Nachholbedarf in der Lohnentwicklung 

Hans-Böckler-Stiftung legt Studie zu Arbeitskosten in der EU vor. BRD im Mittelfeld 

In: junge Welt online vom 18.11.2014 

 

Die Entwicklung der Arbeitskosten in Deutschland bewegt sich im Mittelfeld der Europäischen Union. Während sie im Jahr 2013 mit einem Zuwachs von 1,4 Prozent knapp über dem EU-Mittel der Steigerung von 1,3 Prozent lagen, blieben sie im ersten Halbjahr mit 1,1 Prozent sogar noch etwas darunter. Auch die sogenannten Lohnstückkosten bewegen sich in Deutschland im Durchschnitt. Ein dynamischerer Zuwachs bei Löhnen wäre aber ökonomisch sinnvoll, um die Wirtschaftsentwicklung in Deutschland und Europa zu stabilisieren. Zu diesen Ergebnissen kommt der neue Arbeitskostenreport, den das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung am Montag auf einer Pressekonferenz in Berlin vorgestellt hat. 

Demnach liegt Deutschland insgesamt für die Privatwirtschaft weiterhin im westeuropäischen Mittelfeld – 2013 mit 31,30 Euro pro Arbeitsstunde unverändert an achter Stelle unter den EU-Ländern. Dänemark hatte im vergangenen Jahr mit 41,40 Euro pro Stunde die höchsten Arbeitskosten in Europa. In Irland, Italien, Spanien, Griechenland und Portugal reichen sie von 28,20 bis 12,80 Euro pro Stunde, die IMK-Experten auf Basis der neuesten verfügbaren europäischen Daten errechnet haben. 

»Wir sehen in Europa bei den Arbeits- und den Lohnstückkosten ein sehr prägnantes Muster«, erläuterte Gustav A. Horn, wissenschaftlicher Direktor des IMK. »In Krisenländern wie Griechenland oder Portugal sind sie zuletzt unter großen Opfern der Bevölkerung drastisch zurückgegangen. In Irland und Spanien stagnieren sie.« Dadurch habe die Binnennachfrage gelitten. Diese Entwicklung habe er bis vor einigen Jahren auch in Deutschland beobachten können, wenn auch weniger stark ausgeprägt. »Besser gelaufen ist es erst, als nach der Überwindung der Finanz- und Wirtschaftskrise die Lohnentwicklung stärker wurde und die Binnennachfrage die Konjunktur stützen konnte. Das unterstreicht einmal mehr, wie falsch es ist, sich einseitig auf möglichst niedrige Arbeitskosten zu fixieren«, so Horn. Er zeigte sich enttäuscht, dass der Anstieg letzterer im vergangenen Jahr in diesem schon wieder gebremst wurde: »Die deutsche Wettbewerbsfähigkeit ist sehr hoch. Nachholbedarf hat Deutschland bei der Lohnentwicklung.« _(jW) 

www.kurzlink.de/IMK-Arbeitskosten  

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