Dezember 09, 2014  

Vor nicht allzu langer Zeit ließ der russische Präsident W. Putin eine Erklärung verlauten über die angeblich „fein gesponnenen Legenden" der Bolschewiki. Man sagt, „sie haben Frieden versprochen, wie auch Land und Fabriken, doch nichts von dem geschah". Natürlich kann diese „historische" Interpretation des Herrn Putin nur ein ironisches Lächeln hervorrufen. 

by Kommunisten-Online  

 

Über die „fein gesponnenen Legenden" der Bolschewiki 

Von Andrej Postoronnim 

Quelle: opportunizmuboy vom 07.12.2014 

 

Bei den bürgerlichen Parteien gehört es heute schon zum „guten Ton" jede nur mögliche Teufelei, die direkt oder indirekt dem Ansehen der Sowjetunion schadet, all dem Wertvollen und Ehrenwerten unserer Vergangenheit hinzuzufügen. Vor dem Hintergrund eines fetten und bequemen Lebens und der Verachtung der einfachen Menschen, kriecht heute die Unfähigkeit und die Talentlosigkeit aus dem Dunkel hervor, um die sozialistische Epoche ihres Inhalts zu berauben und unsere ruhmreiche sowjetische Vergangenheit zu entstellen. 

Zynisch und gehässig winseln sie über den „sowjetischen Unterdrückungsapparat", mit dem Ausdruck von panischem Schrecken und kaltem Schweiß verfluchen jene Zeit. Aus Angst, ihre unredlich erworbenen Privilegien wieder zu verlieren, und dass die Volkswirtschaft eines Tages wieder hergestellt wird und sie mit dem höchsten Maß des sozialen Schutzes[1] zu rechnen hätten, steigern sie sich mit jesuitischer Trickhaftigkeit immer mehr in ihre raffinier-grausamen Erfindungen hinein. 

Die Ansprüche der Sowjetfeinde zu widerlegen ist eine undankbare Sache. Manchmal muss man denjenigen Bürgern, die keine rosarote Brille tragen oder für die andere Motive in der Politik wichtig sind, zwei-drei ihrer verlogenen Thesen richtigstellen und ihnen die Tatsachen aus objektiver Sicht erläutern.  

Vor nicht allzu langer Zeit ließ der russische Präsident W. Putin eine Erklärung verlauten über die angeblich „fein gesponnenen Legenden" der Bolschewiki. Man sagt, „sie haben Frieden versprochen, wie auch Land und Fabriken, doch nichts von dem geschah". Natürlich kann diese „historische" Interpretation des Herrn Putin nur ein ironisches Lächeln hervorrufen. Doch moralisch empfindet man hier nur tiefste Verachtung für einen solchen Menschen, der in der Sowjetunion geboren wurde und aufgewachsen ist, und der seinen Militärdienst in den Organen der Staatssicherheit geleistet hat. Aber es lohnt sich nicht, sich darüber allzu sehr ärgern. Denn so sind nun mal die Regeln der zynischen bürgerlichen Moral. Ihre Würdelosigkeit, Hohlheit und Käuflichkeit werden sie, die Lakaien der Bourgeoisie, offen oder verborgen immer hinter Angriffen auf bedeutsame Ereignisse und Errungenschaften, nicht nur von bedeutenden Menschen unserer sozialistischen Heimat verstecken. 

Zunächst etwas zum ersten Punkt – das Leninsche „Dekret über den Frieden". Natürlich kann man dem Leser nicht in gedrängter Form, mit ein paar Sätzen, die ganze Bedeutung der damit verbundenen Ereignisse erklären. Deshalb wenden wir uns hier einigen Tatsachen zu. Das von W.I. Lenin ausgearbeitete „Dekret über den Frieden" wurde am 8. November (26. Oktober) 1917 auf dem II. Sowjetkongress der Arbeiter-, Bauern- und Soldatendeputierten einstimmig angenommen. Hier sind einige Ausschnitte: 

„Die Arbeiter- und Bauernregierung … schlägt allen kriegführenden Völkern und ihren Regierungen vor, sofort Verhandlungen über einen gerechten demokratischen Frieden aufzunehmen" – und zwar – „ein sofortiger Frieden ohne Annexionen (d.h. Ohne Aneignung fremder Territorien, ohne gewaltsame Angliederung fremder Völkerschaften) und ohne Kontributionen."  –  „Diesen Krieg fortzusetzen, … hält die Regierung für das größte Verbrechen an der Menschheit." Die sowjetische Regierung „schafft die  Geheimdiplomatie ab, sie erklärt, daß sie fest entschlossen ist, aller Verhandlungen völlig offen vor dem ganzen Volk zu führen, und wird unverzüglich darangehen, alle Geheimverträge zu veröffentlichen, die von der Regierung der Gutsbesitzer und Kapitalisten in der zeit vom Februar bis zum 25. Oktober 1917 bestätigt oder abgeschlossen wurden. Alle Bestimmungen dieser Geheimverträge, soweit sie, wie es zumeist der Fall war, den Zweck hatten, den russischen Gutsbesitzern und Kapitalisten Vorteile und Privilegien zu verschaffen, die Annexionen der Großrussen aufrechtzuerhalten oder zu erweitern, werden von der Regierung bedingungslos und sofort für ungültig erklärt." Die sowjetische Regierung „schlägt allen Regierungen und Völkern aller kriegführenden Länder vor, sofort einen Waffenstillstand abzuschließen … für den Abschluß von Friedensverhandlungen … zur endgültigen Bestätigung der Friedensbedingungen." [1] 

Dieses Dekret wurde in der Zeitung „Iswestija" veröffentlicht und im Rundfunk übertragen. Doch nur Deutschland war zu Friedensverhandlungen bereit, während die übrigen kriegführenden Mächte darauf verzichteten. Genauer gesagt: sie haben überhaupt nicht geantwortet. Wladimir Iljitsch Lenin schrieb daraufhin  in einer Note: „Am 1. Dezember beginnen wir die Friedensverhandlungen. Wenn die verbündeten Völker keine Vertreter entsenden, werden wir mit den Deutschen verhandeln." 

Unter diesen Bedingungen waren die Bolschewiki gezwungen, nur mit Deutschland zu verhandeln, da andere Mächte die Friedensinitiativen der sowjetischen Regierung nicht unterstützten. Danach konnte man zum zweiten Schritt übergehen, dem Abschluss des Friedensvertrages von Brest-Litowsk. Es war eine erzwungene und die einzig richtige Entscheidung jener Zeit. Dazu muss man bemerken, dass L. Trotzki kategorisch gegen die Unterzeichnung dieses Friedensvertrages war. An dieser Stelle ist es notwendig, etwas zur Position Stalins zu sagen, da es heute Mode geworden ist, Stalin und Lenin voneinander zu trennen. 

Auf der Sitzung des Zentralkomitees der SDAPR (B) äußerte sich Stalin am 11. Januar 1918 zur Frage des Friedens mit den Deutschen wie folgt: 

Genosse Stalin ist der Ansicht, daß wir durch die Annahme der Losung des revolutionären Krieges dem Imperialismus in die Hände arbeiten. Die Stellungnahme Trotzkis kann unmöglich als ein Standpunkt bezeichnet werden. Es gibt keine revolutionäre Bewegung im Westen, es sind keine Tatsachen vorhanden, die von einer revolutionären Bewegung sprächen, diese besteht nur in der Potenz; nun wohl, aber auf Potenzen allein können wir uns in unserer Praxis nicht verlassen. Wenn die Deutschen eine Offensive einleiten, dann wird das bei uns die Konterrevolution stärken. Deutschland wird angreifen können, da es seine eigenen Kornilowtruppen – die „Garde" – hat. Im Oktober sprachen wir vom heiligen Krieg gegen den Imperialismus, weil man uns mitgeteilt hatte, allein schon das Wort „Frieden" würde die Revolution im Westen auslösen. Das hat sich jedoch nicht bestätigt. Die sozialistischen Reformen, die wir durchführen, wühlen den Westen auf, aber um sie durchzuführen, brauchen wir Zeit. Wenn wir die Politik Trotzkis annehmen, schaffen wir damit die schlechtesten Bedingungen für die revolutionäre Bewegung im Westen. Deswegen schlägt Genosse Stalin vor, den Antrag des Genossen Lenin auf Abschluss des Friedens mit den Deutschen anzunehmen. [2] 

Nach der Annahme des Brest-Litowsker Friedens wendeten sich die Ereignisses in der folgenden Weise:  Es gab einen Aufstand der tschechoslowakischen Korpus, unterstützt von den westlichen „Verbündeten" Russlands, versteht sich. Das erkannten auch die Menschen an, die nicht der Sowjetmacht sympathisierten, bspw. jener A.Denikin. Und so drangen insgesamt über eine Million Interventen aus 14 Ländern der Entente auf das Gebiet der jungen Sowjetrepublik vor. 

Waren sie von den Bolschewiki dazu eingeladen worden? Wer stand mit Leib und Seele für den Frieden ein, und wer entzündete die Flamme des Krieges? In diesem Zusammenhang ist es nicht überflüssig, die sehr zutreffende Einschätzung Stalins zu erwähnen: 

Den Kampf Denikins und Koltschaks, Judenitschs und Wrangels gegen die Revolution in Rußland wollten die Imperialisten als einen ausschließlich inneren Kampf hinstellen. Aber wir alle wußten, und nicht nur wir, sondern die ganze Welt wußte, daß hinter diesen konterrevolutionären russischen Generalen die Imperialisten Englands und Amerikas, Frankreichs und Japans standen, ohne deren 

Unterstützung ein ernsthafter Bürgerkrieg in Rußland ganz unmöglich gewesen wäre. [3] 

Früher oder später fällt die Geschichte ihr Urteil, wer unter welchen Motiven handelt, was daran „fein gesponnen" oder was „charakterlos" ist, wer die Interessen der Großbourgeoisie in deren eigennützigen Interessen durch Manipulation der einfachen Bürger vertritt. 

Andrej Postoronnim 

Zitate: 

[1] W.I. Lenin: Rede über den Frieden, 26. Oktober (28. November) 1917. In: W.I. Lenin, Ausgewählte Werke in sechs Bänden, Bd.IV, S.17-20. 

[2] J.Stalin: Rede in der Sitzung des ZK der SDAPR (B). 11. Januar 1918. In: J. Stalin, Werke, Dietz Verlag Berlin 1951, Bd.4, S.24. 

[3] J. Stalin: Über die Perspektiven der Revolution in China. Rede in der chinesischen Kommission des EKKI, 30.November 1926. In: J. Stalin, Werke, Dietz Verlag Berlin,1952, Bd.8, S.322. 

 

Durch den räuberischen Brest-Litowsker Frieden wurde ein Territorium von rd. 1 Millionen Quadratkilometern mit einer Bevölkerung von rd. 46 Millionen Menschen von Sowjetrussland abgetrennt. 

Der Raubfriede von Brest-Litowsk 

Quelle:  Sachwörterbuch der Geschichte Deutschlands und der deutschen Arbeiterbewegung (2 Bde.), Bd. I, S.288-290. 

Brest-Litowsker Frieden: Friedensvertrag zwischen den Mittelmächten und Sowjetrussland, unterzeichnet am 3. März 1918 in Brcst-Litowsk. Die Verhandlungen zur Beratung der Friedensbedingungen begannen um 22. Dez. 1917. Leiter der dt. Delegation war der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Riebara von Küblmann, der österrcichisch-ungarischcn der Minister des Äußeren, Ottokar Graf Csernin, der bulgarischen Justizminister Popov, der türkischen Großwesir Mehmed Talaat Pascha und der sowjetrussischen in der ersten Sitzungsperiode, die bis zum 28. Dez. 1917 dauerte, A.A.Joffe, in der zweiten (9. Jan.-10. Febr. 1918) L.D.Trotzki und in der dritten (ab 27. Aug. 1918) G.J.Sokolnikow. Die Verhandlungen wurden unterbrochen, als Trotzki entgegen der Weisung W.I.Lenins am 10. Febr. erklärte, die von den Mittelmächten vorgelegten Friedensbedingungen nicht unterzeichnen zu wollen. 

Die dt. Heeresleitung antwortete am 18. Febr, mit der Eröffnung einer neuen militärischen Offensive gegen das demobilisierte Sowjetrussland. Am 24. Febr. erklärte die Sowjetregierung telegrafisch ihr Einverständnis, die erdrückenden Friedensbedingungen anzunehmen. Am 3. März unterzeichnete der sowjetrussische Vertreter Sokolnikow unter Abgabe zweier Protesterklärungen die Brest-Litowsker Verträge. Der Vertrag, der von den dt. Imperialisten diktiert worden war und den die Vertreter der Sowjetregierung infolge der äußerst schwierigen innen- und außenpolitischen Lage Sowjetrusslands unterzeichnen mussten, um nicht die Existenz der Sowjetmacht zu gefährden, bestimmte: Abtrennung Litauens, Kurlands und Polens, Batums und Kars’ von Sowjetrussland; Anerkennung Finnlands und der Ukraine als selbständige Staaten; Aufrechterhaltung des Okkupationsregimes dt. Truppen in den besetzten Gebieten bis zum allgemeinen Frieden; Anerkennung des Vertrages zwischen den Mittelmächten und der Ukrainischen Rada durch Sowjetrussland; Abzug sowjetrussischer Truppen aus der Ukraine, aus Estland, Livland und Finnland; Aufnahme der diplomatischen Beziehungen sowie der Handelsbeziehungen entsprechend dem deutsch-russischen Vertrag von 1904. 

Durch den räuberischen Brest-Litowsker Frieden wurde ein Territorium von rd. 1 Millionen Quadratkilometern mit einer Bevölkerung von rd. 46 Millionen Menschen von Sowjetrussland abgetrennt. Der Sowjetstaat verlor seine wertvollsten Gctreidegebiete, fast alle Ölquellen, 90 Prozent seiner Kohlengruben, 54 Prozent seiner Industrie. 

In den Ergänzungsverträgen zum Brest-Litowsker Frieden vom 27. Aug. 1918 wurde Sowjetrussland zusätzlich zur Zahlung von sechs Milliarden Mark verpflichtet. Nach Ausbruch der Novemberrevolution 1918 in Dtschl, annullierte die Sowjetregierung am 13. Nov. 1918 den räuberischen Vertrag. 

Quelle:  Sachwörterbuch der Geschichte Deutschlands und der deutschen Arbeiterbewegung (2 Bde.), Bd. I, S.288-290. 

 

[1] In der Sowjetunion und zu Stalins Zeiten die gerichtliche Höchststrafe 

___________________