Weltfriedensrat zu Hiroschima und Nagasaki 

In: junge Welt online vom 07.08.2015 

 

  Die Präsidentin des Weltfriedensrates, Maria do Socorro Gomes Coelho, veröffentlichte am Mittwoch einen offenen Brief zum 70. Jahrestag der Bombardierung von Hiroschima und Nagasaki: 

  An diesem 70. Jahrestag der verbrecherischen US-Bombardements der japanischen Städte Hiroschima und Nagasaki schreiben wir an Sie, um unsere Solidarität mit dem japanischen Volk, dem Opfer des entsetzlichen Beginns der Nutzung von Atomwaffen in der Welt, zu bekräftigen. Wir erweisen unsere Achtung den Tausenden Opfern dieses Kriegsverbrechens und des Verbrechens gegen die Menschlichkeit, das vom US-Imperialismus verübt wurde, der dafür noch zur Rechenschaft gezogen werden muss. (...) 

  45 Jahre nach seiner Annahme bedauern wir, dass der Nichtweiterverbreitungsvertrag (NPT), ein oberflächliches und unzureichendes Dokument, der Menschheit die Freiheit von der Bedrohung durch einen Atomkrieg nicht garantiert hat. 

  Wir ehren die 300.000 japanischen Opfer und die Opfer von US-Atomtests an solchen Orten wie den Marshall-Inseln – die sich noch immer den Folgen der Tests, die von den USA zwischen 1946 und 1958 durchgeführt wurden, ausgesetzt sehen –, indem wir unseren Ruf an die Welt wiederholen, Waffenarsenale, die die Menschheit bedrohen, vollständig zu vernichten. 

  1950 startete der Weltfriedensrat den Stockholmer Appell, der von 350 Millionen Menschen unterzeichnet wurde. Sie forderten »die Ächtung von Atomwaffen als Instrumente von Einschüchterung und Massenmord«. Obwohl Millionen Menschen die Vernichtung der Atomwaffen verlangt haben, debattieren die Führungspersönlichkeiten der Welt ein weit weniger ehrgeiziges Ziel: die bloße Verkleinerung des existierenden Arsenals. 

  Für das Scheitern der NPT-Überprüfungskonferenzen, die letzte fand im April 2015 statt, sind die feindseligsten Regimes mit ihrer imperialistischen Politik von Massakern, Drohungen und Unterdrückung verantwortlich: Israel und die Vereinigten Staaten. (…) Die USA ihrerseits führen ein Theaterstück mit der Verkleinerung ihres Waffenlagers auf, hinter dem sie ihre »Modernisierung« verstecken: Sie erhalten ihre atomare Schlagkraft, steigern deren tödliche Wirkung und vergrößern die Reichweite ihres Arsenals, obwohl es den Zahlen nach verkleinert wurde. Ihre Politik – verbunden mit der größten Kriegsmaschine, die die Menschheit kennt, der NATO und durch diese gefördert – basiert auf Drohungen und auf Angriffe gegen die Völker auf dem gesamten Planeten. (...) 

  Wir verstärken unseren entschlossenen Kampf für die Vernichtung von Atomwaffen und anderen Massenvernichtungswaffen. In unserem antiimperialistischen Bestreben sind wir sicher, dass Einheit unter uns Kriegstreiberei und militaristische Politik besiegen werden, denn der Wille der Völker ist ein gerechter Frieden. 

 

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Die langlebige Lüge  

Hiroshima und Nagasaki – eine Nachlese  

Rainer Werning 

In: junge Welt online vom 29.08.2015 

 

Ende Juli erschien das Buch »Nagasaki: Der Mythos der entscheidenden Bombe«, und kurz darauf, am 3. August, sendete die ARD die Dokumentation »Nagasaki – Warum fiel die zweite Bombe?«. In beiden Fällen ging es dem Autor und NDR-Sonderkorrespondenten Klaus Scherer um die Frage, warum am 9. August 1945 eine zweite Atombombe auf die japanische Hafenstadt Nagasaki abgeworfen wurde. Es »war ein Feldtest, ein Menschenversuch«, sagte Scherer im Deutschlandfunk. »Es gab zwei (Bomben), weil es zwei Rohstoffe dafür gab, Uran und Plutonium. Deswegen sollten auch beide fallen, aber nötig waren sie nicht.« 

In seinem ARD-Film erwähnte Scherer Veröffentlichungen von US-Historikern, die sehr an der These rüttelten, der Abwurf der Bomben habe das Leben Abertausender US-Soldaten gerettet und den Krieg verkürzt. 

70 Jahre später hierzulande an dieser Behauptung zu rütteln, ist löblich. In den USA allerdings wird das seit etlichen Jahren getan, nur eben nicht in den dortigen Mainstream- oder Leitmedien. So musste das renommierte Pew Research Center erst kürzlich konstatieren, dass immer noch 56 Prozent der US-Amerikaner den Einsatz der Bomben aus obengenannten Gründen für rechtens halten. Diese Mehrheit kann keinen Schimmer haben von Schriften namhafter Publizisten, Historiker und Mediziner wie, um nur einige zu nennen, Greg Mitchell, Barton J. Bernstein, Anthony Gregory, Ralph Raico, Dennis D. Wainstock, Sheldon Richman, David R. Henderson, Gar Alperovitz, Charles W. Johnson oder Gary G. Kohls. Was diese Autoren eint, ist die Erkenntnis, dass der Einsatz beider Bomben in Japan ethisch-moralisch zutiefst verwerflich, militärisch völlig unsinnig und letztlich ein gigantisches Verbrechen gegen die Menschlichkeit, ein Akt von Staatsterrorismus war. 

Der Historiker Ralph Raico etwa bewertete »die Zerstörung von Hiroshima und Nagasaki« unmissverständlich als »Kriegsverbrechen – schlimmer als solche, für die japanische Generäle in Tokio und Manila hingerichtet wurden. Wenn Harry S. Truman kein Kriegsverbrecher war, dann hat es nie einen solchen gegeben.« US-Präsident Truman log überdies ungeniert, als er Hiroshima eine »Militärbase« nannte, die Bombe indes während des morgendlichen Hauptverkehrs unmittelbar über dem Stadtzentrum detonieren ließ. Trumans Stabschef, Admiral William D. Leahy, sah in dem Präsidenten folgerichtig nicht nur einen Kriegsverbrecher, sondern einen Massenmörder und Lügner. 

Auch für die US-Generäle Dwight D. Eisenhower, Douglas MacArthur und Carl Spaatz war der Einsatz der Bomben militärisch unnötig und moralisch nicht zu rechtfertigen. Sie wiesen darauf hin, dass Japan nach Ausschaltung seiner Luftwaffe kurz vor der Kapitulation stand. Admiral William Halsey Jr. erklärte den »Fehler« zynisch damit, dass die Wissenschaftler »dieses Spielzeug hatten und testen wollten, deshalb ließen sie es fallen«. Selbst der später im Vietnamkrieg als »Superfalke« berüchtigte Generalmajor Curtis LeMay, Chef des 21. Bomberkommandos, tat einen Monat nach den Abwürfen öffentlich kund, dass diese nichts mit dem Kriegsende zu tun gehabt hatten. Von entscheidender Bedeutung war vielmehr Stalins Aufkündigung des zwischen Moskau und Tokio im Frühjahr 1941 ausgehandelten Neutralitätspaktes und seine Kriegserklärung an Japan am 8. August 1945. Die amerikanischen Nachrichtendienste hatten zuvor die japanischen Codes geknackt und wussten sehr genau, dass Japan die UdSSR um diplomatisch-politische Hilfe beim Herbeiführen eines Kriegsendes ersucht hatte, welches das Kaiserhaus unangetastet ließ. 

Als wohl langlebigste Rechtfertigung für den Abwurf der Bomben erwies sich das fabrizierte Argument, diese hätten das Leben von bis zu einer Million US-Amerikaner gerettet. Für den Fall eines nötigen Einmarschs mit Bodentruppen rechnete man in Washington mit wenigstens einer halben Million US-Todesopfer, während Militärstrategen den Worst Case bei 46.000 veranschlagten. Die abstruse Arithmetik war durchtränkt von offenem Rassismus, wie er sich erst recht in den folgenden Kriegen in Korea und Vietnam zeigen sollte, wo »die Asiaten« lediglich als »gooks« – soviel wie »hinterlistige Schlitzaugen« – wahrgenommen wurden. Bis heute tauchen die immens aufgeblähten Zahlen in High-School- und College-Büchern auf sowie bei unbelehrbaren Kommentatoren. George H. W. 

Bush behauptete 1991 als Präsident sogar, die Atombomben hätten »Millionen amerikanischer Leben verschont«. James Byrnes hingegen, US-Außenminister von 1945 bis 1947,betrachtete den Einsatz der Bomben martialisch als »Rute«, mit der sich die Sowjetunion der Nachkriegsära »züchtigen« ließ. 

Über Filme und Schriften zum Thema wachten die Zensoren im Weißen Haus lange mit Argusaugen. Davon konnte vor allem der Australier Wilfred G. 

Burchett, ein investigativer Journalist, ein Lied singen. Er war als erster westlicher Reporter nach Hiroshima gelangt. Seine Berichte über die bis dato unbekannte Verseuchung durch radioaktive Strahlen konnten in den US-Massenmedien nicht erscheinen. Als das US-Militär dann im Koreakrieg (1950–53) flächendeckend Napalm einsetzte, Staudämme zum Bersten brachte und mit Dauerbombardements die Zivilbevölkerung unter Beschuss nahm, veröffentlichte er im heimischen Melbourne sein Buch »Dieser monströse Krieg«. Das für die USA bestimmte Buchkontingent wurde vom dortigen Zoll hurtig beschlagnahmt und im Meer versenkt. 

 

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70 Jahre nach Hiroshima 

Die Rüstungsindustrie lässt es krachen  

Von Werner Sarbok | 

In: unsere Zeit online vom 7. August 2015 

 

Mitten im Kalten Krieg: Operation Buster-Dog im Jahr 1951. Insgesamt 2796 Soldaten beobachten im Rahmen des Manövers „Desert Rock I" die Explosion und die radioaktive Wolke aus knapp 11 Kilometern Entfernung. Acht Minuten nach der Explosion erreichte die  

Tausendfach droht auch 70 Jahre nach Hiroshima und Nagasaki der Atomtod: Die neun Atommächte dieser Welt sind mühelos in der Lage, mit über 15 000 Nuklearwaffen die menschliche Existenz auszulöschen. Die zahlenmäßige Reduzierung, vor allem zwischen den USA und Russland ausgehandelt, hat kaum Einfluss auf die Menge der Systeme. Weniger als 500 veraltete Systeme wurden ausgemustert. Und: Die Anzahl der mit „hoher operationeller Bereitschaft" einsatzbereiten Atomwaffen ist sogar im vergangenen Jahr um etwa 150 auf jetzt 4 300 angewachsen. 

Zusätzlich werden aktuell Unsummen für die Weiterentwicklung verschleudert. Mit Hochdruck arbeiten die Atommächte an der Modernisierung ihrer mörderischen Arsenale. Shannon Kile, Forscher des Internationalen Friedensforschungsinstituts SIPRI, zeichnet im aktuellen Jahrbuch des Instituts ein düsteres Zukunftsbild: „Trotz des internationalen Interesses, nukleare Abrüstung zu priorisieren, zeigen die Modernisierungsprogramme in den Staaten mit Atomwaffenbesitz, dass keiner von ihnen seine Kernwaffenbestände in absehbarer Zeit aufgeben wird." 

Russland verfügt über 7 500 atomare Waffensysteme, die USA 7 260. Beide Länder führen damit weit die Liste der Atomwaffenstaaten an. Doch auch aus Frankreich, Großbritannien, China, Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea droht der Atomtod. Und auch in diesen Staaten wird laut SIPRI an der technischen Weiterentwicklung der Atomwaffen gearbeitet. 

Die Nato zückt zudem wieder die nukleare Karte. Im Zusammenhang mit der Krise in der Ukraine testete die US Air-Force im Mai 2014 nicht nur die „Einsatzfähigkeit amerikanischer Atomwaffen" in Polen und verlegte auch atomwaffenfähige B-2- und B-52-Langstreckenbomber für einige Wochen nach Großbritannien. Vor diesem Hintergrund warnten Berliner Regierungsberater bereits im November 2014 vor einer „Nuklearisierung" des sich verhärtenden Konflikts zwischen der NATO und Russland. Hintergrund sind zunehmende Manöver und andere militärische Maßnahmen auf beiden Seiten, die „nukleare Komponenten" beinhalten. 

Im Mai dieses Jahres starteten die USA den Raumgleiter X-37B. Die Ziele der Missionen werden geheim gehalten. Es steht zu befürchten, dass dieser Raumgleiter vor allem auch entwickelt wurde, um Waffen ins All zu transportieren. Diese Möglichkeit hatte auch das Institut der Vereinten Nationen für Abrüstungsforschung (UNIDIR) bereits nach dem ersten Start nicht ausgeschlossen. Dies würde durchaus dem Pentagon-Konzept zum so genannten Prompt Global Strike, das einen Militärschlag in jeder Ecke der Welt binnen zwei Stunden ermöglichen soll, entsprechen. Mit seiner Nutzlastkapazität wäre der US-Raumgleiter in der Lage, auch Atomwaffen zu tragen. 

Unabhängig vom atomaren Drohszenarium charakterisiert SIPRI 2014 als „besonders gewaltsames Jahr". Nie habe es seit dem Jahr 2000 es mehr Kriege gegeben. Ein Türöffner für die zunehmende imperialistische Interventionspolitik ist die Nutzung militärischer Roboter. 

Der US-geführte globale „Krieg gegen den Terror" habe das Gebiet eines bewaffneten Konflikts so weit ausgedehnt, „dass es auch die zivilen Rückzugsräume der mutmaßlichen Angreifer umfasst. Das Gleiche gilt für die Tatsache, dass solche Angriffe überwiegend als Geheimoperationen der CIA stattfinden. Schon jetzt scheint der Gewalteinsatz unterhalb der Konsequenzen und Empfehlungen für die deutsche Sicherheitspolitik definitorischen Schwelle eines gewaltsamen internationalen Konflikts mehr und mehr zum Normalfall zu werden", stellt Marcel Dickow, Leiter der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) Forschungsgruppe Sicherheitspolitik in seiner Arbeit „Robotik – ein Game-Changer für Militär und Sicherheitspolitik?" fest. 

Auch militärische Robotertechnik ist überall auf dem Vormarsch: Im und unter Wasser, in der Luft, zu Lande und im Weltraum. „Amerikanische und israelische, aber auch deutsche Firmen arbeiten an Prototypen für ferngesteuerte und teilautonome Ketten- und Radfahrzeuge unterschiedlicher Größe. Jede Gattung ist vertreten – vom autonomen Schützenpanzer24 bis zum Kettenroboter", bilanziert Marcel Dickow. Seine Zukunftsprognose: „In den kommenden Jahren werden Roboter nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ das Aussehen und die Funktionsweise von Streitkräften verändern. Sie werden sich von reinen ferngesteuerten Maschinen – etwa zur Bombenentschärfung oder als bewegliche Videokamera in Gebäuden – zu vernetzten Systemen fortentwickeln, die eigenständig agieren und Aufträge erfüllen." 

Die Gewinnerwartungen der Rüstungskonzerne steigen in Traumzonen. 70 Jahre nach den Atombombenabwürfen in Hiroshima und Nagasaki bleibt der Kampf gegen den Atomtod, für die Auflösung des aggressiven Nato-Bündnisses, für Rüstungskonversion, und die Heimreise aller außerhalb unserer Grenzen stationierten Bundeswehrangehörigen das Gebot der Stunde. 

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Langzeitfolgen von Atomexplosionen 

IPPNW zum 70. Jahrestag der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki  

Von Inga Blum und Alex Rosen, IPPNW deutsche Sektion | 

In: unsere Zeit online vom 7. August 2015 

 

Anlässlich der 70. Jahrestage der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki erinnert die ärztliche Friedensorganisation IPPNW an die verheerenden humanitären Folgen der Angriffe, die bis zum heutigen Tag andauern. Die MedizinerInnen appellieren an die Bundesregierung, die „Humanitäre Selbstverpflichtung" (Humanitarian Pledge) zu unterzeichnen, die konkrete rechtliche Schritte zu einer weltweiten Ächtung von Atomwaffen fordert. „Es ist im Interesse des Überlebens der Menschheit, dass Atomwaffen unter keinen Umständen wieder eingesetzt werden," heißt es in einer gemeinsamen Erklärung, die bislang von 159 Staaten unterzeichnet wurde. 

Die Zahl der Todesfälle, die ursächlich auf die Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki zurückzuführen sind, steigt bis heute kontinuierlich an. Dies zeigt die Lebenszeitstudie der Radiation Effects Research Foundation (RERF). Seit 1950 wurden in dieser Studie über 120 000 Überlebende der Atombombenabwürfe und deren Nachkommen erfasst. 

Das Risiko an Leukämie zu erkranken war in den ersten Jahren nach den Atombombenabwürfen für die Menschen in Hiroshima 15-fach, für die Menschen in Nagasaki etwa siebenfach erhöht. Bis heute haben die Überlebenden weiterhin ein signifikant erhöhtes Risiko, an Leukämie zu erkranken. Auch die Häufigkeit anderer Krebsarten steigt weiterhin an. Vor allem Blasen-, Brust- und Lungenkrebs aber auch Gehirntumoren, Schilddrüsenkrebs, Speiseröhren- und Darmkrebs treten bei den Überlebenden gehäuft auf. 

Und auch andere Erkrankungen können durch erhöhte Strahlenexposition verursacht werden. So zeigt die Studie aus Hiroshima und Nagasaki auch dosisabhängig erhöhte Raten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Katarakten, Immunschwäche und Hormonstörungen. Bei Kindern, die der Strahlung der Atombombenexplosionen im Mutterleib ausgesetzt waren, fand man neben höheren Krebsraten auch eine dosisabhängige Häufung neurologischer Probleme wie Lernbehinderung, Intelligenzminderung und mentaler Retardierung. Bis heute werden bei den Überlebenden zudem erhöhte Raten chromosomaler Schädigungen gefunden. 

Obwohl es an den Lebenszeitstudien auch berechtigte Kritik gibt, da sie Strahleneffekte systemisch unterschätzen, lautet ihre wichtigste Aussage: Eine ungefährliche Dosis von Radioaktivität gibt es nicht – jede noch so geringe Strahlenmenge erhöht nachweislich das Krebsrisiko. 

Dieses Jahr jähren sich die Atombombenangriffe auf Hiroshima und Nagasaki zum 70. Mal. Damals starben mehr als 200.000 Menschen an den akuten Folgen der Atomexplosionen. Die Überlebenden der Angriffe werden im Japanischen als „Hibakusha" (Explosionsopfer) bezeichnet. Für sie sind die Folgen der Atomexplosionen bis heute zu spüren. Immer noch erkranken viele von ihnen jedes Jahr an Krebs und anderen strahlenbedingten Erkrankungen. Anlässlich des 70. Jahrestages möchten wir an dieser Stelle einen Überblick über den aktuellen Stand der Forschung geben und die Ergebnisse kritisch analysieren. 

Ein Großteil der Erkenntnisse über die Langzeitfolgen von Atombombenexplosionen beruht auf den Ergebnissen epidemiologischer Studien. Seit 1950 werden mehr als 120.000 Überlebende im Rahmen einer groß angelegten prospektiven Lebenszeitstudie (Life Span Study oder LSS) regelmäßig untersucht. Die Studie wird durch die Radiation Effects Research Foundation (RERF) durchgeführt, einer Kooperation der US-amerikanischen National Academy of Sciences und japanischer Behörden. Nach 65 Jahren Forschung lautet die wichtigste Aussage der Lebenszeitstudie: Eine ungefährliche Dosis von Radioaktivität gibt es nicht – jede noch so geringe Strahlenmenge erhöht nachweislich das Krebsrisiko. Diese Erkenntnis steht im Einklang mit neuesten epidemiologischen Studien, die die Auswirkungen niedrigdosierter ionisierender Strahlung auf Menschen untersuchen. Die IPPNW hat zu diesem Thema erst letztes Jahr eine umfassende Analyse veröffentlicht, die online unter http://kurzlink.de/Ulmer-Papier abgerufen werden kann. 

Die ersten strahlenbedingten Krankheitsfälle bei den Überlebenden der Atombombenabwürfe waren Leukämien. Die Inzidenz dieser Erkrankungen stiegen in der Studienkohorte bereits Anfang der 1950er Jahre signifikant an. Für die Menschen in Hiroshima lag die Leukämierate etwa 15-fach, für die in Nagasaki etwa siebenfach höher als in der japanischen Durchschnittsbevölkerung. Bis heute ist die Leukämierate in Hiroshima leicht erhöht. Später fand man auch erhöhte Raten solider Tumoren: zunächst Schilddrüsenkrebs, später auch Krebserkrankungen von Brust, Lungen, Magen, Darm, Gallengängen, Harntrakt, Haut, Leber, Gebärmutter und Eierstöcken. Insgesamt wird davon ausgegangen, dass die Mitglieder der Studienkohorte ein etwa 1,5-faches Risiko für die Entwicklung solider Tumoren haben. 

Aber auch andere Erkrankungen können durch erhöhte Strahlenexposition verursacht werden. So zeigen die Studien aus Hiroshima und Nagasaki unter anderem auch dosisabhängig erhöhte Raten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Katarakten, Immunschwäche und hormonellen Störungen. Bei Kindern, die der Strahlung zum Zeitpunkt der Atombombenexplosionen im Mutterbauch ausgesetzt wurden, fand man neben höheren Krebsraten auch eine dosisabhängige Inzidenz neurologischer Probleme. Bis heute werden bei den Überlebenden zudem erhöhte Raten chromosomaler Schädigungen gefunden. Dabei gilt es zu bedenken, dass junge Menschen besonders empfindlich gegenüber ionisierender Strahlung sind und Strahlenschäden ihr Leben lang mit sich tragen, bis es dann im fortgeschrittenen Alter zum Ausbruch strahlenassoziierter Erkrankungen kommen kann. So werden viele Erkrankungen mit langer Latenzzeit erst heute sichtbar. Die Kinder der Überlebenden, die ebenfalls untersucht werden, haben das krankheitsanfällige Lebensalter häufig noch gar nicht erreicht. 

Die Studien der Atombombenüberlebenden spielen in der Strahlenforschung eine besondere Rolle und werden bis heute von Institutionen wie der Internationalen Strahlenschutzkommission (ICRP) als Referenz für die Einschätzung von Strahlenfolgen herangezogen. Durch die systemischen Mängel dieser Studien wird jedoch unser Bild auf die Folgen ionisierender Strahlung verzerrt. Eine systemische Unterschätzung von Strahleneffekten ist die Folge. Im Folgenden sollen die wesentlichen Kritikpunkte an der Hibakusha-Lebenszeitstudie kurz angerissen werden. 

Die fehlenden Jahre 1945–1950 

Da die Langzeitstudie erst 1950 begonnen wurde, ist über die meisten Opfer und deren Todesursache nur wenig bekannt. In den ersten Jahren führten vor allem schwere Verbrennungen, Verletzungen, Akute Strahlenkrankheit und der Ausfall der medizinischen Infrastruktur zu vielen Todesfällen. Durch die Strahlenexposition kam es jedoch auch zu zahlreichen Fehl- und Totgeburten, Missbildungen und strahlenbedingten Erkrankungen, die weitere Todesopfer forderten – vor allem bei kleinen Kindern, da diese empfindlicher für Strahlung sind als Erwachsene. Über diese Fälle wurde keine Statistik geführt. Die Toten wurden anfangs nur selten untersucht, da Personal und Infrastruktur fehlten und Leichen wegen der Seuchengefahr schnell verbrannt wurden. Somit fehlt in der Langzeitstudie die Erfassung von teratogenen und genetischen Effekten sowie strahleninduzierten Krankheiten mit geringer Latenzzeit. 

Mangelnde Dosisabschätzung 

An der Abschätzung der individuellen Strahlendosis gab es schon immer berechtigte Zweifel. Da die Menschen in Hiroshima und Nagasaki im August 1945 keine Strahlenmessgeräte trugen, musste ihre Strahlendosis durch komplexe Berechnungen mit vielen unbekannten Variablen abgeschätzt werden. Die Entfernung zum Hypozentrum und die Strahlenabschirmung durch Bebauung oder Kleidung waren oft nur lückenhaft zu erheben. Die Rolle von Neutronenaktivierung wurde erst seit dem Jahr 2004 in der Dosimetrie berücksichtigt, während die gesundheitlichen Effekte durch radioaktiven Niederschlag, verseuchte Nahrung oder Trinkwasser bis heute als „vernachlässigbar" bezeichnet und bei der Berechnung der Strahlendosis ignoriert werden. Dies spielt insbesondere in der Kontrollgruppe eine wesentliche Rolle. Bei den meisten Überlebenden ist von einer systematischen Unterschätzung der tatsächlichen Strahlendosis auszugehen. Dabei erkennt mittlerweile auch die RERF an, dass es keine untere Schwellendosis gibt, also jede noch so geringe Strahlendosis gesundheitliche Effekte haben kann. 

Fragwürdigkeit von Befragungsergebnissen 

Die Hibakusha, die Überlebenden des Atombombenabwurfs, waren lange Zeit eine gesellschaftlich geächtete Gruppe. Es kam daher oft vor, dass in offiziellen Erhebungen keine ehrlichen Angaben über Herkunft und Krankheiten der Nachkommen gemacht wurden, um beispielsweise deren Heiratschancen und gesellschaftliche Eingliederung nicht zu gefährden. Zudem kam es häufig zu Fehlangaben von Todesursachen, um den Angehörigen wenigstens die „Schande" zu ersparen, Hibakusha in der Familie zu haben. All diese Faktoren relativieren die Schlussfolgerungen aus den Umfragen und Untersuchungen der Lebenszeitstudie und führen zu einer systemischen Unterschätzung der tatsächlichen Strahlenfolgen – auch der Folgegenerationen. 

Inadäquate Kontrollgruppe 

Menschen, die im Zehn-Kilometer-Umkreis der beiden Städte lebten, wurden als Kontrollpersonen für die Lebenszeitstudie herangezogen. Dabei waren diese Menschen fast alle radioaktivem Niederschlag ausgesetzt und durch verseuchte Nahrung und Trinkwasser verstrahlt. Wie oben bereits beschrieben, werden die Effekte durch diese Strahlenquellen jedoch bis heute ignoriert. Der Vergleich mit der strahlenexponierten Kontrollgruppe führt zu einer systematischen Unterschätzung des Strahlenrisikos der Studienkohorte. 

Selektionseffekte 

Aufgrund der Katastrophensituation nach den Atombombenabwürfen muss man annehmen, dass die verbliebenen Überlebenden eine selektierte Gruppe der besonders Widerstandsfähigen darstellen. Die untersuchte Population ist daher nicht repräsentativ. Aus dieser Selektion resultiert laut einer Studie von Alice Stewart und George Kneale aus dem Jahr 2000 eine Unterschätzung des Strahlenrisikos um etwa 30 Prozent. 

Ausklammerung genetischer Schäden 

Die international in mehreren Studien gezeigten genetischen Effekte in nachfolgenden Generationen werden von den japanischen Behörden weiterhin geleugnet, wohl um sich vor Leistungsansprüchen von Hibakusha-Nachkommen zu schützen. Bei Kindern von Strahlenexponierten aus dem sowjetischen Atomwaffentestareal Semipalatinsk und anderen Populationen mit erhöhten Strahlendosen sind durchaus relevante genetische Folgen bekannt, wie auch aus zahlreichen tierexperimentellen Studien. 

So ist auch bei den Nachkommen der Hibakusha von genetischen Folgen auszugehen. 70 Jahre nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki leiden die Überlebenden immer noch an den Folgen. Ihre Schicksale führen der Welt bis heute vor Augen, wie unmenschlich jeglicher Einsatz von Atomwaffen ist. Die Erforschung der Auswirkungen der Atombombenabwürfe spiegelt die sich wandelnde US-amerikanische und japanische Interessenlage wieder. Fielen die Folgen der Atombombenabwürfe in den ersten Jahren noch unter US-amerikanisches Militärgeheimnis, war später das Interesse vor allem der japanischen Regierung groß, die gesundheitlichen Folgen umfassend zu analysieren. 

Gleichzeitig besteht bis heute die Sorge, dass Hibakusha und ihre Nachkommen Schadensersatzklagen oder finanzielle Kompensation anstreben könnten. Die Forschung der RERF, wie auch die Kritikpunkte vieler Hibakusha an den Studien sind vor diesem Hintergrund zu sehen. Die Lebenszeitstudien müssen kritisch hinterfragt werden, um die Risiken ionisierender Strahlung durch die systemischen Fehler dieser Studien nicht zu unterschätzen. 

IPPNW 

(Abkürzung für International Physicians for the Prevention of Nuclear War; Name der deutschen Sektion IPPNW Deutschland – Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung e.V) ist ein internationaler Zusammenschluss von Human-, Tier- und Zahnärzten sowie Psychotherapeuten, die sich unter anderem vor allem für die Abrüstung atomarer Waffen einsetzt. 1985 erhielt die Organisation den Friedensnobelpreis für ihre „sachkundige und wichtige Informationsarbeit", die das Bewusstsein über die „katastrophalen Folgen eines Nuklearkrieges" in der Bevölkerung erhöhte. Die deutsche Sektion der IPPNW ist mit circa 8 000 Mitgliedern die größte berufsbezogene Friedensorganisation in Deutschland. Quelle: Wikipedia 

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Nie wieder Hiroshima und Nagasaki! 

70 Jahre nach den Atombombenabwürfen am 6. und 9. August 45  

Von UZ | 

In: unsere Zeit online vom 7. August 2015 

 

 

Völlig anders als Frédéric Joliot-Curie und andere verhielt sich dagegen beispielsweise Edward Teller, der 1933 das faschistische Deutschland verlassen musste. Teller hatte bereits am ersten Atombombenprojekt der USA mitgewirkt. Er gehörte zu jenen Forschern, die später die Entwicklung der Wasserstoffbomben und weitere Bombentests der US-Amerikaner uneingeschränkt befürworteten und „die Kollegen in die Laboratorien" zurückriefen. Er sah eine weitere Waffenentwicklung als unumgänglich an. Für ihn bestand die „Verantwortung" eines Forschers nur darin, „Macht" zu schaffen und neue Atomwaffen für seinen Staat zu entwickeln, da es eine Pflicht der Wissenschaftler und Techniker sei, „der Menschheit Werkzeuge zu entwickeln", die in einer Demokratie ohne Grenzen sei, weil diese jede Waffe „richtig verwenden werde". (Wagner, S. 177) – Teller gehörte wie Robert Oppenheimer (siehe UZ vom 24.7.2015, S. 10) zu den Schülern des deutschen Physikers Max Born, eines entschiedenen Gegners der Atomwaffen. 

Dieser musste 1957 bekümmert feststellen: „Es ist schön, so kluge und tüchtige Schüler gehabt zu haben, und doch wünschte ich, sie wären weniger klug als weise. Nun ist durch ihre Klugheit die Menschheit in eine fast verzweifelte Lage geraten." 

Nach der Zerschlagung des deutschen Faschismus und seiner Verbündeten wurde die Welt nicht friedfertiger. Der heiße Krieg war beendet. Der Kalte Krieg, der sich gegen die Sowjetunion und die mit ihr verbündeten jungen Volksdemokratien richtete, begann und verschärfte sich. Die Atomkriegsgefahr wuchs. 

Im April 1949, zum Zeitpunkt der NATO-Gründung und der Unterzeichnung des Militärpakts durch die USA, Großbritannien, Frankreich, Italien sowie weitere sieben Staaten, verkündete US-Präsident Truman, bisherige „Rücksichten" fallenlassend: „Ich bin bereit, die Atombombe für den Frieden der Welt einzusetzen." Noch wähnten sich die USA im alleinigen Besitz der Bombe. General Groves erklärte auf die Nachricht, die Sowjetunion sei kurz davor, das Atombombenmonopol der USA zu brechen, spöttisch, die Sache belustige ihn, und er frage sich nur, welches Märchen man ihm als nächstes auftischen werde. 

Am 29. August 1949 zündete die UdSSR ihre erste Versuchsbombe. Nach Bekanntwerden des erfolgreichen sowjetischen Atombombenexperiments verstärkten die westlichen Massenmedien ihre Propaganda gegen die Sowjetunion. Eine Jagd auf „Atomspione" begann. Trauriger Höhepunkt dieser Verfolgungen wurde der Justizmord an Ethel und Julius Rosenberg im Juni 1953. 

TASS erklärt am 25. September 1949 im Namen der Sowjetregierung jedoch ausdrücklich, dass die UdSSR auch weiterhin unerschütterlich an ihrer Auffassung über das bedingungslose Verbot der Atombombe festhalte. Am selben Tag erklärte zudem der sowjetische Vertreter in der Vollversammlung der UNO, sein Land bestehe unnachgiebig auf der Ächtung der Atomwaffen und der Vernichtung aller Kernbombenvorräte. 

Die „Antwort", die Truman am 31. Januar 1950 gab, war eindeutig: „Ich habe angewiesen, die Entwicklung aller Atomwaffen, einschließlich der sogenannten Wasserstoff-oder Superbombe, fortzusetzen." 

Mit dieser Entscheidung stellte der US-Präsident die Weichen für ein weiteres atomares Wettrüsten. Denn er sanktionierte den Bau einer noch schrecklicheren Vernichtungswaffe, der thermonuklearen Wasserstoffbombe, deren Größe praktisch keine Grenzen gesetzt sind. 

Am 1. November 1952 verschwand die Insel Elugelab. Elugelab gehörte zum Eniwetok-Atoll der Marshallinseln im Pazifischen Ozean. Die Insel wurde durch die erste US-amerikanische thermonukleare Explosion von der Landkarte radiert. Alle größeren Erdbebenstationen der Welt registrierten die Schockwelle der Explosion. Die „Super", wie sie amerikanische Fachleute nannten, entlud eine Sprengkraft von drei Megatonnen (drei Millionen Tonnen) TNT. Das entspricht der Gesamtstärke sämtlicher im zweiten Weltkrieg eingesetzten Bomben und etwa der zweihundertfachen Sprengwirkung der Hiroshimabombe. 

In Washington war man nach dem erfolgreichen Test fest davon überzeugt, den Verlust des Atombombenmonopols wettgemacht und einen entscheidenden Vorsprung gegenüber der UdSSR errungen zu haben. 

Doch bereits am 12. August 1953 explodierte die erste sowjetische Wasserstoffbombe. Militärs und Politiker der USA waren schockiert, denn es war eine Wasserstoffbombe mit dem Zündstoff Lithiumdeuterid. Allein eine solche Bombe war militärisch einsatzfähig, weil transportabel. 

Am 1. März 1954 zündeten die USA ihre erste sogenannte Dreistufenbombe, auch Fission-Fusion-Fission-Bomb genannt. Ihre Detonationswirkung betrug wenigstens 15 Megatonnen TNT. Als Zünder für die eigentliche Wasserstoffbombe diente ein Atomsprengkörper. Beide waren eingehüllt in einen Mantel aus normalem Uran (U 238), das sich unter der Wirkung der H-Bomben-Explosion ebenfalls als spaltbar erweist. 

Mehrphasenbomben entfalten eine unvorstellbare Detonationswirkung, die auf 50 und mehr Megatonnen gesteigert werden kann. Mit solchen Bomben können Länder und Kontinente mit einem Schlag verwüstet werden. 

Die fürchterliche Wirkung der Wasserstoffbombe beschränkt sich nicht nur auf ihre gegenüber der Atombombe um das Tausendfache gesteigerte Explosivkraft. Sie setzt auch Strahlung von einer Intensität frei, wie sie auf Erden bisher unbekannt war. Man schätzt, dass eine Minute nach der Detonation einer mittleren H-Bombe am Explosionsort immer noch eine Radioaktivität herrscht, die der von mehreren 100 Millionen Tonnen Radium entspricht. Eine solche Strahlendosis ist für Mensch und Tier im Wirkungskreis der Bombe unbedingt tödlich. 

Ist die stärkste Aktivität abgeklungen, bleiben genügend gefährliche Spaltprodukte übrig, die mit dem radioaktiven Niederschlag (Fallout) aus der Stratosphäre langsam auf die Erdoberfläche herabrieseln und weite Teile auf viele Jahre verseuchen, zudem – wie Strontium 90 – mit der Nahrung in den menschlichen und tierischen Organismus gelangt, dort in den Knochen angereichert wird und unweigerlich Krebs erzeugt. (Siehe Seite 13) 

Der amerikanische Nobelpreisträger Linus Pauling, der sich mit seiner ganzen Autorität der Ächtung der Atomwaffen verschrieben hat, gab folgendes Beispiel für die Gefährlichkeit des Fallouts: 1 Teelöffel Strontium 90, auf alle Menschen der Welt gleichmäßig verteilt, würde unabänderlich ihren Tod innerhalb weniger Jahre herbeiführen. Eine jener Superbomben aber, so rechnete Pauling vor, schleudert bei ihrer Detonation die tausendfache Menge in die Luft. 

Gegen die Atomrüstung wandten sich damals Menschen in aller Welt – nicht nur die Regierungen der Sowjetunion und der anderen Staaten des sozialistischen Lagers, sondern auch Bürgerinnen und Bürger, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sowie verantwortungsbewusste Wissenschaftler. 

Der französische Atomforscher Frédéric Joliot-Curie, Präsident des im November 1950 gegründeten Weltfriedensrats und Vorsitzender der Weltföderation der Wissenschaftler (ab 1946), gehörte zu ihnen. Der Atomforscher und Kämpfer der Resistance wurde 1942 Mitglied der Kommunistischen Partei Frankreichs. Nach der Befreiung seines Vaterlandes vom Faschismus ernannte man ihn zum Hochkommissar für Atomenergie. Unter seiner Leitung wurde im Dezember 1948 der erste französische Atommeiler kritisch – d. h., der Reaktor erreichte eine sich selbst erhaltende Kettenreaktion. Zusammen mit seinen Mitarbeitern gelobte er feierlich, das Kommissariat für Atomenergie sofort zu verlassen, falls sie gezwungen würden, für die Herstellung von Atomwaffen zu arbeiten. 

Im März 1950 tagte in Stockholm der Ständige Ausschuss des Weltfriedenskongresses. Auf Initiative Joliot-Curies verabschiedeten die Delegierten aus aller Welt einen Aufruf an alle friedliebenden Menschen, sich mit ihrer Unterschrift für die Ächtung der Kernwaffen einzusetzen. „Wir fordern das absolute Verbot der Atombombe als einer Waffe des Angriffs und der Massenvernichtung", begründete Joliot-Curie diesen Schritt. „Wir sind der Ansicht, dass die Regierung, die als erste die Atomwaffe gegen irgendein Land benutzt, ein Verbrechen gegen die Menschheit begeht und als Kriegsverbrecher zu behandeln ist." 

Joliot-Curie registrierte mit Genugtuung das weltweite Echo auf den Aufruf. 600 Millionen Menschen unterzeichneten diesen ersten Stockholmer Appell, den die sozialistischen Staaten uneingeschränkt unterstützten. Eine noch nie dagewesene Massenaktion begann sich gegen Atombewaffnung und Atomkriegsgefahr zu entfalten. „No more Hiroshima!" – „Nie wieder Hiroshima!" – lautete eine von vielen Losungen, die die Atomwaffengegner seitdem in ihrem Kampf vereint. 

Quellen u. a.: Klaus Hoffmann, Otto Hahn. Stationen aus dem Leben eines Atomforschers, Berlin 1978/Friedrich Wagner, Die Wissenschaft und die gefährdete Welt, München 1964/Wissenschaft und Verantwortung. Ausgewählte Schriften von Frederic Joliot Curie. Berlin 1962 

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Kampf dem Atomtod: Nur Frieden bietet Schutz … 

Bilder aus 65 Jahren  

In: unsere Zeit online vom 7. August 2015 

 

Noch immer lagern in Büchel in der Eifel US-amerikanische Atomwaffen und hier werden im Rahmen der innerhalb der NATO vereinbarten sogenannten nuklearen Teilhabe auch Jagdbomberpiloten der Bundeswehr für den Einsatz mit dieser Massenvernichtungswaffe ausgebildet. 

In den Bunkern des Standortes lagern wahrscheinlich 20 US-Atomwaffen des Typs B61. Dieser Bombentyp hat eine maximale Sprengkraft von 340 Kilotonnen TNT, das entspricht etwa dem 26-fachen der Hiroshima-Bombe. Die USA wollen bis 2023 etwa vier Milliarden Dollar aufwenden, um die Atombomben vom Typ B61 zu „modernisieren". Bisher handelt es sich um reine Abwurfbomben; die neue Version soll ein Steuerungssystem erhalten und könnte damit zur präzisionsgesteuerten Fernwaffe werden. „Mit völlig modernisierten Atomwaffen in Büchel/Eifel und anderswo in Europa entsteht erstmals seit den 1980er Jahren eine Konstellation, die einen Atomkrieg in Europa möglich erscheinen lässt", heißt es dazu auf www.atomwaffenfrei.de

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Der Elefant im Zimmer  

Hiroshima spielt in Obamas Rede zum Atomabkommen mit Iran keine Rolle  

Knut Mellenthin 

In: junge Welt online vom 07.08.2015 

 

Am Donnerstag wurde US-Außenminister John Kerry kurz vor einem Treffen mit seinem japanischen Amtskollegen gefragt, ob ihn angesichts des siebzigsten Jahrestages des Abwurfs der ersten Atombombe auf Hiroshima Gedanken bewegten. »Es ist unmöglich, sich darüber keine Gedanken zu machen«, antwortete Kerry. Die Erinnerung an Hiroshima unterstreiche die Bedeutung des im Juli vereinbarten Wiener Abkommens mit dem Iran, das dazu beitrage, die Gefahr von noch mehr Atomwaffen zu verringern. Jemand, der es schaffte, noch nicht einmal diese Verbindung herzustellen, und der wirklich so tat, als gingen zu diesem Tag gar keine Gedanken in seinem Kopf herum, war Kerrys Chef, US-Präsident Barack Obama. Hiroshima kam in der Rede, die Obama am Vortag zur Verteidigung des Wiener Abkommens hielt, ganz einfach nicht vor. Unglaublich, aber wahr. Im Englischen bezeichnet man einen Aspekt, zu dem so hartnäckig und krampfhaft geschwiegen wird, als »Elephant in the room«. 

Obamas Verhalten wäre vielleicht nicht ganz so peinlich und erschreckend, wenn er nicht selbst ausdrücklich darauf bestanden hätte, sich mit seinem Auftritt an der American University in Washington als Nachfolger von John F. Kennedy darzustellen. Der hatte genau an dieser Stelle am 10. Juni 1963 eine Ansprache gehalten, die der sowjetische Regierungschef Nikita Chruschtschow als »größte Rede eines amerikanischen Präsidenten seit Roosevelt« lobte. Sowjetische Medien veröffentlichten den Text ungekürzt. Kennedy hatte eine große, dramatische Rede über den Weltfrieden und die Gefahren eines Atomkrieges gehalten, die sich hauptsächlich an die Führung und die Bevölkerung der Sowjetunion richtete. Nicht nur die Gegenseite müsse »wegen des neuen Gesichts des Krieges« ihre grundsätzliche Einstellung ändern, sondern »auch wir müssen unser Verhalten überprüfen – als Individuen und als Nation –, denn unser Verhalten ist ebenso bedeutend wie ihres«. Es folgten Bekundungen der Anerkennung und Sympathie für das »russische Volk« und für die Rolle der Sowjetunion im zweiten Weltkrieg. Dabei schienen Kennedys Ausführungen frei zu sein von der Furcht oder überhaupt dem Bedürfnis, sich für seine Ansichten vor der konservativen Opposition rechtfertigen zu müssen. 

Im Gegensatz dazu trug Obama am Mittwoch eine ängstliche, defensive und kleinkarierte Rede vor, die ausschließlich darauf konzentriert war, nochmals ausführlich zu begründen, warum das Wiener Abkommen ein »guter Deal« und überhaupt das Beste sei, was unter den realen Umständen auf diplomatischem Wege erreichbar gewesen sei. Alles, was dazu aus Sicht der US-Regierung zu sagen war, hatte Obama jedoch schon selbst in zahlreichen Interviews dargelegt. Außenminister Kerry, Energieminister Ernest Moniz und Finanzminister Jack Lew hatten den Deal in mehreren ganztägigen Sitzungen vor verschiedenen Ausschüssen des Kongresses verteidigt. 

Aber worüber sonst hätte Obama sprechen sollen? Über die Forderung des Bürgermeisters von Hiroshima, alle Atomwaffen abzuschaffen? Über die Tatsache, dass 45 Jahre nach Inkrafttreten des Atomwaffensperrvertrags immer noch Tausende von Atomwaffen zum Einsatz bereitgehalten werden, nicht zuletzt von Israel als einziger Nuklearmacht des Nahen Ostens? Kennedy hatte das Abkommen angestrebt, dessen Unterzeichnung aber selbst nicht mehr erlebt, weil er fünf Monate nach seine Rede ermordet wurde. Obama plant, das sprach er nun auch an, als Begleitung zum Wiener Abkommen Waffenlieferungen riesigen Umfangs an alle Gegner Irans in der Region, hauptsächlich natürlich an Israel und die Monarchien der arabischen Halbinsel. Warum, wenn die Golfstaaten – Obama verschwieg es nicht – schon jetzt acht mal soviel für die Rüstung ausgeben wie der Iran? Anfangs bezeichnete man die geplante zusätzliche Waffenhilfe für die Verbündeten der USA als »Entschädigung«. Wieso denn das, höhnte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, wenn das Abkommen mit dem Iran doch angeblich Israels Sicherheit erhöhe. Ergebnis: Er kriegt trotzdem alles Versprochene. Aber Washington nennt das jetzt »Fortsetzung der Zusammenarbeit«. 

 

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Abes hohle Phrasen  

70. Jahrestag des Atombombenabwurfs auf Hiroshima: Mahnung zum Frieden und Forderung nach kernwaffenfreier Welt  

Michael Streitberg 

In: junge Welt online vom 07.08.2015 

 

Eine Welt ohne Nuklearwaffen: Auf dieses Ziel konnten sich am gestrigen Jahrestag des Atombombenangriffs auf Hiroshima alle politischen Lager einigen. Zu einer Zeremonie an der Gedenkstätte für die Opfer der Katastrophe versammelten sich laut der Tageszeitung Asahi Shimbun (Onlineausgabe) circa 55.000 Menschen. Auch Überlebende und ihre Angehörigen sowie diplomatische Vertreter aus etwa 100 Staaten waren an der Gedenkstätte für die Opfer der Katastrophe zusammengekommen. Sowohl Premierminister Shinzo Abe als auch Hiroshimas Bürgermeister Kazumi Matsui riefen in Ansprachen dazu auf, Anstrengungen zur nuklearen Abrüstung zu unternehmen. 

Hinsichtlich ihrer Tonlage unterschieden sich die beiden Redebeiträge jedoch deutlich. Shinzo Abe erinnerte in sehr allgemeinen Worten an die etwa 140.000 durch den Angriff unmittelbar zu Tode gekommenen Menschen und das unermessliche Leid der Überlebenden. Laut der Japan Times (Onlineausgabe) erklärte der Regierungschef zudem, Japan werde »seine Anstrengungen, eine atomwaffenfreie Welt zu schaffen, noch weiter verstärken«. Des weiteren kündigte er an, dass sein Land der UN-Generalversammlung im Herbst eine Resolution zur vollständigen Beseitigung von Atomwaffen vorlegen wolle. Angesichts des Militarisierungskurses und des nationalistischen Säbelrasselns, von dem Abes Politik abseits solcher Bekenntnisse geprägt ist, sind diese Beteuerungen für viele Japaner jedoch nicht mehr als hohle Phrasen. 

Erst im Juli hatte Abes Regierungskoalition aus seiner rechtskonservativen Liberaldemokratischen Partei (LDP) und der buddhistischen Komeito ein neues Sicherheitsgesetz verabschiedet. Dieses erlaubt der als »Selbstverteidigungsstreitkräfte« bezeichneten Armee des Landes Auslandseinsätze an der Seite seiner Verbündeten, wenn diese angegriffen werden. Laut verschiedener Umfragen lehnt eine Mehrheit der japanischen Bevölkerung dieses Gesetz ab und bezweifelt zudem, dass es im Einklang mit der pazifistischen Verfassung des Landes steht. Artikel 9, dessen umfassende »Neuinterpretation« bereits im vergangenen Jahr beschlossen wurde, verbietet Japan (abgesehen von einem beschränkten Kontingent zur reinen Landesverteidigung) das Unterhalten von Streitkräften. Faktisch zählt die Armee des Landes zu den modernsten der Welt; japanische Soldaten beteiligten sich zudem bereits im Jahr 2003 an der US-amerikanischen Besatzung des Irak. 

Dass Bürgermeister Matsui in seiner Rede explizit auf Artikel 9 verwies, kann somit als Kritik an der Regierungspolitik verstanden werden. Er forderte laut Japan Times »(...) Sicherheitssysteme, die nicht auf militärischer Macht basieren«. Um dies zu erreichen, sei es nötig, für den von Japan eingeschlagenen »Weg zu wahrem Frieden« zu werben, der in der pazifistischen Verfassung zum Ausdruck komme. 

Matsui wies zudem explizit auf die zahlreichen Koreaner, Chinesen und Angehörigen anderer Nationalitäten hin, die sich unter den Opfern der Atombombe befanden. Insbesondere diese Opfergruppen, unter ihnen zahlreiche nach Japan verschleppte Zwangsarbeiter, kämpften lange vergeblich um Anerkennung als Opfer und werden im Rahmen des staatlichen Gedenkens an Hiroshima noch immer weitestgehend übergangen. Abe und sein Kabinett verfolgen unterdessen einen geschichtsrevisionistischen Kurs und relativieren die von Japan in Korea und anderen asiatischen Ländern begangenen Kriegsverbrechen. 

Die japanischen Opfer wurden ebenfalls lange vernachlässigt und erhielten keine angemessene medizinische Behandlung. Bis heute werden zahlreiche Folgeschäden der Katastrophe nicht als solche anerkannt. Außerdem wurden zahlreiche Betroffene, ebenso wie ihre Nachkommen, jahrzehntelang diskriminiert und ausgegrenzt. Viele Menschen hingen dem Irrglauben an, die durch die Strahlung verursachten Leiden seien ansteckend oder vererbbar. 

Auch dieses von Abe unerwähnte, durch »Diskriminierung und Vorurteile« verursachte Leid der Überlebenden wurde von Kazumi Matsui nicht verschwiegen. 

 

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»Hibakusha weltweit«  

70. Jahrestag: Kriegsgegner gedenken bundesweit der Opfer des US-amerikanischen Atomschlags gegen Hiroshima und Nagasaki und fordern Abrüstung  

Susan Bonath 

In: junge Welt online vom 06.08.2015 

 

Am 6. August 1945 warf das US-Militär eine Atombombe auf die japanische Großstadt Hiroshima, drei Tage später eine auf Nagasaki. Nach dem tödlichen Inferno durch die Massenvernichtungswaffen vor 70 Jahren lagerten nach einem Bericht des schwedischen Friedensforschungsinstituts »Sipri« im Sommer 2014 rund 16.300 Atomsprengköpfe auf der Erde – mit einer Zerstörungsgewalt, die bis zu 900.000 mal so stark sei wie die Bombe auf Hiroshima. »Statt dieses Teufelszeug zu beseitigen, wird bei allen offiziellen Kernwaffenstaaten modernisiert: neue, bessere, genauere Sprengköpfe, neue Trägersysteme, Flugzeuge, U-Boote«, kritisiert das Netzwerk Friedenskooperative auf seiner Internetseite. Gemeinsam mit dem Bundesausschuss Friedensratschlag ruft es zum Gedenken an die Opfer vom Sommer 1945 auf. So wolle man zugleich die Ablehnung von Krieg und Aufrüstung in die Öffentlichkeit tragen. Über 100 Veranstaltungen sind zum 70. Jahrestag der Atomschläge in bundesdeutschen Städten geplant. 

Am Fliegerhorst Büchel in Rheinland-Pfalz protestieren Kriegsgegner seit dem 31. Juli mit einem Camp, einer Fastenaktion und Mahnwachen »Für eine atomwaffenfreie Welt«. In Büchel lagern die USA noch heute geschätzt 20 Atombomben des Typs B61. Diese sollen eine maximale Sprengkraft von 340 Kilotonnen TNT besitzen. Das entspricht in etwa dem 26fachen der Bombe, die auf Hiroshima fiel. Die Aktivisten erinnern zugleich an die Opfer in Japan. 

Bei beiden Abwürfen kamen dort etwa 92.000 Menschen sofort zu Tode, bis Ende 1945 starben rund 130.000 weitere an den Folgen. In den Jahren darauf kamen Tausende Opfer hinzu. Wissenschaftler und Mediziner registrieren bis heute eine erhöhte Krebsrate, die sie auf die atomare Verstrahlung zurückführen. Angesichts dieser Fakten müsse zur sofortigen Abrüstung, zum Stopp des Uranabbaus sowie zur Stillegung aller Atomkraftwerke aufgerufen werden, mahnt das Bündnis. Mit täglichen öffentlichen Kundgebungen morgens um 8.15 Uhr und abends um 20.15 Uhr gedenken sie vor dem Haupttor des Fliegerhorstes bis zum 9. August der Getöteten und verlesen deren Namen. Am letzten Protesttag soll die »Friedensradfahrt 2015« der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsgegnerinnen (DFG-VK) in Büchel eintreffen und das Militärgelände umrunden. 

In Darmstadt, Frankfurt am Main und Stuttgart ist derzeit die Ausstellung »Hibakusha weltweit – die nukleare Kette« zu sehen. Hibakusha nennen die Japaner die überlebenden Opfer der Atomwaffenangriffe. Auch in Würzburg, Belzig und Hannover werden Ausstellungen zum Inferno gezeigt. In Dutzenden Städten, darunter Hamburg, Gera, Frankfurt/Oder, Dannenberg, Esslingen, Düsseldorf, Rostock und Mainz, sollte bereits am Mittwoch Abend mit der »Nacht der 70.000 Kerzen« der Bombenopfer gedacht werden. Am heutigen Abend wollen sich unter anderem Aktivisten in Altenburg, Magdeburg, Bad Hersfeld, Berlin, Bochum und Bonn mit Aktionen anschließen. 

In Dortmund findet ab 17 Uhr ein Mahngang durch die Innenstadt statt, der gegen 19 Uhr mit einer Kundgebung am Friedensplatz enden soll. In Dresden halten Aktivisten seit heute bis zum 9. August ganztägige Gedenkwachen vor der Kreuzkirche ab. Weitere Veranstaltungen sind am heutigen Donnerstag unter anderem in Flensburg, Bremen, Frankfurt am Main, Fürth, Freiburg, Hagen, Göttingen, Hamburg, Hannover, Kaiserslautern, Karlsruhe, Kassel, Kiel, Krefeld, Köln, Mannheim, München, Oberhausen, Offenbach, Regensburg und Suhl geplant. Aktivisten in Dutzenden Orten folgen in den nächsten Wochen bis einschließlich 23. Oktober an. An diesem Tag endet die Ausstellung »Hibakusha weltweit« nach elf Tagen Präsenz in der Hamburger Universität. Organisiert werden die einzelnen Veranstaltungen von örtlichen Friedensinitiativen. 

In ihrem Aufruf vom Montag fordern der Bundesausschuss Friedensratschlag und die Kooperation für den Frieden die Bundesregierung auf, »einen aktiven Beitrag zum »Miteinanderreden« der Konfliktparteien in Osteuropa zu leisten, um damit die steigende Gefahr von Atomwaffenschlägen herabzusetzen. Sie solle ferner einen Abzug der US-Nuklearbomben aus Deutschland durchsetzen sowie einen von der österreichischen Regierung entwickelten Plan für einen völkerrechtlich verbindlichen Vertrag, Atomwaffen zu verbieten, unterzeichnen. Bisher werde dieser bereits von 108 Staaten unterstützt. 

Termine: 

www.friedenskooperative.de 

 

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