Alles muss hart erkämpft werden 

Von nh | 

In: unsere zeit online vom 04. März 2016  

 

Der Internationale Frauentag hat eine lange Tradition. Er entstand im Kampf um Gleichberechtigung und gegen Unterdrückung, im Kampf um bessere Arbeitsbedingungen, höhere Löhne, kürzere Arbeitszeiten. Der Widerstand richtete sich auch gegen unzumutbare Wohn- und Lebensbedingungen. Lange musste gegen den Ausschluss von Frauen von Wahlen, ja teilweise von jeglicher politischer Betätigung gekämpft werden. 

Auf dem Internationalen Arbeiterkongress zu Paris (Juli 1889) wurde auf Antrag von Emma Ihrer und Clara Zetkin ein Beschluss über die Gleichberechtigung der Frau gefasst. 

In ihrer Rede auf diesem Kongress erklärte Clara Zetkin unter anderem: „(…) Die Arbeiterinnen sind durchaus davon überzeugt, dass die Frage der Frauenemanzipation keine isoliert für sich bestehende ist, sondern ein Teil der großen sozialen Frage. Sie geben sich vollkommen klare Rechenschaft darüber, dass diese Frage in der heutigen Gesellschaft nun und nimmermehr gelöst werden wird, sondern erst nach einer gründlichen Umgestaltung der Gesellschaft." 

Am 27. August 1910 wurde von der 2. Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen (100 Delegierte aus 17 Ländern) auf Initiative von Clara Zetkin und Käthe Duncker die alljährliche Durchführung eines internationalen Frauentages festgelegt, der sich gegen die mehrfache Ausbeutung richtete. 

Der erste Internationale Frauentag fand am 19. März 1911 statt. Millionen von Frauen in Dänemark, Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA beteiligten sich. Die zentralen Forderungen waren: 

• Kampf gegen den imperialistischen Krieg 

• Wahl- und Stimmrecht für Frauen 

• Arbeitsschutzgesetze 

• ausreichender Mutter- und Kinderschutz 

• der Achtstundentag 

• gleicher Lohn bei gleicher Arbeitsleistung 

• Festsetzung von Mindestlöhnen 

Die Festlegung des Internationalen Frauentages auf das Datum 8. März erfolgte 1921 durch Beschluss der 2. Kommunistischen Frauenkonferenz. Dabei sind sich die Historikerinnen und Historiker nicht ganz darüber einig, ob der Streik der Textilarbeiterinnen in New York am 8. März 1857, der der Näherinnen und Fabrikarbeiterinnen in Lynn (Massachusetts) am 7. März 1860 oder die großen Streiks und Demonstrationen der Tabak- und Textilarbeiterinnen in New York am 8. März 1908 Anlass waren, den Internationalen Frauentag auf den 8. März zu legen. Vor allem war es wohl die Erinnerung an den 8. März 1917. An diesem Tag fand in Sankt Petersburg ein Textilarbeiterinnen-Streik statt, der auf andere Bereiche übergriff und am Beginn der Februarrevolution vor 90 Jahren in Russland stand. 

Alles was in den folgenden Jahrzehnten erreicht wurde, musste hart erkämpft werden. 

Die Idee des 8. März blieb auch in der Zeit des Faschismus lebendig. Illegale Flugblätter erinnerten in Deutschland an den Internationalen Frauentag und forderten zum Kampf gegen den Faschismus auf. Für die antifaschistische Bewegung wurde der Frauentag international zum Kampftag gegen Krieg und Faschismus. Frauen standen in erster Reihe im antifaschistischen Kampf: in der Illegalität, im Partisanenkampf, bei der Verteidigung der spanischen Republik, an allen Fronten. 

Nie wieder Faschismus und Krieg, das war auch das Hauptanliegen der ersten Frauentage nach dem Zweiten Weltkrieg. 

Der Internationale Frauentag ist also auch ein Tag des Kampfes gegen Krieg und Kriegspolitik sowie gegen Faschisten und Rechtsentwicklung. 

Heute werden – auch weil die Gegenkräfte nicht stark genug sind – viele der in der Vergangenheit erkämpfte sozialen Errungenschaften wie z. B. die formale Angleichung von Frauen- und Männerlöhnen, gleichwertige Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten durch die Herrschenden zunehmend infrage gestellt oder demontiert – im Zuge einer Angleichung nach unten ins Gegenteil verkehrt. 80 Prozent derjenigen, die wegen der Politik- vor allem der führenden imperialistischen Staaten –, aufgrund von Krieg, Verfolgung, Armut und Hunger heute ihre Heimat verlassen müssen, sind Frauen. 

Deshalb sind die Folgerungen und die Grundforderungen zum 8. März für den Kampf um Frauenrechte auch heute: Organisiert Euch – auch über Ländergrenzen hinweg –, seid solidarisch – Frauen, Männer, hier Geborene wie zu uns gekommene Flüchtlinge – und kämpft gegen Krieg, Rassismus und Faschismus, für gleiche Rechte: für gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit, gleiche Bildungs- und Ausbildungschancen, soziale Sicherung, soziale und politische Gleichberechtigung! 

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Berufsrisiko Frau  

»Weiblicher Beschäftigungsboom« basiert auf niedrigen Gehältern und Teilzeitverträgen. Alleinerziehende besonders betroffen  

Susan Bonath 

In: junge Welt online vom 03.03.2016 

 

In Deutschland hat sich an den enormen Einkommensunterschieden zwischen den Geschlechtern wenig geändert. Im Schnitt verdienen Frauen hierzulande 21,6 Prozent weniger als Männer. Im europäischen Vergleich klaffen die Bruttolöhne nur in Österreich (22,9 Prozent) und Estland (28,3 Prozent) weiter auseinander. Die geringsten Unterschiede bestehen in Slowenien (2,9 Prozent) und Malta mit 4,8 Prozent. Das ergab eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion (liegt jW vor), über die am Mittwoch zuerst die Funke-Mediengruppe berichtete. 

Demnach bestehen bei der Lohnungleichheit auch Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland. So verdienen Frauen in den alten Bundesländern sogar rund 23 Prozent weniger als Männer, im Osten sind es neun Prozent. Dies liege daran, dass im Westen weiterhin weniger Frauen voll berufstätig sind. In den neuen Ländern haben Frauen mehr Chancen auf höher bezahlte Arbeitsplätze. Werden allerdings Faktoren wie Branchen, Unternehmenshierarchien und Stundenanzahl abgezogen, haben sie in Ostdeutschland sogar schlechtere Karten, an das Gehalt ihrer männlichen Kollegen heranzukommen: Trotz gleichwertiger Tätigkeit erhalten sie dort rund neun Prozent weniger Gehalt, im Westen sind es sieben Prozent. 

Insgesamt, so geht aus der Antwort weiter hervor, müssen Frauen häufiger prekäre Arbeitsbedingungen hinnehmen. Gut 85 Prozent aller Teilzeitbeschäftigten mit weniger als 20 Wochenstunden seien weiblich. 

Auch 77 Prozent der rund 7,8 Millionen Minijobs würden von Frauen verrichtet. In ihrer zuletzt veröffentlichten Jahresstatistik für 2014 erklärte die Bundesagentur für Arbeit (BA), vor allem solche »atypischen Jobs« seien für den »weiblichen Beschäftigungsboom« verantwortlich. So seien 2014 rund 2,2 Millionen Frauen mehr als 2005 berufstätig gewesen. 

Von insgesamt rund 16 Millionen weiblichen Beschäftigten arbeiteten laut BA sogar 45 Prozent in Teilzeit. 

Die Bundesregierung räumte in ihrer Antwort eine »zumindest mittelbare Benachteiligung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt« ein. Sie hätten weniger Chancen, schlechtere Einkommensperspektiven und geringere berufliche Aufstiegsmöglichkeiten. »Was die soziale Lage von Frauen angeht, sind wir von einer Gleichberechtigung der Geschlechter noch weit entfernt«, konstatierte die Linke-Abgeordnete Sabine Zimmermann. Noch immer arbeiteten Frauen häufig in Branchen mit niedriger Bezahlung und hoher Belastung. 

Viele der Betroffenen könnten von ihren niedrigen Löhnen nicht leben, geschweige denn ausreichende Rentenansprüche aufbauen, so Zimmermann. 

Vor stark wachsender Altersarmut wird seit Jahren gewarnt. Zuletzt hatte der Paritätische Wohlfahrtsverband in seinem Ende Februar veröffentlichten neuen Armutsbericht konstatiert, dass immer mehr Frauen mit Minirenten rechnen müssten. Der Verband sieht die Ursachen in der Rentenpolitik der Bundesregierung, die Frauen stark benachteilige. Auf ihnen laste der größere Anteil an der Familienarbeit. Dies führe zwangsläufig zu unterbrochenen Erwerbsbiographien. Statt dies zu berücksichtigen, »war politische Priorität der vergangenen Jahre die Sicherung der Position der vergleichsweise gut situierten Facharbeiter, in der Regel Männer«, erklärte Joachim Rock vom Verband in einer am Dienstag veröffentlichten Auswertung. 

Die zweite im Armutsbericht benannte vorrangig weibliche Gruppe sind die Alleinerziehenden. Danach seien inzwischen rund 42 Prozent von ihnen auf Hartz IV angewiesen, viele davon trotz Erwerbsarbeit – Tendenz steigend. 

Ende 2014 hatte die Bertelsmann-Stiftung in einer Studie noch einen Anteil von rund 39 Prozent errechnet. Neben Lohnunterschieden und prekären Arbeitsbedingungen macht der Verband alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV) unzureichende Betreuungsangebote für Kinder und gravierende Mängel im Steuer-, Unterhalts- und Sozialrecht dafür verantwortlich, wie er in einer Stellungnahme zum Bericht darlegte. »Sie fallen durch’s Raster und am Ende in die Altersarmut.« 

 

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