Es gibt keine WM  

Hintergrund. Heute beginnt die Fußballweltmeisterschaft in Brasilien. Vom Turnier profitieren die FIFA und große Baukonzerne. Ein Spektakel für eine reiche Elite. Die sportbegeisterten Massen bleiben ausgeschlossen  

Norbert Suchanek, Rio de Janeiro 

In: junge Welt online vom 12.06.2014 

 

Steigende Mord- und Überfallraten, Verkehrschaos, Enteignungen und Vertreibungen von Favela-Bewohnern, Indigenen und Obdachlosen. Ob in Rio de Janeiro, Recife oder São Paulo: Seit Wochen gibt es Proteste gegen die Fußballweltmeisterschaft in ganz Brasilien; hinzu kommen Streiks von Busfahrern, Lehrern und Polizisten in Rio. Die Bevölkerung ist sauer, das Bild, das die internationale Presse zeichnet, katastrophal und die reelle Inflation absurd hoch. Und dennoch rollen ab heute Ball und Rubel - zumindest für die Gewinner dieser brasilianischen Skandal-WM 2014. 

Nur Tage vor Beginn des Turniers waren erst wenige Straßen und Gassen in Rio mit gelb-grünen Girlanden und Nationalflaggen geschmückt. Bis auf den sündhaft teuren Umbau des Maracanã-Fußballstadions ist nichts fertig. 

Baustellen an jeder Ecke sowie Umleitungen machen den Cariocas, wie die Einwohner Rios bezeichnet werden, den Alltag zum Alptraum. Eine Weltmetropole gezeichnet von Verfall, unzähligen Dauerbaustellen und schamloser Abzocke. Chaos auch im Stadtteil Santa Teresa, wo der Neubau der letzten Straßenbahn laut WM-Plan bereits im Februar dieses Jahres hätte abgeschlossen sein sollen. Doch Fehlanzeige: Noch immer ist lediglich eine riesige, scheinbar immer größer werdende Baustelle zu sehen. 

An anderen Austragungsorten ist die Situation kaum anders. In den vergangenen zwei Wochen gab es in 18 Städten Proteste gegen die Weltmeisterschaft. Selbst die Seleção, die brasilianische Nationalmannschaft mit Fußballmilionário Neymar, wurde bei ihrer Anreise in Rio von rund 200 für mehr Gehalt demonstrierende Lehrer mit den Parolen empfangen: »Ein Pädagoge ist mehr wert als Neymar« und »Wir brauchen Bildung, keine Stadien!« 

Die Fakten sind diese: Als 2007 Brasilien von der FIFA zum Austragungsort gekürt wurde, versprach die Regierung Lula da Silva, sie werde kein öffentliches Geld dafür ausgeben. Alle Bauvorhaben für die WM würden mittels privater Investitionen finanziert. Daran stimmte nichts. Das Turnier 2014 wird die teuerste Fußballweltmeisterschaft aller Zeiten, von der Privatwirtschaft kam indes kaum etwas. Alles in allem wird sie den brasilianischen Steuerzahler wahrscheinlich umgerechnet rund neun Milliarden Euro kosten, drei mal soviel wie die 2006 in Deutschland und doppelt soviel wie die letzte in Südafrika. 

Das teuerste Turnier aller Zeiten 

»Die Regierung, die versprach, keinen Centavo für die WM auszugeben, entzog öffentlichen Kassen aber wenigstens 25 Milliarden Reais« (rund 8,3 Milliarden Euro), kritisierte der brasilianische Kolumnist und Psychiater Montserrat Martins. Die Proteste wegen fehlender Investitionen in Gesundheit und Ausbildung haben ein solides Fundament, so Martins in seinem jüngsten Artikel vom 23. Mai auf Ecodebate.com.br unter dem Titel »Es wird keine WM geben«. Umgekehrt fehlten wenigstens rund zehn Milliarden Reais beispielsweise an Investitionen zur Verbesserung der katastrophalen Situation der Wasser- und Abwasserentsorgung in Brasiliens Städten. 

Martins: »Zehn Milliarden, so viel steckte die Regierung allein in Bau und Modernisierung der WM-Fußballstadien«. 

Besonders in Rio ist an vielen Stellen des Stadtzentrums regelrecht zu riechen, daß Mittel für die Infrastruktur fehlen. Es stinkt schlicht zum Himmel. »Für Wartung und Verbesserung von Kanalisation und Abwasserentsorgung haben wir kein Geld«, klagt ein leitender Angestellter der städtischen Wasserversorgung im Bundesstaat Rio de Janeiro, der CEDAE, hinter vorgehaltener Hand. »Seit Jahren arbeiten wir lediglich im Notfallbereich, um die Löcher des maroden Systems zu stopfen. Wir rennen von einem Wasserrohrbruch zum anderen. Zu mehr reichen die Finanzen nicht.« 

Auch Brasiliens beliebter Exstürmerstar und derzeitiger Abgeordneter Romário kritisiert, daß die Regierung in Fußballstadien investierte, anstatt das Gesundheits- und Schulwesen zu sanieren. Zudem habe sie den Weltfußballverband von den Steuern befreit. Fünf Jahre lang könne die FIFA Produkte importieren und in Brasilien verkaufen sowie ausländische Arbeitskräfte anstellen, ohne daß diese Steuern im Land zahlen müssen. 

Romário: »Leider hat Brasiliens Regierung der FIFA zu viele Zugeständnisse gemacht«, obwohl sie nicht einen Euro in Brasilien investiere. »Doch wenn die FIFA von hier verschwindet, wird sie mindestens eine Milliarde Euro Gewinn gemacht haben.« Die Verluste werden die Brasilianer tragen müssen. 

Inflation und Vertreibung 

Für die brasilianischen Mittel- und Unterklassen wird es immer schwerer bis unmöglich, den Lebensstandard zu halten. Die Inflation ist astronomisch, trotz beschönigender Meldungen von Regierung und korrupten Massenmedien, die die Teuerung auf einstellige Werte herunterrechnen. Tatsächlich aber sind die Preise mit Beginn der zweiten Amtszeithälfte der Regierung Lula je nach Ware um einen zwei- bis dreistelligen Prozentbereich gestiegen. 

Eine Flasche Bier zum Beispiel - wie in Bayern so auch in Rio und im Rest des Landes das beliebteste alltägliche Getränk der Masse - kostete in Kneipen im Jahr 2006 durchschnittlich rund 2,50 Reais und heute 8,50 Reais, in den Bars ärmerer Stadtteile stieg der Bierpreis von 1,50 Real auf etwa fünf Reais an. Das nichtalkoholische Grundnahrungsmittel, die grüne Kokosnuß kostete einst weniger als einen Real im Supermarkt. Heute muß man dort das Dreifache zahlen und am Strand von Flamengo vier bis fünf Reais. 

Ähnliches gilt für andere Grundnahrungsmittel wie Fleisch und Bohnen, ganz zu schweigen von den Mietpreisen. Diese sind seit der Bekanntgabe 2007, daß Brasilien die WM ausrichten werde, in einigen Stadtteilen Rios regelrecht explodiert. Und das Ganze passiert ohne gleichzeitige Anpassung der Gehälter. Aus dem zentral gelegenen Santa Teresa beispielsweise mußten viele alteingesessene Bewohner mangels Einkommen wegziehen und neuen Hostels und Hotels Platz machen. Kein Zweifel: Die brasilianischen Massen leiden unter der Weltmeisterschaft, während andere die großen Nutznießer sind: die FIFA und Baukonzerne wie Odebrecht, Andrade Gutierrez, OAS und Camargo Correa. 

Zum Beispiel in Manaus. Die Stadt inmitten des Amazonasgebiets hat vor zwei Wochen Schlagzeilen gemacht, weil das Gebäude des eigens zur WM für rund 150 Millionen Euro erneuerten und erweiterten Flughafens »Eduardo Gomes« plötzlich unter Wasser stand: Teile des Dachs hielten schlicht den in den Tropen üblichen heftigen Regenfällen nicht stand und waren eingestürzt. 

Einer der vielen Bauskandale, die sich so oder so ähnlich auch an anderen Spielstätten wiederholten, wie beim Teileinsturz der neuen WM-Arena von São Paulo. 

In der Amazonashauptstadt finanzierte die Landesregierung zudem ein neues Fußballstadion für rund 300 Millionen Euro, obwohl die Stadt keines in dieser Größenordnung benötigt. Manaus hat nur viert- oder fünftklassige Teams, die niemals die 44000 Sitzplätze der neuen »Arena Amazônia« füllen, geschweige denn die monatlichen Kosten für den Unterhalt der Betonschüssel von rund 170000 Euro tragen können. Der amazonische Steuerzahler wird darauf sitzenbleiben oder dem Stadionverfall zusehen müssen. Gewinner ist einzig der skandalträchtige Bauriese Andrade Gutierrez. Dabei war die Errichtung der »Arena Amazônia« im Vergleich zu den Umbaukosten von Rio de Janeiros Fußballtempel Maracanã noch vergleichsweise billig. 

Er wurde einst zur WM 1950 im gleichnamigen Stadtteil offiziell als »Estádio Jornalista Mário Filho« geschaffen und faßte ursprünglich bis zu 200000 Fußballfans. Unter Federführung des brasilianischen Baukonzerns Odebrecht wurde dieses einst größte Stadion der Welt nun den neuen FIFA-Regeln angepaßt und auf 78800 Plätze reduziert. Kosten: über eine Milliarde Reais oder umgerechnet etwa 330 Millionen Euro. 

Interessen Indigener ignoriert 

Ursprünglich sollte dem Maracanã-Stadion auch ein Parkhaus plus Shoppingcenter hinzugefügt werden. Dafür sollten vier Gebäude, die öffentliche Schule Friedenreich, der Schwimmpark Julio Delamare, das Leichtathletikstadion Célio de Barros und das alte, unter Denkmalschutz stehende »Indianermuseum« abgerissen werden. Doch die lokale Bevölkerung protestierte dagegen. Die Landesregierung verzichtete schließlich auf Shoppingcenter und Parkhaus und ließ die Gebäude stehen. Das alte »Indianermuseum« allerdings blieb Rio de Janeiros Gouverneur Sergio Cabral ein Dorn im Auge. 

Seit 2006 hielt eine Gruppe von Ureinwohnern aus ganz Brasilien den seit den 1970er Jahren verlassenen und verrottenden Palast aus dem 19. 

Jahrhundert besetzt. Die Indigenen forderten die Renovierung des Gebäudes, um es als unabhängige Kulturinstitution zu nutzen. Ein indigenes Zentrum, das vor allem auch auf die chronische Diskriminierung der Ureinwohner durch brasilianische Politik und Agrobusineß hinweisen will, direkt vor dem berühmten, von aller Welt bestaunten WM-Maracanã-Stadion? Das war zuviel für Gouverneur Sergio Cabral. Im vergangenen Jahr schließlich bediente er sich der Methode Knüppel-aus-dem-Sack und ließ die standhaften Indigenen mit Schlagstock und Tränengas aus dem Gebäude herausprügeln. Die einst offiziell vom Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha im Jahre 1865 den Ureinwohnern gestifteten Gemäuer sollen nun nach ihrer Renovierung als Museum der Olympischen Spiele dienen. 

Bei so wenig Respekt vor der Urbevölkerung Brasiliens kann zumindest bei den Cariocas, die die gewalttätige Räumung miterlebt haben, kaum Fußballbegeisterung aufkommen. Dasselbe gilt für die Tausenden Flutopfer der Überschwemmungskatastrophe von Teresópolis vor drei Jahren. Im Januar 2011 starben mehr als 900 Menschen in den Fluten und Schlammassen in der Bergregion des Bundesstaates Rio de Janeiro. Tausende verloren ihr Dach über dem Kopf und sind bis heute auf Behelfsbehausungen angewiesen, denn die Fußball-WM geht vor. Erst danach werden die ersten 250 Häuser für die Flutopfer von 2011 fertig sein, so das Bürgermeisteramt von Teresópolis. 

Die meisten dieser Menschen werden aber noch länger warten müssen. 

Insgesamt sollen 1600 Häuser bis 2015 fertig gestellt sein, so der offizielle Plan zur Unterstützung der Flutopfer. Bezeichnenderweise befindet sich auch das offizielle Quartier, das Granja-Comary-Trainingslager, der brasilianischen Nationalmannschaft traditionell in Teresópolis. Und zur gründlichen wie pünktlichen Renovierung der Luxusherberge für die Fußballmillionäre fehlten weder Zeit noch Steuergelder. 

»Brot und Spiele« war einmal 

Nicht nur die Vertreibungen und Enteignungen, die seit 2005 durchgeführten brutalen Einsätze der Polizei in den Favelas und bei Demonstrationen machen es selbst den eingefleischten Fußballanhängern Rios schwer, mit der WM zu sympathisieren. Traditionell gehören eher die unteren Einkommensschichten zu den Fußballbegeisterten. Doch diese wurden schlicht ausgesperrt. Das alte Stadion Maracanã war ihr Tempel, mit Eintrittspreisen, die an ihre Einkommen angepaßt waren. Stehplätze kosteten früher weniger als fünf Reais. Doch diese wurden mit dem Umbau abgeschafft. Das »schicke« neue Maracanã hat nur noch Sitzplätze, und die sind teuer. 

Das billigste Ticket für ein Lokalderby kostet heute im Schnitt 80 Reais, umgerechnet etwa 26 Euro. Das können sich nur noch wenige leisten. So spielte Flamengo, Rios Traditionsverein mit der angeblich größten Anhängerschar weltweit, beim vergangenen Halbfinalspiel zum Campeonato Carioca vor lediglich rund 5000 Zuschauern. Und während der WM werden wohl in erster Linie Fußballtouristen und eine kleine brasilianische Elite im Stadion sein. Das billigste Ticket zum Endspiel soll rund 100 Euro kosten, die Hälfte eines Monatsverdiensts für viele der fußballbegeisterten Cariocas. 

»Das alte System rBrot und Spielel, das den Zweck hatte, das Volk ruhigzuhalten, wird diesmal nicht funktionieren«, analysierte Kolumnist Martins. »Die enormen öffentlichen Investitionen in weiße Elefanten (Prestigebauten) kommen dank der FIFA-Norm nicht mehr der breiten Bevölkerung zugute.« Die WM 2014 sei lediglich für eine reiche Elite, große Teile der Bevölkerung blieben hingegen ausgesperrt. Martins: »Die einst für die Massen mit Steuergeldern erbauten Stadien werden nun dank WM und FIFA eben diesen Massen wieder entrissen. Das ist pervers.« Der von Tausenden Demonstranten skandierte Spruch »Não vai ter Copa«, »Es wird keine WM geben«, bedeute nicht, daß die Weltmeisterschaft nicht stattfinden wird. 

Die WM werde es allerdings für den Großteil der Bevölkerung nicht geben, meint der brasilianische Kolumnist Martins. 

Ausgeschlossen sind auch viele der armen Favelabewohner, die das Gros von Rio de Janeiros Fußballfans stellen. Als »WM-Vorbereitung« hatte Gouverneur Sergio Cabral bereits 2007 mit der brutalen Säuberungs- und »Befriedungspolitik« in strategisch und touristisch interessanten Favelas begonnen. Laut offizieller Statistik tötete die Militärpolizei bei ihren »Befriedungseinsätzen« in jenem Jahr 1330 Menschen. 2009 waren es 1049 getötete Favela-Bewohner. Nach offiziellen Angaben ist diese Zahl zwar 2013 auf 416 zurückgegangen, doch zeichnet sich für das WM-Jahr 2014 wieder ein Anstieg ab. 

Nach Meinung des brasilianischen Städteplaners Carlos Vainer von der staatlichen Universität von Rio de Janeiro würden das Megaevent und die Olympischen Spiele 2016 lediglich als Vorwand benutzt, um eine Reihe von ökonomischen und politischen Zielen einer rechtskonservativen Oberschicht durchzusetzen, der es vor allem um Kapitalvermehrung geht. Dafür sei es notwendig, Ärmere aus Teilen der Stadt zu vertreiben - zugunsten von Immobilienspekulanten. Gerade auch Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr würden, anstatt den Massen zu dienen, entsprechend kanalisiert. 

Carlos Vainer: »In Rio de Janeiro, wo 80 Prozent der Nachfrage nach öffentlichem Nahverkehr in den suburbanen Zentren der Baixada Fluminense und im Großraum Niteroi konzentriert sind, fließen die meisten Gelder für die Verkehrsinfrastruktur in die großen nur von wenigen Menschen bewohnten Zonen im Süden der Stadt, nach Barra da Tijuca und Recreio.« Ziel dieser Investitionen in den dortigen Nahverkehr sei schlicht die Steigerung der Immobilienwerte der Großgrundbesitzer. 

Dawid Danilo Bartelt, der Leiter der Niederlassung der Heinrich-Böll-Stiftung in Rio de Janeiro und Mitautor der Böll-Studie »Fußballweltmeisterschaft 2014 in Brasilien: Wofür und für wen?« rechnet nicht mit einem Ende der Proteste während des Turniers. Und die Polizei werde wahrscheinlich weiter versuchen, die Demonstrationen mit Gewalt einzudämmen. »Mit Prügel und Gummikugeln gehen die Sicherheitskräfte gegen Brasilianerinnen und Brasilianer vor, die die Weltmeisterschaft im eigenen Land kritisieren. Nicht, weil sie Fußball nicht mögen oder der Seleção nicht die Daumen drücken, das tun die meisten sehr wohl, sondern weil die von Regierung und Medien - nicht zuletzt ausländischen - beharrlich wiederholte Erfolgserzählung immer weniger mit den Alltagserfahrungen der Großstadtbrasilianer und damit der Mehrheit der Bevölkerung in Einklang zu bringen war«, schrieb Dawid Bartelt im Amnesty Journal vom April dieses Jahres. 

Mit dem Knüppel gegen Kritik 

Auf die Frage »Wem bringt die Weltmeisterschaft 2014 etwas?« antwortet er: »Den Zwangsgeräumten hat sie den Verlust ihres Heimes und zumeist auch ihrer wirtschaftlichen Lebensgrundlage gebracht. Ihre Häuser und Hütten mußten neuen Straßen, neuen Stadien oder neuen Apartments und Shoppingcentern für Besserverdienende weichen. Und nur in wenigen Fällen hielten sich die Verantwortlichen an die internationalen Normen für Zwangsräumungen wie rechtzeitige Information und Beteiligung der Betroffenen, angemessene Entschädigung oder gleichwertiger Ersatz, wenn irgend möglich in der Nähe der alten Wohnung.« 

Die Regierung verspricht erhebliche direkte und indirekte Effekte auf Wirtschaftswachstum und Beschäftigung. Doch die Bilanz sei fragwürdig, meint Bartelt. Die einzigen, bereits feststehenden WM-Gewinner seien die FIFA, die voraussichtlich vier Milliarden Euro in Brasilien einnehmen wird - steuerfrei! - und die großen Baufirmen. 

Norbert Suchanek ist freier Journalist und lebt in Rio de Janeiro. 

 

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BWM-Eldorado für die deutsche Wirtschaft 

Konzerne von Siemens bis ThyssenKrupp profitieren vom milliardenschweren Stadion- und Infrastrukturausbau in Brasilien 

Von Hermannus Pfeiffer 

 

Das fußballbegeisterte Brasilien hat sehr viel Geld in das Prestige-Projekt »WM« gesteckt. Davon wollen deutsche Firmen profitieren. 

Wenn Arjen Robben, der Ausnahmestürmer vom FC Bayern München, in Porto Alegre nach dem WM-Spiel der Niederländer gegen Australien unter der Brause steht, wird er sich wie »dahoam« fühlen können: Die Duschanlage kommt wie in vielen deutschen Stadien aus dem Schwarzwald von der Hansgrohe SE. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft stattet die 1901 in Schiltach gegründete, weltweit tätige Familienfirma die Spielstätten in Curitiba und eben Porto Alegre aus. 

»Viele Konzerne wollen direkt oder indirekt an der Fußball-Weltmeisterschaft mitverdienen«, sagt Markus Dufner, Geschäftsführer des Dachverbands der Kritischen Aktionäre in Köln. Brasilien gibt umgerechnet mehr als zehn Milliarden Euro für das Großereignis aus. 

In: Neues Deutschland online vom 12.06.2014 

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Quelle: http://www.neues-deutschland.de/artikel/935613.wm-eldorado-fuer-die-deutsche-wirtschaft.html 

 

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