Nach dem Endsieg – zu sich selbst gekommen

Einige Bemerkungen zur Krisenanalyse 

Von Klaus Wagener  

In: unsere zeit online vom 16.08.2013 

 

Für Francis Fukuyama war die Geschichte an ihr Ende gelangt. Freedom and Democracy; etwas anspruchsvoller: Liberalismus, Demokratie und Marktwirtschaft, hatten für ihn in einem geradezu Hegelschen Sinne als Aufhebung der System-Widersprüche gesiegt. Fukuyama, ein Vordenker der stramm rechtselitären Rand-Corporation, konnte sich nicht vorstellen, dass die Kommando-Abteilungen des Kapitalismus diesen historischen Erfolg jemals würden preisgeben müssen. Das war 1992. Am 26. Dezember 1991 hatte der Oberste Sowjet die Auflösung der SU beschlossen. Das „Reich des Bösen" war zusammengebrochen. Die lichte Zukunft des globalen Weltdorfes glühte im Feuerwerk explodierender Börsenkurse. 

Nur 14 Jahre später 2006 musste sich der historische Optimist Fukuyama fragen: „Scheitert Amerika?" Nun, wir wollen Herrn Fukuyama hier nicht überstrapazieren. Die kurzen Konjunkturen solcher irreversibler Endsiege (hier gibt es schmerzliche Erinnerungen) legen eine gewisse Zurückhaltung nahe. „Das Wahre ist das Ganze. Das Ganze aber ist nur das durch seine Entwicklung sich vollendende Wesen. 

Es ist von dem Absoluten zu sagen, dass es wesentlich Resultat, dass es erst am Ende das ist, was es in Wahrheit ist; und hierin eben besteht seine Natur, Wirkliches, Subjekt oder Sichselbstwerden zu sein." (Hegel, PG 24) Knapp formuliert, Einblick in den Charakter der gegenwärtigen Situation ist nicht allein aus der Empirie zu gewinnen, sondern legt den theoriegeleiteten Blick auf die Perspektive des Kapitalismus als gesellschaftliche Formation, seinem historischen „Sichselbstwerden" nahe. 

Das ist hier nicht zu leisten. Marx hat es versucht und ungezählte Marxisten nach ihm ebenso. Misserfolge machen allerdings die Fragestellung nicht obsolet. Gibt es eine Dialektik der Geschichte und also auch des Kapitalismus? Und wenn ja, wie sieht die aus? Welches sind ihre Strukturmerkmale? Man kann das mit einigem Argument bestreiten, muss dann allerdings mit der Frage zurechtkommen, worauf sich dann die Vorstellung einer Ablösung dieser Formation gründet. 

Akkumulation Wir wollen hier nicht Eulen nach Athen tragen. 

Marx‘ Vorwort zu „Kritik der Politischen Ökonomie" dürfte ebenso wie das Manifest bekannt sein. Klar ist also, dass zu den Gesetzmäßigkeiten der ökonomischen Entwicklung im Kapitalismus zu forschen ist. 

Verkürzt gesprochen ist die Geschichte des Kapitalismus wesentlich strukturiert durch die Geschichte der Kapitalakkumulation. (MEW, Bd. 23, S. 591 ff.). „Der kapitalistische Produktionsprozess ist wesentlich zugleich Akkumulationsprozess." (MEW Bd. 25, S. 228) Dieses beständige Wachstum des Kapitals, das auf der teilweisen Umwandlung des gesellschaftlich geschaffenen Mehrwerts in privates Kapital beruht, ist gewissermaßen die große Grundkonstante der kapitalistischen Entwicklung. 

„So das Kapital von Kopf bis Zeh, aus allen Poren, blut- und schmutztriefend" (MEW Bd. 23, S. 788) in der ursprünglichen Akkumulation in die Welt getreten ist, wuchs es, aus mindestens schwerkriminellen Anfängen, beständig an, dehnte seine Herrschaft immer weiter aus, bis es heute, postsozialistisch und neoliberal entgrenzt, als globales Herrschaftssystem „zu sich selbst gekommen" scheint. Dieses globale „Sichselbstwerden" des Kapitals erfolgte bekanntlich nicht linear, sondern in komplexen, widersprüchlichen, krisenhaften Bewegungen. 

Karl Marx Die „geschichtliche Tendenz der Akkumulation" sieht Marx zunächst in der (blutigen) Expropriation der unmittelbaren Produzenten. (Bauern und Handwerker) Danach in einem gewaltigen Konzentrations- und Zentralisationsprozess. „Je ein Kapitalist schlägt viele tot." (MEW Bd. 23, S. 790) Mit der abnehmenden Zahl der Kapitalmagnaten, welche alle Vorteile dieses Prozesses usurpierten wachse „die Masse des Elends, des Drucks, der Knechtschaft, der Entartung, der Ausbeutung, aber auch die Empörung.(…) Die Stunde des kapitalistischen Privateigentums schlägt. Die Expropriateurs werden expropriiert." (MEW Bd. 23, S. 790 f.) Diese Krisen-Theorie, die sich auf die Untersuchung des Produktionsprozesses, auf das daraus resultierende Verelendungsproblem und den wachsenden sozialen Widerspruch gründet, ergänzt Marx (respektive Engels) nach der Betrachtung der dynamischen Zirkulations- und Reproduktionsprozesse, später mit einer Betrachtung des Gesamtprozesses, seiner langfristigen Tendenzen. Marx resümiert: „Die wahre Schranke (kurs. K. M.) der kapitalistischen Produktion ist das Kapital selbst." (MEW Bd. 25, S. 260) Hier nun fokussiert Marx auf die innere Verwertungslogik. 

Da der entscheidende Antrieb der kapitalistischen Reproduktion der Profit ist, bildet seine Realisierbarkeit, die erzielbare Profitrate, das Kriterium für die Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkräfte. Da sich aber sehr vereinfacht formuliert, durch Produktivkraftentwicklung und Kapitalakkumulation historisch das Verhältnis von konstanten zu variablen Kapital zugunsten des ersteren ändert, ein gegebenes Quantum Arbeitskraft ein wachsendes Quantum Produktionsmittel in Gang setzen kann, so fällt damit – zumindest tendenziell – auf lange Sicht die Profitrate (m/k+v). Und dies, selbst bei steigender Mehrwertrate (m/v). 

Marx sieht im Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate (MEW Bd. 25, S. 221 ff.) „das Mysterium, um dessen Lösung sich die ganze politische Ökonomie seit Adam Smith dreht." (MEW Bd. 25, S. 223). Zu fragen wäre, ob, und inwieweit „die wahre Schranke" den gegenwärtigen Krisenverlauf (mit)bestimmt. Das Verhältnis der drei Bände zueinander ist seit der Revisionismusdebatte ein umstrittenes Thema. Auch aktuell ist die Gültigkeit oder vielleicht besser die Interpretation des „tendenziellen Falls" im Sinne einer Zusammenbruchstheorie auch unter Marxisten umstritten. 

Die „Marxistischen Blätter" brachten dazu einige Beiträge. Hier dürfte auch eins der theoretischen Probleme zu verorten sein, die aktuell bei der Beurteilung der Krise zu tage treten. 

Konkurrenzkapitalismus Seit 1825 begleiteten zyklische Überproduktionskrisen die kapitalistische Expansion. Marx widmet dem Boom von 1842 ff. und der darauf folgenden Krise von 1848 einen aufschlussreichen Passus im lesenswerten 25. Kapitel des Dritten Bandes: „Kredit und fiktives Kapital." (MEW Bd. 25, S. 421 ff.). 1873 kommt es dann zur ersten Großen Depression (dt. „Gründerkrise"). In dieser Strukturkrise des Kapitalismus, die bis Mitte der 1890er Jahre andauert, wird England mit dem „Mysterium" fallender Profit und Zuwachsraten konfrontiert und verliert seine beherrschende Position an das Deutsche Reich. Es dauert über zwanzig Jahre, bis die Verwertungskrise im wesentlichen durch die Entwicklung von Monopolen („ein Kapitalist schlägt viele tot"), der Außenexpansion und der Schaffung (Korrumpierung) einer Arbeiteraristokratie, kurz des Imperialismus, überwunden werden kann. Also durch den Export und die Verlagerung der Widerspruchspotentiale. Der Kampf um die Neuaufteilung der Welt hatte begonnen. 

Dieser sich entwickelnde Imperialismus wurde zu einer Herausforderung für die marxistische Theorie. 

(Und ist es geblieben). Es sei das „innere Bestreben" der kapitalistischen Produktionsweise, „sich mechanisch auf der ganzen Erdkugel auszudehnen und jede andere, ältere Gesellschaftsordnung zu verdrängen", alle Länder zu „einer einzigen großen kapitalistischen Weltwirtschaft" zu verbinden (Luxemburg, Gesammelte Werke Bd. 5, S. 772). Mit dieser „Globalisierungs"-Perspektive präsentiert sich die Luxemburgische Krisentheorie als Anhängerin des Ersten Bandes. Mit der globalen Durchdringung erreiche auch „das Absurde der kapitalistischen Produktion seinen richtigen Ausdruck" (LGW Bd. 5, S. 775) Dieses „Sichselbstwerden" des Kapitalismus verwirklicht sich für sie in einer Art „Unterkonsumptions-Klimax", und zwar in dem Augenblick, in dem auf der ganzen Erdkugel alles nur kapitalistisch, in Großbetrieben, produziert wird. „Alsdann tritt die Unmöglichkeit des Kapitalismus deutlich zu Tage." (LGW Bd. 5, S. 778). 

Oberflächlich betrachtet scheint da Einiges dran zu sein: Der Rote Oktober verhinderte über 70 Jahre die Ausdehnung des Kapitalismus „auf der ganzen Erdkugel". Nun zwanzig Jahre nachdem die letzten großen Barrikaden fielen, und die Claims neu abgesteckt sind, zeigt sich in der Tat „das Absurde der kapitalistischen Produktionsweise". 

Und selbst für Leute, die zuvor zu ihren glühendsten Verfechtern gehörten. Mit der Vollendung der globalen Durchdringung entfällt – die „einzige große Weltwirtschaft" unterstellt – die Möglichkeit, das innere Wachstumsproblem zu externalisieren. 

Lenin Marx zeigt im Dritten Band wie gerade der „tendenzielle Fall" zu beschleunigter Akkumulation, zur Ausschaltung der kleinen Kapitalien, der beschleunigten Entwicklung des Bank- und Aktienkapitals zu Konzentration und Zentralisation führt (MEW Bd. 25, S. 251 ff.), und schließlich territoriale Expansion notwendig macht. (MEW Bd. 25, S. 255) Auch Lenin stützt sich in seiner Imperialismusanalyse auf das Akkumulationsproblem. 

Er zeigt aber, dass dies gerade nicht zur homogenen „einzigen großen kapitalistischen Weltwirtschaft" führt, sondern, da die Aufteilung der Welt abgeschlossen, zu einem Kampf der Kapitalistenverbände wie der Großmächte um die Neuaufteilung der Welt. 

Als Lenin Anfang 1916 seinen „Imperialismus" schrieb, hatten diese innerimperialistischen Widersprüche schon Millionen Tote gefordert. Dabei konnten die etablierten Mächte zwar ihre Herausforderer abschmettern, aber der die Tiefe des Widerspruchs hatte den Oktober möglich gemacht. 

Den zweiten Anlauf vermasselte die „Antikomintern- Achse" dann so gründlich, dass am Ende nicht nur der Oktober gestärkt da stand, sondern auch die Anglo-amerikanischen Sieger ein derartiges Übergewicht erhielten, dass sie eine US-geführte, antikommunistische System-Kooperation erzwingen konnten. 

Bretton Woods Nur zehn Jahre nach dem ersten Krieg um die Welt hatte sich der Nachkriegsboom in einer wüsten Spekulationsblase erschöpft. Angesichts des erfolgreichen ersten Fünfjahrplans 1928–33 erzwang die Große Depression erneut einen Wechsel des Verwertungsmodus, weg von einem profitmaximierenden Laizzez-Faire-Dogmatismus hin zu einem Klassenkompromiss, einer keynesianistisch inspirierten, staatlich organisierten Nachfragesteuerung. 

In den USA bspw. durch den New Deal in Deutschland durch die strategische Aufrüstung. 

Mit dem Bretton-Woods-Abkommen 1944, mit IWF und Weltbank gelang dann die Internationalisierung des Staatmonopolistischen Kapitalismus auf antikommunistischer Basis. Die USA konnte sich für ihre gigantische Rüstung in eigener Währung verschulden und diese vom Ausland finanzieren lassen. Auf diese Weise wurden im Nachkriegsboom (in der Kriegswirtschaft ohnehin) erneut respektable Profitraten erzielt. Zumindest in den kapitalistischen Hauptstaaten. 

Mitte der 1970er Jahre ging der Nachkriegsboom des rüstungs- und automobilbasierten, vierten Kondratjew-Zyklus seinem Ende entgegen. Der Vietnamkrieg hatte die USA zur Aufkündigung des Goldstandards, eines Bretton-Woods-Kernelementes gezwungen. Mit der Aufgabe der Kapitalverkehrskontrollen und der Freigabe der Wechselkurse war Bretton Woods Geschichte. Und mit Bretton Woods der Klassenkompromiss. Die Weltwirtschaftskrise 1974/75 brachte den Durchbruch des im Pinochet-Chile erprobten „neoliberalen" Verwertungsregimes. 

Neoliberalismus Der Begriff „Neoliberalismus" deutet in eine falsche Richtung. Natürlich geht es nicht um eine Neuauflage des „Nachtwächterstaates". Es geht den mächtigen US-Monopolverbänden, den Sieg im Kalten Krieg vor Augen, um die Mobilisierung aller staatlichen wie gesamtgesellschaftlichen Ressourcen zur Maximierung ihrer Monopolprofitraten. 

In Konkurrenz zu anderen Monopolen oder Monopolverbänden und durch Senkung des Preises der Ware Arbeitskraft, aber auch auf Kosten der Mittelschichten und der nichtmonopolistischen Sektoren. Andere waren gezwungen nachzuziehen. Dieses „Race to the Bottom" sucht den Vorteil des – temporären – Vorsprungs unter Hintanstellung der perspektivischen gesellschaftlichen Konsequenzen. Die Nutzung der kurzfristigen Konkurrenzvorteile durch Sozialund Steuerdumping beschleunigt naturgemäß die Maximierung der inneren Widersprüche. Entsprechend erzwingt dieses „Rattenrennen" ihre immer weitergehende Externalisierung. (Hier liegt eine der Hauptursachen der Euro-Krise.) Die Fähigkeiten hierzu zu entwickeln ist eines der Hauptfelder innerimperialistischer Konkurrenz und sichert, wie die Verfügungsmacht über die strategischen Ressourcen, entscheidende Vorteile im Kampf der kapitalistischen Zentren. Wie die erklärten Absichten des deutschen Finanzkapitals deutlich machen. 

„Die Welt ist nicht genug" Die kapitalistische Durchdringung (die zweite ursprüngliche Akkumulation) des sozialistischen Teils der Welt hat enorme Mengen anlagesuchenden Kapitals absorbiert, einen enormen Nachfrageschub ausgelöst und rund ein Drittel der globalen Arbeitskraft in die Mehrwertproduktion einbezogen. Die Goldgräberstimmung hatte für wieder steigende Profitraten und einen enormen Akkumulationsschub gesorgt. Aber nun sind die Claims besetzt, die schnellen Geschäfte gemacht. 

Es drohen die Geisterstädte. Das nun explosionsartig angeschwollene, anlagesuchende Kapital sieht sich strukturell schwindenden Verwertungsmöglichkeiten gegenüber. Der klassische Ausweg aus dem Dilemma, das Casino, hat daher einen nie da gewesenen Aufschwung erfahren. Rund 40 Prozent des US-BIP werden momentan an der Wall Street er- und verzockt. Der Krisen-Interventionismus der kapitalistischen Hauptstaaten wie ihrer Zentralbanken sorgt bislang, von der Panik vor dem Crash getrieben, für den notwendigen Nachschub in der Blase. Das globale Finanzsystem gleicht einem gewaltigen Pyramidenspiel. 

Da die sinkende Zahl der produktiv Werktätigen die immer gigantischere Profitforderung des sich rasant akkumulierenden Kapitals nicht mehr bedienen kann, das Sinken der Profitrate selbst unter neoliberalen Bedingungen mit den Mitteln der Realwirtschaft nicht mehr verhindert werden kann, speist sich der Profit aus dem Kapitalzustrom selbst. Und aus den billionenschweren Programmen von Fed &Co. Allein die BoJ plant die schlichte Verdoppelung ihrer monetären Basis. 

„Immer plastischer tritt als eine Tendenz des Imperialismus, die Bildung des „Rentnerstaates", des Wucherstaates hervor, dessen Bourgeoisie in steigendem Maße von Kapitalexport und „Kuponschneiden" lebt. (LW, Bd. 22, S. 305) Ohne Rote Armee geht nichts In der Durchdringung des Globus „zu sich selbst gekommen" steckt der Kapitalismus weltweit nahezu synchron, in einer tiefen Verwertungskrise, die allerdings (wer weiß wie lange?) zu einem erheblichen Teil von einem hypertrophen Finanzapparat verdeckt ist. Die Hoffnungen auf eine Entkoppelung der „Schwellenländer", auf deren nachholenden Industrialisierungsboom, verkennt den Charakter des exportbasierten Entwicklungsregimes. 

Sowie deren Notwendigkeit mit Annäherung an die Premier League ebenfalls den Widerspruchsexport zu verstärken. „Es wäre ein Fehler, zu glauben, dass diese Fäulnistendenz ein rasches Wachstum des Kapitalismus ausschließt", hatte Lenin gewarnt.(LW Bd. 22, S. 305) Heute, im sechsten Jahr der Krise deuten sowohl die strukturellen Mechanismen als auch die aktuellen Zahlen auf eine weitere depressive Verschärfung der Krise. Eine Wende ist nicht absehbar. Der umfassende Charakter der Krise tritt in der manifesten Unfähigkeit zu Tage auch nur ein relevantes, gesellschaftliches Problem, wie Hunger, Arbeitslosigkeit, Ökologie, Energie, Infrastruktur, Verkehr, Bildung, Frieden, auch nur im Ansatz progressiv lösen zu können. 

Die Möglichkeiten die Krise zu überwinden, die sich tiefer und tiefer in alle gesellschaftlichen Bereiche frisst, sehen eher düster aus. Zur notwendigen Entwertung (Enteignung) des akkumulierten Kapitals fehlt das Subjekt. Eine Neuauflage der Bretton-Woods-Kooperation erscheint mangels Roter Armee nahezu ebenso ausgeschlossen. Weitere Radikalisierungsversuche, wie der Ausbruch in den Imperialismus (Ende des 19. Jahrhunderts) oder in den Neoliberalismus (1980) müssen die Frage beantworten, wohin (siehe Eurozone) in globaler Dimension die Widerspruchspotentiale noch ausgelagert werden können. Und sind ohne die damit verbundene (Bürger-)Kriegsoption kaum denkbar. Die Vorstellung allerdings, dass dies im Zeitalter atomarer Rüstung ausscheide, erscheint etwas voreilig. Wie nicht nur im Kalten Krieg deutlich wurde, ist den Militärs in der Formfrage eine Menge Kreativität zuzutrauen. 

Die Rüstungszahlen jedenfalls sprechen eine eindeutige Sprache. Mit Schnüfflern, Geldhändlern und Sklavenhaltern ist hier eine der wenigen Boombranchen. Möglicherweise drohen uns japanische Verhältnisse: Eine deflationäre Stagnation. 

Nicht gerade ermutigend, wenn man auf so etwas hoffen muss. 

 

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