Sklaverei und Vernichtung  

Ein kürzlich entdeckter Lageplan gibt Aufschluss über die Doppelfunktion, die Auschwitz für die deutschen Faschisten hatte – als Drehscheibe für Zwangsarbeiter einerseits, als Vernichtungslager andererseits  

Susanne Willems 

In: junge Welt online vom 25.02.2015 

 

Unter den mehr als 2.000 im Katalog der Deutschen Nationalbibliografie angezeigten Büchern zum Thema Auschwitz gibt es nicht eines, das sich mit der Geschichte des Lagers beschäftigt. Diese Lücke schließt ein Bild-Text-Band, der unter dem Titel »Auschwitz. Die Geschichte des Vernichtungslagers« in diesen Tagen beim Verlag »Edition Ost« erscheint. 

Susanne Willems, die in Köln die »Informations- und Beratungsstelle für NS-Verfolgte« geleitet hat und heute an der geschichtswissenschaftlichen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin lehrt, zeichnet darin die Geschichte des Konzentrationslagers Auschwitz nach. Dieses ehemalige Kasernengebäude der polnischen Armee wurde ab 1940 zu einem riesigen Komplex aus drei Hauptlagern und Dutzenden Außenlagern ausgebaut. Willems veröffentlicht darin erstmals Dokumente wie den auf dieser Seite abgebildeten Lageplan der von Albert Speer bewilligten Bauten. Nach dem Zweiten Weltkrieg behauptete der Architekt und Reichsminister für Bewaffnung und Munition, nichts vom Holocaust gewusst zu haben. jW dokumentiert im folgenden das Kapitel »Der Ausbau von Birkenau«. (jW) 

Der Ausbau von Auschwitz folgte ab Mitte August 1942 keiner der bisherigen Gesamtplanungen für Birkenau. Maßgeblich war ein vermutlich in der zweiten Augusthälfte ausgearbeitetes Bauprogramm, das die SS in die Lage versetzen sollte, über die 10.000 im Februar 1941 der I. G. Farben und die 6.000 im März 1942 für Produktionen von Rüstungsfirmen im Lagerbereich zugesagten KZ-Arbeiter hinaus kurzfristig 50.000 Arbeitssklaven zur Verfügung zu stellen. Für dieses »Sonderprogramm Prof. Speer« realisierte die SS das vordringliche Bauprogramm zur »Durchführung der Sonderbehandlung«. 

Auschwitz-Birkenau sollte als Drehscheibe im europaweiten Sklavenarbeitsmarkt fungieren. Das setzte die Ausweitung der Massendeportationen der europäischen Juden und die Vernichtung der nicht arbeitsfähigen Deportierten voraus. 

Seit Oktober 1941 hatte die KZ-Bauleitung in ihren Planungen für Birkenau die Belegzahl der Unterkunftsbaracken erhöht, Lagerabschnitte vergrößert und hinzugefügt, die Anzahl der Baracken in diesen vermehrt. In den letzten Lageplan vom 15. August 1942 hatte sie - analog zur Verdopplung der bei Planungsbeginn angenommenen Gefangenenzahl - am Ende der Rampe des Bahngleises ins Lager Birkenau gegenüber dem zweiten ein spiegelbildlich gleiches drittes Krematorium mit unterirdischem Auskleideraum und Gaskammer eingezeichnet. Bauen konnte die SS bis August 1942 jedoch nur mit Häftlingskommandos, die Erdarbeiten ausführten, Abbruchmaterial und vorhandene Baustoffe verbauten, Zäune setzten und Pferdestallbaracken aufstellten. 

Der Generalbevollmächtigte für die Regelung der Bauwirtschaft (GB Bau), Albert Speer, hatte - ungeachtet früherer Bewilligung der für das Kriegsgefangenenlager vorgesehenen Bauten - ab April 1942 für Birkenau keine Baustoffe mehr freigegeben und bestand wegen Planänderungen nach Mitte Februar 1942 auf einem Neuantrag für das gesamte Bauvorhaben. Der Bau des Stromnetzes, der Wasser- und Abwasserleitungen, der Kläranlage und des Gleisanschlusses waren vorerst ausgeschlossen. Dasselbe galt für das Krematorium. Zwar hatte die Firma Topf & Söhne aus Erfurt mehrere Waggonladungen der 1941 bestellten Bauteile geliefert. Doch ohne Holz, Eisen, Steine und Zement, Baugerät und Fachkräfte konnte keine Baufirma das unterkellerte Gebäude errichten. Deshalb musste Himmler, der während seiner zweiten Inspektion in Auschwitz am 17./18. Juli 1942 keine neuen Instruktionen zum Lagerausbau erteilte, sich mit Rüstungsminister Speer politisch einigen. Von Speers Akzeptanz in seiner Funktion als GB Bau hing ab, ob das Lager Birkenau überhaupt weitergebaut würde. 

Mit Speer traf Himmler am 25. Juli und am 12. August 1942 zusammen. In jener Zeit funktionierte Auschwitz-Birkenau primär als Vernichtungslager. 

Wegen der katastrophalen sanitär-hygienischen Verhältnisse und der ab 23. 

Juli 1942 vollständigen Lagersperre lieferte das KZ der Industrie nicht einmal in bisherigem Umfang Arbeitssklaven. Also konnte der Rüstungsminister die politischen Bedingungen des Lagerausbaus diktieren - und Himmler gab seine bisherige Weigerung auf, Gefangene an Industriebetriebe außerhalb des KZ-Bereichs abzugeben. Zusätzlich zu den 25.000 Häftlingsarbeitern für die demnächst an verschiedenen KZ-Standorten produzierenden Rüstungsfirmen - darunter Krupp in Auschwitz - verlangte Speer aus Auschwitz kurzfristig doppelt so viele KZ-Arbeiter für externe Industriestandorte. Die ersten 10.000 Arbeitssklaven sollte Speer für die oberschlesische Rüstungsindustrie erhalten. 

Himmler, dessen SS-Reichssicherheitshauptamt die Massendeportationen der Juden nach Auschwitz trotz der Typhusepidemie fahrplangemäß fortsetzte, willigte ein, dass die ab 26. August 1942 aus Westeuropa abgehenden Deportationszüge 100 Bahnkilometer vor Auschwitz gestoppt wurden. Am Knotenpunkt Cosel (Kędzierzyn-Kózle) wurden aus allen 19 Zügen mit 17.600 Menschen, die vor Mitte September 1942 unterwegs waren, jeweils mehrere hundert, insgesamt mindestens 4.000 Männer selektiert und durch die Organisation Schmelt [Dienststelle des SS-Brigadeführers Albrecht Schmelt, die Zwangsarbeitereinsätze organisierte, jW] der Industrie zur Ausbeutung an ihren Baustellen in Oberschlesien zugeteilt. 

Nach dieser Vorleistung der SS arrangierte Speer für Oswald Pohl, Himmlers Chef des Wirtschafts- und Verwaltungshauptamts, und dessen Bauchef Hans Kammler am 15. September 1942 eine Beratung mit seinen Mitarbeitern, die die Rüstungsproduktion, den Einsatz der KZ und die Behörde des GB Bau leiteten. In seiner Doppelfunktion als Rüstungsminister und Generalbevollmächtigter für die Regelung der Bauwirtschaft genehmigte Speer der SS schließlich den 13,7 Millionen Reichsmark teuren Ausbau von Birkenau. Nach dem Bericht Pohls stellte Speer der SS in Aussicht, bei Übernahme stillgelegter Fabriken könne sie mit 50.000 jüdischen KZ-Arbeitern eine eigene Rüstungsproduktion aufziehen. Pohl war von Speers Offerte derart begeistert, dass er am folgenden Tag anordnete, sein Arbeitseinsatz-Chef, Gerhard Maurer, solle sein Büro von Oranienburg ins Speer-Ministerium verlegen. 

Zusätzliche KrematorienDas von Speer genehmigte Bauprogramm für Birkenau ersetzte die früheren Ausbauplanungen, wenngleich es Teile aus diesen übernahm - darunter den Bau des dritten Lagerabschnitts, des zweiten Auschwitzer Krematoriums, des Gleisanschlusses, der Bäckerei und für das gesamte Lagergelände die Installation der Strom- und Wasserversorgung, der Abwasserleitungen, der Kläranlagen und der Drainage. Neu aufgenommen wurden die für das »Sonderprogramm Prof. Speer« schnellstens zu errichtenden Bauten westlich des Lagers: ein drittes Krematorium am Ende der geplanten Eisenbahnrampe, ein viertes und - wiederum spiegelbildlich gleiches - fünftes Krematorium mit oberirdischen Gaskammern, so dass die SS nach Herstellerangaben in Birkenau 4.400, nach Aussagen Überlebender des Sonderkommandos auch bis zu 8.000 Leichen an einem Tage beseitigen konnte. 

Zweitens ein zusätzlicher Lagerabschnitt mit dreißig Stallbaracken zum Sortieren und Lagern der den deportierten Juden geraubten Habe, die unter dem Decknamen »Aktion Reinhard« für das Reich verwertet wurde. Drittens: Errichtung der sogenannten Zentralen Sauna, einer mit Heißluft und Wasserdampf betriebenen Anlage. Durch diese wurden die künftigen Arbeitssklaven getrieben, sie wurden registriert und entlaust; parallel wurde die Kleidung in den Dampfkesseln gereinigt. Pohl und Kammler reisten vom 23. bis 25. September 1942 nach Auschwitz, um die Lagerführung und Vertreter von Behörden und Industrie über das »Sonderprogramm Prof. Speer« zu unterrichten, den früher der Schutzhaftlagerführung unterstellten Arbeitseinsatz als Abteilung IIIa zu verselbständigen und mit der Bauleitung die Einzelheiten des »zusätzlichen Bauvolumens Reichsminister Prof. Speer« zu besprechen. Auch der SS-Reichsarzt Dr. Ernst-Robert Grawitz, zugleich geschäftsführender Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, traf in jenen Tagen in Auschwitz ein, um sich ein Bild von der hygienischen und medizinischen Lage des SS-Personals und der Gefangenen zu machen und das weiterhin wegen der Typhusepidemie gesperrte Lager einschließlich der Vergasungsbunker und der Scheiterhaufen an den geöffneten Massengräbern zu inspizieren. 

Die Bauarbeiten am Krematorium II hatte die Kattowitzer Firma Huta im August 1942 begonnen. Das Krematorium III gab die Bauleitung am 25. 

September 1942 bei Topf & Söhne in Auftrag, während für die Achtmuffelöfen [Öfen mit acht Brennkammern, jW] der Krematorien IV und V im November 1941 bestellte, im belarussischen Mogiljew aber nicht verwendete Bauteile adaptiert wurden, die seit Anfang September 1942 in Auschwitz lagerten. Die ausgearbeitete Baubeschreibung und Kostenzusammenstellung vom 28./29. 

Oktober 1942, die dem Generalbevollmächtigten für die Regelung der Bauwirtschaft zur Prüfung vorzulegen war, benennt als Zweck des mit Speer am 15. September 1942 abgestimmten Bauprogramms die »Durchführung der Sonderbehandlung«. 

Die SS ließ zuerst die Bauwerke errichten, die für die Massenvernichtung vorgesehen waren, und nahm bis Mitte 1943 alle vier Krematorien mit integrierten Gaskammern in Betrieb. Zur Verwertung des Raubguts wurde bis Ende 1943 das »Kanada II« genannte Effektenlager mit dreißig Stallbaracken für das geplünderte Gepäck der Deportierten aufgebaut. Die »Zentrale Sauna« ging im Januar 1944 in Betrieb. Das Anschlussgleis ins Lager war im Mai 1944 fertiggestellt. 

Industriemäßige VernichtungDer Lagerabschnitt B III wurde jedoch nie vollständig erschlossen. Selbst nachdem Speers Mitarbeiter am 21. Mai 1943 das gesamte Lager besichtigt und dem Minister, ausgestattet mit einer von der Bauleitung angefertigten Lichtbildmappe, eingehend berichtet hatten, blieben insbesondere die Eisenzuteilungen weit hinter den bewilligten Kontingenten zurück. Kaum etwas davon setzte die SS für eine Infrastruktur ein, die die sanitären und hygienischen Verhältnisse im Lager verbessert hätte, in das bis zu 132.000 Menschen einzusperren geplant war. 

Dadurch, dass Birkenau zu einem Umschlagplatz ausgebaut wurde, an dem Zehntausende in die Rüstungsproduktion vermittelt und alle anderen Deportierten vernichtet werden sollten, bekam Auschwitz im deutschen Terrorsystem besondere Bedeutung: Es wurde das Zentrum der Massendeportationen und des Völkermords an den europäischen Juden. Hier fand die systematische, industriemäßige Vernichtung statt, die am 20. 

Januar 1942 in Berlin auf der Wannsee-Konferenz erörtert worden war. Mit dem beabsichtigten Arbeitseinsatz begründeten deutsche Behörden - auch öffentlich - die Deportationen, für die das Reichssicherheitshauptamt unterschiedslos alle Juden erfassen, festnehmen und mit Güterzügen nach Auschwitz verbringen ließ. Die Entscheidung darüber, ob ein Mensch gleich ins Gas geschickt oder durch Sklavenarbeit vernichtet wurde, traf die SS vor Ort. 

Unmittelbar nach Speers Absprachen mit Pohl am 15. September 1942 bot das Rüstungsministerium der Industrie an, ausländische Juden, darunter Facharbeiter, im Alter von 18 bis 35 Jahren in betriebliche KZ-Lager zu übernehmen. Voreilig erwarteten Speer und Pohl von den örtlichen Gestapostellen, sie würden ausländische Juden als Sklavenarbeiter für die Rüstungsfirmen einsperren, während sie noch damit befasst waren, die letzten Juden aus Deutschland zu deportieren. Am 21. September 1942 bestätigte Hitler Speers Plan, durch Umschichtung der Belegschaften die Rüstungsbetriebe in zwei Schichten auszulasten und die dann nicht mehr belegten Fabriken ebenfalls in zwei Schichten mit KZ-Häftlingen zu betreiben. Die in der Rüstungsindustrie im Reich noch zwangsbeschäftigten deutschen Juden sollten jedoch, was Hitler, wie Speer notierte, betonte, unter allen Umständen deportiert werden. 

So sehr es ab Februar 1942 Speers Interesse als Rüstungsminister widersprach, durch die Deportation der mindestens 15.000 jüdischen Rüstungsarbeiter aus Berlin einen Produktionsrückgang zu riskieren - weshalb er sich Mitte März 1942 vorbehalten hatte, als Minister selbst den Zeitpunkt ihres Abtransports zu bestimmen -, so sehr war er als Generalbauinspektor an deren Deportation interessiert. Speer hatte im September 1938 den Fortgang der Hausräumungen für den hauptstädtischen Umbau Berlins an die Vertreibung der Juden gekoppelt, um deren Altbauwohnungen als Ersatz an Räumungsmieter vermitteln zu können. Im Februar 1941 begann seine Behörde, 2.000 Wohnungen zu räumen, wobei der Verbleib der wohnungslosen Juden als Untermieter bei anderen Juden in Berlin nur als Interimslösung galt. 

Als Auftakt zu den Massendeportationen gab Speer im August 1941 zunächst 5.000 Wohnungsräumungen der »III. Aktion« bei der Berliner Gestapo in Auftrag. Im November 1941 verlangte Speer, alle übrigen Wohnungen zu räumen, die Juden in Berlin noch bewohnten. Diesen letzten Räumauftrag Speers konnte die Gestapo allerdings nicht ausführen, solange sie zwangsbeschäftigte Juden, die Rüstungsfirmen und Arbeitsämter übereinstimmend für sich reklamierten, von der Deportation zurückstellen musste. Sobald jedoch durch den Ausbau von Birkenau die Vernichtung der deportierten Juden mit der Abschöpfung von Arbeitssklaven vereinbar sein würde - so das Kalkül Speers, als er den Ausbau von Birkenau bewilligte -, würde keiner der aus Berlin zu deportierenden jüdischen Zwangsarbeiter der Rüstungsindustrie verlorengehen. 

Wohnungsräumungen in BerlinAm 1. Oktober 1942 vereinbarten Himmler und Speer den zügigen Abtransport der noch nicht deportierten jüdischen Zwangsarbeiter und ihrer Familien aus Deutschland und ihren künftigen Einsatz in der Rüstungsindustrie. Himmler veranlasste, dass ab Oktober sämtliche jüdischen KZ-Häftlinge nach Auschwitz überstellt wurden. Und es wurde am 6. Oktober 1942 jener neue Bauplan gezeichnet, der für den weiteren Ausbau Birkenaus verbindlich sein sollte. Alle späteren Lagepläne schreiben diesen Plan fort, der als einziger die Bauvorhaben des »Sonderprogramms Prof. Speer« markiert, das die Funktion des zweiten Auschwitzer Lagers in Birkenau dauerhaft bestimmte. 

Die in Berlin noch ausstehenden Wohnungsräumungen setzte die Gestapo ab Ende November 1942 um. Straßenweise nahm sie die Juden in ihren Wohnungen und Ende Februar 1943 auch in den Fabriken fest und verbrachte sie bis Mitte März 1943 entweder über Theresienstadt oder in 14 Deportationszügen direkt nach Auschwitz. Insgesamt wurden aus Berlin, aus dem westlichen Reichsgebiet und aus Breslau bis Anfang März 1943 20.000 Juden nach Auschwitz deportiert. 

Zum Einsatz von 50.000 KZ-Häftlingen in der Rüstungsindustrie kam es im Winter 1942/43 nicht. Die Industrie ergänzte und erweiterte die durch die Einberufungen deutscher Arbeiter zum Kriegsdienst ausgedünnten Belegschaften durch ausländische Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene in viel größerer Zahl. Erst nach der für den Kriegsverlauf entscheidenden Niederlage der Wehrmacht in Stalingrad Anfang Februar 1943 errichteten mehr und mehr Konzerne betriebliche KZ-Außenlager. 

Für den Ausbau der oberschlesischen Produktionsanlagen stellte die SS den Konzernen jedoch bis Jahresende 1942 abermals mindestens 4.000 jüdische Zwangsarbeiter »erster Wahl« aus 20 der 42 Cosel passierenden Deportationszüge mit 40.400 Menschen aus Westeuropa bereit. 

Die Selektionen in Cosel führten - möglicherweise aus Auschwitz delegierte - Arbeitseinsatzführer des Wirtschafts- und Verwaltungshauptamtes gemeinsam mit Beauftragten der Organisation Schmelt durch. Die Kriterien, nach denen Männer und Jugendliche in Cosel als arbeitsfähig eingestuft wurden, unterschieden sich nicht von denen in Auschwitz. Aus den 22 direkten Transporten selektierte die SS an der Rampe in Auschwitz über 6.000 Juden als Arbeitssklaven vor allem für den Ausbau des Lagers und ab Oktober 1942 auch für Monowitz, das Außenlager der I. G. Farben. 

Die programmatische Selbstverständlichkeit, mit der in Auschwitz-Birkenau der Völkermord an den europäischen Juden mit ihrer Versklavung für die deutsche Industrie einherging, illustriert ein am 13. Dezember 1946 kaum vier Jahre altes SS-Dokument, aus dem der US-amerikanische Anklagevertreter Thomas J. Dodd dem Internationalen Militärgerichtshof in Nürnberg am 19. Verhandlungstag vortrug: »Im Zuge der bis 30. Januar 1943 befohlenen verstärkten Zuführung von Arbeitskräften in die KL kann auf dem Gebiete des Judensektors wie folgt verfahren werden: [...] Transportbeginn 11.1.1943 Transportende 31.1.1943 [...] Die 45.000 Juden verteilen sich auf 30.000 Juden aus dem Bezirk Bialystok, 10.000 aus dem Ghetto Theresienstadt. Davon 5.000 arbeitsfähige Juden, die bisher für im Ghetto erforderliche kleinere Arbeiten eingesetzt waren und 5.000 im allgemeinen arbeitsunfähige, auch über 60 Jahre alte Juden. [...] 3.000 Juden aus den besetzten niederländischen Gebieten; 2.000 Juden aus Berlin = 45.000. In der Zahl von 45.000 ist der arbeitsunfähige Anhang (alte Juden und Kinder) mit inbegriffen. Bei Anlegung eines zweckmäßigen Maßstabes fallen bei der Ausmusterung der ankommenden Juden in Auschwitz mindestens 10.000 bis 15.000 Arbeitskräfte an.« 

Susanne Willems: Auschwitz. Die Geschichte des Vernichtungslagers, Edition Ost, Berlin 2015, 29,99 Euro, im jW-Shop erhältlich 

Buchpremiere mit der Autorin am 26. März 2015 in der jW-Ladengalerie in der Torstraße 6 in Berlin-Mitte ab 19 Uhr 

Zum Thema ist jetzt in einer Neuauflage die Broschüre »Oswiecim - Oshpitsin - Auschwitz. Zentrum jüdischen Lebens, Stätte des Massenmords. Chronik einer polnischen Stadt« von Hans G Helms erschienen. Sie ist im jW-Shop für 2 Euro erhältlich. 

 

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