Monday, 23. july 2012

Die Beziehungen zwischen der DDR und Kuba

Heinz Langer war Attaché in Cuba 1964/65 sowie DDR-Botschafter in Cuba 1975-1979 und 1983-1986. Zwischendurch war er Leiter der Handelsmission der DDR in Rio de Janeiro.

Im nachfolgend verlinkten Text gibt er einen Überblick über die Beziehungen zwischen der DDR und Kuba.

"Kuba war 1960 das erste lateinamerikanische Land, das die DDR völkerrechtlich anerkannte. Bereits 1961 wurde ein erstes Abkommen zwischen beiden Staaten unterzeichnet. Als die DDR in die BRD einverleibt wurde, wurden einseitig durch die BRD Regierung die 64 Abkommen, Verträge und Vereinbarungen, die zwischen der DDR und der Republik Kuba vereinbart worden waren, annulliert, ohne die Konsequenzen für Kuba zu berücksichtigen. ...

Die DDR war nach der Sowjetunion der zweitgrößte und auch der zweitwichtigste Wirtschafts- und Handelspartner Kubas. Sie hatte geholfen, in Kuba über 2.000 Betriebe zu errichten."

Der ganze Text steht hier:

http://ddr-kabinett-bochum.blogspot.de/2012/07/ddr-solidaritat-mit-cuba.html

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Freitag, 20. Juli 2012

DDR-Solidarität mit Cuba

Kuba war 1960 das erste lateinamerikanische Land, das die DDR völkerrechtlich anerkannte. Bereits 1961 wurde ein erstes Abkommen zwischen beiden Staaten unterzeichnet. Als die DDR in die BRD einverleibt wurde, wurden einseitig durch die BRD Regierung die 64 Abkommen, Verträge und Vereinbarungen, die zwischen der DDR und der Republik Kuba vereinbart worden waren, annulliert, ohne die Konsequenzen für Kuba zu berücksichtigen. Nicht nur die Vielzahl der vertraglichen Bindungen belegt die Intensität der Beziehungen zwischen beiden Völkerrechtssubjekten, sondern auch die Themen lassen kaum einen Bereich von Wirtschaft und Gesellschaft aus.

Die DDR war nach der Sowjetunion der zweitgrößte und auch der zweitwichtigste Wirtschafts- und Handelspartner Kubas. Sie hatte geholfen, in Kuba über 2.000 Betriebe zu errichten. Unter der Vielzahl Objekte der wirtschaftlichen Zusammenarbeit sind einige für die kubanische Volkswirtschaft, vor allem für die industrielle Entwicklung, besonders hervorzuheben: Zwei Zementfabriken, zwei Anlagen zur Herstellung von Industriegas, zwei Keramikfabriken, eine Fabrik zur Verarbeitung von Zitrusfrüchten, Beteiligung an der Werterhaltung, Erneuerung und Erweiterung von Zuckerfabriken, Modernisierung der Brauereien und Errichtung von zwei Brauereien, die zu den größten Lateinamerikas zählen, eine Schokoladenfabrik, Textilfabriken und ein polygraphisches Kombinat. auch im Gesundheitswesen, dem liebsten Hobby von Fidel konnten wir einen bescheidenen Beitrag leisten. Kürzlich hatte die Ärztin Aleida Guevara auf einer Veranstaltung in Berlin erwähnt, dass noch immer Röntgengeräte aus der DDR funktionsfähig sind. Während meiner jährlichen Besuche in Kuba konnte ich vernehmen, dass fast alle unsere Investitionsobjekte noch funktionsfähig sind.

Während von der DDR begonnene Investitionen mit anderen Ländern weitergeführt wurden, brach die BRD alle Vorhaben mit Kuba ab. Insbesondere die Unterbindung des Kompensationsgeschäftes über die Lieferung von Milchpulver gegen kubanische Futterhefe hatte nachhaltige negative politische und soziale Auswirkungen.

Die Dokumentation beschränkt sich nicht nur auf die wirtschaftliche Zusammenarbeit, sondern sie soll auch die ganze Vielfalt der freundschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern zeigen. Kuba war für viele DDR Bürger ein herausragendes Reiseziel. Der Tourismus nach Kuba entwickelte sich besonders in den siebziger Jahren. Viele, die einmal Kuba besuchten, halten dem lieb gewonnenen Inselstaat noch heute die Treue, denn Kuba war für DDR Bürger mehr als eine gewöhnliche Urlaubsinsel. Das kann auch der Kapitän des Urlauberschiffes "Völkerfreundschaft" bestätigen, das regelmäßig Kuba anfuhr. Viele dieser DDR Bürger reihten sich nach dem Untergang der DDR in die Solidaritätsbewegung "Kuba si" ein und halfen mit ihren Möglichkeiten einen Beitrag zum Überleben des sozialistischen Kuba in den schwersten Zeiten seiner Existenz zu leisten.

Es entwickelte sich von Beginn der Beziehungen an zugleich ein intensiver Kulturaustausch auf allen Gebieten. Hervorragend war die Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Verlagswesens, der Volksbildung, der Künste. Viele bekannte DDR Künstler wie Frank Schöbel oder Chris Doerk gastierten häufig auf Kuba. Unsere Leistungssportler holten sich auf der Karibikinsel Kraft. Es gab faktisch kein Gebiet des gesellschaftlichen Lebens, das nicht in diese Beziehungen einbegriffen gewesen wäre. An den Universitäten Rostock, Leipzig und Berlin wurde Lateinamerikawissenschaft mit besonderem Schwerpunkt Kuba betrieben. Aus den vielfältigen Begegnungen entwickelten sich viele persönliche Freundschaften.

Die Führer der kubanischen Revolution Fidel Castro oder Che Guevara haben die Jugend der DDR oftmals stärker politisch und emotionell beeinflusst als zum Beispiel Erich Honecker oder Günter Mittag. Die Poster mit dem Abbild von Che gehörten zur Standartausrüstung der Studierstuben von Rostock und Leipzig. Natürlich hatten auch der Lebensweg und das Schicksal von Tamara Bunke einem Einfluss auf die politische Haltung vieler Jugendlicher. Das Leben, die Arbeit und die Ausbildung tausender kubanischer Jugendlicher in der DDR trugen direkt zur Entwicklung vielfältiger zwischenmenschlicher Beziehungen bei.

All diese kolossale Komplexität, Vielschichtigkeit und auch Schönheit der Beziehungen zwischen unseren Ländern kann nicht mit Worten allein gewürdigt werden. Diese freundschaftlichen Beziehungen hatten sich so entwickelt, wie sie besser nicht zwischen zwei Staaten und Völkern, die gleiche politische Ideale und Ziele hatten, sein konnten. Zumindest von Seiten Kubas waren sie im Vergleich mit anderen Ländern noch etwas herzlicher, da die DDR ähnlich wie Kuba der störenden Beeinflussung durch den imperialistischen Nachbar unmittelbar ausgesetzt war. Wegen der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit, sollen nur einige Beispiele der freundschaftlichen, solidarischen Beziehungen dargelegt werden.

Bereits im November des Jahres 1960 besuchte eine Delegation unter Leitung von Che Guevara die UdSSR. Er war enges Führungsmitglied der revolutionären Kräfte, Minister der revolutionären Regierung Kubas für Wirtschaftsfragen. Während dieses Besuches wurden von der sowjetischen Führung die anderen sozialistischen Staaten zu "Konsultationen" über die künftigen Wirtschaftsbeziehungen mit Kuba nach Moskau gebeten. Folgerichtig gab es dann in der "Moskauer Erklärung der Kommunistischen- und Arbeiterparteien" vom November 1960 entsprechende solidarische Formulierungen über die progressiven Prozesse in Lateinamerika und die revolutionären Veränderungen in Kuba.

Erwartungsgemäß verdeutlichte die SED unmittelbar danach in der Wertung der Moskauer Beratung ihren solidarischen Beitrag, indem Walter Ulbricht auf der 11. Plenartagung des Zentralkomitees in Auswertung der Moskauer Zusammenkunft erläuterte: "Auf der Konferenz wurde vereinbart, das kubanische Volk, das seine nationaldemokratische Revolution zum Siege geführt hat, mit allen Kräften zu unterstützen." Damit wurde eine klare Linie für die weitere Entwicklung der Beziehungen zu Kuba gegeben. Jeder, der die Bedeutung solcher Darlegungen auf dieser Ebene kennen gelernt hat, kann sich vorstellen, welch mobilisierende Wirkung diese nicht nur auf die zuständigen Staatsorgane, sondern auch und vor allem auf die Partei und Massenorganisationen hatte. Ebenfalls im Dezember weilte Che Guevara mit seiner Delegation während seiner historischen Mission durch die sozialistischen Länder Europas, von Moskau kommend, in Berlin und unterzeichnete mit unserem Minister für Außenhandel, den früheren Spanienkämpfer Heiner Rau, am 17. Dezember 1960 ein langfristiges Abkommen über Handel und wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit. Kuba erhielt den ersten Staatskredit über 12 Millionen US Dollar, was damals für die DDR mehr als eine pure Geste der Solidarität war. Dolmetscherin war übrigens Nadja Bunke, die Mutter von Tamara. Als ein Ausdruck besonderer Symbolik war der Besuch Guevaras auch in Leipzig, wo er sich dort im Herder Institut mit den studierenden lateinamerikanischen Jugendlichen traf. Die DDR hatte dort ein spezialisiertes Institut geschaffen, in dem ausländische Studenten in Schnellkursen die deutsche Sprache erlernten. Die DDR war für ihre große Solidarität besonders gegenüber den Entwicklungsländern bekannt und hatte zahlreiche ausländische Studierende, überwiegend aus Ländern der Dritten Welt, zur Ausbildung, um so zur Schaffung einer eigenen, der künftigen Intelligenz beizutragen.

Im März des Folgejahres wurde ein Abkommen über kulturell- wissenschaftliche Zusammenarbeit abgeschlossen und im gleichen Jahr 1961 ein Schifffahrtabkommen. Um den schnell anwachsenden Güterverkehr zu bewältigen, wurde eigens für den Transport von und nach Kuba die "CUBALCO" Linie gegründet. Die DDR stellte den Hauptanteil der Schiffe.

In der DDR Bevölkerung war im Verlauf des Jahres 1960 eine Welle der Sympathie und der Solidarität mit der kubanischen Revolution gewachsen, was im Januar 1961 zur Gründung eines Kuba-Solidaritätskomitees führte.

Deutlicher Ausdruck der Solidarität war die gewaltige Massendemonstration vom 26. April 1961 in Berlin unter den Linden, zwischen Bebelplatz und Humboldt Universität, gegen die von den USA gestützte Invasion in der "Schweinebucht", mit der zehntausende Bürger ihren Protest gegen die Aggression zum Ausdruck brachten und ihre Verbundenheit mit der kubanischen Revolution bekundeten. Auch die Führung der DDR versicherte Kuba in offizieller Form ihrer tiefen Sympathie, der Solidarität und Bereitschaft zur Hilfe bei der Verteidigung seiner Freiheit.

An der Entwicklung solidarischer Beziehungen zu Kuba waren von Anfang an in starkem Maße die Jugendorganisationen beider Länder die Initiatoren. Der damalige Sekretär des Zentralrates der Freien Deutschen Jugend Werner Lamberz, zuständig für Kultur, Wissenschaft und Auslandsbeziehungen, besuchte als Vertreter der FDJ und des Weltbundes der Demokratischen Jugend eine Tagung des Internationalen Studentenbundes, die nach dem Sieg der Revolution in Havanna stattfand. Dort lernte er Fidel und Raul Castro kennen und hatte ausführliche Gespräche mit dem Vorsitzenden der Sozialistischen Volkspartei, dem international bekannten Kommunisten Blas Roca. Wie aus einem internen Bericht an Walter Ulbricht hervorgeht, war Werner Lamberz von seinem Aufenthalt im revolutionären Kuba außerordentlich begeistert. Auf seine Veranlassung hin, wurden junge DDR Schriftsteller nach Kuba entsandt mit dem Auftrag, über die Revolution für die deutschen Leser zu berichten. Vorher hatte schon eine kubanische Jugenddelegation einige osteuropäische Länder besucht und auch zur Freien Deutschen Jugend Kontakte aufgenommen. Bekannte DDR Schriftsteller, wie Herbert Otto und Bodo Uhse hatten sich auch schon in Kuba umgesehen und kamen voller Begeisterung zurück. Am Gründungskongress der Schriftsteller und Künstler Kubas (UNEAC) nahm der Spanienkämpfer und Schriftsteller Ludwig Renn teil. Auch weilte bereits eine Gewerkschaftsdelegation aus der DDR zu den Feierlichkeiten zum 2. Jahrestag des Sieges der kubanischen Revolution in Havanna. Es war also offensichtlich, dass die Beziehungen zwischen der DDR und Kuba von Anfang an nicht nur auf wirtschaftlichem Gebiet konzentriert waren, sondern vor allem von gesellschaftlichen Kräften getragen wurden.

Der Handelsaustausch zwischen Kuba und der DDR entwickelte sich rasch und unser Land nahm bereits hinter der UdSSR, China und der CSSR den vierten Platz in Außenhandel Kubas ein. Durch die Montage der kompletten Anlagen vergrößerte sich die in Kuba anwesende Anzahl der DDR Bürger und die Arbeit der Botschaft nahm an Umfang zu.

Damals begann eine rege Zusammenarbeit auf dem Gebiete des Leistungssports. Unser Internationaler Schach Großmeister Wolfgang Uhlmann aus Dresden nahm an dem internationalen, traditionsreichen Copablanca Schachturnier teil. 1964 kamen die ersten Lehrkräfte und Spezialisten der Hochschule für Körperkultur und Sport aus Leipzig nach Kuba zur Übermittlung von Erfahrungen. Sie übergaben auch die ersten Geräte zur Unterstützung der Lehrtätigkeit an der entsprechenden kubanischen Einrichtung. Unser Boxtrainer Kurt Rosentritt, er hatte vorher die Staffel der Humboldt Universität, arbeitete an der Formierung der nationalen kubanischen Amateurboxstaffeln und erzählte voller Begeisterung von seiner Trainingsarbeit und von den vielen Talenten, wie Teofilo Stevenson und anderen. Man hatte z. B. Jugendliche mit physisch guten Voraussetzungen aus allen Provinzen in einem Camp mitten im Regenwald konzentriert und wochenlang zum Klang entsprechender Schlaginstrumente nur Rhythmus trainieren lassen.

Auf der Grundlage des Kulturabkommens entwickelten sich auf vielen anderen Feldern ausgezeichnete Direktbeziehungen. Dr. Max Zeuske und andere Spezialisten unterstützten bei der Organisierung von Studieneinrichtungen, ähnlich den Arbeiter- und Bauernfakultäten der DDR, in denen Jugendliche ihr Abitur nachholen konnten, um ein Hochschulstudium absolvieren zu können. Das Volksbildungswesen der DDR half bei der Einführung der Unterrichtsplanung, der Lehrplangestaltung und besonders beim Aufbau des Mathematikunterrichtes in den kubanischen Grund- und Mittelschulen. Das Zentrum für Forstwirtschaft Tharandt bei Dresden begann gemeinsam mit kubanischen Kollegen die Wiederaufforstung der Westprovinz Kubas mit Pinienwäldern. Dort und auch anderenorts auf Kuba waren die Wälder in den Zuckerfabriken als Energiequelle fast vollkommen verfeuert worden. Die ersten kubanischen Jugendlichen nahmen an DDR Hochschulen ein Studium auf. Auch auf dem Gebiet des Verlagswesens begann eine langfristige und sehr erfolgreiche Zusammenarbeit. In diesem Rahmen der Kulturwoche aus Anlass des XV. Jahrestages der DDR wurde im "Museum der schönen Künste" in Havanna die erste Buchausstellung gezeigt. Kuba war damals noch kein Leseland. Es gab keine verbreitete eigenständige Literatur, keine Verlage. Zu dieser Kulturwoche waren auch einige bekannte DDR Künstler angereist, wie die Ballett Solisten Hannelore Beil und Roland Gawlik, Karl-Heinz Weichert und seine Frau Sonja-Wera Korch, die Schauspielerin Christel Bodenstein und der Regisseur Konrad Wolf, Gitta Nickel und der Dokumentarfilm Macher Karl Gass, die Pianisten Siegfried Siera und Helmut Plischke. Havanna fanden sehr gut besuchten Feste - und - Solidaritäts Veranstaltungen mit unseren Künstlern statt, die Ausdruck echter Freundschaft und Verbundenheit waren.

Ab Herbst 1966 begannen DDR Betriebe Dampferzeuger, Kessel, Turbogeneratoren von 1-5 MW und Zentrifugen für die Modernisierung bzw. für die Werterhaltung von Zuckerfabriken zu liefern und zu montieren. Das wurde zu einer ständigen Linie im Lieferprogramm der DDR.

Im gleichen Jahr nahm das Gemeinschaftsprojekt Kuba/DDR, das Tropenforschungsinstitut "Alexander von Humboldt" bei Havanna seine Arbeit auf. Durchschnittlich 30 DDR Wissenschaftler waren ständig in dieser Institution beschäftigt. In enger Zusammenarbeit mit kubanischen Kollegen wurden Bedingungen für tropische Kulturpflanzen, Saatgut und andere Probleme der tropischen Landwirtschaft erforscht, DDR Produkte auf Tropentauglichkeit geprüft und andere Themen, die Landwirtschaft betreffend, bearbeitet. Das Institut arbeitete mit der Akademie der Wissenschaften Kubas zusammen.

Es ist kurios, aber es war ein DDR-Wissenschaftler, Prof. Dr. Lerch, der die erste wissenschaftliche Veröffentlichung über die Physiologie des Zuckerrohres verfasste und veröffentlicht hat. Diese wissenschaftliche Arbeit erhielt höchste internationale Anerkennung. Er arbeitete und forschte an der Universität Havanna im Rahmen des Abkommens zwischen den Akademien der Wissenschaften beider Länder. Etwa ein Drittel der über 300 DDR Bürger in Kuba arbeitete zu dieser Zeit als Wissenschaftler, Serologen in der Viehzucht oder als Ingenieure oder Techniker. Es fanden mehrere gemeinsame wissenschaftliche Expeditionen statt. Zwischen den zoologischen Gärten begann eine Zusammenarbeit. Der Botaniker aus Jena, Dr. Johannes Bisse, arbeitete erfolgreich an der Gestaltung des Nationalen Botanischen Gartens in Lenin Park von Havanna und bildete mehrere Generationen kubanischer Botaniker aus. Auch unsere Pädagogen arbeiteten für das kubanische Erziehungsministerium sehr erfolgreich. Durch die Zusammenarbeit auf gesellschaftlichen, wissenschaftlichen und anderen Gebieten, entwickelten sich vielfältige freundschaftliche Beziehungen und das Solidaritätsgefühl mit dem revolutionären Kuba war in der Bevölkerung der DDR tief verwurzelt.

Nach den ersten Jahren, in denen sich die Wirtschaftsbeziehungen Kubas mit den sozialistischen Ländern entwickelten, schon allein um das Überleben der Bevölkerung zu ermöglichen, wurde offenkundig, dass nur diese neuen Konstellationen zwischen den befreundeten Ländern das Überleben der kubanischen Revolution garantieren konnte. Die USA hatten mit ihrer totalen Wirtschaftblockade und ihrer offen Kuba feindlichen Politik in der damaligen internationalen Situation entscheidend dazu beigetragen, dass Kuba allein mit eigenen Kräften die Wirtschaft nicht erhalten, oder gar auf neuer Basis weiter entwickeln könnte.

Gleichzeitig mit der schnellen Entwicklung der Beziehungen auf den Gebieten des Handels, der Kultur, der Wissenschaft und Technik kam es schrittweise zu häufigeren Konsultationen auf politischer Ebene. Es war ganz offensichtlich, dass die eindeutige Haltung der kubanischen Partei zum militärischen Eingreifen der Truppen des Warschauer Vertrages in der CSSR dazu beigetragen hatte. Man befürchtete zunächst, dass Fidel Castro - besonders empfindsam in Fragen der nationalen Unabhängigkeit, Würde und Nichteinmischung - sich kritisch äußern könnte. Er überraschte jedoch, als er in einer Rede am 23. August 1968 erklärte, dass man ein sozialistisches Land nicht ohne Widerstand dem Imperialismus überlassen könne.

Unmittelbar danach, im Oktober des gleichen Jahres, führ eine hochrangige Delegation der SED, die Politbüro Mitglieder Paul Verner und Harry Tisch sowie Innenminister Dickel, nach Havanna. Es fanden zwischen Fidel Castro, einem engen Kreis seiner Mitarbeiter und der DDR Delegation Gespräche statt, die sicher zu der Annäherung der Parteien und Staaten beigetragen haben. Im Juni nahm erstmals eine Beobachterdelegation der Kommunistischen Partei Kubas an der Moskauer Beratung der Kommunistischen und Arbeiterparteien teil. Mit dieser Annäherung hat Kuba zweifelsfrei seine Position als sozialistisches Entwicklungsland und seine besondere Stellung in der Dritten Welt sowie seine Bindungen an den osteuropäischen Raum schließlich gefestigt.

Als nach der gescheiterten Kampagne der 10 Millionen Tonnen Zucker die kritische Auswertung und die Diskussionen zur Wirtschaftspolitik in Kuba begannen, war es besonders Raul Castro, der die DDR um Übermittlung aller möglichen Materialien über den Wirtschafts- und Staatsaufbau, um gesetzliche Regelungen, um Unterlagen zur Planung und Leitung der Volkswirtschaft bis hin zu betriebswirtschaftlichen Themen usw. bat, was darauf hindeutet, dass man sich ernsthaft in den zuständigen Gremien um eine Strategie mit der Aussicht auf eine stabilere Wirtschaftsentwicklung bemühte.

Nach dem Besuch der SED Delegation entwickelte sich ein lebhafter Austausch von Studiendelegationen zwischen beiden Parteien über verschiedene Arbeitsgebiete. So intensivierte sich der Erfahrungsaustausch besonders auf den Gebieten der Volksbildung und der Landwirtschaftspolitik. Hier hatte die DDR unumstritten beträchtliche Leistungen aufzuweisen und das kubanische Interesse an unseren Erfahrungen war groß. In der Volksbildung rückten mehr didaktische und methodische Problemkreise in den Mittelpunkt, während sich in der Landwirtschaft sie Arbeit von Produktionsgenossenschaften als hauptsächlichster Konsultationsgegenstand herausstellte. Die nun schon traditionell gute Zusammenarbeit auf dem Gebiete des Sports wurde vertieft. Die Entsendung von Trainern und Wissenschaftlern und ein Sportleraustausch wurde während des Besuches von Manfred Ewald, dem Vorsitzenden des Deutschen Turn und Sportbundes (DTSB) vereinbart. Daraus entwickelte sich die gute Tradition, dass unsere Olympiamannschaft nach olympischen Spielen jeweils in Kuba, meist an den Stränden von Varadero, vier Wochen Erholungsurlaub verbrachte.

Es entwickelte sich dabei manch dauerhafte freundschaftliche Beziehung.

Im Jahre 1972 besuchte erstmals eine hochrangige Militärdelegation unter Leitung des Ministers für Nationale Verteidigung, Armeegeneral Heinz Hoffmann Kuba. Es begann eine enge Zusammenarbeit auch auf diesem Gebiet.

Das Innenministerium und die Zollverwaltung der DDR unterstützten die kubanischen Partnerorgane bei der Einführung der ersten Personalausweise, bei der technischen Ausstattung der Zollverwaltung und in anderen Fragen der inneren Sicherheit.

Im Juni 1972 fand der erste Staatsbesuch Fidel Castros in der DDR statt. In seiner Begleitung war eine vorwiegend auf die wirtschaftliche Zusammenarbeit ausgerichtete Delegation, die von Carlos Rafael Rodriguez angeführt wurde. Er war vor dem Sieg der kubanischen Revolution hochrangiges Führungsmitglied der Sozialistischen Volkspartei Kubas und dann in der staatlichen Führung und im Politbüro der Kommunistischen Partei für die internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit zuständig. Die Delegation besuchte außer Berlin noch die Städte Halle, wo sie neu erbaute Wohnviertel und Großbetriebe besuchte, Dresden und Rostock. Fidel Castro war nicht nur ein sehr aufmerksamer Zuhörer und Beobachter, er verstand es auch in seinen Reden und Gesprächen entsprechend der Situation, die geeigneten politischen Akzente zu setzen. Er sprach überall, sei es zum festlichen Empfang in Berlin, auf dem Meeting mit Soldaten der Nationalen Volksarmee, auf der Kundgebung in Leuna, auf dem Kampfmeeting der Jugend in Dresden oder auf dem Thälmannplatz in Rostock wie gewohnt frei, ohne Papier und stellte gezielt Gemeinsamkeiten zwischen beiden Staaten heraus: die geographische Lage beider Länder als Nahtstelle zu nicht sehr wohlwollenden Nachbarn und die daraus entstandenen ähnlichen Bedingungen für die gesellschaftliche Entwicklung, die Wirtschaftsblockade, die massive, ununterbrochene und gezielte ideologische Beeinflussung der Bevölkerung beider Länder durch die imperialistischen Medien, die Verleumdungen und der wirtschaftliche Druck durch die BRD gegenüber der DDR und durch die USA gegenüber Kuba.

Fidel betonte besonders die solidarische Haltung gegenüber Kuba und vor allem gegenüber den heroisch kämpfenden Völkern Indochinas gegen die an Kriegstechnik übermächtige USA. Armee.

Die inhaltlichen Aussagen, besonders auch die frische, ungezwungene Art der Reden und die direkte Art der Begegnungen Fidel Castros mit der Bevölkerung hinterließen überall einen nachhaltigen Eindruck tiefer Sympathie mit Kuba. Es war für die Menschen eine andere, vorher nie begegnete politische Führungspersönlichkeit. Auch für denjenigen, die nicht gerade dem Sozialismus zugetan waren.

Es entwickelte sich ein freundschaftliches Verhältnis Honeckers zu Fidel Castro trotz sehr unterschiedlicher persönlicher Charaktere, das bis zum Tode Honeckers anhielt.

Auch im Zusammenhang mit der Entwicklung in Chile kam die feste Solidarität zwischen der DDR und Kuba zum Ausdruck. Während der Regierung Salvador Allendes entwickelten sich die offiziellen Beziehungen zwischen der DDR und Chile sehr schnell zur Aufnahme voller diplomatischer Beziehungen. Fidel Castro persönlich, der vom 10. November bis 4. Dezember 1971 einen ausgedehnten Besuch Chiles absolviert hatte, befürwortete die offiziellen Beziehungen zur DDR. Nach dem reaktionären Pinochet Putsch am 11. September 1973 begann in der DDR und natürlich auch in Kuba eine beispiellose Solidaritätsbewegung mit allen demokratischen Kräften Chiles. Die Anstrengungen der DDR Führung zur Rettung tausender chilenischer Patrioten nach dem Putsch vor dem sichern Tod fanden auch in Kuba hohe Anerkennung. Die Berichte der zahlreichen Emigranten, die aus Chile zu uns kamen, haben uns stark erschüttert und natürlich haben wir dann auch vor allem aus den Gesprächen mit Luis Corvalan, Gladis Marin und anderen Führern der "Unidad Popular" nicht nur viele Fakten über die Grausamkeiten der reaktionären Soldateska, sondern auch über die Menschenrechts - und völkerrechtswidrige Rolle der US Regierung und ihrer Geheimdienste in Chile erfahren.

Die mit dem Besuch Fidel Castros in der DDR und dem Beitritt Kubas in den Rat für Gegenseitige Wirtschafthilfe begonnene neue Qualität der Beziehungen ließ folgerichtig die Idee eines Gegenbesuches Erich Honeckers entstehen. So wurde schließlich beschlossen, den ersten Besuch einer Partei- und Regierungsdelegation der DDR nach Kuba vorzubereiten.

Der Besuch war ein weiterer Ausdruck der festen solidarischen Verbundenheit und der Freundschaft. Er verlief wie abgestimmt (Havanna, Santiago, Cienfuegos, San Antonio de los Banos, - das gemeinsame Tropen Forschungsinstitut, Matanzas, Varadero und Havanna). Auf dem Vorhof der Moncada fand ein Meeting mit Bürgern Santiagos statt, auf dem Werner Lamberz und der Erste Sekretär der Kommunistischen Jugend Kubas sprachen. Im Gästehaus in Santiago fand ein langes Gespräch im engem Kreis der Delegation mit Fidel Castro statt. Einer der Hauptpunkte waren Gespräche über die erfolgreichen Weltfestspiele der Jugend und Studenten im Sommer 1973 in Berlin. Erich Honecker und Werner Lamberz konnten Fidel Castro nach langer Diskussion davon überzeugen, die nächsten turnusmäßigen Weltfestspiele der Jugend und Studenten in Havanna durchzuführen. In Cienfuegos fand dann eine Großkundgebung mit den Ansprachen Fidel Castros und Erich Honeckers statt. Hier nahm Erich Honecker Gelegenheit, über die DDR, die Situation in Europa und die freundschaftlichen Beziehungen mit Kuba zu sprechen. Fidel berichtete begeisternd über seinen DDR Besuch, über die Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern, besonders im Zusammenhang mit der Errichtung der Industrieobjekte in der Stadt, das große, moderne Zementwerk mit einer Kapazität von 1,3 Millionen Zement, die Düngemittelfabrik und die Weizenmühle. Im Tropen Forschungsinstitut bei Havanna kam es zu herzlichen Begegnungen zwischen den Wissenschaftlern beider Länder, unserer Delegation und Fidel Castro. In Matanzas hatte die DDR eine Ausbildungsstätte für kubanische Metallarbeiter errichtet. Dort sprach Horst Sindermann auf einer Kundgebung.

Die Exporte der DDR nach Kuba hatten durch die breite Palette der verschiedensten Waren eine große Bedeutung für die Deckung der vielfältigen kubanischen Bedürfnisse. Allein die entwickelten Verbindungen auf den Gebieten der Wissenschaften, der Volksbildung, des Gesundheitswesens, Prof. Dr. Moritz Mebel und Prof. Brinkmann aus Rostock haben z. B. in der Organtransplantation Pionierarbeit geleistet oder für die Werterhaltung der technischen Ausrüstungen in dem modernen Krankenhaus "Hermanos Amejeiras" in Havanna mussten jährlich etwa 8 Millionen US Dollar aufgebracht werden. Viele kubanischen Wissenschaftler haben an DDR Institutionen promoviert.

Ein bleibendes Denkmal der vorbildlichen Zusammenarbeit und der solidarischen Hilfe wurde auch auf dem Gebiet des Verlagswesens gesetzt. Während die erste Buchausstellung 1964, die von der Hauptverwaltung Verlage des DDR Kulturministeriums organisiert worden war, noch im Wesentlichen nur von so genannten Spezialisten, Fachleuten oder Kulturfunktionären Kubas besucht wurde, war die zweite Buchausstellung im Sommer 1967, diesmal in der Nationalbibliothek, weitaus wirksamer. In diesem Jahr wurde auch das Instituto Cubano de Libro gegründet und es entwickelte sich sofort eine freundschaftliche Beziehung mit unserer Hauptverwaltung für Verlage, die einen wichtigen Beitrag zur Schaffung dieses Instituts leistete. Der erste Direktor des Instituts, der 26jährige Dr. Rolando Rodriguez, kam bald in die DDR, um unser Verlagswesen zu studieren. Er hatte den Auftrag, in Kuba ein komplexes Verlagswesen zu schaffen. Es waren bereits gute Arbeitskontakte und Bekanntschaften mit Kubanischen Künstlern und Kulturschaffenden, wie Nicolas Gillen, Präsident der UNEAC; Alejo Carpentier, Präsident des neu gegründeten Nationalverlags, zu Haydee Santamaria, Präsidentin der Casa de las Americas, zu Kulturminister Abel Prieto und anderen entstanden.

Im Jahr 1974 wurde eine weitere DDR Buchausstellung in Havanna gezeigt. und eine gemeinsame ständige Arbeitsgruppe für die Gebiete Literatur und Verlage gegründet. Die enge Zusammenarbeit nach der Gründung des "Instituto Cubano del Libroqe" drückte sich auch darin aus, dass das sich entwickelnde Verlagswesen und seine Spezialisierung in Kuba eng an die Struktur des in der DDR entstandenen Systems anlehnte. Die wohl wichtigste Gründung war die eines Verlages für das gesamte Bildungswesen, dem "Editorial Pueblo y Educacion", ähnlich dem DDR Schulbuchverlag "Volk und Wissen". Mit der Gemeinsamen Ständigen Arbeitsgruppe wurde ein Organ geschaffen, das fortan alle Aktivitäten des Zusammenwirkens leitete, koordinierte und kontrollierte. Es wurden regelmäßig Themenpläne und Empfehlungslisten wichtiger Literaturbereiche ausgetauscht, daraus wichtige und mögliche gemeinsame verlegerische Projekte abgeleitet und realisiert. Mit Hilfe von Direktvereinbarungen zwischen den Verlagen "Volk und Wissen" und "Pueblo und Educacion" wurden Mathematik Lehrbücher der allgemeinbildenden polytechnischen Oberschule der DDR für das kubanische Schulwesen bearbeitet, übersetzt und herausgegeben Die Geographisch-Kartographische Anstalt "Hermann Haack Gotha produzierte 190.000 Schulatlanten und 60.000 Schulwandkarten für die kubanischen Schulen. "Edition Leipzig" gab 30 Titel in spanischer Sprache für die berufliche Erwachsenenqualifizierung heraus. Von großem kulturellen Wert hatte die Herausgabe von übersetzten belletristischen Werken. Jeder Seite blieb es vollkommen selbst überlassen vorzuschlagen, welche Autoren, Werke übersetzt und herausgegeben werden sollten. In Kuba erschienen Bücher von Bruno Apitz, Ludwig Renn, Lion Feuchtwanger, Bertold Brecht, Erwin Strittmatter Willi Bredel. Weiterhin wurden drei DDR-Anthologien zu Dramatik, Lyrik und Prosa auf Spanisch herausgegeben. Auch Werke der deutschen Klassik, der Aufklärung und der bürgerlichen Literatur, wie Goethe, Schiller, Lessing Heine, Weerth, Heinrich und Thomas Mann, Fallada wurden in spanischer Sprache herausgegeben. In der gleichen Zeit fand auch die aufblühende kubanische Literatur in der DDR ihre Leser. Autoren wie Alejo Carpetier, Nicolas Guillen, Lisandro Otero, Gustavo Eguren, Roberto Fernandez Retamar, Onelio Jorge Cardoso sind im Verlag "Volk und Welt" erschienen. Eine ganz besondere Rolle spielte das im Verlag Rütten & Loening herausgegebene Buch "Mit Feder und Machete" mit Texten von Jose Marti.

DDR-Spezialisten unterstützten bei der künstlerisch technischen Buchgestaltung. Kubanische Verlagsmitarbeiter studierten an der Ingenieurhochschule für Graphik und Buchkunst und an der Hochschule für Polygraphie und an vielen anderen Stellen. Dieses Beispiel der engen Zusammenarbeit neben der wirtschaftlichen soll nur zeigen, dass es bereits seit langer Zeit trotz der riesigen geographischen Entfernung allseitige freundschaftliche Bande zwischen der DDR und Kuba gab. Das bezieht sich vor allem auch auf die solidarische gegenseitige Verbundenheit zwischen den gesellschaftlichen Organisationen beider Länder, wie die Vereinigung der Gegenseitigen Bauernhilfe mit der ANAP, der Freien Deutschen Jugend mit dem Kommunistischen Jugendverband, den Gewerkschaftsverbänden usw. Auf den Gebieten des Rundfunks, des Fernsehend wurden regelmäßig Erfahrungen ausgetauscht, wie auch zwischen den Künstlerverbänden und den Frauenorganisationen. Ja selbst Vertreter der Kirchen besuchten ihre Glaubenspartner in Kuba. Bei all den Begegnungen wurden wertvolle Erfahrungen ausgetauscht.

Eine weitere Möglichkeit solidarischer Unterstützung zur Selbsthilfe soll folgendes Beispiel zeigen: Die kubanische Regierung hatte auf der Insel Jugend über 40 Internatsschulen erbaut, in denen kubanische Kinder und Jugendliche lernten, arbeiteten und lebten. Die Mehrzahl der Schulen aber war mit Kindern und Jugendlichen aus befreundeten afrikanischen Ländern belegt, die durch die große Solidarität Kubas dort bis zur Rückkehr in ihre Länder eine Heimstatt hatten und mit den kubanischen Mitschülern lebten. Die Schüler übernahmen auch außerhalb ihres Schulunterrichts die Pflege der auf der Insel vorherrschenden Pampelmusenplantagen oder waren mit anderen landwirtschaftlichen Kulturen beschäftigt. Das Zusammenleben der Schüler, ihre kulturelle und künstlerische Tätigkeit, ihr gemeinsames Lernen und Arbeiten ließ großartige Freundschaften von Jugendlichen verschiedener Nationen entstehen.

Im Verlaufe der Jahre ergab sich, dass Probleme entstanden, die Absolventen der Schulen auch mit Arbeitsmöglichkeiten zu versorgen. Die männlichen Jugendlichen suchten überwiegend nach ihrem Schulabschluss auf der großen Insel Arbeit und die Mädchen blieben oft auf der kleinen Insel und hatten Schwierigkeiten, geeignete Arbeit zu finden. Nun war es so, dass die Insel relativ geringe Möglichkeiten hatte, entsprechende Arbeitsplätze zu schaffen. Rohstoffe gab es nur Marmor in hoher Qualität und wie man sagte, Kaolin. Kaolin, das war das Stichwort. Eine gute Rohstoffbasis, um eine Keramikindustrie schrittweise aufzubauen und so vor allem für die jungen Frauen eine Perspektive zu schaffen. Diese Möglichkeiten wurden dann untersucht. Da die DDR gute Erfahrungen in der Keramik - und Porzellanproduktion hatte, ergab sich fast wie von selbst eine neue Linie der Zusammenarbeit. Im Verlauf der Jahre entwickelte sich eine keramische Industrie, die sogar unsere Erwartungen übertraf. Sie war bereits 1986 in der Lage, den großen Bedarf der zahlreichen Einrichtungen zur Gemeinschaftsverpflegung in Kuba, der Schulen, Fabriken und anderen und zum Teil des Tourismus zu decken.

Das Jahr 1976 brachte eine neue Qualität der wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Mit dem Besuch des Vorsitzenden der DDR Plankommission in Kuba wurden die Grundlagen für eine vertrauensvolle stabile und langfristige Zusammenarbeit gelegt. Das brachte zweifellos für Kuba beträchtliche Vorteile und vor allem Sicherheit für die Wirtschaftsentwicklung. Es wurden die Eckpunkte und Hauptrichtungen des gesamten Warenaustausches, der Dienstleistungen, für den wissenschaftlich-technischen Bereich und auch für die kulturelle Zusammenarbeit festgelegt. Am 30. März des gleichen Jahres präzisierten die Minister für Außenhandel beider Länder mittels Austausch entsprechender Briefe die Festlegungen zur Preisregulierung, wodurch das Abkommen aus dem Jahre 1967 ersetzt wurde. Damit wurde endlich eine in der praktischen Arbeit anwendbare Regelung geschaffen, obwohl die Meinungsunterschiede über bestimmte Preisprobleme nicht vollkommen beseitigt waren. Unsere kubanischen Freunde vertraten den Standpunkt, dass der mit der Sowjetunion ausgehandelte Zuckerpreis, der ja noch höher war als der von der DDR gezahlte, wirtschaftlich und auch politisch gerecht sei. Sie hatten natürlich längst erkannt, dass ein Hinweis auf das Vorbild Sowjetunion großen Eindruck auf die Führung der DDR machen konnte. Bei aller Freundschaft war die Preisproblematik ein ständiger Reibungsgegenstand. Wir bezeichneten schließlich den Zuckerpreis als politisch-solidarisch. Andere als Subvention und verdeckte Kreditierung.

Neben den Großen Investitionsvorhaben, die wir gemeinsam mit den kubanischen Partnern vereinbart hatten, wie des Zementwerk in Cienfuegos, die Getreidemühle, die Buchdruckerei in Guantanamo, die Textilfabriken oder die großen Bier-Brauereien, haben wir gemeinsam weitere Möglichkeiten untersucht, wie wir die Warenpalette im Austausch noch erweitern und so auch den kubanischen Freunden bei der industriellen Entwicklung helfen konnten... Kubanische und DDR Fachleute realisierten zum Beispiel ein gemeinsames Forschungsprojekt in der Zuckerfabrik "Camilo Cienfuegos" bei Santa Cruz del Norte, um aus Abfällen vom Zuckerrohr, Spanplatten für die Möbelindustrie herzustellen. Die DDR hatte eine gut entwickelte Möbelindustrie mit beträchtlichen Exporten und hatte großen Bedarf an Holz und anderen Materialien.

Ein sehr wichtiges ökonomisches und besonders politisch-soziales Projekt war der Import von Abfällen des Zuckerrohres als Kraftfutterbasis für die DDR Viehwirtschaft und im Austausch der Export von Milchpulver zur Lösung des Problems der Milchversorgung auf Kuba. Solche und andere gemeinsame Forschungsprojekte wurden angeschoben und waren im beiderseitigen Interesse der solidarischen kameradschaftlichen Beziehungen.

Wichtigstes Betätigungsfeld wurden die gemeinsamen Großbaustellen. Die DDR hatte schon in den Jahren vorher einige Erfahrungen aus gemeinsamen Investitionsvorhaben. Der Umfang wuchs aber nun beträchtlich und überstieg die üblichen Probleme von Warenlieferungen. In den Vertragsverhandlungen war es weniger problematisch, komplette Anlagen oder schüsselfertige Fabriken zu bilanzieren. solche Objekte wurden stets im Rahmen von Regierungskrediten im Paket verhandelt und schlossen den von Kuba zu erbringenden Teil, wie die Bau- und Montageleistungen und auch die Ausbildung entsprechender Facharbeiter oder die Projektdurchführung, mit ein. Diese Art von Komplexgeschäften schien unseren Verhandlungspartnern eine sichere Garantie, damit die projektierten Leistungen auch erbracht werden. Das war nicht nur ein Beitrag zur Vergrößerung des industriellen Sektors Kubas auf dem Wege der allmählichen Abschaffung der Monokultur, sondern es war auch eine echte Hilfe zur Selbsthilfe.

Das sich in das nun schon über fünfzehn Jahre entwickelte vielgestaltige System der freundschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern festigte und erweiterte sich beträchtlich nach den Gesprächen der obersten Repräsentanten im Jahr 1980. Die Direktkontakte, die Konsultationen und der Delegationsaustausch nahmen zu, so dass es für uns als Botschaft immer schwieriger wurde, den Überblick zu behalten. Das bezog sich auf fast alle Bereiche und nicht nur auf die Wirtschaftsbeziehungen. Nach wie vor standen die Volksbildung, das Gesundheitswesen, das Hochschulwesen und die wissenschaftliche Forschung unter den nichtkommerziellen Beziehungen in vorderster Linie. Die Zusammenarbeit im Verlagswesen, in Film und Fernsehen entwickelte sich und auch die Direktbeziehungen zwischen den Parteien und gesellschaftlichen Organisationen wurden intensiver. Durch die Besuche von Verteidigungsminister Heinz Hoffmann und anderer Militärdelegationen erhielten wir auch gute Möglichkeiten, Raul Castro und andere hohe Offiziere des kubanischen Militärs kennen zu lernen.

Von kubanischer Seite besonders gewürdigt wurde die bereits im Jahre 1965 begonnene Unterstützung der DDR für die kubanische Zuckerindustrie, die noch immer Schwerpunkt der kubanischen Wirtschaft war. DDR Betriebe produzierten und lieferten im großen Umfange Ausrüstungen zum Erhalt bzw. zur Erneuerung der Produktionsanlagen. Insbesondere wurden Dampferzeuger und Turbogeneratoren von 1-5 MW, Kesselanlagen, andere Dampf- und Energieerzeuger geliefert und montiert. Die entsprechenden DDR Betriebe haben eine ständige Service- und Montagestation auf Kuba einrichten müssen.

Am 11. November 1975 begann einer der Höhepunkte der solidarischen Hilfe Kubas für die Völker Afrikas, die bereits große Traditionen hatte.

Sie reichten bis in die ersten Jahre nach dem Sieg der kubanischen Revolution. Bereits 1962 und besonders 1963 nach Erringung der Unabhängigkeit von Frankreich, erhielt Algerien militärische Hilfe von Kuba. Auch in den Folgejahren konnten die Freiheitskämpfer gegen den Kolonialismus mehrerer afrikanischer Länder, wie Angola, Guinea-Bissau, Mozambique, Kapverden und andere mit der Unterstützung durch die kubanische Rebellenarmee rechnen.

Nach der so genannten Nelken-Revolution in Portugal, im April 1974, erlangten die afrikanischen Kolonien Portugals ihre Unabhängigkeit, die natürlich schwer gegen die Gelüste anderer imperialer Mächte zu verteidigen war. So erging es dem reichen Angola. Im Oktober 1975 drohten die Streitkräfte Südafrikas und die kongolesischen Invasoren unter Mobuto die Hauptstadt Angolas, Luanda, zu erobern. Kuba hatte einige Berater bei der MPLA, der angolanischen Befreiungsbewegung, deren Führer, Agostino Neto, sich in jenen historischen Momenten an die kubanische Führung um Hilfe wandte. Kuba eröffnete eine Versorgungslinie nach Angola. und schickte tausende Freiwillige und Kampfeinheiten der Streitkräfte, die das Vorrücken der Truppen Südafrikas und Zaires auf Luanda aufhalten konnten und die Freiheit des angolanischen Volkes verteidigen halfen.(10)

Die Hilfsmaßnahmen für das angolanische Volk prägten die kubanische Außenpolitik und auch die Innenpolitik in Kuba im starken Maße. Die gesamte Bevölkerung Kubas nahm starken Anteil am Verlauf der Kämpfe im fernen Afrika. Natürlich waren auch viele Familien direkt betroffen. Das berührte natürlich auch die freundschaftlichen Beziehungen Kubas zur DDR, die ebenfalls, vielleicht im stärkeren Masse als manche anderen sozialistischen Staaten, solidarisch fest an der Seite des bedrohten Volkes Angolas stand.

Es war selbstverständlich, dass die kubanische Wirtschaft nicht in der Lage war, einen solch massenhaften Militäreinsatz materiell abzusichern. So ergab sich die zwingende Notwendigkeit einer engen Koordinierung und eines darüber hinaus gehenden Zusammenwirkens mit den Führungen der befreundeten Länder, wobei die DDR einen nicht geringen Anteil hatte. Zweifellos hat die UdSSR die notwendige schwere Kriegstechnik zur Verfügung gestellt, aber zur Versorgung und materiellen Sicherstellung einer solch zahlreichen Armee unter den afrikanischen Bedingungen waren noch andere Mittel nötig.

Als letztes, herausragendes Beispiel der solidarischen Zusammenarbeit der DDR mit dem sozialistischen Kuba sei die Vorbereitung und materielle Absicherung der XI. Weltfestspiele der Jugend und Studenten in Havanna erwähnt.

Die Hauptverantwortung lag natürlich in Händen des Nationalen Vorbereitungskomitees und der Leitung des Verbandes der Kommunistischen Jugend Kubas. Erich Honecker und Werner Lamberz hatten in einem im Februar in Kuba geführten Gespräch Fidel, der voller Begeisterung über das Festival 1973 in Berlin geschwärmt hatte, nach langen Diskussionen davon überzeugt, das XI. Festival in Kuba durchzuführen.

Der kubanische Jugendverband hat daraufhin natürlich die Koordinierung mit der Freien Deutschen Jugend im Direktkontakt sofort aufgenommen, die ohne Probleme verlief. Der Zentralrat der Freien Deutschen Jugend hatte eigens dafür einen erfahrenen Mitarbeiter an die DDR Botschaft delegiert, der als Diplomat akkreditiert wurde. Selbstverständlich war unsere Jugendorganisation daran interessiert, dass dieses Ereignis in Kuba nicht nur für Kuba, sondern für die Jugend der Welt eine große Bedeutung erhält. Es war auch nicht mehr zu übersehen, dass das Festival auch ein Höhepunkt in den Beziehungen der DDR zu Kuba sein wird. Alle arbeiteten mit großem Eifer und mit Begeisterung an der Vorbereitung. Die Übermittlung von Erfahrungen wurde sehr ernst genommen und auch die Entsendung von Solidaritätsgütern war erstaunlich umfangreich für unsere Verhältnisse in der DDR.

Immer häufiger trafen Schiffe unserer Handelsflotte mit Gütern im Hafen von Havanna ein und jedes Mal veranstaltete die kubanische Jugendorganisation eine politische Veranstaltung, zu der natürlich die Botschaft eingeladen wurde. Die Palette der gelieferten Güter umfasste alles, was für das Festival benötigt wurde: von Kosmetikartikeln bis zu Lebensmitteln, Sportausrüstungen und Hilfsartikel für die Massenveranstaltungen. Sogar den Teppich, der den ganzen Stadion-Innenraum bedeckte, lieferten wir. Für den Transport von Jugenddelegationen übergaben wir 40 Ikarus Omnibusse. Erfahrene Berater aus der DDR für solche Großveranstaltungen und Helfer für die Organisation aller Art richteten ihre Arbeitsstäbe ein. Die Jugendorganisation der FDJ wurde dann auch die umfangreichste unter den ausländischen Abordnungen. Die umfasste neben den Delegierten des Jugendverbandes auch viele Künstler, die im Nationalprogramm und an anderen Orten auftraten. Außerdem war eine prominente Delegation von Ehrengästen angekündigt, mit dem Mitglied des Politbüros und Sekretär des Zentralkomitees der SED Kurt Hager an der Spitze.

Die feierliche Eröffnung der XI. Weltfestspiele war am 28. Juli 1978, der heißesten Sommerzeit. Es war also ein riesiges Unternehmen. Das Festival wurde zu einem in Lateinamerika noch nie gekannten sportlichen, kulturellen und politischen Schauspiel voller Optimismus, Frohsinn und Lebensfreude und es zeigte der Welt, dass von der Jugend Frieden, Freundschaft und der eindeutige Wille zum sinnvollen Leben ausgeht und dass sich diese Jugend nie mehr für Eroberungskriege missbrauchen lassen würde. Diese Stimmung zeigten auch die künstlerischen Festprogramme. die von den teilnehmenden Nationen dargeboten wurden oder die beeindruckenden Großveranstaltungen zur Eröffnung und zum Abschluss. Auch auf den Straßen Havannas war eine begeisternde Stimmung überall zu sehen. Auf der bekannten Uferpromenade Malecon gaben auch die "Puhdis" Konzerte und man konnte dort erleben, wie über 25.000 Menschen, Jugendliche Gäste gemeinsam mit Einwohnern Havannas stundenlang tanzten. Im Klub unserer Delegation waren jeden Abend hochwertige Programme unserer Künstler, wie das Fernsehballett oder Solisten wie Michael Hansen oder Frank Schöbel und andere zu sehen. Solche Episoden waren während des gesamten Festes vorherrschend. Insgesamt haben die Weltfestspiele im hohen Maße dazu beigetragen, die freundschaftlichen Beziehungen zwischen unseren Jugendlichen und Staaten zu festigen. Das wurde auch von unseren kubanischen Partnern hoch gewürdigt.

Heinz Langer

Heinz Langer war Attaché in Cuba 1964/65 sowie DDR-Botschafter in Cuba 1975-1979 und 1983-1986. Zwischendurch war er Leiter der Handelsmission der DDR in Rio de Janeiro

(10) CIEN HORAS CON FIDEL; Oficina de Publicaciones del Consejo de Estado, La Habana, 2006, S. 777

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