei richtig. Und im übrigen hätten wir nur noch sieben Minuten Zeit: Schnell abstimmen, das Mittagessen steht auf dem Tisch. Der deutsche PEN löffelte seine Suppe heiß. Denn unser Antrag wurde mit überwältigender Mehrheit abgelehnt. 

Und unser Generalsekretär konnte gleich darauf nach Moskau fliegen, wo der Internationale PEN den Krieg der Russen gegen Tschetschenien verurteilte. 

Dass der russische PEN-Klub kein Geld von der Regierung bekomme, betonte Strasser, sei »in dieser Situation eher ein Vorteil«. Die Spesen waren kein Problem, denn, so der deutsche Generalsekretär: »Die Ford Foundation hat mitfinanziert, so dass auch von der Finanzierungsseite her Unabhängigkeit garantiert ist.« Gemeint war: Die Stiftung des Hitler-Freundes und Antisemiten Henry Ford hatte für die Unabhängigkeit gelöhnt. 

Nach elfjähriger Präsidentschaft des Kommissars der sozialdemokratischen Grundwerte - es war nicht alles schlecht: Johano Strasser hat die wichtige und notwendige Arbeit für verfolgte Kollegen in aller Welt (»Writers in Prison« und »Writers in Exil«) gefördert und vorangetrieben - wählten wir 2013 einen neuen Präsidenten, den Österreicher Josef Haslinger (»Opernball«), Direktor des Deutschen Literaturinstituts in Leipzig. Er hat im vergangenen Jahr an das kriegerische Verhalten und das schreckliche Ende des ersten deutschen PEN-Präsidenten erinnert. Das ermutigte mich, einen Antrag einzubringen: »Wir weigern uns, in den Dienst jeglicher Kriegspropaganda zu treten«. Da stand unser neuer Präsident auf: Das sei doch nicht nötig, unsere PEN-Charta verbiete das ohnehin. Ich war vergrätzt, ich traute ihm nicht, erkannte dann aber die Weisheit unseres neuen großen Vorsitzenden, als dann auch noch unsere Generalsekretärin Regula Venske in einem Leserbrief an die junge Welt feststellte: »Der deutsche PEN lehnt jegliche Kriegspropaganda ab.« Nun hatte es sich aber begeben, dass wir, kurz bevor mein Ansinnen abgeschmettert wurde, auf Antrag von Johano Strasser ein neues Mitglied aufgenommen hatten, doch davon gleich. 

Flüssige VereinigungDa gibt es außer dem deutschen PEN noch etwas anderes - ein PEN-Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland. Diese Vereinigung ist hervorgegangen aus dem Exil-PEN, der gegen den 1933 von den Nazis übernommenen und gleichgeschalteten deutschen PEN entstanden war. Dieser Exil-PEN wurde im Januar 2002 von seinem Präsidenten Fritz Beer aufgelöst. 

Unter seine Fittiche hatte sich zuvor ein Großteil der Autoren geflüchtet, die hinter dem gescheiterten Konfrontationskurs standen, den 1995 die kurzzeitige Präsidentin des westdeutschen PEN gegen ihre vereinigungssüchtigen Mitglieder fuhr. Aus dem so von den gescheiterten Bachér-Anhängern gekaperten Exil-PEN entstand im Zusammenhang mit dem Autorenkreis der Konrad-Adenauer-Stiftung ein neues PEN-Zentrum von deutschsprachiger Autoren im - mehr oder weniger - Ausland, das von seinem Präsidenten Wolfgang Schlott gern auch »Zentrum der Schriftstellerinnen und Schriftsteller im Exil deutschsprachiger Länder« genannt wird. Die meisten sind durchaus ehrenwert. Und die dürften sich wundern über das, was ihr Vorsitzender Schlott im »Handbuch PEN« ausplaudert - auch er schreibt von sich stets in dritter Person. Das wichtigste Kapitel seines Beitrags ist überschrieben: »Der Exil-PEN - Nach dem Zerfall der kommunistischen Staaten eine ›überflüssige‹ Vereinigung?« 

Tatsächlich ist dieser »Exil«-PEN eine flüssige Vereinigung. Der in Bremen ansässige Präsident legt in diesem ganzen Kapitel Rechenschaft über die Veranstaltungen seines PEN ab. Fast alle hier aufgezählten Kongresse und Tagungen wurden von den unionsverbundenen Institutionen Konrad-Adenauer-Stiftung und Hanns-Seidel-Stiftung finanziert. In diesem Zusammenhang spricht der Präsident Schlott von einem »funktionierenden Netzwerk«, wobei als Finanzier auch die einst vom Starfighter-Verteidigungsminister Kai-Uwe von Hassel gegründete Hermann-Ehlers-Stiftung auftaucht, die sich heute der »Personalgewinnung« für die Bundesmarine verpflichtet weiß. 

Es gibt nur zwei hier verzeichnete Ausnahmen bei den aufgezählten Finanzierungen durch die genannten Stiftungen: »Zu Beginn des 21. 

Jahrhunderts«, so Schlott, befasste sich dieser »Exil«-PEN-Club deutschsprachiger Länder »mit europäischer Militärgeschichte«: Er führte zusammen mit und innerhalb der »Akademie der Bundeswehr für Information und Kommunikation« in Strausberg eine »Fachtagung« durch über »Marschälle und Generäle in der Literatur des 20. Jahrhunderts«, bei der man sich sicherlich nicht nur in feinsinnige literarische Gespräche über die Lieblingslektüre der hohen Militärs verirrte. Eine zweite Arbeitstagung des »Exil«-PEN mit dieser ominösen Bundeswehr-Akademie »diente der Aufklärung über Verfahrensweisen der ideologischen Beeinflussung westlicher Institutionen durch kommunistische Einrichtungen«. Dabei fehlte natürlich nicht der hochtalentierte und allgemein anerkannte Stasi-Romancier Hubertus Knabe, der sachkundig über die »ideologische und militärische Unterwanderung Westeuropas« aufklärte. 

Exil StrausbergWas hat der »Exil«-PEN mit dieser »Akademie der Bundeswehr für Information und Kommunikation« zu tun? Nun es ist nicht nur die Finanzierung, sondern vor allem die Idee der Aufklärung. Der diente die Bundeswehr-Akademie in Strausberg bei Berlin schon, als ihre Vorgänger noch unter und bald auch noch nach Hitler als Amt für psychologische Kriegsführung in der Robert-Ley-Stadt Waldbröl in einem ehemaligen Kraft-durch-Freude-Hotel tätig waren. Nach der Eroberung des Sitzes des Ministeriums für Nationale Verteidigung in Strausberg durch Generalleutnant Jörg Schönbohm übersiedelte das westdeutsche psychologische Kampforgan dorthin. Von hier aus wird das nunmehr ganze Deutschland mit Aufklärung und Propaganda überzogen. An die hundert hauptamtliche und über 300 nebenamtliche Jugendoffiziere wurden in der Strausberger Akademie geschult, Kinder und Jugendliche in Bildungseinrichtungen für den Dienst in der Bundeswehr zu agitieren. Strausberg ist heute die Zentrale für Aufklärung und Propaganda des deutschen Militärs. Aber nicht nur Schulen, Universitäten und der »Exil«-Pen deutschsprachiger Autoren werden unterwandert und vereinnahmt von dieser Akademie, die sich früher ehrlich Amt für psychologische Kriegsführung nannte. 

Manchmal wundere er sich, dass so einer nicht längst Mitglied des PEN sei, sagte auf der Mitgliederversammlung vergangenes Jahr in Schwäbisch Hall der frühere Präsident Johano Strasser und beantragte - erfolgreich - die Aufnahme des Vorwärts- und ARD-Mitarbeiters Professor Dr. Jörg Hafkemeyer in den deutschen PEN. Jetzt dürfen sich auch die PEN-Mitglieder - der Erwählte hat seine Teilnahme am morgigen Donnerstag beginnenden PEN-Kongress in Magdeburg angekündigt - wundern. Vielleicht trainiert er sie an diesem Donnerstag im Umgang mit höheren Militärs. Normalerweise aber macht er es umgekehrt. An der Akademie für Information und Kommunikation in Strausberg schult er vor der Kamera Offiziere des gehobenen Dienstes für Presseauftritte. Kurz, er bringt ihnen bei, wie sie Journalisten aufs Kreuz legen können und darunter auch manchen seiner neuen Kollegen im PEN. 

Professor Hafkemeyer ist ein hocherfahrener Trainer nicht nur an der Akademie der Bundeswehr für Kommunikation und Information. 2003 brachte er den Deutschen bei, dass sie nun aber endlich wieder töten können müssen. 

Sein ARD-Film hieß »Keiner sieht sie kommen ...«. Ein Dokumentarfilm über die »geheime Truppe der Bundeswehr«, über das Kommando Spezialkräfte (KSK), über die schwarz vermummten Männer dieses Sondereinsatzkorps der Bundeswehr. Reporter Hafkemeyer verbarg nicht seine Sympathie für die »verschworene Gemeinschaft«, für »diese Elitesoldaten der Bundeswehr«. Für die Männer, für die das Gebot, der, ja, Mordbefehl, gilt: »Gefangene werden nicht gemacht«. 

Hafkemeyer stellte auch die unerläßliche Frage: »Und wenn der Feind auftaucht, wird er erschossen, warum macht jemand das?« - »Für mich ist das eine Herausforderung. Ich wollte das eigentlich schon immer machen«, antwortete ein maskierter KSK-Mann: »Danach bin ich froh und glücklich, dass ich das wieder geschafft habe.« »Geheimes Heldentum« nannte das Hafkemeyer in der ARD. Und fragte, »wo bleibt die Anerkennung?« Und klagte, dass diese Helden dafür nur 4000 Euro bekommen. 

Dieses Jahr habe ich wieder einen Antrag. Diesmal geht es nicht darum, dass wir uns weigern, Kriegspropagandisten zu sein, das versteht sich aus unserer Charta - wie ich jetzt weiß - von selbst. Diesmal geht es nur darum, dass wir einen, der uns letztes Jahr untergejubelt wurde, obwohl sein Tun gegen unsere Grundsätze verstößt, aus dem PEN entfernen. Der Antrag: »Eine Mitgliedschaft im PEN ist nicht vereinbar mit einer Tätigkeit als Medientrainer an militärischen Einrichtungen wie der für psychologische Kriegsführung zuständigen Akademie der Bundeswehr für Information und Kommunikation (AkBwInfoKom) in Strausberg. Das gilt insbesondere dann, wenn ein dem PEN angehörender Journalist Offiziere im zweckdienlichen Umgang mit Journalisten ausbildet.« Mal sehen, ob der Antrag angenommen wird. Oder ob wir statt dessen besser zu einem ehrenden Gedenken für die Kriegspropaganda unseres allerersten Präsidenten schreiten wollen. 

 

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