Rüstzeug 

Von DKP MP/UZ | 

In: unsere Zeit online vom 11. Dezember 2015  

 

Vom 27. bis 29. November fand wieder einmal ein Bildungswochenende der DKP Mecklenburg-Vorpommern in Barhöft bei Stralsund statt. Mehr als ein dutzend Dauergäste meldeten sich bereits im Vorfeld an. Wie bereits anderweitig berichtet, wollen wir im kommenden Jahr zur Landtagswahl antreten. Unser Bildungswochenende sollte nicht zuletzt dazu genutzt werden, gemeinsam relevante Themen zu erarbeiten, die wir in den Landtagswahlkampf und natürlich darüber hinaus einbringen wollen. 

Inhaltlich begann am Samstagvormittag die gemeinsame Veranstaltung der DKP Mecklenburg-Vorpommern und der Rotfuchsregionalgruppe Nordvorpommern zum Thema „Linke Regierungsbeteiligung". Referentin war Frau Prof. Dr. Edeltraut Felfe, Mitglied des Ältestenrates der Partei „Die Linke". Mehr als 30 Personen fanden den Weg nach Barhöft, darunter DKP-Mitglieder auch aus anderen Bundesländern, Mitglieder des Rotfuches, aber auch Mitglieder der Linkspartei, der KPD-Ost sowie „unorganisierte" Kommunistinnen und Kommunisten. Herausgestellt wurden „rote Linien", die die Beteiligung bzw. Nichtbeteiligung von Linksparteien an bürgerlichen Regierungen bestimmen. Die einst große und gesellschaftlich einflussreiche KP Finnlands, die als Regierungspartei nicht nur aufgerieben wurde, sondern sich auch spaltete, diente als Negativbeispiel. Die Diskussion verlief lebhaft doch einmütig. Dass wir zur Landtagswahl antreten, um uns programmatisch in einer breiteren Öffentlichkeit profilieren zu können, wurde begrüßt. Im Anschluss wurde der vorliegende DKP-Wahlprogrammentwurf vorgestellt und kritisch begutachtet. Die Kernthemen unseres Wahlkampfes werden Sozialpolitik, Antifaschismus und Antimilitarismus sein. Am Nachmittag referierte ein DKP-Genosse des Landesvorstandes über die soziale Lage in unserem Bundesland sowie über die aktuelle sogenannte „Flüchtlingskrise". 

Die obligatorische Wanderung führte wieder durch die Boddenlandschaft. Ungeachtet ungemütlicher Wetterverhältnisse beteiligten sich die meisten Anwesenden mit Freude. 

Am Samstag referierte ein Genosse aus Hamburg, der als Rechtsanwalt für Arbeitnehmerrechte tätig ist, über den Sinn des Kampfes um Arbeitszeitverkürzung – warum dieser elementar für die Arbeiterklasse ist und warum man bei Forderungen nach höheren Löhnen auch immer um Arbeitszeitverkürzung kämpfen muss. Die Produktivität der BRD sowie die Unternehmergewinne sind von Jahr zu Jahr gewachsen, die Änderung des Reallohns stagniert im wesentlichen. Dass die Forderung nach Arbeitszeitverkürzung in unserem Land vor allem mit und in den Gewerkschaften an die Menschen gebracht werden muss, wurde von allen Diskussionsteilnehmern als elementar angesehen. Zu viel Arbeit macht (ebenso wie keine Arbeit) krank! Würde man die pro Jahr geleisteten Arbeitsstunden der Arbeiterklasse der BRD auf alle erwerbsfähigen Hände aufteilen, müsste effektiv jeder und jede „nur" 28,7 h/Woche seiner Lohnarbeit nachgehen. Klingt doch nett, oder? Mehr Zeit für Hobbys, Familie, Freunde, Kultur, Spaß und Sport! Wir machen uns aber auch keine Illusionen: Vollbeschäftigung ist im Kapitalismus nicht machbar. Die Schar an Arbeitslosen ist ein Druckmittel der Kapitalisten, um unsere Bereitschaft zu steigern, unsere Ware Arbeitskraft immer billiger zu verkaufen. Trotz allem ist der Kampf um Arbeitszeitverkürzung auch im Kapitalismus notwendig. 

Das kommende Bildungswochenende findet im Frühjahr 2016 statt. Wir freuen uns auf „alte" und neue Gesichter sowie über Neueintritte. Auch an diesem Wochenende konnten wir einen neuen Genossen in unsere Reihen aufnehmen. Herzlich willkommen! 

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Es ist nötig, an einem Strang zu ziehen 

Betr.: Leserbrief von Jörg Pitschel „Zur Einheit von Arbeiter- und Umweltbewegung"  

Von Ulrich Straeter per E-Mail | 

In: unsere Zeit online vom 11. Dezember 2015  

 

(…) ein sehr guter Leserbrief, der die Probleme zwischen linken Bewegungen und Umweltbewegung deutlich macht. Und aufzeigt, dass die Linke erst einmal ihren Marx und ihren Engels richtig lesen musste. 

Aus leidvoller eigener Erfahrung kann ich als Mitglied des BUND in Essen berichten, dass wir, als wir Anfang der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts mit der Umweltpolitik begannen, von allen Seiten, von rechts bis links, angegriffen, ausgelacht oder verhöhnt wurden. Alle betrachteten uns entweder als blöd (grüne Spinner) oder als Konkurrenz. Sehr abstinent, z. T. bis heute, gebärdeten sich die Gewerkschaften (…) Inzwischen ist klar, dass der Umweltschutz (z. B. bei den erneuerbaren Energien) eine Menge Arbeitsplätze geschaffen hat, während die Konzerne weiterhin Arbeitsplätze en masse abbauen. Die später als unsere Gruppe gegründeten Grünen haben sich inzwischen als Neoliberale und Kriegspartei (Krieg ist der größte Umweltvernichter aller Zeiten) in eine völlig andere Richtung entwickelt und stehen uns oder bestimmten Bürgerinitiativen nicht mehr zur Seite. Sie lassen sich bei bestimmten Aktionen und Demonstrationen auch nicht mehr sehen. 

Der BUND, als bürgerliche Vereinigung entstanden, war allerdings bereits in den achtziger Jahren eine relativ kritische Institution, ganz im Gegensatz zum Nabu, der sich aber inzwischen durch die junge Generation ziemlich gemausert hat. Man ist systemkritisch geworden, hat aber keinen Systemwechsel im Programm. Also sind die Lösungen der Probleme und die Forderungen entsprechend begrenzt. 

Leider ist die Zahl der Arbeiter und Arbeiterinnen in diesen Vereinen ziemlich niedrig, wenn in den einzelnen Gruppen überhaupt welche vorhanden sind. Sie halten immer noch nichts von Umweltschutz oder haben davon falsche Vorstellungen. Soweit sie der SPD nahestehen, wird sich daran auch nichts ändern. Von der CDU will ich hier erst gar nicht reden. (…) 

Die aktuellen Probleme lassen (…) Spaltungsbemühungen oder Sonderbewegungen eigentlich nicht mehr zu. Es wäre schön, wenn da an einem Strang gezogen werden könnte. 

Ich habe keine Berührungsängste … 

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