Januar 19, 2015  

Damit nicht genug forderte Gauck nun auf diesem Forum Russland allen Ernstes zur Aufarbeitung seiner „Schuld" am Zweiten Weltkrieg auf – ein Land, das im Kampf gegen Faschisten, Nazis und „Mitläufer" ungefähr 27 Millionen Menschen verloren hatte. 

by Kommunisten-Online  

 

Auschwitz Gedenken: 

Gauck, eine Zumutung für die Opfer und Hinterbliebenen! 

von Evelyn Hecht-Galinski 

veröffentlicht am 16. Januar 2015 

Quelle: Sicht vom Hochblauen 

 

Bundespräsident Gaucks Rede im Bundestag zum Auschwitz Gedenken als emotionale Zumutung für mich!

 

Was denkt sich der Bundespräsident? Auch wenn er laut Protokoll das Recht hat, einmal in seiner Amtszeit zum Auschwitz Gedenktag eine Rede zu halten, muss das unbedingt zum 70. Gedenktag der Befreiung durch die sowjetischen Truppen sein? Muss das überhaupt sein? 

Was verbindet denn Herrn Gauck mit Auschwitz? 

Nicht dass Sie mich falsch verstehen: Niemand kann etwas für seine Vorfahren oder für die (Nazi) Vergangenheit seiner Eltern, aber er kann etwas für die „Aufarbeitung" von Vergangenheit und Gegenwart dieser Familiengeschichte tun, statt scheinheilig nun dem Schrecken der Nazi-Diktatur zu gedenken und die eigentlichen Befreier gar nicht erst dazu einzuladen. 

Leidet Herr Gauck an einer Russophobie wie seine Eltern? 

Wenn dem so ist, dann gäbe es auch da noch so einiges aufzuarbeiten. Doch die Fakten sprechen für sich: 

Gaucks Mutter ist NSDAP-Mitglied seit 1932, der Vater ist seit 1934 in der Nazi-Partei 

Was er  im Juni 2013 vor den „15. Potsdamer Begegnungen", einem deutsch-russischen Forum, das einst von Bundespräsident Roman Herzog ins Leben gerufen wurde, zum Thema „Vergangenheitsaufarbeitung" von sich gab, war so unverfroren, dass es einem die Schamröte ins Gesicht trieb. 

Dieser „deutsche Sohn" von Eltern, die man nur als „treue Gefolgsleute der Faschisten" bezeichnen kann – beide Parteimitglieder, Mutter 1932, Vater 1934 in die NSDAP eingetreten – stellt diese aber nur als „Mitläufer" dar. 

Mit „Mitläufern" in der DDR kennt sich Gauck ja aus, diese Gene haben sich wohl vererbt. Damit nicht genug forderte er nun auf diesem Forum Russland allen Ernstes zur Aufarbeitung seiner „Schuld" am Zweiten Weltkrieg auf – ein Land, das im Kampf gegen Faschisten, Nazis und „Mitläufer" ungefähr 27 Millionen Menschen verloren hatte. Er brachte also tatsächlich die deutsche und die russische „Aufarbeitung" in einen Zusammenhang und bezeichnete sich sogar als „Fachmann auf diesem Gebiet". 

Dazu sein Satz: 

„Nur, wer seine Schuld eingesteht, kann die Vergangenheit aufarbeiten." 

Herr Gauck trägt eine gehörige Verantwortung, wenn es ganz aktuell um Kriegstrommeln gegen Russland geht.[1] 

Für all die Opfer von Auschwitz, die Überlebenden und die Hinterbliebenen bedeutet sein Auftritt am 27. Januar im Bundestag eine erneute emotionale Belastung, eine Retraumatisierung, denn Gauck ist kein Mann der Versöhnung, wie seine Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz mehr als deutlich zeigte. 

Schon im Februar 2014 legte er nach und plädierte im Deutsche Welle-Interview für ein Deutschland, das seiner Verantwortung in der Welt gerecht wird, im äußersten Notfall auch mit Waffen! 

In einer Zeit, in der wieder die Gefahr eines Krieges mit Russland heraufbeschworen wird, sollte ein anderer diesen Gedenktag begehen. 

Dieses Gedenken verkommt zu einer präsidialen Banalität. 

Leider lässt sich der Auftritt wohl nicht verhindern, was für mich einem kollektivem Versagen gleichkommt. 

Ich schließe mit einem Tucholsky Zitat 

Lügen ist ihr Geschäft 

Siehe auch:  https://www.youtube.com/watch?v=ZjLosV26c6o 

 

 

 

In der NRhZ[2] fragte man schon zum Jahrestag des Nagelbombenattentats in der Kölner Keupstrasse: 

 

Darf der Repräsentant des Imperialismus und rassistischer Verhältnisse in einem Staat, dessen Unterstützung zur deutschen Staatsräson gehört, eine anti-rassistische Veranstaltung in Deutschland eröffnen? 

Evelyn Hecht-Galinski ergänzt die Anfrage wie folgt: 

Hinzu kommt: Bundespräsident Gauck ist Repräsentant rassistischer Verhältnisse. Er sieht die Unterstützung Israels als Teil deutscher Staatsräson und stützt damit die kriminelle, rassistisch-zionistische Politik dieses Staates. 

Die darf nicht über einen Auftritt bei einer anti-rassistischen Veranstaltung rein gewaschen werden. Und hinzu kommt: Bundespräsident Gauck hat mit seinem Boykott der Olympischen Winterspiele in Sotschi das aggressive Vorgehen gegenüber Russland angeheizt, statt – wie es seine grundgesetzliche Pflicht wäre – für Frieden und der Gerechtigkeit in der Welt einzutreten. 

Das darf ebenso nicht rein gewaschen werden. Auch deshalb gehört dieser Mann ausgeladen. 

  

Plakat von verschiedenen Demonstrationen 

Die heutige Jugend hat einen viel größeren Abstand zu den Ereignissen von damals als die älterene Generationen. Aufklärung statt Verschleierung ist deshalb wichtiger denn je. 

Schauen Sie hier: 

http://www.dvz24.net/html/presse/53-pressrelations/103882-programm-der-internationalen-jugendbegegnung-des-bundestages.html 

Weitere wichtige Links: 

http://www.bild.de/politik/inland/gauck-joachim/zu-muede-fuer-sein-amt-32607730.bild.html 

http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=20462 

http://www.dvz24.net/html/presse/53-pressrelations/103882-programm-der-internationalen-jugendbegegnung-des-bundestages.html 

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Was andere mitteilten  

Vor 70 Jahren befreite die Rote Armee Auschwitz 

In: junge Welt online vom 19.01.2015 

 

Am 27. Januar vor 70 Jahren befreite die Rote Armee Auschwitz. Aus diesem Anlass findet am Dienstag kommender Woche im ehemaligen deutschen Vernichtungslager eine Gedenkfeier statt, zu der Staatsoberhäupter, Regierungschefs und Minister zahlreicher Länder erwartet werden, darunter Bundespräsident Joachim Gauck. Der russische Präsident Wladimir Putin wurde nicht eingeladen. Die »Internationale Föderation der Widerstandskämpfer - Antifaschistische Assoziation« (FIR) wandte sich deswegen am Freitag in einem Schreiben an den polnischen Botschafter in der Bundesrepublik, Jerzy Margański. Darin heißt es: 

Die polnische Regierung mag ja politische Differenzen zur heutigen Politik Russlands haben, aber es ist eine Missachtung nicht nur der militärischen Befreiungsleistung der sowjetischen Streitkräfte, sondern aller Menschen, die sich in den Reihen der Anti-Hitler-Koalition für die Befreiung ihres jeweiligen Landes eingesetzt haben, wenn aus kurzsichtigem politischen Kalkül historische Wahrheiten geleugnet oder verfälscht werden. 

Umso mehr schockiert uns diese Tatsache, da jedoch der Vertreter des Staates, der sich selber in der Rechtsnachfolge des verbrecherischen Regimes des deutschen Faschismus sieht, nämlich die Bundesrepublik Deutschland mit ihrem höchsten Repräsentanten, zu diesem Festakt eingeladen ist. 

Zum selben Thema veröffentlichte die Kommunistische Plattform in der Partei Die Linke am Sonntag eine Erklärung unter dem Titel »Auch wir verlangen: Putin sollte nach Auschwitz eingeladen werden«. Die Unterzeichner beziehen sich auf die Forderung des Direktors des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Israel, Efraim Zuroff, vom 14. Januar (www.i24news.tv/en/opinion/57693-150114-putin-should-be-invited-to-auschwitz): 

Es ist empörend, dass der russische Präsident Wladimir Putin zu den Gedenkfeierlichkeiten anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz nicht offiziell eingeladen wurde - unabhängig davon, ob es allgemein üblich ist, Staats- und Regierungschefs hierzu einzuladen. Sieht man von der dankenswerten Erklärung des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Jerusalem ab, so regt sich über diesen politisch-moralischen Skandal kaum jemand auf. Sieben Jahrzehnte nach der maßgeblich durch die Sowjetunion unter unglaublichen Opfern bewirkten Zerschlagung des Faschismus hat der Russenhass wieder monströse Ausmaße angenommen. Irrationalität regiert. Es ist irrational, den Repräsentanten des Landes nicht direkt zur Gedenkveranstaltung in Auschwitz einzuladen, dessen Armee den Überlebenden dieser Mordfabrik die Freiheit brachte. Das ist Geschichtsrevisionismus perfidester Art. 

Wir verlangen die offizielle Einladung des höchsten russischen Repräsentanten. 27 Millionen sowjetischer Menschen verloren im Kampf gegen die faschistische Barbarei ihr Leben. Wo bleibt der ihnen gebührende Respekt? Wir fordern ihn ein! 

Zu den ersten Unterstützern gehören: Sahra Wagenknecht, Ellen Brombacher, Diether Dehm, Jürgen Eger, Victor Grossman, Thomas Hecker, Heidrun Hegewald, Jürgen Herold, Prof. Dr. Hermann Klenner, Horsta Krum, Oskar Lafontaine, Prof. Dr. Moritz Mebel, Prof. Dr. Sonja Mebel, Inge Gutmann, Kurt Gutmann, Friedrich Rabe, Dr. Andrej Reder, Joachim Traut, Dr. Volkmar Vogel. 

Weitere Unterstützerunterschriften an: kpf@die-linke.de 

 

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