Gastkolumne von Uli Brockmeyer  

Ruhm und Ehre den Befreiern  

In: unsere zeit online vom 27.02.2015 

 

Es ist allgemein nicht üblich, einen 97. Jahrestag als Jubiläum zu begehen. Dennoch sollte an dieser Stelle – aus durchaus aktuellem Anlaß – ein solcher Jahrestag gewürdigt werden. 

Am 23. Februar 1918 wurden im damaligen Petrograd und in Moskau die ersten Einheiten der Roten Armee gebildet, um die junge Sowjetmacht gegen innere und äußere Feinde zu verteidigen. 

Die am Beginn der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution vom 7. November 1917 von Lenin erlassenen Dekrete über den Frieden, über Brot und über Grund und Boden waren den Mächten des Zarismus und des russischen Kapitalismus Grund genug, mit allen Mitteln, vor allem mit militärischem Terror, gegen die Räte der Arbeiter und Bauern, gegen die Partei der Kommunisten und alle fortschrittlichen Kräfte vorzugehen. Ihnen zu Hilfe kamen die Mächte der alten Entente, so daß sich die junge Sowjetmacht auf dem eigenen Territorium auch gegen Invasoren aus den USA, England, Frankreich, Italien, Rumänien, Japan und weiteren Ländern zu wehren hatte. Erst 1922 konnte mit der Einnahme von Wladiwostok durch die Rote Armee der letzte Eindringling aus dem Land vertrieben werden. 

Die härteste Prüfung hatte die Rote Armee nach dem Überfall des faschistischen Deutschland auf die Sowjetunion im Sommer 1941 zu bestehen. Unter dem Druck und der waffentechnischen Übermacht der deutschen Wehrmacht und ihrer Verbündeten mussten sich die sowjetischen Truppen kämpfend bis in die Vororte von Moskau und Leningrad zurückziehen, große Gebiete der Sowjetunion, bis zum Kaukasus im Süden, wurden von den faschistischen Invasoren besetzt. Doch dank des heldenhaften Kampfes der Soldaten und des Widerstandes der sowjetischen Menschen in den Städten und Dörfern gelang es den Faschisten nicht, Moskau und Leningrad einzunehmen. In harten und opferreichen Kämpfen gelang es den Einheiten der Roten Armee schließlich, das Territorium der Sowjetunion von den faschistischen Invasoren zu befreien und ihren Befreiungszug bis nach Berlin fortzusetzen. 

Heute wird in Berlin und in anderen westlichen Hauptstädten der 70. Jahrestag des Sieges über den Faschismus am 9. Mai kleingeredet oder völlig ignoriert. 

Der ukrainische Ministerpräsident darf im deutschen Staatsfernsehen unwidersprochen behaupten, die Rote Arme habe die Ukraine und danach Deutschland angegriffen. Westliche Politiker reden öffentlich davon, dass die Befreiung durch die Rote Armee keine Befreiung, sondern eine Eroberung gewesen sei. 

Das sind die Mächte des alten Europa, die sich zu einer heiligen Hetzjagd gegen das Gespenst des Kommunismus vereinigt haben – von denen schon Marx und Engels 1848 im Manifest der Kommunistischen Partei schrieben. 

Der 23. Februar und der 9. Mai sind Anlässe, unseren Dank zu bekräftigen: „Ruhm und Ehre den Befreiern, den Soldaten der Roten Armee!" 

 

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70 Jahre nach der Befreiung von Faschismus und Krieg (Auszüge)  

In: unsere zeit online vom 27.02.2015 

 

Für eine neue Entspannungspolitik, nein zur Vorbereitung auf den Krieg! Am 8. Mai 1945 wurde ganz Europa von dem Verbrechersystem des deutschen Faschismus und seinem Krieg befreit. (…) Deshalb verdanken wir als heute Lebende die Grundlagen eines Lebens in Frieden, Freiheit und Vielfalt den Siegern des 8. Mai. Die alliierten Streitkräfte, unter denen die Rote Armee mit Abstand die größte Last des Krieges in Europa zu tragen hatte, sind auch unsere Befreier. 

Trotz schwieriger politischer Konstellationen folgte dem Sieg über den Faschismus in Europa eine lange Friedensperiode. Der Drang der Völker, nach zwei mörderischen Kriegen dauerhaft friedliche Beziehungen aufzubauen und demokratische Verhältnisse zu errichten, trug Früchte. (…) Im 70. Jahr der Befreiung vom Faschismus steht die Bundesregierung in der historischen Verantwortung, eine neue Entspannungspolitik mit Russland auf den Weg zu bringen, in der die Sicherheitsinteressen aller Beteiligten Berücksichtigung finden. 

Antifaschismus und Antimilitarismus gehören zusammen Wir erleben eine Welle von Völkerhass und Gewalt, und zwar nicht nur in Kriegen. Heute kommt der Auseinandersetzung Antifaschismus vs. Faschismus und Antimilitarismus vs. Kriegstreiberei eine besondere Bedeutung zu. Dies sowohl im Inland, wo die rechten Bewegungen gegen die Opfer der Kriegspolitik und der Krise, gegen den Zuzug von Flüchtlingen, immer größere Ausmaße annehmen. Und dies gilt für die europäische Politik gleichermaßen. Es sind z. T. offen faschistische Kräfte, die immer mehr Einfluss in der Nato und der EU gewinnen. Sie sehen die Chance, 70 Jahre nach dem Sieg der Anti-Hitler-Koalition, die unter der besonderen Mitwirkung der UdSSR den deutschen Faschismus bezwang, das Rad der Geschichte zurückzudrehen und wieder gen Osten zu marschieren – wenn nicht alle antifaschistischen Kräfte dagegen gemeinsam mobil machen. 

Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/ Bund der Antifaschisten ruft daher verstärkt zu Antikriegsaktionen auf. Die Friedens- und Antifakräfte müssen gemeinsam handeln. In den Stätten, in denen die aktuellen Nato-Kriegsvorbereitungen forciert werden, sind entschiedene Antikriegsaktionen durchzuführen. 

Das Überlebensinteresse Europas erfordert starke Friedensbewegungen In dieser brandgefährlichen Situation zwischen Krieg und Frieden wird es zum Überlebensinteresse Europas, aber auch der Menschheit insgesamt, dass alle Bewegungen, die als Gegenkraft relevant sind, zu gemeinsamen Aktionen für das Leben finden. Das betrifft die Friedensbewegung genauso, wie die Umweltbewegung, die Gewerkschaften und neue soziale Bewegungen, die etwas zum Frieden beitragen können und wollen. 

Es kommt auf jeden Einzelnen an, wir brauchen einen langen Atem und wirksame Aktionsformen. 

In unserer Bündniserklärung stellen wir uns und allen friedliebenden Menschen die Aufgabe: An den 8. Mai 1945 zu erinnern, heißt heute mehr denn je, den Frieden in Europa zu sichern. Eine starke Friedensbewegung muss Druck machen für Verständigung und Abrüstung statt Hetze und Rüstungsexport. Wir werden als Antifaschist/innen und Aktive aus der Friedensbewegung diese Lehre aus der Geschichte mit vielfältigen Veranstaltungen, die am und um den 8. Mai in der ganzen Republik stattfinden werden, in die Öffentlichkeit bringen. Und wir rufen alle Demokratinnen und Demokraten, insbesondere die jungen Menschen auf: Erinnert mit einer Vielzahl von regionalen und örtlichen Veranstaltungen das ganze Jahr über an die Befreier und an die großen Hoffnungen der Befreiten. 

Am 28. Januar 2015 in Berlin unterschrieben und veröffentlicht von: Ludwig Baumann, Rolf Becker, Esther Bejarano, Volker Bethge, Henny Dreyfuss, Prof. Dr. Heinrich Fink, Silvia Gingold, Lühr Henken, Willi Hoffmeister, Liesl Jäger, Jutta Kausch, Patrik Köbele, Bernd Meimberg, Willi van Ooyen, Günter Pappenheim, Peggy Parnass, Karl-Heinz Peil, Sally Perel, Tobias Pflüger, Anne Rieger, Ulrich Sander, Monty Schädel, Horst Schmitthenner, Gerd Schramm, Prof. Dr. 

Ursula Schumm-Garling, Friedo Seydewitz, Frank Skischus, Justin Sonder, Eckart Spoo, Dr. Peter Strutynski, Horst Trapp, Bernhard Trautvetter, Peter Christian Walther, Konstantin Wecker, Marianne Wilke, Steffi Wittenberg, Kutlu Yurtseven 

 

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