Auf Dauertalfahrt  

Wie wechselnde Eigentümer und Manager bei Karstadt mit den Schicksalen Tausender Beschäftigter spielten  

Gudrun Giese 

In: junge Welt online vom 16.03.2015 

 

Karstadt-Kaufhäuser gehörten lange ganz selbstverständlich in fast jede Einkaufsstraße deutscher Städte. 1881 hatte Rudolph Karstadt das erste Warenhaus der späteren Filialkette in Wismar gegründet. In der Nachkriegszeit bis weit in die 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts war der Konzern so etwas wie eine feste Institution des Einzelhandels in der Bundesrepublik. Doch dann häuften sich Fehlentscheidungen des Managements. 

Der Niedergang auf Raten begann bald nach der Jahrtausendwende. 

Als der Milliardär Nicolas Berggruen im Sommer 2010 die Reste des Warenhauskonzerns Karstadt übernimmt, hoffen viele Beschäftigte, dass nun das Schlimmste überstanden ist und es wieder aufwärtsgeht mit dem Traditionsbetrieb. Immerhin haben sie turbulente Zeiten hinter sich und gerade erst eine Insolvenz überstanden. Berggruen zahlt einen Euro und erhält dafür ein schuldenfreies Unternehmen. Zur »Brautausstattung« zählen zudem Mietsenkungen durch den Vermieter Highstreet, Gewerbesteuerverzicht vieler Kommunen mit Karstadt-Häusern und nicht zuletzt ein erheblicher Beitrag der damals noch 28.000 Beschäftigten. Sie stimmen einem Sanierungstarifvertrag zu, der bis Ende August 2012 gilt und mit dem sie auf jährlich rund 50 Millionen Euro an Sonderzahlungen und anderen Leistungen verzichten. Die Gewerkschaft ver.di handelt im Gegenzug aus, dass im selben Zeitraum alle Standorte erhalten bleiben und keine Beschäftigten entlassen werden. 

Keinen Cent investiertAllerdings entpuppt sich Berggruen schnell als knallharter Geschäftsmann. Trotz der außerordentlich günstigen Übernahmekonditionen will er offenkundig mit dem gerade erst der Pleite entronnenen Unternehmen so schnell wie möglich Geld verdienen. Und so kassiert er im Gegenzug für den Erwerb der Namensrechte kräftig Lizenzgebühren von allen Filialen für die Verwendung des Firmennamens. Doch in die Häuser und neue Konzepte investiert er in dieser Zeit nichts. Die Sortimente in den Filialen werden zugunsten der Schwerpunkte Mode und Kosmetik ausgedünnt, was aber auch nicht mehr Kundschaft und Umsatz in die Häuser bringt. Bald nachdem der Sanierungstarifvertrag zum 1. September 2012 ausgelaufen ist und die Flächentarifverträge wieder gelten, kündigt Vorstandschef Andrew Jennings den Abbau weiterer 2.000 Arbeitsplätze an - von fluktuationsbedingt ohnehin nur noch 24.400. 

Kasse macht zu dieser Zeit auch die Immobiliengesellschaft Highstreet, der viele Karstadt-Häuser gehören: Im Dezember 2012 kauft der österreichische Immobilieninvestor René Benko mit seiner Signa Holding 17 Karstadt-Gebäude, darunter das Berliner KaDeWe. Von diesem Verkauf hat freilich Berggruen nichts, dem mittlerweile das ganze Karstadt-Geschäft nicht mehr so recht behagt, wie er einige Zeit später in einem Interview in der Süddeutschen Zeitung bekennt. Nun aber lässt er zunächst zu, dass sein Management im Mai 2013 Tarifflucht begeht. Ver.di, Betriebsräte und Beschäftigte demonstrieren an mehreren Orten, passen bei einer Feier in Berlin vor dem von seinem Vater gegründeten Berggruen-Museum ihren Chef direkt ab. Doch Berggruen junior, der sich öffentlich gerne als großer Menschenfreund präsentiert, vertröstet die Demonstranten auf Verhandlungen, bleibt aber letztlich hart und investiert weiterhin nichts in die Warenhäuser. Dafür werden die rentablen Teile des Konzerns, bestehend aus dem Geschäftsbetrieb der 26 »Karstadt Sport«-Filialen sowie den drei Premiumhäusern KaDeWe, Alsterhaus (Hamburg) und Oberpollinger (München) im Herbst 2013 für 300 Millionen Euro mehrheitlich an Benko verkauft, so dass Berggruen nun einmal mehr handfesten Gewinn aus seinem günstigen Karstadt-Investment zieht. 

Gleichwohl klagt er zu dieser Zeit gegenüber der Süddeutschen Zeitung, sein Kurs sei viel zu weich gewesen, da er weder Häuser geschlossen noch Mitarbeiter entlassen habe. 

Als »Schlag ins Gesicht aller Beschäftigten« bezeichnet Arno Peukes im Frühjahr 2014 diese Äußerung. Der damalige Leiter des Fachbereichs Handel bei ver.di Hamburg und heutige Tarifkoordinator in der Bundesfachgruppe Einzelhandel der Gewerkschaft weist darauf hin, dass Berggruen lediglich Geld aus dem Unternehmen gezogen habe. »Bezahlen mussten diesen Profit allein die Beschäftigten.« Bei all dem Feilschen um Immobilien und lukrative Anteile am Geschäft der Sport- und Premiumhäuser blieb für den »Rest«, die 83 Warenhäuser, nur eine Negativbilanz. Der damalige Aufsichtsratsvorsitzende der Karstadt-Warenhaus GmbH, Stephan Fanderl, vermeldet für sie nach einer Pressemitteilung des DGB vom 24. Februar 2014 auch Anfang 2014 rote Zahlen. Und das bedeutet weiterhin Unsicherheit und Angst um die Arbeitsplätze für die Angestellten, deren Betriebsräte gemeinsam mit ver.di zäh für die Rückkehr in die Tarifbindung und die Sicherung der Stellen kämpfen. Etwas Hoffnung flammt unter den Mitarbeitern auf, als mit der ehemaligen Ikea-Managerin Eva-Lotta Sjöstedt eine engagierte Chefin dem Sanierer Jennings folgt, mit der Ankündigung, die Warenhäuser wieder flottzumachen. Allein - Berggruen hält an seinem einmal eingeschlagenen Kurs fest und stellt keinerlei Investitionsmittel bereit. 

Nach nur fünf Monaten im Juli 2014 verlässt Sjöstedt Karstadt wieder. 

Damit ist das Unternehmen reif für die nächste Übernahme: Für einen Euro fallen die restlichen Geschäftsanteile der Sport- und Premiumsparte sowie alle 83 Warenhäuser an die Signa Holding von René Benko. Das Bundeskartellamt erhebt keine Einwände gegen diesen Deal. Die Gewerkschaft ver.di und die Karstadt-Betriebsräte fordern nun den neuen Eigentümer auf, in das Unternehmen zu investieren und Häuser sowie Arbeitsplätze zu erhalten. Das Spiel beginnt ein weiteres Mal. 

Ein rasanter AbstiegDoch zunächst lohnt sich ein Blick in die Vorgeschichte des Karstadt-Konzerns. Berggruen war ja nicht der erste, der das Unternehmen um Teile seiner Substanz brachte und sich jeden Umsatzrückgang von den Beschäftigten finanzieren ließ. 

Eine Art Höhepunkt seiner Geschichte war für den Karstadt-Konzern 1999 erreicht: Nach der Fusion mit dem Versandhaus Quelle zur KarstadtQuelle AG waren hier insgesamt 113.000 Mitarbeiter beschäftigt. Der Börsenwert betrug 3,3 Milliarden Euro. Im nachhinein vermuten Kenner der Materie allerdings, dass sich Karstadt bereits mit diesem Geschäft übernommen haben könnte. Was zudem versäumt wurde, war die Modernisierung der Häuser und ihrer Technik. 

»Der langjährige und bei den Mitarbeitern beliebte Vorstandschef Walter Deuss hat damals ganz klar den Anschluss verpasst«, schätzt Erika Ritter, Leiterin des Fachbereichs Handel bei ver.di Berlin-Brandenburg, in der vergangenen Woche im Gespräch mit der Autorin ein. Deuss' Nachfolger Wolfgang Urban trat zwar forsch auf, erzielte in den Folgejahren aber auch nur deshalb hohe Umsätze, weil der Konzern weiterhin seine Geschäftsfelder ausdehnte. So übernahm er unter anderem die Bekleidungskette Sinn Leffers. 

2003 wurde ein Gesamtumsatz von 15,2 Milliarden Euro ausgewiesen. Die Zahl der Beschäftigten betrug noch 101.000. 

Bei Karstadt zu arbeiten galt unter Verkäufern oder Einzelhandelskaufleuten einst als Glückstreffer. Neben der selbstverständlichen Bezahlung nach Tarif gab es eine ganze Reihe Sozialleistungen obendrauf. Und das war nur die materielle Seite dieses Arbeitsverhältnisses. »Ich habe Respekt erlebt, war gefragt als Kundenberaterin und Ansprechpartnerin der Vorgesetzten bei Entscheidungen übers Sortiment«, erinnert sich eine Hamburger Karstadt-Verkäuferin, die lange in der Strumpfabteilung eines Hauses gearbeitet hat, dessen Lage ebenso ungenannt bleiben muss wie der Name der Frau. Denn in der Dauerkrise des Warenhauskonzerns möchte sich kein Beschäftigter offen kritisch äußern. Nennen wir sie Anna Peters. 

»Schon lange haben wir nichts mehr zu melden bei den Bestellungen«, sagt sie wehmütig. »Alles wird zentral entschieden.« Dabei war der Einfluss der Beschäftigten aufs Sortiment durchaus gut für den Umsatz. »Klar, wir haben ja immer verfolgt, welche Artikel sich gut verkaufen und was liegenbleibt«, sagt Peters. »Heute gehen große Teile des Angebotes an den Kundenwünschen vorbei.« Das betrifft nicht nur die Strumpfabteilung. Die Kompetenzen der Beschäftigten wurden beschnitten, die Wertschätzung sank ebenso wie die Vergütung. »Jede neue Geschäftsleitung sieht uns nur noch als Kostenfaktor, der reduziert werden muss.« 

Dieser Erfahrungsbericht ist sicher exemplarisch, denn viele Mitarbeiter sind seit langer Zeit bei Karstadt. Deshalb fühlen sie sich in der Mehrzahl auch immer noch stark mit ihrem Betrieb verbunden - trotz der zahlreichen Krisen und massiven Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen. »Bei aller Ungewissheit - ich gehe immer noch gern zur Arbeit und möchte weitermachen«, erzählt mir im Sommer 2014 eine Beschäftigte des Karstadt-Hauses in Celle, die seit über 30 Jahren im Unternehmen arbeitet. 

Beschäftigte tragen Sanierung2004 waren die Versäumnisse der Vergangenheit erstmals sichtbar; der Konzern schrieb rote Zahlen. Und schon da fiel den Verantwortlichen nichts Besseres ein, als bei den treuen Beschäftigten zu sparen: Durch ihren Verzicht auf Sonderleistungen in Höhe von 745 Millionen Euro schulterten sie einen erheblichen Sanierungsbeitrag. 77 kleinere Warenhäuser wurden in sogenannte Karstadt-Kompakt-Filialen umgewandelt. 

Außerdem sollten 5.500 der zu diesem Zeitpunkt noch rund 100.000 Arbeitsplätze abgebaut werden. Immerhin wurde niemand entlassen, denn ver.di handelte Sanierungstarifverträge aus, die Standorte und Stellen sicherten. Der Abbau wurde vorwiegend über die natürliche Fluktuation und Vorruhestandsregelungen umgesetzt. 2004 begann auch die unrühmliche Zeit des ehemaligen Bertelsmann-Managers Thomas Middelhoff im Karstadt-Konzern, zunächst als Aufsichtsratsmitglied, dann als -vorsitzender, im Jahr darauf bereits als Vorstandschef. 

Weiter ging es mit dem Abwärtskurs bei den Umsätzen. Neben dem Einsparposten Personalkosten setzte der Konzern nun auch noch auf den Ausverkauf: Teile der Logistik wurden ebenso veräußert wie die Tochtergesellschaften SinnLeffers, Wehmeyer, Runners Point und »Karstadt Kompakt«, die alle erst wenige Jahre zuvor erworben worden waren. Die kleineren Kompakt-Warenhäuser gingen im August 2005 an britische Investoren, die die verbliebenen 75 Filialen in Hertie umbenannten - erst 1994 hatte die Karstadt AG die ebenfalls traditionsreiche Hertie-Warenhauskette übernommen und die Häuser in eigene Filialen umgewandelt. 2006 und 2007 waren auch die Jahre des großen Immobilienverkaufs. Den größeren Anteil, nämlich 51 Prozent, sicherte sich die US-Investmentbank Goldman Sachs, 2008 erwarb die Investmentgesellschaft Highstreet 49 Prozent des Grundbesitzes. Der Verkauf der Gebäude bedeutete im Gegenzug, dass nun auch noch - zum Teil horrende - Mieten über den Warenverkauf aufgebracht werden mussten. So erwies sich der Immobilienverkauf sehr schnell als kurzsichtig, weil den einmaligen Erlösen dauerhaft enorme Kostenbelastungen gegenüberstanden. Im Jahr zuvor erhielt Karstadt-Quelle - allen Krisen und Umsatzeinbrüchen zum Trotz - wenigstens noch einen klangvollen Namen: Arcandor wurde die neue Holding getauft. 

Der Niedergang schien unterdessen kaum noch aufzuhalten. Die ehemaligen 75 Kompakt-, dann Hertie-Häuser gingen 2008 in die Insolvenz und wurden ein Jahr später dichtgemacht. Middelhof warf im März 2009 seinen Vorstandsposten hin und wurde vom ehemaligen Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick abgelöst. Ihm kam die undankbare Aufgabe zu, bald darauf den Insolvenzantrag für die Reste der Arcandor-Holding zu stellen. Vom Großkonzern mit einst über 100.000 Beschäftigten blieb schließlich nicht mehr viel übrig: Das Versandhaus Quelle wurde komplett geschlossen, einzelne Karstadt-Häuser ebenfalls. Die noch verbliebenen 28.000 Mitarbeiter verzichteten einmal mehr auf Sonderzahlungen. Im Sanierungstarifvertrag, den ver.di aushandelte, wurden bis 2012 die Sicherung der Standorte und der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen festgelegt. 2010 trat dann überraschend Nicolas Berggruen auf den Plan. 

Einschnitte vor allem beim PersonalDass sich mit Berggruens Nachfolger, dem neuen Eigentümer René Benko, die Geschicke des geschrumpften Warenhaus-Konzerns grundlegend positiv ändern könnten, hatten vielleicht manche der Beschäftigten insgeheim gehofft, aber kaum ernsthaft erwartet. 

Immerhin eilte Benko ein Ruf als gewiefter Immobilienhändler voraus. Als er sich 2010 nach der überstandenen Insolvenz erstmals um die Übernahme von Karstadt bewarb, wurde jedoch Berggruen als dem angeblich seriöseren Interessenten der Vorzug gegeben. 

Tatsächlich entlarvten sich Benko und die von ihm ausgewählten Manager schnell als ganz ähnliche »Sanierer« wie ihre zahlreichen Vorgänger. 

Bereits zwei Monate nach der vollständigen Übernahme des Konzerns kündigte der jetzige Karstadt-Vorstandschef Stephan Fanderl erste Filialschließungen für 2015 an. Die Warenhäuser in Stuttgart und Hamburg-Billstedt sowie die »K-Towns« in Göttingen und Köln werden Ende Juni aufgegeben, das Schnäppchencenter in Frankfurt/Oder bereits zum 30. April und das in Paderborn zum 30. September. Das kostet mehr als 300 Arbeitsplätze, aber auch in den weiter bestehenden Häusern wurden kräftig Stellen gestrichen. 

»Wie immer sind die Beschäftigten die Leidtragenden«, stellte auch der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates, Hellmut Patzelt, nach dem Bekanntwerden dieser Abbaupläne im vergangenen Herbst fest. Dabei brachten gerade die Betriebsräte immer wieder Ideen ein, wie sich die Geschäfte bei Karstadt durch strategische Korrekturen auf Vordermann bringen ließen. 

»Diese Vorschläge werden nicht beachtet. Alle Sparrunden wurden und werden auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen«, sagt Arno Peukes von der ver.di Bundesfachgruppe Einzelhandel. 

Auch in diesem Jahr bleiben Benko und seine Leute auf dem alten Kurs. 2.400 Stellen werden insgesamt vernichtet, von denen allerdings 1.000 bereits durch den Weggang langjähriger Beschäftigter über Altersteilzeit und Vorruhestand frei wurden. Für die übrigen Betroffenen handelte ver.di immerhin einen Interessenausgleich und Sozialplan aus. Aber auch von weiteren Schließungen unrentabler Häuser ist immer wieder die Rede, ebenso wie vom fortgesetzten Arbeitsplatzabbau. Neu einstellen möchte das Management am liebsten nur noch billige Anlernkräfte zum Einräumen der Ware bei erheblich schlechterer Bezahlung. 

Mit dem ständigen »Sparen« zu Lasten der Beschäftigten müsse nun endlich Schluss sein, fordert Arno Peukes. »Zentral ist doch, welche Zukunftsideen die Geschäftsleitung für Karstadt entwickelt.« Die ver.di-Tarifkommission hat nun beschlossen, eine entsprechende Diskussion zur Zukunft des Warenhauses zu initiieren. Daran solle neben den Beschäftigten und den Unternehmensverantwortlichen auch die Politik beteiligt werden. René Benko als Alleineigentümer der Anteile und Vermieter eines Teils der Warenhäuser könne eine Sanierung auf den Weg bringen, die »sich nicht in Entlassungen, Kostensenkungen beim Personal und Tarifflucht erschöpft«, heißt es in einem Brief von ver.di an Benko. 

Doch auch in seiner Eigenschaft als Vermieter erweist sich der 37jährige Österreicher in erster Linie als Sachwalter seines eigenen Vermögenswachstums. So hat er die Mieten für alle Warenhäuser, die ihm gehören, kräftig erhöht - allein für das KaDeWe verdoppelt sie sich innerhalb von fünf Jahren. Wie die Warenhäuser ohne schlüssige Zukunftskonzepte solche Fixkosten erwirtschaften sollen, scheint den Eigentümer hingegen nicht so sehr zu interessieren. Schließlich hat er für den reinen Geschäftsbetrieb der meisten Warenhäuser einst lediglich einen Euro gezahlt; für die Immobilien musste er hingegen einen ordentlichen Betrag hinblättern - mehr als 1,1 Milliarden Euro waren das für insgesamt 17 Häuser. Geld, das sich nun möglichst schnell vermehren soll. Und so verkauft er weitere Karstadt-Häuser. Ende Januar wurde durch einen Bericht in der Süddeutschen bekannt, dass Benkos israelischer Partner Beny Steinmetz 20 Karstadt-Immobilien in verschiedenen Städten übernimmt, die Benko anschließend zurückmietet. In seinem eigenen Besitz bleiben die drei Premiumhäuser sowie die Karstadt-Warenhäuser am Berliner Kurfürstendamm und in der Stuttgarter Innenstadt. 

Außerdem scheint Benko auf die Ausweitung der Flächenvermietung an Fremdfirmen in den Kaufhäusern zu setzen. Mit den sogenannten Concession-Shops macht beispielsweise das KaDeWe seit vielen Jahren gute Geschäfte. Hier endet dann tatsächlich die Zuständigkeit der Warenhauskette für Arbeitsbedingungen und Bezahlung, da die Shop-Betreiber ihr eigenes Personal zu ihren jeweiligen Konditionen beschäftigten. 

»Das alles hat nicht mehr viel mit der Idee eines Warenhauses zu tun«, stellt Arno Peukes im ver.di-Info vom Februar fest. Umso wichtiger sei es, entsprechende Diskussionen anzustoßen. Bevor es soweit ist, geht es in nächster Zeit bei Verhandlungen von ver.di mit dem Eigentümer um die Rückkehr der drei Karstadt-Bereiche Warenhäuser, Sport und Premium in die Tarifbindung. Nach fast zwei Jahren könnte unter Benko dann wenigstens die unrühmliche Tarifflucht beendet werden. 

Gudrun Giese ist Diplompolitologin, arbeitet als freie Journalistin und lebt in Berlin. 

 

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