8. März: Internationaler Frauentag. 

Kein Ersatzmuttertag sondern Tag des Kampfes der Frauen gegen Krieg, Ausbeutung und Entrechtung der Menschen

von Magdalena Chlopka 

März 06, 2014  

 

„Wir erkennen gar keine besondere Frauenfrage an – wir erkennen keine besondere Arbeiterinnenfrage an! Wir erwarten unsere volle Emanzipation weder von der Zulassung der Frau zu dem, was man freie Gewerbe nennt, und von einem dem männlichen gleichen Unterricht – obgleich die Forderung dieser beiden Rechte nur natürlich und gerecht ist – noch von der Gewährung politischer Rechte. Die Länder, in denen das angeblich allgemeine, freie und direkte Wahlrecht existiert, zeigen uns, wie gering der wirkliche Wert desselben ist. Das Stimmrecht ohne ökonomische Freiheit ist nicht mehr und nicht weniger als ein Wechsel, der keinen Kurs hat. Wenn die soziale Emanzipation von den politischen Rechten abhinge, würde in den Ländern mit allgemeinem Stimmrecht keine soziale Frage existieren. Die Emanzipation der Frau wie die des ganzen Menschengeschlechtes wird ausschließlich das Werk der Emanzipation der Arbeit vom Kapital sein. Nur in der sozialistischen Gesellschaft werden die Frauen wie die Arbeit in den Vollbesitz ihrer Rechte gelangen." 

Clara Zetkin 

Die Vorzeigefrau der CDU der 90er Jahre, Rita Süßmuth, hielt und hält am 8. Mai Reden, andere feiern ihn als Kampf der Frauen gegen die patriarchale Gesellschaft (was immer das auch sei), andere machen daraus eine Art Muttertag, die Kinderchen sind sehr brav und singen ein Liedchen für Mama und die Kollegen mobben mal weniger gegen ihre Kolleginnen, die Gewerkschaften veranstalten Feiern für ihre Kolleginnen, die schlecht besucht werden und auch eher Alibifunktion haben. 

Gibt es also doch eine gesonderte Frauenfrage? Ich behaupte nein. Sie ist eine Frage der sozialen Ungleichheit in unserer Gesellschaft. Die Frauen werden, ergab eine neue Studie, immer noch schlechter bezahlt als Männer, bei gleicher Qualifikation haben sie keineswegs die gleichen Aufstiegschancen wie Männer und bei qualifizierten Jobs im technischen und handwerklichen Bereichen haben Frauen überhaupt kaum Chancen. Das ist schlichte Realität. 

Man kann sicher sagen, die bösen Männer lassen Frauen nicht an die Jobs und deshalb ist es ein Kampf der Geschlechter. Das ist, meine ich, sehr verkürzt gedacht. 

Clara Zetkin, von der das hier angeführte Zitat stammt, sah das nicht so verkürzt. Sie wusste, nicht die Zugehörigkeit zu einem Geschlecht machten einen Menschen zum Unterdrücker und Ausbeuter, sondern seine Klassenzugehörigkeit. Nicht der Kampf Frau gegen Mann führt zur Frauenbefreiung – so sahen und sehen es die bürgerlichen Frauenrechtlerinnen – sondern der Kampf der Klassen, des Proletariats gegen das Kapital, ist die Front, an der auch die proletarischen Frauen kämpfen werden und müssen. Indem der Mensch von den Fesseln der fremdbestimmten Arbeit befreit wird, befreit sich die unterdrückte Klasse – die Arbeiterklasse – und übt die Staatsmacht aus. Die Frauenfrage hebt sich damit auf. Frauen können nur so sich befreien, nicht von den Männern oder gegen sie, sondern mit ihnen. 

Wenn die Frauen damals für das Frauenwahlrecht stritten – Clara Zetkin ist keineswegs dagegen – oder heute für gleiche Bildungschancen, so ist das eine Selbstverständlichkeit. Aber das Problem schafft man damit nicht aus der Welt. Deshalb gelten Clara Zetkins Worte heute wie damals: 

„Die Emanzipation der Frau wie die des ganzen Menschengeschlechtes wird ausschließlich das Werk der Emanzipation der Arbeit vom Kapital sein." 

 

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Nachrichten

8. März 2014

Kapital & Arbeit

Internationaler Frauentag: Grüsse des DKP-Vorsitzenden

Liebe Kolleginnen, liebe Genossinnen,

im Namen des Parteivorstands der DKP grüße ich Euch zum internationalen Frauentag.

Die ganze Geschichte des internationalen Frauentags ist eine Geschichte von Kämpfen. Kampf um das Frauenwahlrecht, Kampf um gleichen Lohn für gleiche Arbeit, Kampf um Frieden, Kampf um gleiche Rechte gegen die Unterdrückung von Frauen. Die Notwendigkeit zu kämpfen, sich zu wehren ist leider nicht kleiner geworden.

* imperialistische Politik verschärft die Spannungen erhöht die Kriegsgefahr, wie z.B. in der Ukraine, und die Bundesregierung der großen Koalition zündelt fleißig mit.

* unser Land ist im Verhältnis zu seiner Produktivität ein Niedriglohnland. Natürlich trifft es massiv Frauen – in unserem Land, aber auch in der Peripherie Europas, die vor diesem Hintergrund mit der deutschen „Exportwalze" ausgequetscht wird.

* Die EU macht sich zur Festung, im Mittelmeer verrecken die Flüchtlinge.

* Innerhalb der EU wird in unserem Land der Rassismus geschürt gegen Menschen, die auf der Flucht vor Hunger, auf der Suche nach einer Lebensperspektive sind.

Alles das trifft Frauen mit besonderer Härte, aber es betrifft alle, Jugendliche, Frauen und Männer. Wir müssen gemeinsam gegen Militarismus kämpfen. Wir müssen gemeinsam erkennen, dass hinter diesen Schweinereien das Kapital, die Monopole und Banken stehen. Wir müssen ihnen den Kampf für unsere Interessen entgegensetzen.

Deswegen sagen wir, dass der 8. März in unserem Land ein Tag des Kampfes um 30 Stunden Woche bei vollem Lohn- und Personalausgleich sein muss.

Deswegen sagen wir, dass der 8. März ein Tag der internationalen Solidarität, gegen imperialistische Ausbeutungs- und Kriegspolitik sein muss.

Und deswegen geht unser Gruß an die Frauen auf der ganzen Erde, die in diesen Kämpfen stehen.

Mit sozialistischen Grüßen

Patrik Köbele

Vorsitzender der DKP

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Befreiung der Frau im Sozialismus 

… … bedarf weiterer Kämpfe  

In: unsere zeit online vom 07.03.2014 

 

Der Internationale Frauentag wird am 8. März seit einigen Jahren wieder deutlicher zum Anlass genommen, über die Rechte von Frauen zumindest nachzudenken. Dabei wird den Fragen zur Arbeitswelt eine entscheidende Rolle beigemessen. Forderungen nach gleichem Lohn für gleichwertige Arbeit, beruflicher Chancengleichheit, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Arbeitszeitverkürzung unter frauenspezifischen Gesichtspunkten stehen zur Diskussion. Dies sind nur einige der zu lösenden Probleme, für deren Veränderungen im Interesse der Frauen bereits unter kapitalistischen Verhältnissen gemeinsam gekämpft wird: Gewerkschafterinnen, Sozialdemokratinnen, Sozialistinnen, Kommunistinnen kommen zusammen mit Frauen aus Kirchen, feministischen Gruppen. Der Schulterschluss mit den Männern wird gesucht und oft gefunden, wenn ihnen klar ist: Von positiven Veränderungen für die Rechte der Frauen profitieren auch alle anderen Unterdrückten in der Klassengesellschaft. 

Vor 40 Jahren erschien in der DDR „Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz". 

Mit diesem und ihren anderen Arbeiten hat die Schriftstellerin Irmtraud Morgner zur Bereicherung feministischer Literatur beigetragen. Sie hat in der linken, sozialistischen und kommunistischen Bewegung, mindestens für die Frauen, emanzipatorisches und feministisches Nachdenken gefördert. 

In Morgners Romanen erkennen die Frauen den Widerspruch zwischen dem, was ihnen in der Arbeitswelt abverlangt wird und dem, was zur Entfaltung der eigenen Persönlichkeit gewünscht und notwendig ist. Und Morgner gibt uns in ihrem Werk den Hinweis, dass zwar erst im Sozialismus die letztendliche Befreiung der Frau möglich ist, sie aber auch hier nicht zwangsläufig erfolgt, sondern weiterer Kämpfe innerhalb der neuen Gesellschaft bedarf. 

Morgner war es, die in Anlehnung an die Marxschen Feuerbachthesen das weitergehende Ziel formulierte: „Die Philosophen haben die Welt bisher nur männlich interpretiert. 

Es kommt aber darauf an, sie auch weiblich zu interpretieren, um sie menschlich verändern zu können." Als Maßstab für den Kampf um die Rechte der Frau werden heute die vorhandenen Rechte (also die gesetzlich vorgegebenen) genommen. Dass dies dem Emanzipationsgedanken nicht gerecht wird, sich aus der Lage der Frau weitergehende Forderungen ergeben, soll nur an zwei Beispielen gezeigt werden: H Der Kampf für Frieden, gegen Gewalt und Krieg spielt für Frauen eine weitergehende Rolle, da neben den bekannten Auswirkungen von Kriegen, besonders in Kriegszeiten die Gewalt gegen Frauen zunimmt. 

H Clara Zetkin stellte bereits 1920 in den „Richtlinien für die kommunistische Frauenbewegung" fest, dass Kommunistische Parteien einzutreten haben „Für die Aufklärung der Frauen über den rückständigen Charakter der alten Hauswirtschaft, die mit ihr verbundene Vergeudung von Zeit, Kraft und Mitteln, über die Ausnutzung des Haushalts durch den Kapitalismus als eines Mittels, in Anrechnung der unbezahlten Arbeit der Hausfrau den Lohn des Mannes niedrig zu halten und die Frau durch die Absperrung vom gesellschaftlichen Leben geistig und politisch in Rückständigkeit zu belassen". 

Nach wie vor wird die Hausarbeit, mit allem was darunter gesehen wird, als Privat verstanden. Gesetze, wie z. B. 

die sogenannte „Herdprämie" oder auch die Pflegegesetze, bestärken dies. 

Auch zunehmende Berufstätigkeit der Frau hat im Kern nichts daran verändert. 

Nach marxistischem Verständnis müssen wir vom Alltag der Menschen ausgehend Forderungen für Veränderungen entwickeln. Auch um Geschlechterverhältnisse zu verändern, sollten wir hier ansetzen. 

Der Frauenarbeitskreis der DKP hatte Ende 2012 angeregt, zu den Themen Arbeitszeitverkürzung und Sorgearbeit/ Reproduktionsarbeit zu arbeiten. 

Dieser Ansatz ist aktuell: Vom 14.–16. März findet in Berlin die „Aktionskonferenz Care Revolution" statt. 

Mit dem Motto „Her mit dem guten Leben – für alle weltweit!" wird u. a. 

die Frage zur „Krise sozialer Reproduktion" aufgeworfen. Die Konferenz umfasst die gesamten Lebenszusammenhänge – aus der Sicht des Dienstleistungsgewerbes, das den Reproduktionsbereich einschließt, ebenso wie Anker zur industriellen Frauenarbeit. 

Das breite Spektrum der Aktivistinnen kann eine längerfristige Zusammenarbeit möglich machen. Dafür spricht, dass in Berlin ein großes Bündnis zur Demonstration am 8. März aufruft, in anderen Regionen der Republik gemeinsame Aktivitäten geplant sind. 

Der Vorsitzende der Europäischen Linken, Genosse Pierre Laurent, hat in seiner Rede auf dem Parteitag der EL in Madrid festgestellt, dass um die Frauenrechte zu streiten sei, die EL eine feministische Partei ist. Daraus Schlussfolgerungen zu ziehen ist Aufgabe der einzelnen Parteien. KommunistInnen der DKP sollten in den vorhandenen Frauenpolitiken anstatt Warnschilder gegen Zusammenarbeit aufzustellen, eigene Akzente einbringen. Wer die Gleichberechtigung der Frau will, sollte sich zumindest an den Debatten über diese Fragen nicht vorbeimogeln. 

Bettina Jürgensen 

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Kampftag 8. März  

Weltweit demonstrierten am Internationalen Frauentag Hunderttausende für ihre Rechte. In Buenos Aires und Barcelona waren streikende Arbeiterinnen dabei  

Wladek Flakin 

In: junge Welt online vom 14.03.2014 

 

Am 8. März führten Arbeiterinnen des deutschen Autozulieferers Kromberg und Schubert eine Demonstration in Buenos Aires an. Über 6000 Teilnehmerinnen waren zum Internationalen Frauentag in Argentiniens Hauptstadt zusammengekommen, viele trugen lila. Die Arbeiterinnen von Kromberg auch - bei ihnen aber war es die Farbe der Uniform, die sie bis Anfang des Jahres tragen mußten. Der deutsche Konzern entließ im Januar 54 Beschäftigte, die seitdem um ihre Wiedereinstellung kämpfen (jW berichtete). Rund 80 Prozent der Beschäftigten dort sind Frauen. 

»Es ist nicht einfach für uns Frauen, in den Kampf zu ziehen, weil wir Familien haben«, sagte die Arbeiterin Daiana Álvarez im Gespräch mit jW - und zeigte sich optimistisch: »Aber diese Firma werden wir besiegen!« Beim Protestmarsch waren neben den Frauen von Kromberg auch Lehrerinnen dabei, die höhere Löhne fordern. Auf der Kundgebung in Buenos Aires sollte insbesondere auf die doppelte Unterdrückung der arbeitenden Frauen hingewiesen werden. Der Tag endete mit einem großen Solidaritätsfest für die Kromberg-Arbeiterinnen, um die Streikkasse wieder aufzufüllen. 

Denn gleich am Montag standen sie wieder an allen Toren des Industrieparks Pilar, wo sich die Fabrik von Kromberg befindet. Ab vier Uhr morgens blockierten brennende Reifen die Eingänge zu dem Komplex, auf dem 200 Unternehmen angesiedelt sind. Nach sechs Stunden Blockade rückten 500 Polizisten an und verhafteten drei Arbeiter, die jedoch nach Protesten wieder freigelassen wurden. 

Am Mittwoch gingen zwei Arbeiterinnen zum Werkstor, nachdem ein Gericht ihre Wiedereinstellung angeordnet hatte - in Begleitung eines Anwalts und von Aktivistinnen der »Mütter vom Plaza de Mayo«. Sie wurden dennoch nicht eingelassen. Derweil wächst auch innerhalb der Fabrik die Unzufriedenheit: Einige Beschäftigte forderten eine Belegschaftsversammlung wegen der Entlassungen - und bekamen dafür eine Abmahnung. 

Auch auf der anderen Seite des Atlantiks gingen am 8. März Zehntausende auf die Straße. In Spanien stand angesichts des Vorhabens der konservativen Regierung, Schwangerschaftsabbrüche faktisch zu verbieten (jW berichtete), das Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper im Mittelpunkt machtvoller Manifestationen in der Hauptstadt Madrid und in Barcelona. 

Die Wut der Demonstrantinnen richtete sich aber auch gegen eine während der Finanzkrise verabschiedete Arbeitsmarktreform aus dem Jahr 2012, die Müttern den Wiedereinstieg in den Beruf zusätzlich erschwert. Unter den bis zu 10000 Frauen und Männern, die am Samstag in Barcelona protestierten, waren auch Arbeiterinnen der Donutfabrik Panrico. »Die Arbeiterinnen von Panrico haben keinen Grund zu feiern, aber viele Gründe zu kämpfen!«, stand auf einem violetten Transparent. In der Großbäckerei streikt die Belegschaft seit fünf Monaten gegen die Pläne des Unternehmens, die Hälfte der 4000 Beschäftigten zu entlassen - drei Viertel von ihnen sind Frauen. 

Am 8. März verkauften Panrico-Arbeiterinnen auf der Frauentagsdemo Sandwiches, um ihre Streikkasse aufzufüllen, organisierten eine Diskussionsveranstaltung mit feministischen Aktivistinnen und zeigten Fotos über ihren Kampf. Die meisten Arbeiterinnen des Betriebs nahmen mit selbstgemalten Schildern und Transparenten an der Demonstration teil. 

Dies sind nur zwei Beispiele dafür, wie Frauen am 8. März auch auf ihre betrieblichen Kämpfe aufmerksam machten. Auch auf der Demonstration zum »Frauen*kampftag 2014« in Berlin waren Lehrerinnen, Verkäuferinnen aus dem Einzelhandel und Pflegerinnen dabei, die sich in den letzten Monaten an Warnstreiks beteiligt hatten. Mit dem Motto »Still loving feminism« zeigten in der deutschen Hauptstadt mehr als 5000 Frauen und Männer, daß die Abschaffung patriarchaler Machtverhältnisse eine wesentliche Voraussetzung für die Schaffung einer von Ausbeutung befreiten Gesellschaft ist. 

Andererseits knüpften sie explizit an die kämpferische Tradition des Internationalen Frauentages an, wie sie 1910 von Clara Zetkin und anderen begründet wurde. Denn Rosa Luxemburg hatte schon vor 100 Jahren darauf hingewiesen, »daß die Gleichberechtigung der Frauen den Staat noch nicht umstürzt, die Herrschaft des Kapitals nicht antastet«. Das Zitat entstammt einem Text Luxemburgs vom 8. März 1914 - der in Form eines Flyers auf der Demo in Berlin verteilt wurde. 

 

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„Knappe Renten und Altersarmut"  

UZ-Interview mit Barbara Kuprat vom Frauenarbeitskreis der DKP Essen über seine Aktivitäten und die Bedeutung des Internationalen Frauentags  

In: unsere zeit online vom 07.03.2014 

 

UZ: Wir schreiben den 8. März 2014, den Internationalen Frauentag. Was sind die drängendsten Probleme von Frauen in unserem Land? Barbara Kuprat: Auch wenn es vielen auf den ersten Blick nicht so scheinen mag sind wir in Deutschland immer noch meilenweit von einer Gleichstellung der Geschlechter entfernt. Frauen verdienen deutlich weniger als Männer, sind seltener berufstätig und arbeiten – da sie im Regelfall immer noch für die Kindererziehung zuständig sind – überproportional häufig in Teilzeit oder Mini- Jobs. Die Folgen sind knappe Renten und Altersarmut. 

UZ: Der 8. März ist ein Internationaler Kampftag. Ein Kampftag der Frauensolidarität. 

Ist das traditionelle „International" nur stehen geblieben oder wo sind heute die Verbindungen Barbara Kuprat: Frauen in der ganzen Welt benötigen unsere Solidarität und der 8. März ist ein Tag an dem wir ganz besonders auf die Situation von Frauen in anderen Ländern aufmerksam machen sollten. Ob es die indischen Frauen sind, für die Vergewaltigungen zum Alltag gehören oder Frauen in den Ländern, in denen das barbarische Ritual der Klitorisbeschneidung noch praktiziert wird, ob es Frauen sind, die in Kriegen mit sexueller Gewalt gedemütigt werden oder Frauen zum Beispiel in Bangladesch, die für einen Hungerlohn und unter katastrophalen Bedingungen unsere Klamotten nähen. 

Aber auch bei uns in Deutschland tut internationale Solidarität not. Denken wir an die asylsuchenden Frauen, die auf Ablehnung und Fremdenfeindlichkeit stoßen, obwohl sie doch alles hinter sich lassen mussten, was ihnen wichtig war, um sich und ihren Kindern ein menschenwürdiges Leben ohne Krieg oder dem drohenden Hungertod zu ermöglichen. 

UZ: Angesichts der Situation ist es erstaunlich, dass Demonstrationen zum 8. März selten geworden sind. Die Veranstaltungen auch der Gewerkschaften finden eher in geschlossenen Räumen statt. Habt ihr eine Erklärung? Barbara Kuprat: Der Internationale Frauentag ist bei den großen Parteien und auch bei der Gewerkschaft leider zu einer Veranstaltung verkommen, die sich überwiegend darauf beschränkt, die bisherigen Errungenschaften für die Frauen zu bejubeln, anstatt den Finger auf die Wunde zu legen. Doch das kann nicht verwundern, sind sie doch mit der Agenda 2010 oder Maßnahmen wie dem Betreuungsgeld maßgeblich für die Misere verantwortlich. 

Die Beobachtung, dass es kaum noch Demonstrationen gibt, stimmt aber aus meiner Sicht nicht ganz. Zum Beispiel wird in Berlin bundesweit zu einer Demonstration unter dem Motto „still loving feminism" zum Frauenkampftag mobilisiert. In Osnabrück ruft unter anderem die Lehrergewerkschaft GEW zu einer Demonstration unter dem Motto „Frauen brauchen keine Blumen" auf. Sie wollen verhindern, dass der 8. März zu einer Art Valentinsoder Muttertag ohne politischen Inhalt verkommt. Auch in Köln, Bielefeld und Hamburg gibt es Demonstrationen. 

UZ: Die DKP führt in vielen Orten Veranstaltungen durch. Eine der schon fast traditionellen Veranstaltungen mit eigener Revue zum 8. März bereitet euer Frauenarbeitskreis vor. Dieses Mal dreht sich das Stück um das Wohnen. Ist das ein Thema, das speziell Frauen betrifft? Barbara Kuprat: Zumindest wird der Bereich „Wohnen" häufig den Frauen zugeschrieben. Die Frau macht das Heim gemütlich und ist in der Werbung die Adressatin für allerlei Schnickschnack und Wohnungszubehör. Generell betrifft das Thema natürlich Männer wie Frauen, wobei Frauen, wenn sie zum Beispiel Alleinerziehende sind, stärker auf preiswerten Wohnraum angewiesen sind. Und der wird vor allem in den Metropolen immer knapper. 

Auch ist die Zahl der wohnungslosen Frauen in den letzten Jahren überproportional angestiegen. 

Bei unserer Frauentagsrevue betrachten wir die unterschiedlichsten Aspekte des Themas „Wohnen" aus überwiegend weiblicher Sicht: Wenn sich zwei Mädels 1968 über die Kommune 1 unterhalten, oder zwei Seniorinnen besorgt aber kämpferisch über ihre Zukunft parlieren, wenn eine Bergarbeiterfrau einen Kostgänger sucht oder eine patente Mieterin einen erfolglosen Mängelanruf tätigt, dann sind es starke und selbstbewusste Frauen, die hier in Aktion treten. Aber es gibt nicht nur amüsante Sketche in unserer Revue sondern auch viele wichtige Informationen über z. B. Gentrifizierung, über alternative Wohnformen oder über Flüchtlingsunterkünfte. 

UZ: Der Essener Frauenarbeitskreis ist schon etwas Einzigartiges in der Partei. 

Erzähl etwas über die Anfänge und die Entwicklung. Was ist euch besonders wichtig in der gemeinsamen Arbeit? Barbara Kuprat: Den Essener Frauenarbeitskreis gibt es bereits seit gut 30 Jahren, natürlich in wechselnder Besetzung. 

Er entstand in der Tat anlässlich des Internationalen Frauentags, als in den 80er Jahren in Essen noch die „Essener Frauenwochen" stattfanden, an denen sich die DKP engagiert beteiligte. 

Die Frauenwochen sind verschwunden, geblieben ist der DKP-Frauenarbeitskreis, der seit Jahren in Essen die größte politische Frauentags Veranstaltung durchführt. Während wir früher überwiegend ein Programm organisierten, also Referentinnen und Künstlerinnen engagiert haben, gestalten wir seit etlichen Jahren unser Programm komplett in Eigenarbeit. Dabei kann jede Genossin sich nach ihren persönlichen Fähigkeiten einbringen. Während die Eine besondere schauspielerische Fähigkeiten hat ist die Andere gestalterisch besonders begabt, die Eine schreibt lieber Sketche und die Andere erarbeitet lieber theoretische Texte. Wichtig ist, dass alles gemeinsam besprochen und verbessert wird und alle mit dem Endprodukt einverstanden sind. Auf jeden Fall sind wir ein Super-Team und ich glaube das spürt man auch bei unseren Aufführungen. 

UZ: Da kannst du dir sicher sein. Nachdem klar war, dass es zur Zeit keine Genossin gibt, die den bundesweiten Frauenarbeitskreis organisieren kann, habt ihr das Heft in die Hand genommen und zu nunmehr zwei Beratungen eingeladen. 

Mit welchem Ergebnis? Barbara Kuprat: Alle anwesenden Genossinnen, und das waren zumindest bei unserem 2. Treffen bereits 15 Frauen, sind sich einig, wie wichtig eine intensivere Frauenarbeit in unserer Partei ist. Dazu gehört sowohl eine inhaltliche Auseinandersetzung und die Positionierung zu aktuellen Frauenfragen wie auch die Planung von Aktionen und Veranstaltungen, wie eben den 8. März oder den Frauenblock beim UZ-Pressefest. 

Auch die Arbeit mit den Klassikern soll nicht vernachlässigt werden, hier tut durchaus so manche Auffrischung not. 

Wir wollen dazu in diesem Jahr ein Wochenendseminar durchzuführen. Der bundesweite Frauenarbeitskreis will sich vierteljährlich treffen, das nächste Treffen findet am 17. Mai statt und wir würden uns über weitere Mitstreiterinnen sehr freuen. 

UZ: Die Frau im Sozialismus. Zu eurer letzten Sitzung waren Erika Baum und Conny Schulz aus Berlin, gelernte DDR-Bürgerinnen, eingeladen. Was können wir von ihnen lernen? Barbara Kuprat: Erika und Conny waren absolut tolle Referentinnen. Nach einem theoretischen Teil der die Zusammenhänge Unterdrückung/Frauenunterdrückung und revolutionäre Bewegung/Frauenbefreiung deutlich machte, ging es tief in die Realitäten der DDR. Auch wenn einige Fragen offen blieben, waren wir äußerst beeindruckt von den Errungenschaften die der Sozialismus den Frauen in der DDR gebracht hatte. Das können wir uns heute kaum noch vorstellen. 

Es war eine Sitzung, die Mut machte und kämpferisch stimmte, die deutlich zeigte, ein anderes Leben kann erreicht werden, und dafür werden wir streiten. 

UZ: Was sind aus eurer Sicht Aspekte, Positionen und Forderungen, die KommunistInnen heute in den Vordergrund stellen müssen? Barbara Kuprat: Die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Frauen haben sich in den letzten Jahren immer weiter verschlechtert. Flexibilisierungskonzepte und prekäre Beschäftigungsverhältnisse von denen vor allem Frauen betroffen sind, haben sinkende Löhne und wachsende Armut zur Folge. 

Frauen verdienen in Deutschland immer noch um die 20 Prozent weniger als Männer, eine Tatsache, die kaum zu glauben ist. Typische Frauenberufe haben ein deutlich niedrigeres Gehaltsniveau gegenüber männerdominierten Berufen. Hier muss vorrangig angesetzt werden. Das frauenfeindliche Betreuungsgeld gehört abgeschafft, stattdessen müssen mehr Kindertagesstätten geschaffen werden, damit Frauen nicht zwischen Berufstätigkeit und Kinderbetreuung zerrieben werden. Auch die Forderung nach Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich gehört in diesen Kontext. 

UZ: Auf dem UZ-Pressefest im Juni wird es dieses Mal zwar kein Frauenzelt geben, aber doch ein Frauenprogramm. 

Was habt ihr vor bzw. was bietet ihr an? Barbara Kuprat: Der Essener Frauenarbeitskreis wird sein neues Programm zeigen sowie eventuell Teile aus früheren Aufführungen. Es wird eine Lesung geben und eine Diskussionsrunde zu einem aktuellen Thema. Wir werden uns um eine weitere Kabarettistin bemühen. 

Auf jeden Fall gibt es spannende Dinge zu hören und zu sehen. Hierfür suchen wir noch Platz in den Bezirksbeiträgen. 

Das Gespräch führte Wera Richter 

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Der Kampf ist nicht gewonnen  

Die Rechte der Frauen müssen auf der Straße erkämpft werden. Daran hat sich seit über 100 Jahren nichts geändert. Ging es Clara Zetkin und Rosa Luxemburg noch um das Wahlrecht, sind die Probleme heute andere. Der Prozeß der Emanzipation dauert an, Gleichstellung ist längst nicht verankert. 

In: junge Welt online vom 08.03.2014 

 

Allzu oft wird mit hohler Begrifflichkeit hantiert, die reale Diskriminierung kleingeredet. Der Internationale Frauentag darf nicht zum Ritual verkommen und bürgerlicher Reaktion überlassen werden. Klar, immer mehr Frauen sind in Deutschland berufstätig. Doch für welchen Preis? Prekäre Beschäftigung, Minijobs, patriarchale Hierarchien - das ist die alltägliche Ausbeutung, der Frauen unterworfen sind. Ein verfestigtes Gefüge, an dem nicht nur gerüttelt werden muß, es sollte endlich einstürzen. Eine am Freitag veröffentlichte Forsa-Umfrage im Auftrag der IG Metall besagt: 78 Prozent der Befragten bejahen, daß Frauen nicht »voll und ganz gleichgestellt« sind. »Der hohe Beschäftigungsgrad der Frauen in Deutschland ist ein Bluff«, erklärte das IG-Metall-Vorstandsmitglied Christiane Benner. 

Erschreckender noch sind die Ergebnisse einer aktuellen EU-Studie. Ein Drittel aller Frauen in der EU hat demzufolge seit ihrer Jugend mindestens einmal körperliche oder sexuelle Gewalt erlebt. Die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes beklagt zudem die »katastrophale Rechtslage vor allem bei sexualisierter Gewalt« in Deutschland. Weniger als ein Prozent der Täter werde verurteilt. 

Millionen von Mädchen und Frauen weltweit können nicht selbst über ihre Sexualität, über Verhütung und Fortpflanzung bestimmen. Ausgehebelt ist ein grundlegendes Menschenrecht, die Unterdrückung allgegenwärtig. Ein breites Bündnis ruft für den 8. März um 13 Uhr zur Demonstration in Berlin-Gesundbrunnen auf. Die beteiligten Initiativen wollen eine neue feministische Offensive organisieren. Das ist bitter nötig. Denn der Frauentag muß mit Leben erfüllt sein. Nur so läßt sich überwinden, was allzu viele für selbstverständliche Gegebenheit halten. (mme)  

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»Wir wollen den Frauenkampftag repolitisieren«  

Erste bundesweite Demo zum 8. März seit vielen Jahren am Sonnabend in Berlin. Ein Gespräch mit Josephine Michalke  

Wladek Flakin 

In: junge Welt online vom 07.03.2014 

 

Josephine Michalke ist Studentin und aktiv im Bündnis Frauenkampftag 

Seit 20 Jahren gab es zum 8. März, dem Internationalen Frauentag, keine größere Veranstaltung in Berlin - doch am Samstag findet dort erstmals wieder eine bundesweite Demonstration statt. Wie ist sie zustande gekommen? 

Der 8. März hat seine ursprünglich politische Bedeutung in der öffentlichen Wahrnehmung leider verloren. Feministische Themen bekamen in den vergangenen Jahren punktuell mediale Aufmerksamkeit, beispielsweise durch Pussy Riot oder die Slutwalks, doch es fehlte eine Vernetzung der unterschiedlichen feministischen Initiativen. 

Wir fanden, daß es an der Zeit ist, die Kräfte zu bündeln und den 8. März als symbolischen Tag des Kampfes um Gleichberechtigung zu nutzen. Hierfür hat sich ein breites Bündnis aus mittlerweile über 70 Organisationen gefunden. Natürlich hoffen wir, daß da noch viel mehr Gruppen hinzukommen. 

Wir wollen den 8. März repolitisieren und für unsere Forderungen eine Öffentlichkeit schaffen. 

Diverse Medien behaupten, die Frauenunterdrückung gehöre der Vergangenheit an - hin und wieder ist sogar vom »Ende der Männer« die Rede. Was ist da dran? 

Nach wie vor kann nicht von einer Gleichstellung gesprochen werden, die Benachteiligung von Frauen zieht sich durch alle gesellschaftlichen Bereiche. Nach wie vor bekommen sie weniger Lohn und Rente, werden im Arbeitsleben benachteiligt und sind darüber noch doppelt belastet durch Lohnarbeit und Familie. Es sind überwiegend Frauen, die sexualisierter Gewalt sowie dem Alltagssexismus ausgesetzt sind. 

Hinzu kommt der Kampf um die Selbstbestimmung über den eigenen Körper. Den Paragraphen 218 gibt es nach wie vor, und besonders angesichts der reaktionären Entwicklungen in Spanien und anderen Ländern kann dieses Thema auf keinen Fall als erledigt betrachtet werden. All diese Punkte rufen nach einer neuen feministischen Offensive. 

In Deutschland wird der Feminismus oft mit den konservativen Werten einer Alice Schwarzer in Verbindung gebracht. Warum bekennen Sie von sich: »Still loving feminism«? 

Feminismus kann und muß mehr sein. Unter diesem Begriff werden ganz verschiedene Strategien gefaßt. Mittlerweile gibt es neue feministische Theorien, die in der Analyse weit über »Frauenthemen« hinausgehen. Ein fortschrittlicher Feminismus denkt unterschiedliche Unterdrückungsmechanismen und deren Zusammenwirkung mit. Als emanzipatorisches Projekt für alle und von allen zielt er auf viel mehr als gleichen Lohn oder Frauenquoten. 

Wir finden, es lohnt sich, den Feminismus-Begriff auch in Anknüpfung an frühere Kämpfe weiter zu nutzen und gleichzeitig neu zu besetzen. Deswegen: Still loving feminism! 

Unter den 70 Gruppen, die den Aufruf unterzeichnet haben, sind auch Teile der Parteien Linke, Piraten, Grüne - sogar die SPD-Berlin ist dabei. Kann man für Frauenrechte zusammen mit Parteien demonstrieren, die mit der Agenda 2010 und dem Afghanistan-Krieg die Rechte der Frauen massiv angegriffen haben? 

Breite Bündnisse bringen natürlich immer Widersprüche mit sich. Wir halten es aber für unabdingbar, diese Breite und diese Pluralität abzubilden, um Schlagkraft aufzubauen und dadurch Druck in der politischen Öffentlichkeit ausüben zu können. 

Sozialabbau trifft Frauen im besonderen Maße - das kritisieren wir auch sehr deutlich im gemeinsamen Aufruf. Im Bündnis selbst waren vornehmlich die Jugendverbände der Parteien aktiv, den Aufruf konnten alle Organisationen unterzeichnen. Doch selbstverständlich verwahren wir uns dagegen, als Feigenblatt für eine solche unsoziale Politik herzuhalten, die Frauen im besonderen Maße trifft. 

Was planen Sie genau am Samstag? 

Um 13 Uhr findet die Auftaktkundgebung am Bahnhof Gesundbrunnen statt. Dort wird es ein Kulturprogramm und Redebeiträge geben. Um 14 Uhr startet die Demonstration, nach verschiedenen Zwischenkundgebungen und kleineren Aktionen endet sie am Rosa-Luxemburg-Platz. Hier findet dann unser Abschlußkonzert mit den Gruppen Doctorella, Sookee und anderen statt. 

Frauenkampftag: Samstag, 8.3., 13 Uhr, Berlin-Gesundbrunnen,  

www.frauenkampftag2014.de 

 

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Nicht nur Frauensache  

8. März in Berlin: Größte Demonstration seit 20 Jahren  

Elsa Koester 

In: junge Welt online vom 10.03.2014 

 

Eine neue feministische Offensive startete am Samstag in Berlin: Über 5000 Menschen beteiligten sich an der bundesweiten Demonstration unter dem Titel »Still lovin' feminism« zum Frauenkampftag. Auf Regenschirmen, Transparenten und selbstgebastelten Schildern forderten die Demonstranten das Recht von Frauen auf körperliche und sexuelle Selbstbestimmung und die ökonomische Gleichstellung der Geschlechter ein. Erstmals beteiligten sich auch viele Männer an der Demonstration. Aufgerufen hatte ein breites linkes Bündnis aus Fraueninitiativen, queeren, migrantischen und antikapitalistischen Gruppen, Gewerkschaften und Parteien. 

Die breite Vielfalt aktueller feministischer Kämpfe zeigte sich bereits auf der Auftaktkundgebung. So kritisierten Sprecher des »Inter- und Trans-Blocks«, daß die spezifische Diskriminierung transsexueller Menschen im Aufruf des Bündnisses keine Berücksichtigung gefunden hätte. Sie wiesen auf die Gewalt hin, die intersexuellen Menschen weltweit angetan werde, wie Zwangsoperationen an Kindern zur Vereinheitlichung des Geschlechts. 

Die feministische Initiative »Women in Exile« thematisierte die Bedingungen, unter denen nach Europa geflüchtete Frauen in Lagern leben müssen, ohne Privatsphäre und ohne Möglichkeiten der Kinderbetreuung. Für ihr Engagement gegen die Unterbringung von Frauen in Flüchtlingslagern wurde die Initiative bereits am Vorabend mit dem Clara-Zetkin-Frauenpreis der Partei Die Linke ausgezeichnet. Elisabeth Ngari, eine der Mitbegründerinnen von »Women in Exile«, forderte die regierende Linkspartei in Brandenburg auf, nun auch konkrete Schritte gegen diese Form der Unterbringung zu unternehmen. 

Zu der Demonstration mobilisiert hatte auch eine Gruppe spanischer Emigrantinnen aus der »15M«-Bewegung gegen die Krisenpolitik spanischer Regierungsparteien, die während der sozialen Proteste der Jahre 2011 und 2012 entstanden war. Aus Solidarität mit dem Kampf gegen die Verschärfung des Gesetzes zu Schwangerschaftsabbrüchen in Spanien hielten sie Schilder mit den Worten »My body, my choice!« hoch (»Mein Körper, meine Entscheidung!«). Die rechtskonservative »Partido Popular« hat in Spanien einen Gesetzesentwurf eingebracht, der Schwangerschaftsabbrüche nur noch im Falle einer Vergewaltigung oder bei einer Gesundheitsgefährdung der werdenden Mutter erlauben soll. Tausende Menschen demonstrierten im Februar in Madrid gegen diesen Angriff auf die körperliche Selbstbestimmung von Frauen. 

Daß die Unterschiedlichkeit von feministischen Ansätzen auch zu harten Widersprüchen führen kann, wurde bei einer Auseinandersetzung um Sexarbeit deutlich. Prostitutionsgegnerinnen verteilten Flyer, auf denen bezahlte Sexarbeit als »sexistische Ausbeutung«, »verklemmter Schrott früherer Jahrhunderte« und als »Gewalt gegen Frauen« bezeichnet wurde. Auf Höhe des Blocks der Sexarbeiterinnen kam es zu lautstarken Auseinandersetzungen. Auf Regenschirmen forderten diese, Sexarbeit als Lohnarbeit anzuerkennen. 

Lautstark skandierten sie »Sexwork goes deeper!«. Die Prostitutionsgegnerinnen zogen sich zurück. 

»Es gibt nicht nur den einen Feminismus - er ist eben in Bewegung«, sagte Friederike Benda auf der Abschlußkundgebung. Die Bündnissprecherin rief dazu auf, die verschiedenen Stoßrichtungen feministischer Kämpfe für die gemeinsame Organisierung zu nutzen. 

Kerstin Wolter von der Studierendenorganisation SDS gab sich gegenüber  junge Welt  mit der Teilnahme an der Demonstration sehr zufrieden: »Es haben etliche unterschiedliche Initiativen und Organisationen an der Demonstration teilgenommen, die sich im Vorfeld noch gar nicht am Bündnis beteiligt hatten. Das zeigt uns: Dieser 8. März kann nur ein Anfang sein, es geht um eine neue feministische Offensive.« Ob von dem Bündnis auch vor dem Frauenkampftag 2015 weitere Aktionen zu erwarten seien, ließ Wolter noch offen. 

Auf dem Rosa-Luxemburg-Platz wurde die größte zentrale Demonstration zum Frauenkampftag seit zwanzig Jahren noch bis in die Abendstunden mit Livemusik der Berliner HipHop-Künstlerin Sookee und der feministischen Rockband Doctorella gefeiert. 

 

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Nadeshda Konstantinowna Krupskaja  

Die gesellschaftliche Funktion der Frau beim Aufbau des Sozialismus

 Nicht ohne Grund heißt die Zeitschrift, für die ich diesen Artikel schreibe, "Obschtschestwenniza" (Die Frau im gesellschaftlichen Leben). 

 

Wie unsere Partei stets gesagt hat, reißt die gesellschaftliche Arbeit die Frau aus der engen Abgeschlossenheit de r Familie heraus, erweitert ihren Gesichtskreis, hebt ihr Bewußtsein und schaltet sie in die gesamtstaatliche Tätigkeit ein. Das Leben beweist dies auf Schritt und Tritt. Deshalb treten die Faschisten auch so leidenschaftlich gegen die gesellschaftliche Arbeit der Frau auf und fordern, daß sie sich nicht für gesellschaftliche Probleme interessiert, daß sich ihr Leben nicht außerhalb der vier Wände ihrer Familie abspielt. 

Die Sowjetmacht hat sofort den Frauen aller Schichten und aller Nationalitäten die Türen zur gesellschaftlichen Arbeit weit geöffnet. Doch je breiter sich der sozialistische Aufbau entfaltet, je intensiver er vor sich geht, desto mehr Befriedigung gewährt er der gesellschaftlich aktiven Frau, desto mehr macht er sie zur gesellschaftlichen Aktivistin der Epoche des Sozialismus. Durch die Verfassung der UdSSR wird der sozialistisehe Charakter der gesamten gesellschaftlichen Arbeit der Frau noch weiter vertieft, sie öffnet ihr die Pforten zum Wissen und zieht sie jetzt zur aktiven Teilnahme an den Wahlen zum Obersten Sowjet heran. Die Verfassung der UdSSR wird sie stets zur tatsächlichen Verwaltung des Landes heranziehen. 

Das Gesetz über das Abtreibungsverbot hängt mit der Verbesserung des Mutter- und Säuglingsschutzes und mit der breiten Entfaltung des Netzes der Krippen und Kindergärten zusammen. Es wäre jedoch ein großer Fehler anzunehmen, daß die gesellschaftliche Arbeit der Frauen nur auf dieser Linie liegen dürfe. Die gesellschaftliche Arbeit einer Bürgerin der UdSSR muß sich auf alle Bereiche erstrecken. Das ergibt sich unmittelbar aus der gesamten Verfassung der UdSSR. Die breite Entwicklung des Netzes der Krippen und Kindergärten sowie die tatsächliche Verwirklichung des allgemeinen Unterrichts für alle unterstehen' der Kontrolle der breiten Massen, und das wird den Müttern helfen, befähigte Erzieherinnen der heranwachsenden Generation zu werden und die .Kinder zu gesellschaftlich aktiven und kollektiv handelnden Menschen zu erziehen, sie nach den Geboten Lenins zu erziehen. 

Die wichtigste Aufgabe besteht jetzt darin, die Überreste der alten Gesellschaftsordnung, die Überreste der kleineigentümerischen Anschauungen und Gewohnheiten aus der Lebensweise, aus dem Alltagsleben auszumerzen. 

Diese Überreste alter Anschauungen führen zu einer Diskrepanz zwischen den Erklärungen des Menschen in Versammlungen und seinem Verhalten zu Hause und im persönlichen Leben. In Versammlungen ist er Atheist, in der Familie hält er es für möglich, die kirchlichen Feiertage "im häuslichen Kreis" einzuhalten; in der Fabrik fordert er, daß die Frauen ohne die Parandscha zur Arbeit kommen, schweigt aber, wenn die Schwiegermutter von seiner Frau ve rlangt, daß sie die Parandscha trägt; in Versammlungen spricht er über den Vorteil der Gemeinschaftsverpflegung, zu Hause aber verlangt er, daß seine Frau selbst das Mittagessen kocht; zu Hause erlaubt er sich, Frau und Kinder anzuschreien und sich zu betrinken. Die Versessenheit, bei sich zu Hause gutbürgerliche Verhältnisse zu schaffen, Trinkgelage zu veranstalten, der Neid und der Klatsch - ist das alles etwa endgültig ausgemerzt? Die Diskrepanz zwischen gesellschaftlichem und persönlichem Leben ist Wasser auf die Mühlen aller Diversanten, Trotzkisten und Bucharinleute. 

6 Die gesellschaftlich tätige Frau vermag sehr viel zur Umgestaltung der Lebensweise beizutragen. Schließlich ist im Alltagsleben ja sie die Herrin. Außerdem hat sie einen wohlausgebildeten Sinn für Kleinigkeiten, ohne den es unmöglich ist, auf irgend einem Gebiet zu arbeiten. Sie hat ein schärferes Auge, sie reagiert unmittelbarer auf bürokratische Entstellungen im Verwaltungsapparat. Was ihr fehlt ist Wissen. 

Die arbeitende und gesellschaftlich tätige Frau muß gründlich den Marxismus-Leninismus studieren. Das Leben hat die Richtigkeit dieses Studiums voll und ganz bestätigt. Wir feiern den zwanzigsten Jahrestag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution. Das zwanzigjährige Bestehen der Sowjetmacht ist ein Beweis dafür, wie es der Partei dank der Lehre Lenins. gelungen ist, die ungeheuren Schwierigkeiten zu überwinden, die gesamte alte Gesellschaftsordnung umzugestalten und zu einer sozialistischen zu machen, wie sie es geschafft hat, unser Vaterland zu einem reichen und mächtigen Land zu machen, mit dem alle rechnen. 

Nur durch aufmerksames Studium der Grundlagen des Marxismus und der Werke Lenins ist es möglich, den zurückgelegten Weg zu verstehen und klar zu erkennen, wohin die gesellschaftliche Entwicklung führt, ist es möglich, alles zu begreifen, was an der internationalen Front geschieht; und die Wurzeln des trotzkistisch-bucharinschen Verrats an der Sache, für die Hunderttausende Werktätige gekämpft und ihr Leben hingegeben haben, aufzudecken. Wenn man die Grundlagen des Marxismus-Leninismus beherrscht, kann man auch eine erfolgreiche gesellschaftliche Arbeit entfalten. 

Die Politik der Sowjetmacht, ihre Maßnahmen, ihre Ziele und die Perspektiven des weiteren Kampfes werden vertrauter und verständlicher. 

Genossinnen, die Ihr aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmt, Bolschewikinnen und parteilose Bolschewikinnen, macht Euch jetzt intensiv an das Studium des Marxismus, an das Studium der Geschichte des von der Partei zurückgelegten Wegs und an die gesellschaftliche Arbeit, setzt die Weisungen Lenins in die Tat um! Dabei werdet Ihr viel lernen! Bei dieser Arbeit werdet Ihr rasch wachsen. Die richtige, im Leninschen Geist organisierte gesellschaftliche Arbeit wird Euch tiefe Befriedigung gewähren! 1937 

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Im Krebsgang für mehr Frauenrechte 

Für Evrim Sommer liegen die Wurzeln der Geschlechterungleichheit im kapitalistischen Herrschaftssystem 

Von Evrim Sommer 

 

Zum 103. Mal jährt sich am Samstag der Internationale Frauentag. Wir könnten meinen, wir hätten in den vergangenen Jahren viel erreicht: Frauen leben ihr Leben selbstbewusster und unabhängiger als noch vor Jahren. Doch leider erleben wir gerade einen Krebsgang in der Geschlechtergerechtigkeit. 

Deutschland gehört in Sachen Gleichstellung im europäischen Vergleich zu den Schlusslichtern. Frauen verdienen bei gleicher Qualifikation und trotz besserer Ausbildung 22 Prozent weniger als Männer. Nur ein (1!) Prozent Frauen sind in den Vorständen der 100 größten deutschen Unternehmen. Bundesweit ist nur ein Sechstel der Professoren weiblich, obwohl die Hälfte der Hochschulabsolventen und Promovenden Frauen sind. Sie leben öfter als Männer in prekären Beschäftigungsverhältnissen. Frauen werden nach wie vor bevormundet, etwa beim Beratungszwang vor Schwangerschaftsunterbrechungen und durch das Festhalten an der Rezeptpflicht für die »Pille danach«. Und vergessen wir nicht das Betreuungsgeld, mit dem Frauen an die Familie gebunden und vom Erwerbsleben abgehalten werden. 

In: Neues Deutschland online vom 08.03.2014 

Weiter unter:  

Quelle: http://www.neues-deutschland.de/artikel/926296.im-krebsgang-fuer-mehr-frauenrechte.html 

 

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Systemgrenzen überwinden  

»Jineolojî« – eine Konferenz über radikales Denken und Handeln aus Frauenperspektive in Köln  

Ann-Kristin Kowarsch 

In: junge Welt online vom 07.03.2014 

 

Amandla! All power to the people! Alle Macht dem Volk!« rief Grace Pampiri Bothman vom südafrikanischen ANC dem Publikum der Kölner »Jineolojî«-Konferenz am vergangenen Wochenende zu. Und fuhr fort: »Sozialismus ist die Zukunft - baut sie jetzt!« Das paßte. Denn die »Frauenwissenschaft« Jineolojî setzt bei einer radikalen Wissenschaftskritik an und will zugleich eine freie, basisdemokratische Gesellschaft schaffen. Jineolojî kann somit als Ausgangspunkt für revolutionäre Aufbrüche von Frauen verstanden werden. 

Es war die erste Konferenz dieser Art, die am vergangenen Wochenende an der Kölner Universität stattfand, und sie war international besetzt. Gewidmet war sie den drei am 9. Januar 2013 in Paris ermordeten kurdischen Freiheitskämpferinnen Sakine Cansiz, Leyla Saylemez und Fidan Dogan. In ihrer Eröffnungsrede betonte Münevver Azizoglu Bazan, Vorsitzende des Kurdischen Frauenbüros für Frieden Cenî e.V. und Mitorganisatorin der Konferenz: »Damit die Frauenwissenschaft Jineolojî sich und ihre Vision entwickeln kann, sind viele Diskussionen notwendig, die wir verbreitern und austauschen wollen.« 

Muriel González Athenas verband ihre Vorschläge zur Schaffung einer feministischen Epistemologie, also einer Lehre zu neuen Wegen des Gewinnens von Wissen und Erkenntnissen unter Berücksichtigung der weiblichen Perspektive, mit fundamentaler Kritik an der »patriarchalen Konstruktion« der Wissenschaft. Nur durch die Einbeziehung der Kategorie Geschlecht in alle Betrachtungen könne Forschung in Verbindung mit sozialen Bewegungen progressive gesellschaftliche Veränderungen bewirken, führte González aus. 

Wichtige Bezugspunkte und Inspirationsquellen der Jineolojî sind Gegenwart und Geschichte internationaler Frauenkämpfe. Feministische Theorie und Praxis wurden auf der Konferenz als lebendiges Erbe beschrieben, das reflektiert und weiterentwickelt werden müsse. Kritik wurde u.a. an den scharfen Abgrenzungen verschiedener feministischer Strömungen gegeneinander geübt. Weiter konstatierten Teilnehmerinnen der Konferenz, daß viele Frauenprojekte in Westeuropa vergeblich den Spagat zwischen Integration ins System und Rückzug in Nischen versuchen. Auch der Eurozentrismus vieler Feministinnen wurde beklagt. Eine ganzheitliche Organisierung der Frauen sei in Europa bisher ebensowenig gelungen wie der Entwurf einer gesellschaftlichen Alternative zum patriarchalen, kapitalistischen System. 

Die kurdische Frauenbewegung ist in diesem Sinne in den letzten Jahren mit gutem Beispiel vorangegangen. Das illustrierte eindrücklich der Vortrag von Zarife Karasungur von der Demokratischen Freien Frauenbewegung DÖKH aus Nordkurdistan und Bürgermeisterkandidatin der BDP, der kurdischen Partei des Friedens und der Demokratie. Parallel zu einer auf der Straße und im Alltag sichtbaren Basisorganisierung seien unabhängige Institutionen wie Frauenräte, -beratungsstellen, -kooperativen und -akademien aufgebaut worden. 

Die britische Menschenrechtsanwältin Margaret Owen erzählte mit Begeisterung von ihrem Besuch in Rojava (Westkurdistan/Syrien), wo sie im Herbst 2013 Zeugin des Aufbaus der demokratischen Selbstverwaltung und der Stärke der Frauen geworden war. Unter anderem gibt es dort jetzt in allen anderen Institutionen jeweils einen Mann und eine Frau als Vorsitzende. Die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung sei aufgehoben, alle Arbeiten würden gemeinschaftlich organisiert und erledigt. 

Des weiteren berichteten Aktivistinnen verschiedener Frauenbewegungen von ihren Kämpfen. So stellte Consie Lozano von der philippinischen Frauenbewegung Gabriela ihre Erfahrungen vor. Marta Jorba und Maria Rodó de Zárate von der katalanischen Frauenbewegung Gatamaula sprachen über ihre aktuellen Kampagnen zum Aufbau feministischer Kooperativen und zur Verteidigung des Rechts auf Schwangerschaftsabbruchs. 

Die Konferenz stellte einen ersten Schritt dar, den Ansatz der Jineolojî, der von der kurdischen Frauenbewegung entwickelt wurde, in einem breiteren Rahmen zu diskutieren. Jineolojî könnte eine wichtige Methode werden, um weltweite Kämpfe von Frauen zusammenzuführen und Verbindungen zu stärken. 

 

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Krieg wird nicht für Frauenrechte geführt 

In: junge Welt online vom 08.03.2014 

 

Zum Internationalen Frauentag am 8. März erklärt Sabine Lösing, außen- und friedenspolitische Sprecherin der Linken im Europaparlament: Wer Frauenrechte schützen will, muß Kriege verhindern. Denn Frauen sind die ersten Opfer von Krieg. Sexualisierte Gewalt wird in Konflikten als Waffe eingesetzt. Von den über anderthalb Millionen Flüchtlingen aus Syrien sind mehr als zwei Drittel Frauen und Kinder. Oft wird daraus gefolgert, den Frauenanteil in Armeen zu erhöhen. Dies führe zu Verbesserungen. Doch das ist ein fataler Irrtum. Denn Kriege sind grundsätzlich antiemanzipatorisch - egal wie hoch der Frauenanteil in den Streitkräften ist. 

Strikt zivile Konfliktprävention und -bearbeitung ist der einzige Weg, um Frauen zu schützen. Doch eine solche Strategie fehlt sowohl bei der EU als auch der Bundesregierung. Dagegen werden westliche Militärinterventionen mit dem Schutz von Frauenrechten gerechtfertigt. Damit sind weiteren Militäreinsätzen Tür und Tor geöffnet. 

Der Widerspruch, daß Frauen diejenigen sind, die unter Militäreinsätzen am meisten leiden, wird dabei geflissentlich übergangen. Die deutsche Afghanistan-Politik macht das deutlich. Obwohl der Einsatz mit dem Schutz der Frauen gerechtfertigt wurde, spielen zivile Frauenprojekte kaum eine Rolle: Laut der Organisation »Medica mondiale« entfallen drei Viertel der deutschen Ausgaben für Afghanistan auf militärische Zwecke, nur ein Viertel entfällt auf den zivilen Aufbau. Das Geld für Frauenprojekte beträgt ein Prozent der Gesamtausgaben. Das macht deutlich: Krieg wird nicht für Frauenrechte geführt. 

Laßt uns am 8. März, dem Internationalen Frauentag, gemeinsam kämpfen! Gegen Militäreinsätze und für zivile Konfliktlösung! Für die Beseitigung der Konfliktursachen: Ungerechtigkeit, Armut, Ausbeutung - und das weltweit!  

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EU-Gewaltstudie rüttelt auf 

In: junge Welt online vom 07.03.2014 

 

Berlin/Wien. Als alarmierend und dramatisch haben Politiker und Fachleute die Ergebnisse einer am Mittwoch veröffentlichten EU-Studie zu Gewalt gegen Frauen bezeichnet. Ein Drittel aller Frauen in der Europäischen Union hat demnach seit ihrer Jugend mindestens schon einmal körperliche oder sexuelle Gewalt erlebt. Unter ihnen gaben fünf Prozent an, vergewaltigt worden zu sein. 

In Deutschland sagten zudem 60 Prozent der Teilnehmerinnen, sie seien sexuell belästigt worden. EU-weit waren 45 bis 55 Prozent der Frauen ab 15 Jahren von Belästigung betroffen, unter den Berufstätigen drei Viertel. Die Studie wurde im Auftrag der EU-Grundrechteagentur (FRA) erstellt. Es ist nach FRA-Angaben die weltweit bisher größte Erhebung dieser Art. Für sie wurden 2012 insgesamt 42000 Frauen zwischen 18 und 74 Jahren persönlich befragt. 

Laut Untersuchung sind die Täter in der Mehrzahl der Fälle Partner oder Expartner. 22 Prozent der Frauen erfuhren durch Männer aus dem familiären Umfeld sexuelle Gewalt oder wurden mißhandelt. Lediglich ein Drittel dieser Frauen wandte sich nach dem »schwerwiegendsten Vorfall« an die Polizei oder eine andere Organisation, um Hilfe zu suchen. 

Politiker äußerten sich erschüttert, Fachleute forderten Gegenmaßnahmen von Regierungen und Parlamenten. Die Organisation Terre des Femmes beklagte die »katastrophale Rechtslage vor allem bei sexualisierter Gewalt« in Deutschland. Weniger als ein Prozent der Täter werde verurteilt.(dpa/jW) 

fra.europa.eu/de 

 

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Frauenrechte als Entwicklungsziel 

In: junge Welt online vom 07.03.2014 

 

Köln. Frauen bereiten 90 Prozent der Nahrung in Haushalten zu. Dennoch seien 60 bis 70 Prozent der Hungernden weltweit weiblich. Die Ursachen dafür lägen in mehrfachen Diskriminierungen und struktureller Gewalt, erklärte die Entwicklungsorganisation FIAN am Mittwoch anläßlich des Internationalen Frauentages. Sie fordert daher die deutsche Entwicklungszusammenarbeit auf, »die Stärkung der Rechte von Frauen und Mädchen ins Zentrum ihrer Projekte zu stellen«. 

Nach Angaben von FIAN verrichten Frauen und Mädchen in ländlichen Regionen in Entwicklungsländern zudem bis zu 80 Prozent der landwirtschaftlichen Arbeiten zur Versorgung der Familien. Gertrud Falk, Genderbeauftragte von FIAN Deutschland, betonte, vor allem fehlende Landnutzungs- und Erbrechte wirkten sich »unmittelbar negativ auf die Durchsetzung des Menschenrechts von Frauen auf Nahrung aus«. Auch als Landarbeiterinnen verdienten sie weniger als Männer.(jW) 

www.fian.de 

 

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Wagen sie den Aufstand?  

Berlin: Wissenschaftlerinnen und Medienfrauen diskutierten über das Widerstandspotential der jungen Frauengeneration – und hielten Rückschau auf den Streiktag am 8. März 1994  

Elsa Koester 

In: junge Welt online vom 07.03.2014 

 

Feministinnen kennen die Zahl auswendig: Der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen beträgt in Deutschland durchschnittlich 22 Prozent. Dies belegte im Februar erneut eine Studie der EU. Gleichzeitig zeigt die Brigitte-Studie »Frauen auf dem Sprung« (siehe dazu jW vom 13.9.2013) auf, daß junge Frauen genauso Karriere machen wollen wie junge Männer. Werden sie jetzt »den Aufstand wagen«? Zu dieser Frage ließen am Mittwoch abend die Friedrich-Ebert-Stiftung und das popfeministische Missy Magazine Expertinnen aus Wissenschaft und Medien diskutieren. Anlaß war der 20. 

Jahrestag des ersten und bisher einzigen Frauenstreiks in der BRD: 1994 gingen mehr als eine Million Frauen mit bunten Aktionen auf die Straße und bestreikten sowohl Lohn- als auch Haus- und Sorgearbeit, um gegen die ungerechte Verteilung bezahlter und unbezahlter Arbeit entlang der Geschlechterlinien zu protestieren (siehe jW-Beilage vom 26.2.). 

»Die Wiederherstellung Großdeutschlands ging auf Kosten von Frauen und Flüchtlingen«, sagte die Historikerin Gisela Notz, die 1994 selbst Mitglied des Frauenstreikkomitees war, zum historischen Kontext der Aktionen. 

Insbesondere in Ostdeutschland stellte die Annexion der DDR einen Angriff auf die Normalität weiblicher Erwerbsarbeit dar: Die hohe Erwerbslosenquote sollte durch das Zurückdrängen der »ungebrochenen Erwerbsneigung« ostdeutscher Frauen und die Angleichung an das westdeutsche Familienmodell gesenkt werden, berichtete Notz. Bundesweit protestierten Frauen am 8. März 1994 gegen diese patriarchale »Lösung« der sozialen Folgen der Wende. 

20 Jahre später ist die Gleichstellung von Männern und Frauen auf dem Arbeitsmarkt noch immer nicht verwirklicht. Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, zeigte auf, daß es dabei nicht nur um die 22 Prozent »Gender Pay Gap« beim Stundenlohn geht. 

Die Ungleichheit der Lebensarbeitseinkommen sei wesentlich höher: Dieses beträgt bei Männern mit Hochschulabschluß durchschnittlich etwa 1,4 Millionen Euro, bei Frauen des gleichen Ausbildungsgrades gerade mal 800000 Euro - das sind 57 Prozent des Verdienstes männlicher Akademiker. 

Die Lösung könne jedoch nicht darin liegen, eine Vollzeiterwerbstätigkeit beider Geschlechter anzustreben. »Wir müssen uns die Frage stellen: Was ist eigentlich ein gutes Leben?«, meinte Allmendinger. Geld könne jedenfalls nicht weiter die »Hauptwährung« sein. Sie müsse durch Zeit ersetzt werden, meinte die Professorin - was allerdings voraussetzen würde, daß alle genug Geld zum Leben haben. Anzustreben sei eine Arbeitszeitverkürzung und damit eine Umverteilung bezahlter und unbezahlter Arbeitszeit, so Allmendinger. 

Die Industrie müsse sich davor gar nicht fürchten: Wenn beide Geschlechter 30 Wochenstunden arbeiten, käme das eigentlich einer Gesamtarbeitszeitverlängerung gleich. Die deutsche Wirtschaft könne also auch geschlechtergerecht weiterboomen. 

»Die Forderung nach der Vereinbarkeit von Familie und Karriere ist eigentlich nicht so revolutionär«, stellte Chris Köver vom Missy Magazine folgerichtig fest. Dennoch stellten die meisten Frauen ernüchtert fest, daß ihnen dieser Weg weiterhin versperrt werde. Köver sieht heute jedoch gute Chancen für eine »neue Welle des Feminismus«. In vielen Ländern der Welt rolle diese ja bereits, etwa in Ägypten und Indien, wo immer mehr Menschen gegen Gewalt an Frauen auf die Straße gehen. Oder in Irland und Spanien, wo Frauen gegen Abtreibungsverbote demonstrieren. In Deutschland sollten die Frauen jetzt aufhören, auf die Institutionen zu warten, so Köver: »Die Diskussion anhand von rationalen Argumenten dauert einfach schon zu lange. 

Wir müssen unsere Wut in Aktion umsetzen. Es reicht!« 

 

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Jede dritte Frau Opfer von Gewalt 

EU-Grundrechteagentur legt Untersuchungsbericht vor 

 

Wien. Ein Drittel aller Frauen in der Europäischen Union hat körperliche oder sexuelle Gewalt erlebt. Das geht aus einem Bericht der in Wien ansässigen EU-Agentur für Grundrechte (FRA) hervor. Demnach wurden fünf Prozent der 62 Millionen Opfer vergewaltigt. Unerwünschten Annäherungsversuchen, sexistischen Witzen oder Stalking waren der Studie zufolge geschätzt sogar zwischen 83 und 102 Millionen Frauen ausgesetzt.  

In: Neues Deutschland online vom 05.03.2014 

Weiter unter:  

http://www.neues-deutschland.de/artikel/926006.jede-dritte-frau-opfer-von-gewalt.html 

 

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Herrschaftspose 

In: junge Welt online vom 08.03.2014 

 

Cornelia Möhring, frauenpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke im Bundestag, erklärt mit Blick auf den Internationalen Frauentag am 8. März: Seit mehr als 100 Jahren kämpfen Frauen für die Selbstbestimmung über ihr Leben, ihre Körperlichkeit, für die Garantie ihrer sexuellen und reproduktiven Rechte. Kaiser Wilhelm II. nannte Clara Zetkin »die gefährlichste Hexe des deutschen Reiches«. Diese Herrschaftspose ist weder ausgestorben noch nachhaltig geächtet. Schlimmer noch: Gewalt gegen Frauen hat in Europa ein Ausmaß, das erschütternd ist. 

Jede dritte Frau hat Gewalt erlebt, jedoch nur 15 Prozent erstatten Anzeige, wie eine aktuelle EU-Studie belegt. Die Bundesregierung antwortet auf diese Zustände mit dem bundesweiten Hilfetelefon. Doch das reicht nicht. (...) In den kommenden Tagen werden uns Gleichstellung und Emanzipation in den Sonntagsreden frei Haus geliefert. Besser wäre es, wenn die Anerkennung von Frauenrechten Alltag und endlich ein Entgeltgleichheitsgesetz auf dem Tisch wäre. Pflege- und Bildungsberufe beispielsweise müssen angemessen bezahlt und gestaltet werden, Hausarbeit und Sorge um Kinder und Pflegebedürftige sollten zwischen den Geschlechtern gerecht verteilt werden. Vereinbarkeit von Beruf und Familie bleiben ein Mythos, solange Kitaplätze fehlen, der Kampf um Arbeitszeitverkürzung zu leise bleibt, Sexismus, Körper- und Lebensnormierungen medialer Alltag sind. (...)  

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Vor 20 Jahren: Frauenstreiktag

1994 protestierten erstmalig Frauen aller Bundesländer gemeinsam gegen Ungleichheit. Eine Erinnerung. 

Von Ulrike Henning 

 

Marion Neef, gerade 57 Jahre alt geworden, erinnert sich gut an den ersten gesamtdeutschen Frauenstreiktag von 1994: »Wir Frauen aus Ostberliner Projekten besetzten mit vielen aus dem Westteil der Stadt die Kreuzung am Frankfurter Tor. Wir waren über 1000 Frauen!« Das überraschte die Organisatorinnen am Morgen des 8. März 1994 selbst, zu denen auch Neef gehörte. »Und alles ohne Handy und Internet!« 

In: Neues Deutschland online vom 08.03.2014 

Weiter unter:  

Quelle: http://www.neues-deutschland.de/artikel/926278.vor-20-jahren-frauenstreiktag.html 

 

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