Andere Moderne  

Bildende Kunst. Malerei, Fotografie und Plakatkunst der DDR in der Ausstellung »bildersuchlauf« im Kunstmuseum Dieselkraftwerk in Cottbus  

Peter Michel 

In: junge Welt online vom 17.12.2013 

 

Wer erinnert sich noch daran, daß am 12. März 1981 im Musée d'Art Moderne de la Ville de Paris eine Ausstellung mit dem Titel »Malerei und Graphik aus der Deutschen Demokratischen Republik« eröffnet wurde? Sie war im Rahmen des 1980 abgeschlossenen Kulturabkommens zwischen der Republik Frankreich und der DDR zustande gekommen. Lothar Lang war ihr Kurator (siehe jW vom 1.8.2013). Die Ausstellung zeigte nicht nur repräsentative Werke von Werner Tübke, Bernhard Heisig und anderen, sondern widmete sich in einem besonderen Kabinett auch den eigenwilligen, international seit langem bekannten Zeichnungen Gerhard Altenbourgs. Während in den damaligen bundesdeutschen Medien diese Ausstellung so weit wie möglich heruntergespielt oder übergangen wurde, fand sie in Frankreich ein reges Interesse. Setzte sie doch eine Tradition fort, die z.B. mit dem Auftreten des Berliner Ensembles in der Pariser Banlieue begann. 

Der Zeichner und Maler Max Lingner hatte aus seiner Pariser Exilzeit »französischen Geist« in die DDR gebracht (siehe jW-Thema vom 19.9.2012). 

Freundschaften zwischen Franzosen und Deutschen aus der Zeit der Résistance wirkten weiter. Und es gab immer wieder Künstler, die bis zum Ende der DDR Studienreisen nach Frankreich antraten, darunter Wolfgang Mattheuer und Dieter Weidenbach. 

Zwischen dem Verband Bildender Künstler der DDR und der Union der Bildenden Künstler Frankreichs (UAP) gab es eine Arbeitsvereinbarung, auf deren Grundlage auch ein Heft der Zeitschrift Bildende Kunst entstand, das sich mit aktuellen Arbeiten aus Frankreich beschäftigte. Es erschien im April 1983. An dessen Erarbeitung wirkten die Maler und Graphiker Irmgard und Thierry Sigg und Jean-Raoul Moulin - damals Generalsekretär der AICA1 und Kunstkritiker der L'Humanité - partnerschaftlich mit. 

Immer wieder stand dabei die soziale Sicherheit der Künstler im Vordergrund. Was in der DDR auf diesem Gebiet erreicht worden war, diente den Kollegen in Frankreich als Vorbild. Der Kunstwissenschaftler Hermann Raum schrieb 1986 einen ausführlichen Report über den Pariser Galeriebetrieb und würdigte darin die Bemühungen des damaligen Kulturministers Jack Lang.2 Alles das prägte das Kunstleben in der DDR mit - wird aber seit der »Wende« verdrängt. 

Erst in Brest, dann in Cottbus 

Da wundert es nicht, daß solche Fakten in der Ausstellung »bildersuchlauf« keine Rolle spielen. Dabei hätte ein Hinweis gut in die Diktion des Katalogs gepaßt, daß das Französische Kulturzentrum in der früheren DDR-Hauptstadt Berlin, das ebenfalls im Rahmen dieses Kulturabkommens eingerichtet worden war, als Anlaufpunkt oppositioneller Künstler diente. 

Noch mehr Anlaß zur Erinnerung an die Zusammenarbeit von DDR uns Frankreich bildet jedoch die Ausstellung selbst. 

Ihre erste Variante wurde nämlich am 22. März 2013 unter dem Titel »à la recherche d'images« (Auf Bildersuche) im Passerelle - Centre d'art contemporain im nordfranzösischen Brest eröffnet. Anlaß war der 50. 

Jahrestag des Abschlusses des Élysée-Vertrages, der am 22. Januar 1963 die Aussöhnung zwischen Westdeutschland und Frankreich besiegeln sollte. In den großzügigen Räumen der Brester Kunsthalle bildeten die Werke aus der DDR eine weitere Brücke der Verständigung. Diese »andere Moderne« war bis zum 31. Mai 2013 dort zu sehen. Bei aller Skepsis: Man muß den Machern dieser Ausstellung Anerkennung zollen. Daß mehr als 32 Jahre nach der Ausstellung in Paris Kunstwerke aus 40 Jahren DDR in Frankreich zu sehen waren, ist eine erfreuliche Tatsache. Sie spricht für einen normaleren Umgang mit dieser Kunst, der sich auch andernorts zunehmend durchsetzt. 

Ein kleiner zweisprachiger Katalog mit Texten von Mitarbeitern des Cottbuser Museums erschien, der sich an das französische Publikum richtete und zur Eröffnung der zweiten Ausstellungsvariante am 18. Oktober 2013 auch in Cottbus vorlag. Beide Varianten unterscheiden sich, offenbar aufgrund veränderter Hängungsbedingungen, nur unwesentlich. Bedauerlich ist jedoch, daß in Cottbus einige Arbeiten fehlen, die in Brest zu sehen waren und vielleicht stärker als andere Zeugnis von den widersprüchlichen künstlerischen Entwicklungen in der DDR ablegen: Thomas J. Richters »Große Seebrücke mit Figur« (1986) und Trak Wendischs »Frau mit Fernseher« (1985/86). 

Zusammengestellt wurden die etwa 120 Exponate dieser Bilderschau aus dem zirka 30000 Werke umfassenden Bestand des Kunstmuseums Dieselkraftwerk Cottbus. Diese Sammlung, die dort vor Jahren in der Spremberger Straße ihren Standort hatte, wurde 1977 als Abteilung eines neuen Bezirksmuseums im 1959 stillgelegten Dieselkraftwerk eingerichtet. Sie war die dritte Neugründung eines Kunstmuseums in der DDR, konzentrierte sich zunächst auf die - regional dominierten - Bereiche Malerei, Graphik und Plastik, erweiterte sich aber später über die Bezirksgrenzen hinaus um die Genres Fotografie und Plakatkunst sowie um Künstlerbücher und Buchobjekte. Heute verfügt es - als Brandenburgisches Landesmuseum für Moderne Kunst - über Werke vom Dresdener Expressionismus bis zur jüngsten Vergangenheit. Dabei ist die Sammlung der Fotografie die umfangreichste in den neuen Bundesländern. 

Gegliedert ist die Ausstellung in vier Themenkreise - Arbeit, Stadt, Privatsphäre und Gegenkultur -, denen drei saalartige, fast klinisch helle Räume zugeordnet sind. Die meisten Plakate werden aber in einem dunkleren Zwischenraum gezeigt und auf diese Weise zurückgedrängt. Plakate von Gerhard Voigt, Otto Kummert, Manfred Bofinger, Helmut Brade, Joachim Jansong, Gisela Kurkhaus-Müller und Manfred Butzmann sind dort in einer provisorisch anmutenden Hängung zu sehen; einige andere befinden sich in den großen Sälen. Wenn man aber die reichen, qualitätvollen Plakatbestände kennt, die seit den siebziger Jahren in Cottbus zusammengetragen wurden, so ist gerade dieser Bereich unterrepräsentiert. Seit 1980 wurden dort die Resultate der DDR-offenen Wettbewerbe »Beste Plakate des Jahres« übernommen. Dieser Reichtum wird im »bildersuchlauf« - ganz im Gegensatz zur Fotografie - kaum genutzt. 

Welche Kritik an DDR-Kunst? 

Aus der großen Eingangshalle erreicht der Besucher die Ausstellung über eine Treppe, an deren Beginn als Programmbild Clemens Gröszers »Bildnis A. 

P. III« von 1987 zu sehen ist. Dieser Maler gehörte gemeinsam mit dem Bildermacher Harald K. Schulze und dem Bildhauer Rolf Biebl (siehe jW-Thema vom 25.3.2011) der Künstlergruppe »Neon Real« an, die sich zu Beginn der achtziger Jahre einem intensiven, fast schmerzhaften Verismus verschrieben hatte. 

Vor allem Gröszer steht in der Tradition eines Otto Dix. In das Bildgedächtnis vieler Menschen haben sich solche Bilder wie »Sitzender Akt mit Zigarettenspitze«, seine zwölf »Marin á Cholie«-Darstellungen, sein »Diabolospieler« und viele andere eingegraben - allesamt dinggenau, zugespitzt und voller Wahrheitssucht. Er war Meisterschüler an der Akademie der Künste der DDR bei Wieland Förster, gewann 1986 den ersten Preis im Wettbewerb der jungen Künstler der UdSSR und der DDR und stellte noch vor dem Ende der DDR in Paris auf der Biennale in Venedig und in Madrid aus. 

Sein »Bildnis A. P. III« gehört mit seiner kostbaren Malerei eigentlich zu den ruhigeren, gemäßigteren Arbeiten. Im Katalog ist darüber zu lesen, der Bildraum gleiche »einer Schutzhülle, gleichermaßen aber auch einem Parallelraum, der eine Nische in der DDR-Gesellschaft für die Verletzlichkeit des Individuums sowie dessen möglicher Resistenz bietet«. 

Die Dargestellte sei ein »exotisches Geschöpf«; Kleidung, Haarschnitt, Körperhaltung etc. seien Ausdruck einer Parallelgesellschaft, die sich den gängigen Normen entziehe.3 Es gibt einen passenden Gedanken Goethes: »Im Auslegen seid frisch und munter! / Legt ihr's nicht aus, so legt was unter.«4 Eine Nische kann ich in diesem Bild nicht entdecken, vielmehr sehe ich eine sensible junge Frau, die dem Betrachter selbstbewußt und verletzlich zugleich gegenübersitzt. 

Man erlebt solche Bilder heute anders als vor etwa 30 Jahren. Derartige Interpretationen, die auch an einigen anderen Stellen im ansonsten gut gemachten Katalog auftauchen, beschwören ein DDR-Bild, das um 1989/90 nachvollziehbar war, das aber heute, nach mehr als 24 Jahren »genossener« kapitalistischer Freiheit hinterfragt werden muß. So sehe ich auch die ausgestellten Fotografien heute anders als damals. Sie stießen uns auf unbequeme Wahrheiten, unterstrichen auch unser eigenes Unbehagen über Fehlentwicklungen und offensichtliche Widersprüche, die im Gegensatz zu den offiziellen Blindheiten standen. Wenn man diese Arbeiten heute wieder sieht, fragt man sich, ob die Müllberge, die Obdachlosen, die schamhaft ihre Armut versteckenden Menschen, die fortgesetzte Umweltzerstörung auch jetzt zu den Motiven derselben Fotografen zählen. Kritisches Hinsehen wird dann glaubhaft, wenn es auch die Gegenwart betrifft. 

Fotografie - Gegenkultur? 

Der erste Ausstellungssaal ist dem Thema »Gegenkultur« gewidmet. Dort hängen gut ausgewählte Fotografien von Helga Paris, Sibylle Bergemann, Sven Marquardt, Erasmus Schröter, Christian Borchert und anderen. Fotografie taucht in allen weiteren Themenkreisen ebenfalls auf. Das ist gut so, reagiert sie doch zwangsläufig und unmittelbar auf Zeitgeschichte. 

Strukturelle Ähnlichkeiten zwischen den Bildern der Fotografen und der Maler und Graphiker sind nicht zufällig. Seit 1981 hatten die im Künstlerverband organisierten Fotografen eine eigene Arbeitsgruppe und traten immer selbstbewußter auf. 

Doch auch hier sei die Frage erlaubt, weshalb einige der besten des Genres in dieser Ausstellung fehlen, z.B. Arno Fischer, Ute Mahler und Thomas Billhardt. Und ist nicht die Einordnung kritischer Fotografie in eine »Gegenkultur« sehr fragwürdig, wenn sie doch im Kunstleben der DDR eine ständig wichtigere Rolle spielte? 

Bei den Malern Johannes Heisig und Hubertus Giebe, die ebenfalls in diese Rubrik eingeordnet werden, drängt sich diese Frage noch mehr auf. Beide leiteten gemeinsam mit großem Durchsetzungsvermögen die Arbeitsgruppe der jungen Künstler im Verband Bildender Künstler der DDR und waren Dozenten an der Kunsthochschule Dresden. Heisig war der letzte DDR-Rektor dieser traditionsreichen künstlerischen Ausbildungsstätte. Im Themenkreis »Arbeit« erinnert mich eine 1979 entstandene Fotografie von Roger Melis daran, daß im Armaturenwerk Prenzlau ein 1983 geschaffenes Wandbild des Zachower Malers Joachim Lautenschläger nach der »deutschen Einheit« durch den neuen Eigentümer vernichtet wurde. 

Der Fotograf Thomas Kläber schuf 1984 einen Silbergelantineabzug mit dem Titel »Berlin, Platz der Akademie«. Damals hieß dieser Platz noch so; heute ist es wieder der Gendarmenmarkt. Diese Rückbenennung war gut und richtig, denn es sind mit Gendarmen nicht Sozialisten und Landstreicher jagende kaiserliche Soldaten gemeint, sondern eine Einheit vorwiegend hugenottischer Freiwilliger, die im Kampf gegen die Truppen Napoleons eine wichtige Rolle spielte. Dieser Platz wurde in alter Schönheit von der DDR wieder hergestellt. Das vom preußischen Baumeister Karl Friedrich Schinkel entworfene, im Zweiten Weltkrieg schwer zerstörte Schauspielhaus erlebte seine Wiedereröffnung als Konzerthaus am 1. Oktober 1984. 

Kläber erfaßt in einer strengen Komposition einen Zustand vor dieser Neueinweihung. Der abgebildete Mann erscheint in einer Verfremdung, wie man sie von René Magritte kennt. Die in die Bildtiefe führenden Linien der Pflasterung werden jäh von einem Bauzaun abgeschnitten und verhindern ein Weiterblicken und Weitergehen. Rechts ist die Fassade des Haupteingangs des Konzerthauses in noch nicht fertiggestellter Restaurierung erkennbar; dahinter erheben sich die gleichförmigen Fassaden des Neubaugebiets Leipziger Straße. Distanz und Nähe vereinigen sich zu einem beeindruckenden, ästhetisch überzeugenden, Fragen provozierenden Foto. 

Wiederbegegnungen 

Zu den Höhepunkten der Ausstellung zählen für mich die Gemälde von Theodor Rosenhauer (»Brot und Tasse«, 1958), Konrad Knebel (»Straße in Karl-Marx-Stadt«, 1974), Harald Metzkes (»U-Bahnhof Alexanderplatz«, 1974) sowie das Stilleben »Verpackte Flaschen« (1985) und die Cottbuser Stadtlandschaften von Günther Friedrich, die Ende der siebziger Jahre entstanden sind. Sein frühes Bild »Heizhaus« von 1957 ist noch wenig malerisch, setzt fast monochrome Flächen und starre Geraden gegeneinander und läßt nur im Vordergrund und im rauchdurchsetzten Himmel die Lockerheit des malerischen Duktus erahnen, die seine späteren Bilder bestimmt. Im Themenkreis »Arbeit« findet sich vieles vom Aufbau in der Lausitz und von der - auch heute noch andauernden - landschaftsverändernden Rolle des Braunkohlentagebaus. 

Von Dieter Dressler ist das Porträt eines Lokheizers von 1957 zu sehen, das die Schwere der Arbeit schonungslos betont und so gar nicht dem entspricht, was man sich heute klischeehaft unter sozialistischem Realismus vorstellt. 

Sein »Tagebau« (1962) zeigt eine schlicht gebaute Landschaft mit klar strukturierter, spannungsvoller Gliederung in Form und Farbe. Dresslers »Forschungslabor im Textilkombinat Cottbus« von 1971 befriedigt dagegen nicht; die Personen wirken gestellt; die Malerei ist fahl und einförmig; die Komposition entspricht einem starren Raster, in das die Bildakteure eingefügt sind. Hat sich der Maler damals vom Auftraggeber zuviel hineinreden lassen? Dieselbe Frage stellt sich auch bei Kurt Heinz Siegers »Strickereimädchen im Textilkombinat Cottbus« (1971), einem Mehrpersonenbild, das in der künstlerischen Substanz hinter seiner 1964 entstandenen, an Paul Cézanne orientierten Landschaft zurückbleibt. 

Eine glückliche Wiederbegegnung gab es mit Günther Brendels »Braunkohletagebau«, einem frühen Gemälde, das schon in der IV. 

Kunstausstellung in Dresden zu sehen war. Damals malte Brendel auch in anderen Bildern mit dunklen, erdigen Farben. Das ist seit dem Ende der sechziger Jahre ganz anders. Seine Malerei fing an zu blühen, sie wurde duftig. Die schwere Konturierung wich einem impressionistischen Malduktus, der die Gegenstände, die Figuren und den Bildraum in reichem Maß aus der Farbe heraus entwickelte. Das war schon in seinen Bildern vom Aufbau des Berliner Alexanderplatzes so und fand einen Höhepunkt in seiner »Richtkrone«, die zur Galerie des Palastes der Republik gehörte und nun im Depot des Deutschen Historischen Museums schlummert. Hier aber, in seinem Brigadebild von 1958, erweist sich das Schwere, Feste seiner Malerei als vollkommen angemessen. Das komplizierte Erfassen einer Diskussionssituation meistert er in einer gekonnten Komposition, die das Spannungsvolle glaubhaft werden läßt. 

Solche Bilder aus den Anfangsjahren gaben der Cottbuser Sammlung lange Zeit ihr Gesicht. Andere Ankäufe oder Übereignungen muß man kritischer sehen. 

Von Uwe Pfeifer und Volker Stelzmann wünschte man dem Museum gewichtigere Werke. 

Erhard Hippold ist mit seiner Stadtlandschaft »Zwickauer Vorort (Reinsdorf)« (1962) vertreten. Das Triste dieser Malerei erinnert an die Atmosphäre, die Hans Grundig seinen Gemälden aus dem Proletariermilieu der Weimarer Republik verlieh. Tristesse herrscht ebenso in Doris Zieglers Gruppenbildnis »Nora, Uta, Samuel, Martin, Adrian, Thora, Till, Ben, Maria und Selbst«, entstanden 1982 im Leipziger Ortsteil Plagwitz, wo sie heute noch wohnt. Auch hier sind eindeutige Bezüge zur Bildsprache der proletarisch-revolutionären Kunst der zwanziger und dreißiger Jahre erkennbar; sie prägten schon ihr Doppelbildnis »Zwei aus der Brigade rRosa Luxemburgl« (1975) oder ihr Brigadebild »Frauen in der Spinnerei« (1978/79). Stets war sie mit solchen Werken in den großen Dresdener Kunstausstellungen vertreten. Ihre Bilder sind ungeschönt, unbestechlich, empfindsam und zugleich voller Sympathie für die Dargestellten; es sind Gleichnisse für die Sehnsucht nach Wärme und Geborgenheit. Zieglers Bildsprache hat sich in den vergangenen Jahren gewandelt. Die übertriebenen Raumperspektiven sind geblieben, aber sie findet neue Anregungen in den surrealen Bildern Giorgio de Chiricos und richtet ihren kritischen Blick auch auf die Gegenwart. 

So bietet diese Ausstellung erregende Einblicke in typische Erscheinungen einer Kunst, die unter komplizierten Bedingungen im Osten Deutschlands entstand und die - dessen bin ich sicher - als »andere Moderne« in die Geschichte der Künste eingehen wird. Jede neue, unvoreingenommene Präsentation ist, wie die in der Neuen Sächsischen Galerie Chemnitz zu sehende Ausstellung aus der Kunstsammlung des früheren Bergbauunternehmens Wismut, ein Schritt in diese Richtung. 

Anmerkungen 

1 AICA: Association Internationale des Critiques d'Art, UNESCO-Organisation der Kunstkritiker mit Sitz in Paris (Louvre). Die DDR war in dieser Organisation mit einer eigenen Sektion vertreten. 

2 Hermann Raum: Das Bang-Bang und die sicheren Werte, in: Bildende Kunst, Heft 10/1986, S. 448 

3 Katalog der Ausstellung »bildersuchlauf«, Brest 2013, S. 84 

4 Johann Wolfgang von Goethe: Zahme Xenien, 2. Buch, Bd. 3 der Weimarer Ausgabe 1890, S. 258 

Peter Michel ist Kunstwissenschaftler und Publizist. Er besprach zuletzt an dieser Stelle am 21./22.9.2013 die Potsdamer Ausstellung »Lebenswerke« - einige seiner Bücher sind im jW-Shop erhältlich. 

»bildersuchlauf«, Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus, Am Amtsteich 15, bis 5. Januar 2014, Di. bis So. 10 bis 18 Uhr 

 

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