Kunst der Arbeit  

Bildende Kunst. Die Ausstellung »Sonnensucher! Die Kunstsammlung der Wismut« in Gera mit Werken aus dem Archiv der SDAG Wismut  

Peter Michel 

In: junge Welt online vom 27.03.2014 

 

Die nach 1985 Geborenen haben es nicht leicht. Interpretationen der Geschichte werden heute, beginnend mit dem Bildungssystem, vom Mainstream bestimmt. Die so erzeugten Ansichten über historische Ereignisse und Prozesse entsprechen in vielen Fällen nicht den Erfahrungen der Älteren. 

Daraus ergeben sich schiefe Geschichtsbilder und Spannungen zwischen den Generationen. Doch solange die Kenntnisse von Müttern und Vätern nutzbar sind und solange Recherchen auch von Jüngeren mit Akribie betrieben werden, kommt man den Wahrheiten näher. Wenn nun Ausstellungen wie »Sonnensucher! Die Kunstsammlung der Wismut« in Gera den historischen Tatsachen besser entsprechen als viele ihrer Vorgänger, kann man von einem Gewinn reden. 

Bilderstreit und Auftragskunst 

Im Kunstbereich gab es lange Zeit nach 1989 die zum Teil jetzt noch existierende Deutungshoheit dünkelhafter, aus dem Westen importierter oder aus der gewendeten Bürgerrechtsbewegung stammender »Experten«, die sich anmaßen, über die Geschichte der Künste in der DDR zu urteilen. Es war und ist eine Fortsetzung des Kalten Krieges, die sich hier vollzog und bis heute wirkt. Zwei Denkmuster waren es vor allem, die in der Vergangenheit dabei eine Rolle spielten: der »Bilderstreit« und die verbogenen Vorstellungen von »Auftragskunst«. 

2006 wandte sich der von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Universität Aachen kommende, an der Technischen Universität Dresden arbeitende Kultursoziologe Prof. Dr. Karl-Siegbert Rehberg an Künstler im Osten Deutschlands mit der Bitte, an einer zusammenfassenden Dokumentation über den angeblich abgeschlossenen »deutsch-deutschen Bilderstreit« mitzuarbeiten. Als sei diese von der BRD-Politik inszenierte Kampagne harmlos und nicht Teil einer allgemeinen, weiterwirkenden Delegitimation der Werke bedeutender Künstler der DDR gewesen. Als sei es möglich, Verurteilungen, Kränkungen, Ausgrenzungen, Unterstellungen, Verdrängungen, das obrigkeitshörige Verbannen von Exponaten in die Depots der Museen und praktizierten Vandalismus von heute auf morgen zu vergessen. Viele der angesprochenen Künstler reagierten verständnislos auf Rehbergs Vorhaben, weil sie die beschämenden Vorgänge nicht für abgeschlossen hielten, und lehnten eine Beteiligung ab. Schon der Begriff »deutsch-deutscher Bilderstreit« war eine Beschönigung; er implizierte Gleichberechtigung, suggerierte Fairneß und Augenhöhe, er täuschte einen Disput zweier Kontrahenten vor, der von beiden zur Klärung von Widersprüchen gebraucht und anerkannt wird. Aber das war es nicht. Es war das Bemühen, mehr als 40 Jahre Kunstentwicklung in den Orkus der Geschichte zu schicken. 

Wenn von »Auftragskunst« die Rede war, ging es um Deklassierung, um die Diffamierung von »Staatsmalern«. Solche Dummheiten waren politisch gewollt. 

Doch in der Kunstgeschichte wird in der Regel nicht danach gefragt, ob ein Werk im Auftrag entstand oder ob sich der Künstler mit irgendwem »verstrickte«. Entscheidend blieb immer die künstlerische Substanz. Den Vereinfachern war zu empfehlen, sich mit der Geschichte der Auftragskunst zu beschäftigen. Dann wäre es ein Leichtes gewesen, z.B. an den großen Auftraggeber Kirche zu erinnern, der einzigartige Kirchenbauten, Glasfenster, Altäre, Oratorien, Requiems oder die Deckenfresken Michelangelos in der Sixtinischen Kapelle anregte und dabei stets als Inspirator und Mäzen darauf achtete, daß seine Vorstellungen in die Werke eingingen. Die Dynastie der Medici gehörte zu den bedeutendsten Auftraggebern der Kunstgeschichte. Rembrandt malte auf Bestellung der Schützengilde des Hauptmanns Frans Banning Cocq seine berühmte »Nachtwache« und erhielt dafür 4000 Brabanter Taler. Königshäuser hielten sich Hofmaler; Francisco de Goya malte 1801 die Familie König Karls IV. auf Order und gestattete sich dabei kritische, bis an die Grenze zur Karikatur reichende Darstellungen der Majestäten. Jacques-Louis David hatte mehrere, sehr unterschiedliche Mandanten: Im königlichen Auftrag malte er 1784 in Rom den »Schwur der Horatier«; nach 1789 feierte er in Auftragswerken die Helden der Französischen Revolution; Napoleon I. ernannte ihn 1804 zum Hofmaler; nun verherrlichte er das Kaiserreich. 

Durch die gesamte Geschichte der Künste zieht sich die Spur von auf Bestellung entstandener Werke. Wer hat Michelangelo, David, Goya oder andere deshalb als »Staatsmaler« beschimpft? Der Souverän hatte stets den größten Einfluß auf die Künste. Als es in den neunziger Jahren um die künstlerische Ausgestaltung des Bundestagsgebäudes in Berlin ging und 58 Künstler in einem offenen Brief den Kunstbeirat aufgefordert hatten, die Einladung an Bernhard Heisig zurückzuziehen, weil er Staatskünstler gewesen sei, reagierte dieser gelassen: »Ich bin nicht scharf auf die Arbeit im Reichstag. (...) Was machen denn die, die am Reichstag arbeiten? Die machen doch auch Kunst für den Staat.« Die Vernunft siegte. Heisigs Bild zur deutschen Geschichte hängt seit langem in der Bibliothek des Bundestages. 

Ein neuer Souverän 

In der Sowjetischen Besatzungszone und in der DDR hatten sich nach dem Ende des faschistischen Regimes und nach den Entbehrungen der Nachkriegszeit Auftraggeber eines anderen Typs entwickelt. Ein neuer Souverän nahm Einfluß auf die Künste. Einer der wichtigsten und potentesten Auftraggeber in der DDR war die Sowjetisch-Deutsche Aktiengesellschaft (SDAG) Wismut, die 1954 aus der SAG Wismut hervorgegangen war. Dieses Unternehmen förderte aus zahlreichen Schächten in Sachsen und Thüringen Uranerz und produzierte in den 45 Jahren seiner Existenz zirka 231000 Tonnen Uran. Damit war die Wismut hinter der UdSSR, den USA und Kanada der viertgrößte Uranproduzent der Welt. 45000 Beschäftigte bildeten die Stammbelegschaft. Die Wismut blieb bis zur Einstellung des intensiven Uranerzbergbaus im Dezember 1990 stets mit Sonderrechten ausgestattet und verfügte über finanzielle Mittel, die im Sozialbereich, im Gesundheitswesen und auf den Gebieten von Kultur und Kunst eingesetzt werden konnten und weit über das hinausgingen, was andere Kombinate und Großbetriebe leisten konnten. 

Auch im Hüttenkombinat Ost in Eisenhüttenstadt, in der Deutschen Seereederei und im Kombinat Seeverkehr und Hafenwirtschaft Rostock, in den Chemischen Werken Buna, im Chemiekombinat Bitterfeld/Halle, im Berg- und Hüttenkombinat Maxhütte Unterwellenborn und im Edelstahlwerk 8. Mai 1945 Freital gab es Sammlungen im Auftrag entstandener oder angekaufter Kunstwerke. Doch die Wismut-Sammlung war die umfangreichste. Im Fundus der jetzigen Wismut GmbH befinden sich gegenwärtig 4209 Werke von 450 Künstlern, darunter etwa 250 Gemälde. Die Abteilung Archive/Dokumentation führt darüber eine Datenbank. Ob die nach den Wirren der »Wende« verschwundenen Arbeiten je wieder aufgefunden werden, bleibt offen. Mit dem erfaßten Bestand wird intensiv und akribisch gearbeitet. 

Die Hälfte der Werke dieser Sammlung entstand im direkten Auftrag; etwa 40 Prozent wurden über den Staatlichen Kunsthandel der DDR oder direkt aus den Ateliers der Künstler angekauft. Der Rest besteht aus Schenkungen oder aus Werken, die der SDAG Wismut als Dank für die Teilnahmemöglichkeit an Pleinairs von beteiligten Künstlern überlassen wurden. Diese Freilichtmalerei fand seit 1979 im zweijährigen Rhythmus statt, u.a. auf der Insel Usedom; an ihnen nahmen als Gäste Maler wie Otto Niemeyer-Holstein, Ronald Paris und Rolf Kuhrt teil. 

Thematisch dominieren verschiedene Darstellungen des Bergbaus, z.B. von Schacht- und Betriebsanlagen, von Szenen untertage oder auch von Landschaften, die durch den Bergbau geprägt oder zerstört sind. Es gibt bergmännische Porträts und Gruppenbilder. Doch in den mehr als 40 Jahren ihres Bestehens beschränkte sich die Wismut nicht auf solche Themen oder Bildstoffe. In der Sammlung gibt es Stilleben, Akte, Alltagsszenen, Tierdarstellungen oder literarisch angeregte Szenen. Diese Öffnung über den eigenen Kreis hinaus zeigt, wie eng die Verantwortlichen der SDAG Wismut mit dem lebendigen Kunstprozeß verbunden waren. Nicht nur arrivierte Künstler schufen für diesen Großbetrieb Werke oder hatten mit ihm Förderverträge. »So finden sich in der Wismut-Kunstsammlung (...) genügend Beispiele dafür, daß auch Dissidenten und selbst die Kunstautonomen der späten 1980er Jahre Aufträge übernahmen beziehungsweise keine Probleme darin sahen, sich an den Deutsch-Sowjetischen Pleinairs der SDAG Wismut zu beteiligen.«1 

Angesichts der heutigen Kunstverhältnisse, die vom Markt dominiert werden, wird die historische Leistung deutlich, die - nicht nur - die SDAG Wismut vollbrachte und die sich im Gedächtnis der Menschen erhält. Seit 1949 gab es etwa ein Laienorchester der Wismut, das mit beträchtlichen Mitteln unterstützt wurde und sich zum Berufssymphonieorchester entwickelte. Es gab Zirkel schreibender Arbeiter oder junger Autoren, in denen sich begabte junge Menschen trafen, von denen einige - Werner Bräunig, Herbert Jobst, Martin Viertel oder Horst Salomon - zu geachteten Schriftstellern wurden. 

Seit 1976 wurde ein Kultur- und Kunstpreis an Einzelpersonen, Kollektive, Laien- und Berufskünstler vergeben. Es gab Arbeitertheater, Gebietsarbeitsgemeinschaften des künstlerischen Volksschaffens für Kabarett, Tanz, Chorgesang, Instrumentalmusik, Malerei, Graphik, Plastik, Textil-, Metall- und Holzgestaltung, Keramik, Fotografie und Amateurfilm. 

Über die Zirkel des bildnerischen Volksschaffens kann man im Katalog der »Sonnensucher«-Ausstellung lesen: »Die Aufmerksamkeit galt den Bergarbeitern und dem ehrlichen Versuch, sie an die bildende Kunst heranzuführen. Viele von ihnen kamen aus unterschiedlichen Berufs- und Altersgruppen. Dementsprechend differierten Bildungsstand und Vorerfahrungen. Farben, Pinsel, Papier und Leinwände wurden aus Mitteln der Kultur- und Sozialfonds der Wismut finanziert. Geeignete Räume fanden sich in den jeweiligen Kulturhäusern. Mitunter gelang es sogar, Ateliers zu mieten.«2 

Zu den Kunsthochschulen in Dresden und Leipzig bestanden enge Partnerschaftsbeziehungen. Eine intensive Zusammenarbeit entwickelte sich auch mit den Bezirksverbänden des Verbands Bildender Künstler der DDR in Leipzig, Karl-Marx-Stadt und Gera. Die Wismut organisierte eigene Wanderausstellungen. Das Studio »aktuell« der Wismut schuf mehr als 180 Filme, darunter die Dokumentation »Der Neue - ein Professor«, die die Arbeit des Leipziger Malers und Graphikers Frank Ruddigkeit an seinem Gemälde »Vor Ort« verfolgte. Dieser Film wird neben anderen auch in der Geraer Ausstellung gezeigt. Ruddigkeits Gemälde ist verschollen. 

Diese und viele weitere Tatsachen aus der Kulturarbeit der SDAG Wismut sind in einem gut recherchierten Katalog nachzulesen. Seit 1990 zeigte die Wismut GmbH auch Werke ihrer Kunstsammlung u.a. in der Bundesknappschaft Bonn, im Arbejdermuseet Kopenhagen, in der Bergbauberufsgenossenschaft Bochum, in Bad Steben, Schlema, Freiberg, Knappenrode, Ronneburg und Dresden. Das Erbe wird gepflegt und geachtet, auch wenn es Künstler wie Michael Morgner gab, die dieser Sammlung vorwarfen, sie versammele »Unkunst« und besudle Chemnitz. Er hatte dabei vollkommen vergessen, daß sich in diesem großen Konvolut auch Arbeiten von ihm, weiteren Mitgliedern der Künstlergruppe »Clara Mosch« und anderen »Unangepaßten« befinden. 

Wiedersehen mit alten Bekannten 

Der Gang durch die Geraer Ausstellung »Sonnensucher« ist eine lebendige Lektion über wichtige Phasen der Kunstentwicklung in der DDR. Auch heute noch wirken die devoten Bilder von Heinrich Witz - z.B. »Der neue Anfang«, »Schrittmacherkollektiv« oder »Das Arbeitertheater der Wismut auf dem Lande« - aus den fünfziger Jahren peinlich. Sie kennzeichnen jedoch eine komplizierte Etappe, in der der Streit mit den »Formalisten« mit aller Härte geführt wurde. 

Dieser kurzzeitige Hofmaler der Wismut kam allen Vorstellungen eines damals führenden Kulturpolitikers, Alfred Kurella, mit seinen Werken entgegen. 

Witz praktizierte einen sozialistischen Realismus Stalinscher Prägung und negierte alles, was die deutsche Kunst des 20. Jahrhunderts und die Klassische Moderne hervorgebracht hatten. 

Bernhard Heisig war einer seiner klügsten und vehementesten Kritiker. Das Wiedersehen mit Heisigs »Die Geraer Arbeiter am 15. März 1920«, das zum Bestand der Kunstsammlung Gera gehört und in die Wismut-Ausstellung aufgenommen wurde, war ein großes Erlebnis. 

Von den mehr als 100 Künstlern, die in dieser Schau vertreten sind, waren oder sind mir 42 persönlich bekannt. Es ist ein eigenartiges Gefühl, ihren Werken wiederzubegegnen. Hinter den Bildern sieht man ihre Schöpfer: Joachim John und Rolf Kuhrt mit ihren metaphernreichen Graphiken, Alexandra Müller-Jontschewa und ihr Ehemann Hans-Peter Müller mit akribischen, an Otto Dix erinnernden Porträts und Paysagen, in denen immer Nachdenklichkeit und kritisches Hinterfragen steckt. Arbeiten von Ronald Paris sind gehängt, mit kraftvollen, dem Theater gewidmeten Farblithographien, Peter Kraft mit beinahe stillen, streng gebauten Landschaften, Horst Sakulowski mit altmeisterlichen Radierungen, Axel Wunsch mit seinen heftigen, zugleich gebändigten Farbkompositionen und viele, viele andere. 

Sepp Wenig, der 1948 zunächst als Fördermann bei der Wismut begann, später Hauer, Brigadier, Obersteiger und schließlich Arbeitsdirektor bei der Generaldirektion der SDAG Wismut war, wird in drei Porträts gezeigt: in Carl Kuhns Bildnis von 1965, in Werner Petzolds »Zwei Generationen« von 1972 und in Alexandra Müller-Jontschewas repräsentativem, 1986 postum entstandenen »Porträt Sepp Wenig«. Diesen beliebten, kraftvollen Menschen lernte ich 1968 in Schlettau kennen und schätzen. Damals war er gerade in den Ruhestand gegangen. 1981 starb er im Alter von 85 Jahren. Die Erinnerungen, hervorgerufen durch anspruchsvolle Kunst, sind lebendig. 

Carl-Heinz Westenburger hatte mir bei meinem letzten Besuch in seinem Atelier erzählt, daß er gemeinsam mit dem Berliner Maler Dieter Gantz der erste war, der im Rahmen seines Studiums an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee von November 1956 bis April 1957 ein Praktikum im Wismut-Schacht Johanngeorgenstadt absolvieren konnte und dabei auch untertage zeichnete. Sein Porträt »Steiger im Erzbergbau« von 1956, eigentlich noch eine Studentenarbeit, zeigt ungeschönt ein kluges, offenes, von der Schwere der Arbeit gezeichnetes, selbstbewußtes Gesicht. Die dunklen, teilweise kalten Farben geben dennoch Wärme und Freundlichkeit. Es ist eines seiner besten Bildnisse und entstand im Atelier nach Zeichnungen vor Ort. Der Schacht diente später Dreharbeiten für den Film »Sonnensucher« von Konrad Wolf, der 1958 fertiggestellt wurde, aber wegen seiner kritischen Sicht auf die »wilden« Anfangsjahre der Wismut erst 1971 in die Kinos kam. Unweit von Johanngeorgenstadt, in Tannenberg, lebte und arbeite Westenburger, der bis zu seinem Lebensende nicht nur mit seiner erzgebirgischen Heimat, sondern auch mit dem Bergbau verbunden blieb. 53 Arbeiten von ihm gehören heute zur Wismut-Sammlung. Sie sind nicht spektakulär, aber ehrlich. Sie sind eindringlich für den, der das Sehen nicht verlernt hat. 

Zu den Künstlern, die in den siebziger und achtziger Jahren das Bild der »Wismut-Kunst« am nachhaltigsten prägten, gehört Werner Petzold. Allein von ihm sind elf Arbeiten dokumentiert, meist Gemälde - wie »Brigade Rose«, »In der Teufe«, »Vor Ort« oder »Kumpel aus Paitzdorf« -, aber auch Zeichnungen und Lithographien. Er liebte das große Format und ließ sich von der mexikanischen Wandmalerei anregen. Sein riesiges, 16 mal 12 Meter großes Wandbild »Friedliche Nutzung der Atomkraft« aus emaillierten Platten war zunächst für das Verwaltungsgebäude der Wismut im Bergbaubetrieb Paitzdorf geschaffen worden und steht seit 2012 als nicht zu übersehendes Landschaftszeichen bei Löbichau im Altenburger Land. 

Angeregte Diskussionen 

Das Aufleben persönlicher Erinnerungen kann man in der Ausstellung auch bei Besuchern beobachten. Manch einer der Älteren hatte bei der Wismut gearbeitet, einen Zirkel besucht oder wohnt heute in Landschaften, die durch den Bergbau geprägt und nach 1990 schrittweise saniert wurden. Vor den Bildern wird gefachsimpelt, werden vergessen geglaubte Einzelheiten diskutiert, und bei allem steht die besondere Wirkungsweise von Kunst zur Debatte - ein Erbteil, das auch in den großen Kunstausstellungen der DDR in Dresden wurzelt. 

Der gut gemachte Katalog läßt kaum Fragen offen. Man bemerkt auch das Bemühen, seit der »Wende« gängige Denkmuster zu überwinden und sich an die Tatsachen zu halten. Gestört hat mich ein wenig die partielle Nichtübereinstimmung von Ausstellung und Katalog. So sind etwa Arbeiten von Willi Sitte oder Thomas J. Richter zu sehen, die im Katalog nicht vorkommen. Oder im Katalog werden Bildtitel und Biographien von Künstlern genannt, die in der Ausstellung fehlen. 

Jedem, der sich für Kunst aus der DDR und für ihr Weiterwirken interessiert, ist der Besuch dieser Ausstellung zu empfehlen. Sie ist ein wichtiger Beitrag, solche Werke vor dem Vergessenwerden zu behüten und ihren Platz in der deutschen Kultur zu sichern. 

Anmerkungen 

1 Karl Kaiser: Allianzen, Karrieren, Polaritäten. Die Kunstsammlung der SDAG Wismut als Sonderfall im »gesellschaftlichen Auftragswesen« der DDR, in: Sonnensucher. Die Kunstsammlung der Wismut. Eine Bestandsaufnahme, Katalog zur Ausstellung der Kunstsammlung Gera, hg. von Paul Kaiser und Holger Peter Saupe, 2014, S. 41 

2 Lutz Fichtner: Die Kunstpolitik der SDAG Wismut zwischen »Bitterfelder Weg« und Perestroika. in: Kaiser/Saupe, siehe Anmerkung 1, S. 11 

»Sonnensucher! Die Kunstsammlung der Wismut«, Kunstsammlung Gera,, Orangerieplatz 1, bis 21. April 2014, Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag und Feiertage 12-17 Uhr 

 

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