Dezember 18, 2014  

Um glaubwürdiger zu erscheinen, operiert man mit Teilwahrheiten. Für eine bestimmte historische Periode – die sich im wesentlichen auf den vormonopolistischen Kapitalismus bezieht – wird der Klassenkampf als Realität „anerkannt"; zugleich wird ihm aber nur eine zweitrangige Bedeutung beigemessen. Für die Gegenwart wird der Klassenkampf jedoch als längst überholt und im heutigen monopolkapitalistischen System als nicht mehr wirksam hinzustellen versucht. 

by Kommunisten-Online  

 

Lügenhafte Geschichtsschreibung in der BRD

Quelle: Gerhard Lozek/Horst Syrbe: Geschichtsschreibung contra Geschichte. Über die antinationale Geschichtskonzepton führender westdeutscher Historiker. Dietz Verlag Berlin 1964, S.S.82-109. 

 

I. DAS (ehemalige) SCHRECKGESPENST DER REVOLUTION 

 

Die Schwierigkeiten westdeutscher Ideologen mit der Geschichte 

In den Bemühungen der imperialistischen Geschichtsideologen, einleuchtende Erklärungen und Antworten auf die Frage des Wesens, der Ursachen und Triebkräfte der revolutionären Veränderungen der Welt seit 1789, insbesondere nach 1917, zu finden, nehmen die Anschauungen und Konstruktionen zum Problem der „Revolution" und des nach 1789 begonnenen „Revolutionszeitalters" eine ganz besondere Stellung ein. Da aber mit den herkömmlichen Mitteln und Methoden des reaktionären Historismus diese Antworten nicht zu finden sind, sucht auch hierbei vornehmlich die Rothfels-Gruppe den Ausweg in theoretischen Anleihen bei der bürgerlichen Soziologie, vor allem bei deren Lehre vom sogenannten Struktur- und Formenwandel. Danach werden die „Formwandlung der politisch-sozialen Abläufe" und der „prozeßhafte Wandel der gesellschaftlichen Strukturen" zu Hauptbestandteilen der Geschichtsbetrachtung erklärt. [1] 

Die „friedliche Revolution" – eine bürgerliche Lüge 

Obwohl sich die imperialistischen Ideologen auch bei dem Problem der „Revolution" genauso wie bei der Frage der historischen „Gesetzmäßigkeiten" zuweilen einer der marxistischen Terminologie ähnlichen oder sogar gleichen Ausdrucksweise bedienen, hat der Inhalt ihrer „Revolutionslehre" nicht nur nichts mit der wissenschaftlichen Revolutionstheorie des Marxismus zu tun, sondern stellt ihr genaues Gegenteil dar. Die marxistische Revolutionstheorie, von den objektiven Gesetzmäßigkeiten der gesellschaftlichen Entwicklung ausgehend, betrachtet den Konflikt zwischen den Produktivkräften und Produktionsverhältnissen als die ökonomische Grundlage aller sozialen Revolutionen und stellt demzufolge den Klassenkampf und die Klassenstruktur der Gesellschaft in den Mittelpunkt ihrer Untersuchungen. [2] Demgegenüber ist es gerade die wichtigste Funktion der von der Rothfels-Gruppe strapazierten „Revolutionslehre", den Klassenkampf für die Gegenwart des kapitalistischen Systems zu „beseitigen". 

Verschwommenheit der Begriffe 

Um glaubwürdiger zu erscheinen, operiert man mit Teilwahrheiten. Für eine bestimmte historische Periode – die sich im wesentlichen auf den vormonopolistischen Kapitalismus bezieht – wird der Klassenkampf als Realität „anerkannt"; zugleich wird ihm aber nur eine zweitrangige Bedeutung beigemessen. Für die Gegenwart wird der Klassenkampf jedoch als längst überholt und im heutigen monopolkapitalistischen System als nicht mehr wirksam hinzustellen versucht. Ähnlich wie das bei fast allen bedeutsamen Begriffen der bürgerlichen Historiographie und Soziologie der Fall ist, besteht auch bei den Aussagen zum Problem der Revolution eine starke begriffliche Verschwommenheit. [3] Das wird verständlich, wenn man bedenkt, daß ja den bürgerlichen Ideologen die wesentlichen objektiven Kriterien für die Erkenntnis und Beurteilung revolutionärer Prozesse der Gesellschaft fehlen. 

Ein konterrevolutionärer Putsch ist keine Revolution! 

Das entscheidende objektive Kriterium besteht bekanntlich in der von Marx und Engels wissenschaftlich begründeten Lehre von der gesetzmäßigen Aufeinanderfolge der Gesellschaftsformationen, wobei die soziale Revolution die qualitative Umwälzung von einer Gesellschaftsformation zur anderen darstellt und so als „Lokomotive der Geschichte" wirkt. Aber gerade diese für die gesamte historische Entwicklung grundlegenden Erkenntnisse bekämpfen die imperialistischen Geschichtsideologen mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln, nicht zuletzt dadurch, daß sie Pseudowissenschaft als Wissenschaft ausgeben. Das trifft auch im vorliegenden Falle zu. So wird der „Sinngehalt" des Begriffes Revolution als „unerschöpflich" ausgegeben, dessen „Ambivalenz jeder definitorischen Bemühung entzogen" sei. Er wird nur „im allgemeinsten Sinne" als rasche Veränderung, grundstürzende Neuerung und als Bruch der Kontinuität charakterisiert. [4] Damit hat man die erwünschte Möglichkeit, den Begriff Revolution völlig willkürlich auf beliebige „Veränderungen" anzuwenden. Auf diese Weise erscheint der erste Weltkrieg ebenso als „Revolution" wie der Machtantritt des Hitlerfaschismus oder auch die konterrevolutionären Putschversuche 1953 in der DDR und 1956 in Ungarn. … 

„Kapitalismus" … ist keine Erfindung von Marx! 

So stehen auch die von jenen Geschichtsideologen gebrauchten Begriffe „sozial", „soziale Revolution" sowie die soziologische Lehre vom „sozialen Wandel" im diametralen Gegensatz zum Marxismus. Während den Inhalt der wissenschaftlichen marxistischen Begriffe zur sozialen Revolution die Aufdeckung und die Analyse der historischen Gesetzmäßigkeiten der Entwicklung und deren Triebkräfte im Klassenkampf bestimmen, benutzen die imperialistischen Ideologen diese Begriffe gerade in gegenteiliger Absicht, im Sinne der Leugnung der Existenz und des Wirkens objektiver Gesetze der Geschichte, vor allem der dem Klassenkampf zugrunde liegenden Gesetzmäßigkeiten. Sie verstehen „das Soziale" als das schlechthin Gesellschaftliche oder auch als allgemeine „zwischenmenschliche Beziehungen", und soweit man konkreter wird, wird dieser Begriff auf sogenannte Gesellschaftsstrukturen bezogen. 

Еine Anatomie des Betrugs 

Von dem Begriff der „Gesellschaftsstruktur", der in der bürgerlichen Soziologie der Gegenwart eine zentrale Bedeutung einnimmt und der sich auf „das innere Gefüge einer Gesellschaft oder Gruppe" bezieht, und der bereits erwähnten „Typenlehre" ausgehend, wird die „Lehre von den Strukturtypen" entwickelt. Hierbei handelt es sich wie bei fast allen begrifflichen Neuschöpfungen der bürgerlichen Soziologie um Begriffe, die den exakten Termini der marxistischen Soziologie und ihrem wissenschaftlichen Inhalt entgegengestellt werden. So werden aus objektiven historischen Gesetzmäßigkeiten „Verlaufstypen", aus Klassen „Gruppen" oder „Schichten", aus der sozialen Revolution wird der „soziale Wandel", und schließlich tritt an die Stelle der gesellschaftlichen Formationen des Kapitalismus (Kapitalismus der freien Konkurrenz und Monopolkapitalismus) und des Sozialismus der Oberbegriff des „Industriezeitalters". [5] Und das alles geschieht angeblich nur im Interesse einer „objektiven, d.h. wertungsfreien (Hervorgehoben von uns – G.L./H.S.) Erkenntnis sozialer Zusammenhänge. Mit diesen wissenschaftlich drapierten Aussagen verfolgen die imperialistischen Ideologen in Wirklichkeit ganz bestimmte politische Ziele: Den Menschen soll in erster Linie eingeredet werden, Kapitalismus und Klassenkampf seien in den imperialistischen Staaten der Gegenwart längst überwunden.  

Zusammenfassung: 

Wie schon erwähnt, wird die Entstehung der „Industriegesellschaft" mit den Auswirkungen der Französischen Revolution von 1789 in Zusammenhang gebracht, die volle Herausbildung dieser Gesellschaft in die letzten Jahre des 19. Jahrhunderts und die ersten beiden Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts verlegt und behauptet, daß mit der in diesem Prozeß rasch zunehmenden Technisierung nicht nur die „Entfremdung des Menschen" [6] weitergegangen sei, sondern sich auch eine „strukturlose Massengesellschaft" herausgebildet habe. Mit dieser „strukturlosen Massengesellschaft" wird nun das angebliche Verschwinden des Kapitalismus, der Klassen und des Klassenkampfes in Zusammenhang gebracht und erklärt, daß es jetzt darauf ankomme, neue, speziell dieser Gesellschaft eigene „Gefahren", nämlich in erster Linie die durch die „Entfremdung des Menschen" heraufbeschworenen „totalitären Gefahren", zu bekämpfen und die von diesen bedrohte „Freiheit" [7] zu verteidigen. Auf solche Weise soll die Vorstellung verbreitet werden, das imperialistische Stadium des Kapitalismus – das ja im heutigen Westdeutschland immer noch existiert – sei aus der Welt geschafft worden. Aus dem Gesagten wird deutlich, wie die imperialistischen Ideologen durch die willkürliche Konstruktion und Anwendung „sozialer" Faktoren, und Begriffe die reale soziale Wirklichkeit nach den Interessen der kapitalistisch-imperialistischen Ausbeuterherrschaft entstellen und deuten. Demzufolge wird alles getan, um revolutionäre Aktionen der Volksmassen als überflüssig oder gar schädlich hinzustellen, zu verleumden und nach Möglichkeit zu verhindern. Nicht Revolution und Fortschritt, sondern Bewahrung der Ausbeuterherrschaft – das ist der Wesenskern all der erwähnten Geistesprodukte dieser Ideologen

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II. DAS (heutige) SCHRECKGESPENST DES TOTALITARISMUS 

 

Wie werden verängstigte Kleinbürger dressiert? 

Kapitalismus, Imperialismus, Klassenkampf – alles das existiert demnach für die „freiheitliche westliche Welt" von heute nicht mehr, sie kennzeichnet nur noch „Demokratie". Damit aber Sozialismus und Kommunismus der rechte Schrecken für die Bürger dieser Welt bleiben, bringt man sie mit dem Terrorregime des Faschismus in Zusammenhang und nennt das ganze „Totalitarismus". Da nach den Beteuerungen der gleichen Ideologen, Faschismus und Nationalsozialismus in der „westlichen Welt" keine ernsthaften Gefahren mehr darstellen, bleibt das „Gegeneinander" von „freier Welt" und Kommunismus, „Abendland und Totalitarismus", „Demokratie und Totalitarismus", „Freiheit und Totalitarismus" und schließlich der „Weltgegensatz zwischen Christentum-und Heidentum". [8] Auf diese Weise versuchen die imperialistischen Ideologen, Charakter und Grundwiderspruch unserer Epoche von den objektiven gesellschaltlichen Grundlagen zu eliminieren und ins Ideologische zu transponieren; die bestimmenden sozialen Widersprüche werden völlig entstellt und in ideologisch-weltanschauliche, die außerdem noch in die geographischen Grenzen von „Ost und West" gepreßt werden, umgekehrt. Nicht zuletzt wird damit in der Anwendung des Begriffs „Revolution" jeder Willkür Tür und Tor geöffnet, und tatsächlich wird diese historische Kategorie nicht nur ihres Klasseninhaltes beraubt, sondern in ihr Gegenteil verkehrt. Da aber mit solchen eigenartigen Methoden die sozialen Widersprüche nicht aus der Welt zu schaffen sind, sieht man sich gleichzeitig gezwungen, diesen Widersprüchen doch eine gewisse Bedeutung beizumessen, natürlich in einer für die imperialistische Klassenherrschaft „ungefährlichen" Form. 

Welche Rolle spielt die Totalitarismus-Doktrin in der BRD? 

Die Totalitarismus-Doktrin bildet ein zentrales Kettenglied der vom Antikommunismus bestimmten Ideologie und Politik der imperialistischen BRD. Von den ultrarechten Kräften bis hin zu den Gewerkschaften bedienen sich alle maßgeblichen politischen Kräfte des BRD-Regimes dieser Doktrin. Die Gefährlichkeit dieser Doktrin äußert sich aber auch darin, daß sie selbst in den Kreisen der westdeutschen Bevölkerung, die sich um eine realistischere Beurteilung der Lage in Deutschland bemühen bzw. zur Politik der BRD-Regierung in Opposition stehen, einen äußerst schädlichen Einfluß ausübt. Die Totalitarismus-Doktrin stellt zweifellos die in Westdeutschland am weitesten verbreitete Erscheinungsform des Antikommunismus dar. Mit Beginn des Schuljahres 1962/63 wurde diese Doktrin sogar durch Beschluß der Kultusministerkonferenz zur gesetzlichen Grundlage des Bildungs- und Erziehungswesens in der Bundesrepublik gemacht. [9] 

Warum ist die Totalitarismus-Doktrin so wirksam? 

Die Massenwirksamkeit der Totalitarismus-Doktrin erklärt sich in erster Linie aus zwei Tatsachen: Erstens wird eine gegen den Faschismus gerichtete Position vorgetäuscht; äußere Formen und Methoden des Faschismus werden abgelehnt und teilweise „verurteilt". Damit wird versucht, an ehrliche antifaschistische Potenzen, die infolge des geschichtlichen Erlebens der letzten Jahrzehnte in allen Teilen der westdeutschen Bevölkerung noch. stark nachwirken, anzuknüpfen und diese für die antinationalen Ziele der herrschenden Großbourgeoisie auszunutzen. Zweitens wird unter Einbeziehung der wichtigsten Zweige der bürgerlich-imperialistischen Gesellschaftslehren – Philosophie, Soziologie, Politische Wissenschaft, Geschichte, Ökonomie, Staatslehre [10] – eine angeblich objektive, auf wissenschaftlichen Prinzipien und Erfahrungstatsachen beruhende Darstellung der Vergangenheit und Gegenwart vorgetäuscht. … 

Die geschichtswidrige Gleichsetzung von Faschismus und Sozialismus 

Die Totalitarismus-Doktrin dient den imperialistischen westdeutschen Geschichtsideologen als eine der wichtigsten Grundlagen und spezifischen Methoden, um die Geschichte der neueren Zeit und im besonderen Maße der Zeit nach 1917 im Sinne des Antikommunismus darzustellen und zu mißbrauchen. … Die Anhänger dieser Doktrin konstruieren unter Mißachtung der geschichtlichen Wahrheit, der unumstößlichen historischen Tatsachen und auch unter Verstoß gegen die primitivsten wissenschaftlichen Prinzipien eine Wesensgleichheit zwischen Faschismus einerseits und Sozialismus und Kommunismus andererseits mit dem Ziel, die Ablehnung und den Abscheu des deutschen Volkes und der anderen friedliebenden Völker gegenüber den Untaten des Hitlerfaschismus in Antikommunismus umzukehren. Es wird die Behauptung aufgestellt und zu „beweisen" versucht, daß Faschismus und Sozialismus und Kommunismus gleichen gesellschaftlichen Ursachen entspringen, wesensgleiche Staats- und Gesellschaftsformen darstellen und in gleicher Weise mit ähnlichen brutalen Unterdrückungsmaßnahmen die Menschen ihrer persönlichen Freiheit und Würde berauben. 

Der Kommunismus wird als drohende Gefahr dargestellt 

Dabei ist zu beachten, daß die reaktionären Ideologen die angebliche Wesensgleichheit von Faschismus und Sozialismus/Kommunismus nicht im Sinne einer direkten Identität verstanden wissen wollen. [11] Sie wissen sehr wohl, daß eine primitive Identifizierung der in Wahrheit völlig entgegengesetzten gesellschaftlichen Erscheinungen ihre Geschichtsklitterung zu offensichtlich und für jedermann leicht durchschaubar machen würde. Andererseits sind sie selbst an einer gewissen Differenzierung interessiert, um den Sozialismus/Kommunismus als die angeblich ungleich größere „Gefahr" herausstellen zu können. Die Bewältigung der „unbewältigten Vergangenheit" und Gegenwart im Zeichen des Antikommunismus – das ist der eigentliche Sinn dieser Manipulationen. … Gewöhnlich sollen große Worte über die bewußt verschwommen gehaltene Angelegenheit hinwegtäuschen. Soweit man konkreter wird, identifiziert man alle nur denkbaren negativen und verrufenen Erscheinungen des eigenen staatsmonopolistischen Ausbeutersystems mit dem Totalitarismus und damit mit dem Sozialismus und Kommunismus. Da ist dann von brutaler Gewaltherrschaft nach innen und außen, von der Herrschaft einer Minderheit, der Beseitigung des Rechtsstaates, der Unterdrückung aller dem Staate nicht genehmen Organisationen, Meinungen und Tendenzen die Rede; noch gebräuchlicher sind solche vornehmlich emotional gerichtete Begriffe und Argumente wie Unfreiheit, Parteidiktatur, Rechtlosigkeit, Verlogenheit, Beseitigung der menschlichen Würde und der europäischen Zivilisation, Feind des Christentums, schließlich wird der leibhaftige Satan als V Verkörperung des Totalitarismus hingestellt. 

Was verstehen diese Ideologen unter einer „totalitären Diktatur"? 

Carl J. Friedrich konstruierte fünf Wesenszüge aller „totalitären Diktaturen": „eine Ideologie, eine Partei, eine terroristische Geheimpolizei, ein Nachrichtenmonopol und eine zentralisierte Wirtschaft". [12] Diese „Wesenszüge" bilden in dieser oder jener Form die geistig uniforme Grundlage der „Beweisführung" aller Vertreter der Totalitarismus-Doktrin. [13] 

Warum hetzen Knabe, Jesse, Jahn & Ko. unvermindert gegen die DDR? 

Ihr besonderer Haß richtet sich gegen die Partei der Arbeiterklasse und ihre wissenschaftliche marxistisch-leninistische Weltanschauung sowie die Arbeiter-und-Bauern-Macht. [14] Das ist kein Zufall. Die Totalitarismus-Doktrin und das ganze Geschrei der reaktionären Ideologen um die „totalitäre Gefahr" als einer angeblich charakteristischen Erscheinung der gegenwärtigen Epoche stellen nichts anderes dar als eine Reaktion in den Köpfen dieser Ideologen auf die historisch gesetzmäßigen Prozesse unserer Zeit, deren Herzstück der Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus ist. Die Totalitarismus-Doktrin ist ein wichtiges Glied eines ganzen Systems von Entstellungen und Verfälschungen der Haupttendenzen unserer Epoche. Es kann festgestellt werden, daß die Totalitarismus-Doktrin letztlich einen ideologischen Ausdruck der allgemeinen Krise des Kapitalismus in ihrer zweiten und dritten Etappe darstellt, wie er sich als verzerrte, entstellte und verfälschte Wirklichkeit in den Hirnen der imperialistischen Ideologen und Politiker widerspiegelt. … 

Der Antikommunismus als Programm 

Besonders augenfällig zeigte sich das, als die CDU/CSU Anfang 1963 ihren Vorschlag, den ehemaligen persönlichen SS-Adjutanten Himmlers, Frauendorfer, als Abgeordneten in den Bundestag einziehen zu lassen, mit den Worten verteidigte: „Der Feind unserer Tage ist der lebendige Kommunismus, nicht der tote Nationalsozialismus." [15] Demzufolge erschien es wenig verwunderlich, wenn der damalige Vorsitzende des westdeutschen Historikerverbandes, Karl Dietrich Erdmann, das Auftreten des ehemaligen faschistischen Großadmirals Dönitz im Geschichtsunterricht westdeutscher Schulen im Zeichen des „Verstehens" und der „Versöhnung" guthieß. [16] 

Quelle: 

Gerhard Lozek/Horst Syrbe: Geschichtsschreibung kontra Geschichte, Dietz Verlag Berlin, 1964, S.92-109 (mit leichten Korrekturen und Kürzungen; Zwischenüberschriften von mir, N.G.) 

Fußnoten: 

[1] Theodor Schieder: Das Problem der Revolution im 19.Jahrhundert,In: Staat und Gesellschaft… S.47.  

[2] Hans Rothfels: Zur Krise des Nationalstaats. In: Zeitgeschichtliche Betrachtungen, S.143.  

[3] Karl Marx/Friedrich Engels: Manifest der kommunistischen Partei. In: Marx/Engels: Werke, Bd.18, S.579. 

[4] Werner Bonze: Geschichtsbewußtsein und Wiedervereinigung. In: Außenpolitik, 1958, Heft 9, S.555. 

[5] Siehe Programm der SED, Abschnitt VI: Das sozialistische Weltsystem. In. W.Ulbricht: Referat. S.375ff. 

[6] Siehe W.I. Lenin: Über die Losung der Vereinigten Staaten von Europa. In: Werke, Bd.21, S.343 

[7} Siehe insbesondere: Hans Rothfels: Zur Krise des Nationalstaats.In: Zeitgeschichtliche Betrachtungen, S.124-145; Grundsätzliches zum Problem der Nationalität. In: ebd. S.89-111. 

[8] Karl Dietrich Erdmann: Das Dritte Reich im Zusammenhang der deutschen Geschichte. In: GWU, 1961, S.408.  

[9] Siehe Friedrich Meinicke: Werke, Bd. II, S.491 

[10] Hans Rothfels: Ostdeutschland und die abendländische politische Tradition. In: Der deutsche Osten und das Abendland, S.206. 

[11] Siehe Hans Rothfels: Geschichtliche Betrachtungen zum Problem der Wiedervereinigung. In. Zeitgeschichtliche Betrachtungen, S.252. 

[12] Karl Jaspers: Freiheit und Wiedervereinigung.  

[13] Siehe Hans Rothfels: Historie und weltpolitische Situation. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, 12. Dezember 1962, S.646. 

[14] Siehe Werner Berthold: Die Spaltung der Nation und Professor Rothfels. In: Universitätszeitung der Karl-Marx-Universität Leipzig, 19. August 1961. 

[15] Die Themen der Vorlesung: Erwin Metzke: Mensch und Geschichte im ursprünglichen Ansatz des Marxschen Denkens. In Tübinger Studien zur Geschichte und Politik, Bd.8, Tübingen 1956, S.88-101. 

[16] ebd. S.199-216.   

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