Willi Bredels Vermächtnis: bedeutende Literatur und ein „Neues Kapitel"  

Zum 50. Todestag des Volksdichters Willi Bredel  

In: unsere zeit online vom 31.10.2014 

 

Willi Bredel starb nach einem arbeitsreichen Leben überraschend am 27. Oktober 1964. Der Abschied von ihm wurde in Berlin zu einer der größten Trauerfeiern, die die Stadt erlebte. An seinem Sarge standen neben den führenden Politikern der DDR auch Mitkämpfer und Freunde, von Anna Seghers bis zu Erwin Strittmatter, von Wolfgang Langhoff bis zu Ernst Busch, von Hermann Kant bis zu Herbert Nachbar. 

Seither sind fünfzig Jahre vergangen und der 1901 in Hamburg geborene Schriftsteller ist ein Klassiker der deutschen, speziell der sozialistischen deutschen Literatur geworden, mit allen Vorzügen und Nachteilen einer solchen Stellung. 

Zu den Vorzügen eines Klassikers gehört, dass er Beispiel und Vorbild für spätere Autoren geworden ist, deutlich in der Rolle, die sein Schaffen im Werkkreis Literatur der Arbeitswelt gespielt hat, deutlich auch in Bekenntnissen beim Tode des Schriftstellers wie dem Max von der Grüns, der in Bredels Werk vorbildlich gestaltet „die Würdigung und damit das Verständnis jener Epochen" fand, die Bredel durchlebte. Deren waren viele; immer stand Bredel in vorderster Front. Die Nachteile eines Klassikers sind, dass er mehr verehrt als gelesen wird. Dabei hat Willi Bredel ein nicht nur lesenswertes eindrucksvolles literarisches Werk hinterlassen, sondern in diesem Werk findet sich eine Aktualität, wie sie nur ein dialektischer Kopf schaffen konnte. Erinnert man sich der gewerkschaftlichen Kämpfe, wie sie in Bredels erstem Roman „Maschinenfabrik N. & K." beschrieben wurden, wie hier um die kämpferische Klarheit und um die Einheit der Kämpfenden gerungen wurde, um den gewerkschaftlichen Solidargedanken nicht preiszugeben, so ließen sich die dort konzentrierten Erfahrungen mühelos auf unsere Gegenwart übertragen. 

Auf den ersten Blick war es ein sonderbarer Roman, der 1930 auf den Markt kam: Sein Titel „Maschinenfabrik N. & K." versprach nichts von den traditionellen Romaninhalten. Auch die verwendeten Namen, die auf Besitzer der Fabrik hinweisen könnten, waren auf die Initialen reduziert und signalisierten, dass individuelle Schicksale oder gar persönliche Erlebnisse in einem anderen Kontext aufgegangen waren. Wer trotz des sachlichen Titels Hoffnungen auf einen anderen Inhalt hatte, wurde mit der Überschrift des ersten Abschnitts „Das Werk" endgültig auf Technik und Arbeit verwiesen. 

Wer dagegen mit den Erwartungen des Films umzugehen verstand, mit Simultantechnik und schnellen Szenenwechseln vertraut war, fand diese Elemente in Bredels erstem Roman wieder. 

Er erschien 1930 in der Reihe „Eine- Mark-Roman" des Internationalen Arbeiter-Verlages. Als Band 6 erschien 1931 ein weiterer Roman Willi Bredels: „Rosenhofstraße. Roman einer Hamburger Arbeiterstraße". Weitere Veröffentlichungen wurden vorbereitet, darunter wiederum ein Roman Bredels: „Der Eigentumsparagraph". 

Er konnte nicht mehr in Deutschland erscheinen; die Nazis vernichteten die Matern. Eine Abschrift, die Bredel in die Sowjetunion geschickt hatte, ermöglichte es, dass dieser dritte Roman 1933 in russischer Sprache in der Sowjetunion erscheinen konnte. Erst 1961 wurde er erstmalig, rückübersetzt aus dem Russischen, in deutscher Sprache veröffentlicht. Es war die erste Trilogie Willi Bredels, der später berühmte Trilogien wie „Verwandte und Bekannte" („Die Väter", „Die Söhne", „Die Enkel"; 1943–1953) und „Ein neues Kapitel" (1964) schreiben sollte. 

Bredel bezeichnete seine ersten drei Romane, geschrieben in der Festungshaft, „als literarische Drillinge". 

Die „Drillinge" sind aber auch Bredels erste Hamburger Trilogie; „Verwandte und Bekannte" wurde die weitaus berühmtere zweite und ebenfalls mit Hamburg verbunden, „Ein neues Kapitel" schließlich die dritte, die einer anderen, neuen gesellschaftlichen Formation verpflichtet war. Hamburg gehörte Bredels Liebe lebenslang, deutlichster Ausdruck wurde der schöne Band „Unter Türmen und Masten" (1960). Die offizielle Verwaltung der Stadt dankte ihm seine Liebe nicht; noch 1951 versagte man ihm eine Aufenthaltsgenehmigung für die Stadt. 

Sein literarisches Wissen eignete er sich selbst an: Er las viel und entwickelte eine besondere Vorliebe für Themen aus dem deutschen Bauernkrieg, der Reformation und der Französischen Revolution von 1789, Themen, die in Gerhart Hauptmann und Georg Büchner ihre Dichter fanden; beide wirkten, neben anderen, auf Bredel. In Literaturzirkeln der Arbeiterjugend und einem von dem Schriftsteller Wilhelm Lamszus geleiteten Zirkel gab es, wie sich Bredel erinnerte, heftige Diskussionen anlässlich der Aufführung von Dramen Gerhart Hauptmanns und anderer. 

Auch die nächste Haft Bredels führte zum literarischen Ergebnis: Seit dem 1. März 1933 saß er im Zuchthaus Fuhlsbüttel, das die Faschisten in ein KZ verwandelten. Dreizehn Monate hielt man ihn dort fest, elf Monate in Einzelhaft. Den qualvollen Umständen begegnete Bredel mit höchster Konzentration; er ließ sein Leben und die ihn begeisternden Kunsterlebnisse an sich vorüberziehen und entwickelte daraus die Konzeption seines berühmtesten Buches „Die Prüfung", das 1935 im Malik-Verlag in Prag erschien und in 17 Sprachen übersetzt wurde. Der Titel will auf die Gefahr hinweisen, der die Arbeiterbewegung nach der faschistischen Machtergreifung ausgesetzt war: Es geht um die Standhaftigkeit der Häftlinge; jeder hatte sich zu prüfen. Willi Bredel ließ an der seinen keinen Zweifel, ob im Exil in der Sowjetunion, ob als Mitglied des Thälmann- Befreiungskomitees in Paris, ob bei der Herausgabe der Zeitschrift „Das Wort", ob als Kriegskommissar des Thälmann-Bataillons der Internationalen Brigaden in Spanien, ob an der Front vor Moskau und bei Stalingrad, endlich 1943 bei Kiew, ob als Gründungsmitglied des Nationalkomitees Freies Deutschland – die Reihe ließe sich mühelos fortsetzen. Nicht einmal ansatzweise sind jene Tätigkeiten erfasst, die die vielfältige journalistische Arbeit Bredels ausmachten, von der „Hamburger Volkszeitung" über „Heute und Morgen" (1947), deren Chefredakteur er war, bis zur NDL („Neue Deutsche Literatur"). 

Zurück zu seinem ersten Roman. 

In Bredels „Maschinenfabrik N. & K." wird nicht nur die Schwere und Gefährlichkeit der körperlichen Arbeit ausführlich und detailliert beschrieben, sondern dem Arbeiter wird die Aufgabe übertragen, sich genaue Kenntnisse über die Planung von Arbeit, den Gewinn und die Verteilung zu erwerben. 

Alfred Melmster, in gewisser Weise eine Art Hauptfigur und Alter Ego von Willi Bredel, belehrt die Genossen, die er in der Maschinenfabrik antrifft: Wir „müssen auch in den Betrieben gute, wissbegierige Arbeiter sein, die nicht nur ihr Handwerk, sondern auch noch die Kalkulation beherrschen und möglichst noch von Vertrieb und Umsatz eine Ahnung haben, denn wir wollen doch später mal die Betriebe sozialisieren; und wer sollte sie dann leiten, wenn nicht wir?" Was dort als Programm erschien hat Bredel in seinen späteren Werken als Wirklichkeit beschrieben, am deutlichsten in seiner letzten Trilogie „Ein neues Kapitel", deren letzte Bände kurz vor seinem Tod erschienen. 

Seinen Wert bekam der erste Roman nicht durch die schöpferische Phantasie des Autors, sondern durch die wahrhaftige Abbildung des zeitgenössischen politischen Geschehens in Hamburg. Die Handlung des Romans bestand im wesentlichen aus Szenen über Auseinandersetzungen der bei N. & K. arbeitenden Kommunisten und der mit ihnen kämpfenden Sozialdemokraten gegen die reformistische Führung der Gewerkschaft. Verschärft war die Auseinandersetzung dadurch geworden, dass am 1. Mai 1929 der sozialdemokratische Polizeipräsident von Berlin, Karl Zörgiebel, auf die demonstrierenden Arbeiter schießen ließ und ein Blutbad anrichtete, das sich in ganz Deutschland auswirkte. Dadurch mehrten sich die Arbeitskämpfe auch in anderen Städten, so auch bei N. & K. in Hamburg. Bredel hatte in der „Hamburger Volkszeitung" (Extrablatt) ausführlich am 2. Mai 1929 Stellung genommen; es war einer der Anlässe für seine Haft. 

Bredels literarisches Werk wurde immer autobiografisch geprägt, auch hier wird „Ein neues Kapitel" zum Höhepunkt: Sein Peter Boisen ist, verfolgt man Bredels Lebensweg seit seiner Rückkehr nach Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg, ein Abbild der Arbeit des Schriftstellers. 

Ursprünglich sollte die Trilogie „Brot und Rosen" heißen, nach dem Programm, das Boisen/Bredel vorschwebte. 

Mit dem schließlich veränderten Titel setzte Bredel den Aktivisten der ersten Stunde nach dem Krieg ein Denkmal, gleichzeitig sollte aber der Roman Teil der Geschichtsschreibung und zum Dokument einer neuen Gesellschaftsformation werden. Literatur als Geschichtsschreibung war eine Besonderheit des Bredelschen Schaffens. 

Ein andere Besonderheit waren die anekdotische Zuspitzung von Ereignissen und die episodischen Reihungen, die die Texte lebendig machten, eine Fähigkeit, die Bredel lebenslang beherrschte – erinnert sei an die köstliche Episode einer „Faust"-Aufführung auf der Reeperbahn, in der die einfachen Hamburger Zuschauer über Goethe siegen, indem Faust nicht fliehen darf, sondern Gretchen heiraten muss. Schließlich gehörten zu seinem umfangreichen Schaffen meisterhafte Novellen wie die „Frühlingssonate" – eingefügt in die Trilogie „Ein neues Kapitel" – und „Das schweigende Dorf", die von Wilhelm Neef als Oper umgesetzt wurde. „Ein neues Kapitel" war jenes Werk in Bredels Schaffen, mit dem er seine politischen Erfahrungen am Beginn einer Übergangsperiode sichern und weitergeben wollte, um eine Lücke zu schließen, die durch den Nationalsozialismus in Deutschland entstanden war. In einem Gespräch, das ich mit ihm hatte, legte er auf den Chronik-Charakter großen Wert und darauf, dass die Älteren dieses Werk schaffen müssten, denn die Jüngeren waren „durch den Schock ihrer eigenen Enttäuschung gelähmt". 

Ich lernte ihn 1961 als Student in Leipzig kennen, als er Gast Hans Mayers war, dann besuchte ich ihn als Praktikant beim Rundfunk und schließlich korrespondierte ich mit ihm in der wissenschaftlichen Arbeit, als ich meine Diplom-Arbeit schrieb. Er war als Autor eindrucksvoll, als Mensch von großer Aufrichtigkeit und Güte, als Politiker von seltener Klarheit. 

Rüdiger Bernhardt „Maschinenfabrik N. & K." und „Rosenhofstraße" von Willi Bredel können aus dem Internet heruntergeladen werden: http://nemesis.marxists.org/bredelmaschinenfabrik- n-k1.htm http://nemesis.marxists.org/bredelrosenhofstrasse 1.htm  

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24. Jahrestagung der Anna-Seghers-Gesellschaft in Meiningen  

14.11.2014 

 

Das idyllische Meiningen an der Werra mit seinem „Musenhof" hat eine glanzvolle Tradition. In dem kleinen, doch weltoffenen Duodezfürstentum entwickelte sich einst ein Zentrum der Künste mit internationaler Ausstrahlung. Nicht nur Berühmtheiten wie Schiller, Max Reger und Brahms profitierten davon. Anderthalb Jahrhunderte später wurde hier, im sowjetisch besetzten Thüringen, zum ersten Mal nach dem Krieg wieder ein Theater in Deutschland eröffnet. Keine schlechte Kulisse also für die 24. Tagung der Anna-Seghers-Gesellschaft (ASG). 

Die 1991 gegründete ASG kam bereits zum dritten Mal hier zusammen, auf Einladung der nach der Schriftstellerin benannten Kreis- und Stadtbibliothek. Ob Anna Seghers den Ort je besucht hat? Das ist ungewiss. Und was hätte sie, die sechs Jahre vor dem Anschluss der DDR starb, jetzt wohl gesagt angesichts gähnender Leerstände, Entvölkerung und eines NPDManns im Stadtrat von Meiningen? 

Gefallen hätten ihr indes die selbstbewusst präsentierten Beiträge der Schüler und Schülerinnen, die zu Beginn die Versammlung einstimmten mit eigenen Text-Bearbeitungen aus Seghers’ Werk. Auch dass die junge Anne Richter in der Sonntags-Matinee ihren Roman „Fremde Zeichen" vorstellen konnte, das hätte die große Dichterin gefreut, die selbst so viele junge Menschen auf ihrem künstlerischen Weg ermutigt hat. 

Bereits auf der letztjährigen Tagung in Berlin, an der noch die kurz darauf verstorbene ASG-Ehrenvorsitzende Elfriede Brüning teilnahm, ging es um „Freundschafts- und Arbeitsbeziehungen in Leben und Werk von Anna Seghers". Dort standen ihre Freundschaften in Frankreich, Brasilien und den USA wie auch in der DDR im Zentrum. Dieses Jahr wandte man den Blick nach Osten: Auf Ilja Ehrenburg (Russland/ Sowjetunion), Georg Lukàcs (Ungarn) und auf die Prager Gisl und Egon Erwin Kisch. 

Im Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller (BPRS) in Berlin trafen sie sich; auch Elfriede Brüning lernte dort die junge Erfolgsautorin kennen. Seghers betonte rückblickend: Es waren „nicht nur die theoretischen Diskussionen, die mich in den BPRS zogen – es waren vor allem die Menschen". In ihren literarischen Texten greift sie vielfach die Motive von Vertrauen und Verrat, Verbundenheit und Verstoßung auf, politisch am radikalsten in ihrem ersten Roman „Die Gefährten" (1932). 

Die heftigen Angriffe nach 1989 auf die „dogmatisch-hölzerne" Vorsitzende des DDR-Schriftstellerverbandes sind allmählich abgeebbt; ihren Weltrang kann ihr ohnehin niemand mehr bestreiten. Doch die Anna-Seghers-Gesellschaft mit ihren über die ganze Welt verstreuten rund 200 Mitgliedern wird trotzdem nicht gerade überschwemmt mit Fördermitteln. Wegen der kritischen Finanzlage musste der Vorstand sogar die Herausgabe des Jahrbuchs der ASG, „Das Argonautenschiff", verschieben, ebenso wie die an sich jährliche Preisverleihung an Nachwuchskünstler. Umso bewundernswerter die Vielzahl an Aktivitäten der ASG, die Vorsitzender Hans-Willi Ohl (Darmstadt) aufzählte: Vorträge, Lesungen, Publikationen, Ausstellungen; nicht zuletzt die von Monika Melchert vorbildlich betreute Gedenkstätte in Berlin-Adlershof. 

Fest steht: Die Rezeption des Werks der 1900 geborenen Netty Reiling, der einzigen Tochter einer begüterten, von den Nazis mörderisch verfolgten jüdischen Familie, wächst und gedeiht. Internationale Spitzenrenner bleiben ihr antifaschistisches Epos „Das 7. Kreuz" und „Transit". Eine Neuverfilmung dieses letzteren, auch formal avantgardistischen Flüchtlingsromans plant zur Zeit Christian Petzold, der bekannte Regisseur von „Phönix" u. a. 

Ihre letzte Erzählung „Überfahrt" (1971) wird jetzt endlich auch ins Englische übertragen, der schottische Übersetzer wurde als Mitglied der ASG begrüßt. Seghers’ „Der Ausflug der toten Mädchen" zählt inzwischen sogar zum Kanon der Schullektüren. Bemerkenswert das Vorhaben des Mainzer Theaters: Im Juni 2015 kommt ihr Roman „Der Kopflohn" (1933), in einer Bearbeitung von Dirk Laucke, erstmalig auf die Bühne 

Das Tagungsprogramm begann mit einer Lesung von Ute Kaiser aus der „Legende von der Reue des Bischofs Jehan D’Aigrement von St. Anne in Rouen" (1924) Die junge Schauspielerin aus Marienheide bei Köln warb für ihr Hörbuch-Projekt zu dem erst spät wiedergefunden Text. Seghers’ poetischen „Satzbögen" zu sprechen – so ihre sehr treffende Formulierung – bereite ihr große Freude. 

Drei Vorträge folgten. Die Berliner Übersetzerin Eveline Passet verglich Motive und Grundstimmung in „Transit" mit Ilja Ehrenburgs „Sommer 25", aus seiner Zeit im Pariser Exil. Dieses Frühwerk erschien erst 1981 auf deutsch, und bislang nur in der DDR. Nach Seghers’ Ankunft in Ostberlin nahm sie bald wieder Kontakt auf mit Ehrenburg, dem sie 1933 in Paris begegnet war. Seine legendären Flugblätter für die Rotarmisten hatten ihn in Nazi- Deutschland besonders verhasst gemacht. 

Helen Fehervary (Universität Ohio) berichtete über ihre Forschungen zu Georg Lukàcs und seine Freundschaft zur 16 Jahre jüngeren Seghers. Die Ereignisse in Ungarn 1956 hätten ihre Freundschaft auf eine harte Probe gestellt. 

Mit der Jahrzehnte überdauernden „Wahlverwandtschaft" zwischen dem Ehepaar Gisl und Egon Erwin Kisch und der „Familie Seghers" befasste sich die Doktorandin Anja Jungfer (Berlin). Als stets neue „Konstruktion von Zugehörigkeit" beschrieb sie die gegenseitige Hilfe beim Überleben im Exil. Im ständigen Ringen der jungen Eltern Anna und Laszlo Radványi mit ihren zwei Kindern sah sie ganz modern als das Bemühen um eine „work-life balance". 

Immer wenn sich die lebhaften Diskussionen zu verheddern drohten, schaltete sich Sohn Pierre Radvány ein, der trotz seines hohen Alters wie eh mit Familie aus Paris angereist war. Seine überaus präzisen Erinnerungen wiesen tief berührend immer wieder auf das Wesentliche zurück. 

Zum guten Ende dann führte eine musikalisch begleitete Zitaten-Collage das ganze fein gewebte „Gefährten"- Netzwerk noch einmal vor Augen: Lore Wolf und Jürgen Kuczynski, Helene Weigel und Jorge Amado, Jeanne und Kurt Stern und viele andere, prominente und nicht prominente – eine Hommage auf diese großartige Kommunistin und Künstlerin und ein kollektives „Lob der Freundschaft". 

Text: Eva Petermann (aus UZ vom 14.11.14)  

 

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