Konterrevolution in Rußland


 

Vom Sekretär des  Komsomol zum Antikommunistischen Schreier:

Prof. Alexander Wladimirowitsch Himmelstein.

 

WOHER KOMMT DAS JUCKEN DER UMBENENNUNG?

Von Ljubow Pribytkowa

Aus dem Russischen übersetzt von NN

 

WOHER KOMMT DAS JUCKEN DER UMBENENNUNG?

Von Ljubow Pribytkowa

Aus dem Russischen übersetzt von NN

Kommunisten-online am 12. Oktober 2012

http://www.kommunisten-online.de/blackchanel/himmelstein.htm#KARA-MURSA

 

In Irkutsk gibt es einen Professor namens Alexander Wladimirowitsch Himmelstein. Er ist eine wohlbekannte Persönlichkeit. In jungen Jahren machte er zunächst erfolgreich Karriere als Komsomolfunktionär an der Irkutsker Staatsuniversität, wo Geschichte studierte und später wurde er Sekretär des Komsomol-Stadtkomitees.

Aber seine kommunistischen Überzeugungen in der Führung des Komsomol war nur verbaler Art. Ohne Skrupel übernahm er die bürgerliche Konterrevolution Ende der 80er Jahre und setzte sich aktiv dafür ein. Erst fiel er dem Bürgermeister auf, und später wurde er vom Gouverneur bevorzugt. Dann wurde er politischer Kommentator der Zeitung „Ostsibirische Prawda". In den Zeitungen „Iswestija", „Komersant" und Sobesjednik" wurde nicht wenig von ihm veröffentlicht. Den neuen Herren gegenüber entwickelte er einen wahren Untertanengeist.

Jetzt ist Himmelstein ein aufstrebender Geschäftemacher. Er ist Vorsitzender der Irkutsker Regionalorganisation des Journalistenverbandes der Russischen Föderation. Er ist Inhaber des Lehrstuhls für Theorie und der Praxis der Journalistik an der Irkutsker Universität. Er ist Chefredakteur und Herausgeber der Zeitung „Ostsibirische Prawda" und der Wochenschrift „Konkurrent". Außerdem ist er Präsident der größten Gesellschaft, der Baikalmediengruppe. Jetzt hängt in seinem Büro nicht mehr ein Leninbild an der Wand, wie zu seiner Jugendzeit, sondern auf dem Tisch steht eine Büste des Zaren Alexander II. Und er macht die fette Kohle. Allein an Subventionen für die von ihm herausgegebenen Zeitungen werden aus dem Budget des Gebietes Millionen aufgewendet.

Doch auch er bekommt sie nicht umsonst, denn er dient den Machthabern als Inhaber von Glaube und Wahrheit. Er geht Hand in Hand mit der bürgerlichen Macht, in einer Richtung, und keinen Schritt abseits.

Und sie haben ein klares Ziel: die bürgerliche Konterrevolution bis zum siegreichen Ende zu führen und alle sowjetischen Ansichten, die sowjetischen Moral und die kommunistischen Ideen des Marxismus aus dem Bewußtsein der Menschen zu tilgen. Und die bürgerliche Konterrevolution kann als beendet gelten, sobald die Bourgeoisie nicht nur in der Wirtschaft und der Politik, sondern auch in der geistigen Sphäre des menschlichen Daseins dominiert. Doch diese Aufgabe gehört nicht gerade zu den einfachsten …

Vor einigen Jahren rief der damalige Präsident Rußlands, Dmitri Medwedjew, die Kampagne der Entstalinisierung der Gesellschaft ins Leben. Er gab der Entsowjetisierung und Entkommunisierung einen neuen Anstoß, die Anfang der neunziger Jahre mit der Liquidierung der Sowjetmacht im Land begonnen hatte. Und solche kirchlichen Dunkelmänner, wie die Pfaffen Tschaplin und Smirnow, haben das Vorhaben gebilligt...

Es wurde der „Rückführungsfond" geschaffen, in dem sich die dubiosesten Gestalten mit raffinierten antikommunistischen Veranlagungen vom Typ eines Kulturministers der Russischen Föderation, Wladimir Medinski, oder des Menschenrechtsberaters des russischen Präsidenten, Michail Fedotow, der „Gehirnparasit Medwedews", wie er von APN genannt wurde, versammelten.

Der Präsident des Fonds Jurij Bondarenko und Vizepräsidentin D.W. Petrowna verbergen zwar ihren grimmigen Haß auf den Führer des weltweiten Proletariats Lenin. Doch die herausragenden Persönlichkeiten unserer Geschichte und der Welt, wie Marat, Karl Marx, Friedrich Engels, Sophja Perowskaja und Andrej Scheljabow, Stepnjak Krawtschinski und Chalturin, die Bolschewiken Dzierżyński und Swerdlow, Kirow und Urizki, die ihr Leben für die Befreiung des arbeitenden Volkes von der Unterdrückung gaben, bezeichnen alle diese Pseudopatrioten nur noch als Terroristen. Und sie spucken aus beim Namen Stalins …

Und sie klopfen an alle Türen und fordern von den Staatsorganen, eine Kampagne zu starten, um Denkmäler zu vernichten, Städte, Straßen und Plätze umzubenennen, und ihnen wieder veraltete Bezeichnungen zu geben, die den Menschen nicht bekannt sind, und die nur noch in historischen Büchern zu finden sind.

Von animalischem Haß gegenüber allem Sowjetischen sind auch viele Irkutsker Schreiberlinge, sowie Doktoren aller möglicher Fachrichtungen durchdrungen. Einige Professoren und Schriftsteller, die sich für berühmt halten, juckt es geradezu, Straßen in Irkutsk umzubenennen.

Am 2. September 2012 trat dieser Professor Himmelstein im Irkutsker Rundfunk auf. Mit derselben Leidenschaft, die er als Sekretär der Irkutsker Organisation des Leninschen Kommunistischen Jugendverbandes an den Tag legte, bewies er jetzt allen Zuhörern, daß man einen großen Teil der Straßen, die mit der sowjetischen Vergangenheit verbunden sind, umbenennen muß.

„Viele Menschen, nach denen die Straßen benannt sind", so belehrte er seine Zuhörer, „waren niemals in Irkutsk, und warum sollen unsere Kindern deren Namen kennen?"... Weder Chalturin, Scheljabow, noch Sophia Perowskaja waren jemals in Irkutsk. „Und überhaupt – Marat war ein Franzose." Und weiter sagte er: „Lenin hat überhaupt keine Beziehung zu Irkutsk … ".

So, so! Dümmer geht’s nimmer! Zur ganzen Welt hat Lenin eine Beziehung, und so auch zu Irkutsk. In Frankreich gibt es eine Leninallee (Avenue Lenine), eine Allee Wladimir Iljitsch Lenin (Avenue Vladimir Illich Lenine) und es gibt sechs Leninstraßen (Rue Lenine). Auch in Großbritannien gibt es zwei Leninstraßen, in Italien vier. Sogar im afrikanischen Land Somalia ist eine Leninstraße bekannt...

Und unsere Pinscher im Professorenmänteln leiden unter dem Wahn, daß zu viele Städte, Siedlungen, Straßen, Fabriken und Großbetriebe, Bergwerke und Wasserkraftanlagen nach Lenin benannt sind … Diese Unglücklichen verstehen nicht, wie groß die Hochachtung des werktätigen Volkes unserer Erde vor dieser wahrhaft großen bedeutenden Persönlichkeit war.

Die Große Sozialistische Oktoberrevolution 1917 hat bei der weltweiten Bourgeoisie einen grimmigen Zorn auf den ersten Arbeiter- und Bauernstaat hervorgerufen, und der Führer des Weltproletariats, Lenin, erscheint ihnen sogar nach seinem Tod noch furchtbar. Gerade deshalb hat auch die Perestrojka in der UdSSR mit einer Entleninisierung begonnen. Man fing damit an, die Werke Lenins aus den Hochschulprogrammen der öffentlichen Fachrichtungen zu entfernen, die gesammelten Bände Lenins aus den Bibliotheken hinauszuwerfen …

Im Jahre 2003 veröffentlichte der Verlag „Junge Garde" in einer Serie „Das Leben bemerkenswerter Menschen" ein Buch des bekannten englischen Antikommunisten Robert Payne „Lenin. Leben und Tod". Zweimal habe ich dieses dicke Buch mit dem Bleistift in der Hand durchgelesen – mich hat es geschüttelt. Von dem, was darin über die politische Tätigkeit Lenins geschrieben ist, über den Kampf der Bolschewiki um die Macht der Arbeiter und Bauer, entspricht nicht ein einziges Wort der Wahrheit. Alles ist Lüge!

Aber meine Erschütterung ist nicht mit dem Inhalt des Buches verbunden Krieg ist eben Krieg. Der Antikommunismus kann im Prinzip niemals eine ehrliche, offene Ideenschlacht gegen den wissenschaftlichen Kommunismus führen. Weil die Existenz des Kapitalismus heute keine wissenschaftliche Rechtfertigung hat. Sein Ziel ist die Jagd nach Gewinn, das nackte Bargeld. Und deshalb ist die Lüge sein natürliches Vorgehen im psychologischen Krieg. Mich hat es geschüttelt, bis zu welchem Niveau die Redaktion des bekannten Verlages gefallen ist, genauer gesagt, sich prostituiert hat…

Und noch ein „Gelehrter" von der Russischen Akademie der Wissenschaften, ein gewisser Wladimir Lawrow, trat mit der Bitte an das Untersuchungskomitee Rußlands heran, die Arbeiten Lenins auf Extremismus zu prüfen; die Russisch-Orthodoxe Kirche hat seine Idee unterstützt. Das antikommunistische Dunkelmännertum wird stärker!

Diese geistige Metamorphose ist leider zu einer Massenerscheinung geworden. Die speichelleckende Intelligenz steht Schlange, um mit ihrer intellektuellen Zunge den delikaten Körperteil der an die Macht gekommenen Geldsäcke zu lecken...

Dozenten, Professoren und Federfuchser gehören zu denen, die sich mit großer Bereitwilligkeit in die Dienste der Bourgeoisie begeben haben, wenngleich sie überflüssig sind. Nicht genug, daß sie auf die Volkshelden, auf die eigene Mutter spucken, man hat sie nur noch nicht vom Freßnapf entfernt...

Bei Professor Alexander Dulow in Irkutsk hat das Jucken nach einer Umbenennung der Straßen einfach eskaliert. Er hört nicht auf, überall über die Notwendigkeit einer schnellstmöglichen Änderung der Straßennamen von Karl Marx und Lenin und anderer sowjetischer Straßen zu reden, und über die „Terroristin" Sophia Perowskaja, daß man es schon nicht mehr hören kann.

Für einen normalen Menschen ist es unverständlich, wieso der 85-jährige Doktor der pädagogischen Wissenschaften, nicht eines seiner Jahrzehnte sowjetischer Pädagogik hervorhebt, jetzt aber mit derselben Leidenschaft denen dient, die die sowjetische Pädagogik zerschlagen haben. Wie soll man hier nicht an seinem Verstand zweifeln?

Viele Einwohner raten in den Begegnungen mit dieser Professorenclique: „Bauen Sie doch besser einige neue Kindergärten und Sportplätze, öffnen Sie in den abgelegenen Dörfern lieber wieder einige der geschlossenen Schulen und Krankenhäuser, anstatt das Geld für die Umbenennung der Straßen auszugeben."

Die Antwort Professor Himmelsteins lautete: „Also, immer wieder geht es um Kindergärten … und dabei wird diese Umbenennung ja nichts kosten."

Verstehen kann man den Millionär Himmelstein schon: Kindergärten, Krankenhäuser, Schulen – was sind das für Kleinigkeiten … Im Grunde berühren ihn die menschlichen Probleme seit langem nur wenig. Auch wenn er aus den taktischen Gründen bisher noch nie in aller Öffentlichkeit so log...

In der „Rossijskaja Gaseta" vom 29.10.2008 stand in einem Artikel „Der Wunschname": „Die Annahme eines neuen Namens ist ein teurer Spaß. Davon zeugen die Beispiele derjenigen Städte und Siedlungen, die einen historischen Namen zurückerhalten haben oder versucht haben, ihn zurückzubekommen. So wurde in 1990er Jahren die Frage der Umbenennung der Stadt Krasnodars in Jekaterinodar stürmisch diskutiert. Über diese Frage wurde sogar ein Referendum durchgeführt. Aber haben 70 % der Einwohner haben „nein" gesagt. Und die lokalen Behörden haben errechnet, daß allein der Wechsel der Schilder 70 Millionen Rubel kosten würde.

Für Herrn Himmelstein und seinesgleichen ist es nicht von Vorteil, die Wahrheit zu sagen. Sie wissen sehr wohl, daß die Sache sich nicht auf das Auswechseln der Schilder, den Umtausch der Dokumente und Stempel begrenzt. Dem Gesetz nach kann der Staat die Umbenennung eines beliebigen geographischen Objektes nur im Ergebnis eines Referendums bechließen, doch die Kosten dafür sind vergleichbar mit den Kosten von Wahlen. Und das ist auch eine kostspielige Veranstaltung. Doch dain besteht nicht die Hauptsache.

Die kapitalistischen Handlanger aus der Intelligenz und dem Klerus verzerren unsere sowjetische Vergangenheit, sie spucken auf unsere sowjetische Geschichte, sie zerstören die Denkmäler unserer teuren Menschen, sie schänden die Gräber unserer verehrten Helden und Führer …

Was soll man dazu sagen. Heute ist ihre Zeit. Und diese Leute haben die Macht. Sie sind die Herren des Lebens. Sie entscheiden, wen sie hinrichten, und wen sie begnadigen. Leider das Rad der Geschichte in unserem Land stehengeblieben. Wenn sich aber unvermeidlich die progressive Bewegung fortsetzen wird, dann brauchen sie auch nicht mit Begnadigung zu rechnen, dann wird es sie unbarmherzig zerdrücken…


 

Nach der „Abwahl" der Revolution in Nikaragua (25. Februar 1990):

Das schon besiegte Analphabetentum erhob wieder als demokratische Errungenschaft sein Haupt.

Leserbrief zum Artikel der Genossin Ljubow Pribytkowa:

Von: Ulrich aus Nikaragua

Kommunisten-online am 13. Oktober 2012

Immer sind diese Artikel der Genossin ermutigend und auffrischend. Wer den Mut verloren hat, kann ihn hier wieder finden. Das kenn ich auch aus der Zeit als die sandinistische Volksrevolution „abgewählt" wurde – hier in Nikaragua. Mit ein „bisschen" Contra-Terror und 50000 Kriegsopfern, Blut und Tränen kam dann endlich so eine „Demokratie" zu Stande. Bahn frei dem Tüchtigen – das heißt, dem der Geld hat natürlich. Das wäre sonst ja noch mal schöner. Profit über Alles und diesmal sogar noch dazu endlich ohne Scham und Feigenblatt. Das war so richtig „in". „Ich bin ein Ausbeuter – und?"

Das Kollektive wurde nahezu zum Verbrechen, das Private wurde gottähnlich. Subventionen wurden des Teufels. Die sozialen Subventionen natürlich. Nicht die für kapitalistische Absahner.

Nun ja, nach dem der volltrunkene Hexensabbat genug wie rasend und wahnsinnig um das goldene Kalb herum getaumelt war, kam bald das raue Erwachen im schmerzhaften Kater der rauen Realität. Krise, Arbeitslosigkeit, Bankrotte, Armut. Darunter leidet der Sklave der seine Befreiung nicht erkämpfen will.

Da war aber dann nichts mehr zu machen. Die gesamte von der Revolution aufgebaute Industrie, wurde entweder mutwillig (sic) zerstört oder sie kam unter der Gier nach sofortigem Gewinn unmittelbar unter den Hammer.

Nach vier Jahren war das Vieh der Landgenossenschaften verschwunden, die metall-mechanischen Betriebe waren größten Teils in Bankrott gegangen, ebenso die Textilindustrie, die Handelsflotte mit zehn Schiffen (für so ein kleines Land auf eigenem Meeresistmuj ganz schön viel), wurde zu Schrott gemacht, die sowjetischen Lastwagen des Größten und Wichtigsten, des Bauministeriums, wurden mit dem Schneidbrenner in Stücke geschnitten und als Schrott verkauft.

Also mit Schneidbrenner und Demokratie machte man das, was man mit Contra-Söldnern, Terror, Bomben und Granaten nicht zu Wege gebracht hatte. Die Eisenbahn (Das gegenwärtig fortschrittlichste Transportmittel überhaupt) kam auch auf den Schrott – ganz und gar.

Dafür bekamen wir als angenehme Beigabe die Kindernutten auf der Strasse zuhauf, Obdachlose in Massen, die man aus ihren Häusern vertrieb, weil die Revolution sie ihnen gegeben hatte. Kriminelle Straßengangs auch zuhauf, Einkaufszentren auch zuhauf – da können aber nur 15 Prozent der Bevölkerung hingehen.

Das schon besiegte Analphabetentum erhob wieder als demokratische Errungenschaft sein Haupt. Kindergärten, die es für Alle gegeben hatte – wurden als unnötig abgeschafft – durch die Bank. Ach ja, fast hätte ich die vielen neuen Prachthotels vergessen – wahre Paläste, aber nichts für Hans Bohne, wie man hier so schön sagt (Juan Frijoles).

Hier in Nikaragua gibt es ein Sprichwort: Das Schlechte bleibt nicht aus, nur weil es auch was Gutes hat. Das „Gute"? Die Himmelsteins natürlich! Da flogen die Leninbände haufenweise auf den Müll. Erst hatte man sie sich aus Opportunismus angeschafft, ohne sie zu verstehen und dann entledigt man sich derselben auch aus Opportunismus, noch Mal blöd im Unwissen über den ungemeinen Wert dieser Literatur. Himmelsteins landauf, landab!

Das staunt der Laie, aber nicht der Fachmann, sprich der wissende Kommunist. Endlich sieht man nämlich wer ist. Das ist ein Prozess, von dem wir lernen sollten. Dieses Geschleim, das eine gallerartige Masse da besitzt, wo ehrenhafte Menschen ein Rückrat haben, diese gehässig bellenden Kläffer, die den stolzen frei geblieben Vetter, den Wolf, um seine Würde beneiden – und je mehr sie ihn beneiden, um so mehr kläffen sie mit ihren schlechten hündischen Gewissen , damit ihr (neuer) Herr nur ja nicht auf die Idee kommt, man sei abtrünnig, dieses macabre Gesockse bekennt endlich Farbe.

Wir sind sie los aus unseren Reihen. Sie haben genug Schaden angerichtet. Das ist das Gute an unserer Niederlage. Und da kann ich nur sagen, mit Anlehnung an My Fair Lady: „Warts nur ab, du Früchtchen, wart`s nur ab …!" Solche wie die helfen uns klarer zu sehen und da liegt schon der neue Keim für eine neue Revolution und die wird besser.

Immer! Wir haben diesmal die Gelegenheit von den Himmelsteins gelernt zu haben. Das nächste Mal werden sie es bedeutend schwerer haben. Die Revolution lernt immer dazu, weil sie nichts zu verlieren, aber Alles zu gewinnen hat. Die Verräter, Opportunisten und Trittbrettfahrer bleiben immer Dieselben – die lernen nie was dazu. Nie! Es gibt deswegen keinen Zweifel: Es wird wieder eine neue noch bessere Sowjetmacht geben. Himmelsteinfrei!

Meine Grüsse an die Genossin Pribytkowa.

Ulrich aus Nikaragua


 

Sergej KARA-MURSA  – Ein Spiegel der Konterrevolution:

Von Ljubow Pribytkowa

Übersetzung: Bernd Seidel

Auf Kommunisten-online am 25. Januar 2013

 

„In der gesellschaftlichen Produktion ihres Lebens gehen die Menschen bestimmte, notwendige, von ihrem Willen unabhängige Verhältnisse ein, Produktionsverhältnisse, die einer bestimmten Entwicklungsstufe ihrer materiellen Produktivkräfte entsprechen. Die Gesamtheit dieser Produktionsverhältnisse bildet die ökonomische Struktur der Gesellschaft, die reale Basis, worauf sich ein juristischer und politischer Überbau erhebt und welcher bestimmte gesellschaftliche Bewußtseinsformen entsprechen. Die Produktionsweise des materiellen Lebens bedingt den sozialen, politischen und geistigen Lebensprozeß überhaupt. Es ist nicht das Bewußtsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewußtsein bestimmt. Auf einer gewissen Stufe ihrer Entwicklung geraten die materiellen Produktivkräfte der Gesellschaft in Widerspruch mit den vorhandenen Produktionsverhältnissen oder, was nur ein juristischer Ausdruck dafür ist, mit den Eigentumsverhältnissen, innerhalb deren sie sich bisher bewegt hatten. Aus Entwicklungsformen der Produktivkräfte schlagen diese Verhältnisse in Fesseln derselben um. Es tritt dann eine Epoche sozialer Revolution ein." [1]

In diesen wenigen Sätzen aus dem Vorwort „Zur Kritik der politischen Ökonomie" gibt Karl Marx eine hervorragende wissenschaftliche Einführung in das Wesen des materialistischen Geschichtsverständnisses. Hier sind die objektiven und allgemeinen Gesetze der gesellschaftlichen Entwicklung dargelegt. Ihre Erkenntnis wurde möglich aufgrund der Erweiterung des Materialismus auf das Gebiet der menschlichen Geschichte, dank der Überwindung eines wesentlichen Mangels – bis zur marxistischen Soziologie.

Der Marxismus – die geistige Waffe der Bolschewiki

Wie Lenin in seinem Artikel „Karl Marx" bemerkte, betrachteten die Soziologen nur die ideellen Motive der historischen Tätigkeit der Menschen, wobei sie nicht untersuchten, wodurch diese Motive hervorgerufen wurden, nicht die objektiven Gesetzmäßigkeiten in der Entwicklung des Systems der gesellschaftlichen Beziehungen untersuchten, nicht die Wurzeln dieser Beziehungen auf der Entwicklungsstufe der materiellen Produktion erkannten.

Mit dieser Einführung wies Marx „den Weg zur wissenschaftlichen Erforschung der Geschichte als eines einheitlichen, in all seiner gewaltigen Mannigfaltigkeit und Gegensätzlichkeit gesetzmäßigen Prozesses".[2]

Der historische Materialismus gab Marx die Möglichkeit, eine Wirtschaftstheorie zu schaffen, die die wirkliche Lage des Proletariats in der kapitalistischen Gesellschaft und seine historische Mission der revolutionären Befreiung des ganzen werktätigen Volkes von Ausbeutung und Unterdrückung erklärt. Er wurde die philosophische Grundlage des wissenschaftlichen Kommunismus, das theoretische Fundament der proletarischen Ideologie. Gerade deshalb war der Marxismus eine geistige Waffe in den Händen der Bolschewiki, die die proletarische sozialistische Revolution in Rußland 1917 leiteten und zum Sieg führten. Gerade deshalb wird auch heute, unter den Bedingungen des Zerfalls des sozialistischen Systems, der Krise der internationalen kommunistischen Bewegung, auf internationalen Konferenzen, welche von der kommunistischen Partei Griechenlands regelmäßig durchgeführt werden, immer wieder von einem wachsenden Bedürfnis zum Studium des Marxismus-Leninismus und seiner Propaganda gesprochen.

Gegen Ende des 20. Jahrhunderts war die bürgerliche Konterrevolution in der UdSSR begleitet von einer massiven antikommunistischen Beeinflussung des gesellschaftlichen Bewußtseins, und nicht nur der sowjetischen Menschen, sondern der Völker der ganzen Welt. Ein Teil der Kommunisten trat aus den kommunistischen Parteien aus, verabschiedete sich vom Marxismus. Einige Führer der kommunistischen Parteien ergänzten die Reihen des sozialdemokratischen „Eurokommunismus", der zum Kommunismus im Grunde genommen keine Beziehung hat.

Sergej Kara-Mursa – ein Handlanger der Konterrevolution

Es vollzogen Wendungen hin zur Revision des Marxismus. In Rußland und in anderen neu entstandenen kapitalistischen Ländern traten viele kommunistische Gesellschaftswissenschaftler in die Dienste der an die Macht gekommenen Bourgeoisie.

Auch der bekannte Publizist Sergej Kara-Mursa wurde zu einem dieser Handlanger. Er schreibt viel, und es wird viel veröffentlicht. Seine Veröffentlichungen rufen bei den Lesern immer wieder einen Sturm der Entrüstng hervor. Ein Leser schrieb fast zärtlich, daß Kara-Mursa viel Müll im Kopf habe. Ein anderer verglich ihn mit dem Pfaffen Gapon. Ein dritter nannte Sergej Kara-Mursa den Spiegel der russischen Konterrevolution. Einige Autoren sind überzeugt, daß sein Buch „Die Sowjetische Zivilisation" von einem Erzfeind der Sowjetunion geschrieben wurde. Solche Einschätzungen sind von der Wahrheit nicht weit entfernt. Einerseits sind seine zahlreichen Artikel durchdrungen von Beunruhigung über die zerstörte Wirtschaft und die Volksbildung im Land, über das heftige Absinken der Lebensqualität der Mehrheit der Einwohner Rußlands. In seinem Buch „Die Verlorene Vernunft" zitiert er den ehemaligen Sekretär der KPdSU Michail Gorbatschow, der die Sowjetmacht an den Kapitalismus auslieferte, und den damaligen Chefideologen der KPdSU Alexander Jakowlew, und bezeichnet sie verdientermaßen als Verräter. Er zeigt das speichelleckerische Innere der Ökonomen Jegor Gaidar, Gawril Popow, Nikolaj Schmelew und anderer, die in den Jähren der Perestrojka für Wirtschaftsreformen eingetreten waren, um das Land in einen „effektiven" kapitalistischen Markt zu verwandeln.

Mit Ironie erzählt er über den bekannten Augenarzt Swjatoslaw Fjodorow, der sich vehement für die Notwendigkeit einer Privatisierung in unserem Land einsetzte, während der französische Philosoph Jean Jacques Rousseau bereits im 19. Jahrhundert das Privateigentum als den Grund für alle Not der Erde ansah. Und er gibt eine genaue Einschätzung ab über den Liebling der KPRF, Nikolaj Ryshkow, „unter dessen Führung die Regierung der sowjetischen Wirtschaft das Rückgrat brach". Er grämt sich über das „verlorene Glück", das man zurückgeben müsse. In diesem Ton rügt er die jetzigen Machthaber.

Es wurde schon viel darüber geschrieben, wie die denkende Intelligenz von Skepsis und Nihilismus gegenüber der Sowjetmacht, die sie einst herangezogen hat, zum extremen Antikommunismus überging, und wie sie mithalf, den mächtigen Staat zu zerstören. Vielen hat man ihren „kritischen Realismus" abgekauft. Man kann ihn für den eigenen ausgeben. Im Laufe der Jahre sind seine Artikel von den Seiten der „Sowjetskaja Rossija" und der „Prawda" nicht mehr wegzukriegen, den Presseorganen der KPRF. Bei den russischen „Linken" wurde er fast so etwas wie der Herrscher der Gedanken.

Der Doktor der chemischen Wissenschaften auf Abwegen

Während Sergej Kara-Mursa eine objektive Einschätzung der käuflichen Intelligenz abgibt, so als würde er sich von ihr distanzieren, stellt er sich selbst als Patrioten dar. Die Masche ist bekannt. Erinnern wir uns daran, wie der bekannte Logiker Alexander Sinowjew auch von Jugend an viele Bemühungen auf die Zerstörung der Sowjetmacht verwendete, er träumte sogar von der Ermordung Stalins, bewarf die Heimat, die ihn aufzog, später „hatte er eine Erleuchtung". Gerne wiederholen die Patrioten seine Worte – „sie gingen zum Kommunismus über und wendeten sich Rußland zu".

Als er noch an der Staatlichen Universität von Moskau in der Chemischen Fakultät studierte, gehörte der Student Sergej immer zu den ersten Reihen der Dissidenten. Natürlich mußte auch er die Lehrbücher über die Geschichte der KPdSU, über marxistische Philosophie, über politische Ökonomie des Sozialismus, über wissenschaftlichen Kommunismus lesen. Doch schon damals war er überzeugt, daß es keine Wahrheit, kein „wirkliches" Wissen im Marxismus gibt, und deshalb hatte er sich während der Perestrojka vorgenommen, „diese Elektroden aus unserem Gehirn auszureißen".

Während in Europa in Zusammenhang mit der sich verschärfenden Krise die Bücher von Karl Marx allesamt aus den Geschäften entfernt wurden, ersetzt unser „Denker" den Marxismus durch primitive Fetzen seines Wissens, das in seinem Kopf vor einem halben Jahrhundert steckengeblieben ist, anders kann man seinen „mechanistischen Determinismus" nicht nennen.

Später hat er die Wahrheit im Westen in den antimarxistischen bürgerlichen philosophischen Konzeptionen gefunden. So er nannte er den historischen Materialismus immer abfällig „Histmat", weil er davon nichts begriffen hatte. Die revolutionäre Dialektik dieser Wissenschaft blieb ihm verborgen.

Seine hauptsächliche Differenz hat er mit der Wissenschaftlichkeit des Marxismus: „Ich äußere Zweifel an der Existenz der ‚objektiven Gesetze der gesellschaftlichen Entwicklung’ – ich rede von der Unfähigkeit des Histmat, die Krise in Rußland zu erklären." Und weiter: „Alle meine Artikel sind doch ein großer Artikel, ich ziehe einen und denselben Faden und lenke ein wenig zu einem solchen allgemeinen Blick auf die Geschichte, der den Histmat gerade überwindet.."

Ist es Dummheit oder Absicht?

Warum hat der Doktor der chemischen Wissenschaften seine Lieblingsbeschäftigung aufgegeben und beschäftigt sich mit der Gesellschaftswissenschaft … etwa, um den historischen Materialismus zu überwinden, ihn zu überwältigen, ihn zu besiegen. Er hat bis heute nicht begriffen, warum „viele meinen, daß die Wissenschaft eine objektiven Sache ist", warum man Entwicklung der Gesellschaft als einen gesetzmäßigen Prozeß betrachtet, wo doch die menschliche Geschichte so unwiederholbar und vielgestaltig ist.

So besteht die Lehre von Marx für ihn aus fortgesetzten Abstraktionen, aus Begriffen – wie Kapitalismus, Kommunismus, Privateigentum, Mehrwert … was sich alles unserem Denken nicht erschließt und weit vom konkreten entfernt ist.

Er schreibt, daß man in der reichen, mannigfaltigen Welt nicht nach Gesetzen suchen muß, sich nicht nach der Wissenschaft richten muß, sondern den gesunden Menschenverstand benutzen, der dem Menschen auf die ihn bewegenden Fragen schneller eine Antwort gibt.

Es ist schon irgendwie unangenehm, wenn man einem bekannten Professor Binsenwahrheiten erklären muß. Natürlich ist es etwas Spezielles, Eigentümliches, das mit dem unbewaffneten Auge sichtbar ist, weil auf der Oberfläche liegt. Aber bei mir wußte sogar ein Student des dritten Semesters, daß der gesunde Menschenverstand nur in den eigenen vier Wänden und nur für den Hausgebrauch geeignet ist, gerade gut genug, um damit im Alltagsleben, in der Küche nicht hereinzufallen...

Für das Verständnis der komplizierten sozialen Prozesse ist das alltägliche Lebensbewußtsein unzureichend. Natürlich hat sich das kapitalistische England früher anders entwickelt als jetzt, das kapitalistische Frankreich, Deutschland oder Griechenland haben ihre Besonderheiten...

Zum Verrat ist es nur ein kleiner Schritt

Aber das analytische Denken, die dialektisch-materialistische Logik ermöglicht es, hinter diesem Unterschied, zwischen diesen Ländern das Allgemeine, das Wesentliche, das Notwendige und in der Entwicklung Wiederholbare herauszufinden,, was auch das objektive Gesetz ist. Gerade dank der offensichtlichen Gesetze ist die wissenschaftliche Grundlage gegeben, um die äußerlich unähnlichen Länder in eine einheitliche sozialökonomische Formation zusammenzufassen – den Kapitalismus..

In einem der Artikel teilt der Autor mit, daß er sich an ein „Gesetz der Übereinstimmung der Produktionsverhältnisse mit den Produktivkräften" erinnert, doch er hätte niemals gedacht, daß das „eine offensichtliche und auf der Erfahrung beruhende Sache" ist. Und: „in der Formel gibt es eine unlösbare Schwierigkeit: es ist von der Übereinstimmung von Kräften und Beziehungen" die Rede.

Die Schwierigkeit gibt es natürlich, doch sie besteht nicht nur darin, daß dem Herrn Professor „der Histmat wie ein Brei vorkommt", wie er selbst einmal zugab, sondern auch in seinem Mangel an dialektischem Denken. Ansonsten hätte er es sich erklären können, daß bei der Produktion der materiellen Güter die Produktivkräfte den Inhalt verkörpern, die Produktionsverhältnisse aber deren Form sind. Die Wechselbeziehung zwischen diesen Gegenteilen – das ist eben die Dialektik von Inhalt und Form. Das Wissen über diese dialektischen Kategorien kann man bei Hegel finden, wenn man schon für Karl Marx nicht viel übrig hat.

Professioneller Kretinismus[3] ist in der Wissenschaft beileibe keine Seltenheit. Es kommt vor, daß bekannte Physiker, Biologen, Chemiker derart naive Vorstellungen haben, obwohl ihre naturwissenschaftlichen Kenntnisse ausreichend sind, um auch über sehr komplizierte gesellschaftswissenschaftliche Probleme zu urteilen. Akademiemitglied Sacharow, zum Beispiel, der gelehrte, in der Welt anerkannte Physiker, begann im Alter seiner Jahre in die Sphäre des gesellschaftlichen Seins und in die Politik einzudringen, die bürgerliche Konvergenztheorie zu vervollkommnen und die Amerikaner darüber zu unterrichten, wie man die UdSSR zu einem willfährigen Staat machen kann... Als er starb, fanden sich nur sehr wenige Trauernde aus dem Volk bei seinem Grab ein – zu viel hatte er für die Zerstörung dieses großen Staates getan. So ist es nur ein Schritt vom professionellen Kretinismus bis zum Verrat..

Er versucht den Leser zu überzeugen…

Die vulgäre Interpretation des Marxismus ist nicht die einzige Sünde Kara-Mursas. Wortklaubereien und Paragraphenreiterei gibt es bei ihm überall. Er befaßt sich damit, wegen des Einflusses des Marxismus auf die Arbeiterbewegung, Zitate aus den Werken Antonio Gramscis aus dem Zusammenhang zu reißen, um die Überlegungen des italienischen Revolutionärs in prinzipielle Divergenzen des kommunistischen Kämpfers gegenüber den Theoretikern der proletarischen Ideologie zu verwandeln. Obwohl es solche prinzipiellen Divergenzen nicht gab.

So versucht er, den Leser davon zu überzeugen, daß bei der Auswahl der Entwicklungswege Rußlands die Volkstümler im Recht waren, und nicht die Bolschewiki. Dabei erwähnt er mit keinem Wort die Kritik Lenins an der utopischen Ansichten der „Freunde des Volkes" auf die bäuerliche Gemeinschaft, die schon zersetzt war von Einfluß des in das Dorf eindringenden Kapitalismus.

Aus konjunkturellen Gründen findet sich in seinen Artikeln der Name Lenins überhaupt nur selten, um das kommunistische Kleinbürgertum der Sjuganowschen sozialdemokratischen Partei nicht vor den Kopf zu stoßen

Viel Kraft hat Kara-Mursa investiert, um zu beweisen, daß „die russische Revolution nicht wegen Marx geschah, sondern in vielerlei Hinsicht ganz im Gegensatz zu ihm". Damit demonstrierte er seine völlige Unkenntnis der Geschichte. Wenn es nicht sogar eine bewußte Lüge ist und die bestellte Entgegensetzung von Marx und Lenin …

Er „vergaß" auch, daß Karl Marx 1882 im Vorwort zur russischen Ausgabe „Manifests der kommunistischen Partei" schrieb, daß sich die wirtschaftliche und politische Situation in Rußland seit dem Erscheinen der russischen Ausgabe des „Manifests" Anfang der 1860er Jahre stark verändert hatte. Sie ging mit schnellen Schritten den kapitalistischen Entwicklungsweg, und nunmehr „verkörpert Rußland den Vortrupp der revolutionären Bewegung in Europa".

Ist Kara-Mursa nur ein Scharlatan?

Es scheint bald so, als ob Kara-Mursa ein gewöhnlicher, anmaßender Dilettant ist, ein mittelmäßiger Scharlatan, der die sowjetische Geschichte verfälscht, der sich wegen seiner Unwissenheit und seines Wirrwarrs im Kopf mit schmutzigen Händen am Marxismus vergreift. Doch so ist es nicht.

Sergej Kara-Mursa ist Antikommunist. Doch natürlich nicht so ein primitiver, wie die Nowodworskaja oder der Pope Tschaplin. Aber ein überzeugter. Er kämpft bewußt gegen den Marxismus. Sein Antikommunismus ist zart verfeinert. Kara-Mursa ist ein talentierter Demagoge. Seine Spitzfindigkeit und seine Verstellungskünste haben Perfektion. Wendig wie eine Schlange schützt er sich vor falschen Urteilen. Geschickt manipuliert er das Bewußtsein der politisch halbgebildeten Menschen. Von den russischen Patrioten wird er zu den Verbündeten der Kommunisten gezählt.

Zum Beispiel bezeichnet er die in die UdSSR geschehene Konterrevolution überall als Revolution – obwohl eine Revolution ein progressiver, grundlegender und sprunghafter Fortschritt in der gesellschaftlichen Entwicklung ist. Während die Konterrevolution ein Sprung ist vom Höheren zu Niederen, vom Fortschritt zum Rückschritt.

Die rechten Kräfte in der Politik nennt „Linke". In jedem seiner Bücher das gleiche fortgesetzte, abstrakte Geschwätz. So als ob er bis jetzt überhaupt noch nicht begriffen hat, daß es keine Demokratie, keine Freiheit und Diktatur an sich gibt, sondern daß alles in der Gesellschaft seine konkret-historische Form hat.

Doch Kara-Mursa hat sehr genau verstanden. Er befaßt sich nicht mit der Revision des Marxismus, sondern mit seiner planmäßigen Vernichtung. Und das macht er beinahe filigran. Gehässig zieht er die Grundgedanken des Marxismus ins Lächerliche, verzerrt sie so, daß ihnen die Daseinsberechtigung für die heutige Zeit abgesprochen werden muß. Geschickt unterstellt er mit Begriffen. Häufig lügt er schamlos. Er kommt daher und verleumdet. Mit einem Wort, es gibt nur wenige, die den Marxismus so sehr seines wahren Inhalts berauben, wie er.

Der Feind in den eigenen Reihen …

Manchmal ist auch seine Fähigkeit zur Verstellung gestört. Und er erscheint uns als derjenige, der er ist. So bezeichnete er die Sowjetmacht irgendwie offen als „verfallenden, lästigen und störenden Überbau". Und er gestand offen: „Auch ich war 1985 glücklich, und ich setzte meine ganze Kraft und mein Wissen für die Zerstörung des alten Systems ein.".

In seinen schönen Artikeln hat Wladimir Markow recht, daß Kara-Mursa viel unternimmt, um den gesellschaftlichen Auftrag der Bourgeoisie zu erfüllen: Nicht zuzulassen, daß die Volksmassen aufwachen, zu verhindern, daß die Arbeiterklasse sich ihrer wirtschaftlichen und politischen Interessen bewußt wird und ihre Weltanschauung mit der kommunistischen Ideologie verbindet.

Die Kommunisten müssen in Sergej Kara-Mursa eindeutig ihren ideologischen Feind erkennen! Seine antimarxistischen Traktate diskreditieren die große Lehre des Marxismus-Leninismus. Sie desorientieren die Werktätigen und stärken den Opportunismus in der kommunistischen Bewegung. Sie berauben das Proletariat, der revolutionären Hauptkraft der zukünftigen sozialistischen Revolution, seiner ideellen Waffen – des Marxismus-Leninismus und helfen der Bourgeoisie, ihre Herrschaft aufrechtzuerhalten.

Man darf nicht vergessen, daß der innere Feind gefährlicher ist, als äußere. Mit ihm zusammenzuarbeiten ist ein Verbrechen. Der schonungslose Kampf gegen ihn muß eine der aktuellsten Aufgaben der internationalen kommunistischen Bewegung und des Klassenkampfes sein.

Ljubow Pribytkowa,

im Januar. 2013.  

(Übersetzung: Bernd Seidel – Zwischenüberschriften von mir, B.S.)

 

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